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Examination Thesis, 2005, 94 Pages
Author: Barbara Groß-Langenhoff
Subject: English Language and Literature Studies - Literature
Details
Tags: Darstellung, Konflikte, Bewusstseinsvorgänge, Arthur, Millers, Dramen, Beispiel, Sons, Death, Salesman, After, Fall, Price
Year: 2005
Pages: 94
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 52 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-69600-5
ISBN (Book): 978-3-638-71594-2
File size: 1048 KB
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Abstract
Das menschliche Innenleben entzieht sich einer konkreten, unmittelbaren Anschaulichkeit. Was im Kopf eines Menschen vor sich geht, welche inneren Konflikte er durchmacht, kommt nur bedingt hinter der physischen Fassade zum Vorschein. Zwar können teilweise emotionale Stimmungen und Bewusstseinsinhalte jemandem „ins Gesicht geschrieben stehen“ oder auch anderweitig in der Körpersprache und in Verhaltensweisen andeutungsweise zum Ausdruck kommen, aber hauptsächlich und möglichst differenziert lassen sich Gedankengänge, Assoziationen, Gefühle und Erinnerungen nur dadurch vermitteln, indem man sie in Worte zu fassen versucht. Die Versprachlichung innerer Vorgänge wiederum setzt eine gewisse Selbstkenntnis voraus – bzw. eine Kenntnis des Mitmenschen, dessen Psyche man zu analysieren gedenkt. Weiterhin erfordert sie eine gewisse Artikulationsfähigkeit sowie das persönliche Interesse an einer ehrlichen Wiedergabe. Welche vielfältigen Möglichkeiten dagegen das Theater besitzt, um subjektives Erleben anschaulich vorzuführen, beweist der große amerikanische Dramatiker Arthur Miller (*1915, †2005) in seinen Dramenwerken. Als Beispiele bieten sich vier seiner Bühnenstücke an, die sich aufgrund ihrer thematischen bzw. formalen Verwandtschaft besonders gut vergleichen lassen. Dazu gehören das realistisch-analytische Stück All my Sons, mit dem Miller 1947 seinen ersten Bühnenerfolg verzeichnete, die beiden Bewusstseinsdramen Death of a Salesman und After the Fall, und nicht zuletzt The Price, mit dem Miller 1968 wieder ein realistisches Drama auf die Bühne brachte. Während All my Sons innerhalb der Konventionen des Realismus nur indirekt auf Bewusstseinsprozesse eingehen kann, ist das spätere realistische Stück mit hohem Symbolgehalt bereichert, durch den innere Vorgänge auch assoziativ verdeutlicht werden. Die Bewusstseinsdramen verschaffen dem Zuschauer hingegen durch szenische Darstellung einen direkten Einblick in den Kopf des Protagonisten. So hieß das Stück Death of a Salesman vor der Uraufführung im Jahre 1949 auch zunächst The Inside of His Head. Aus welchen Gründen dieser Arbeitstitel am Ende verworfen wurde und inwiefern dieses „The Inside of His Head“ Motiv in dem 1964 uraufgeführten After the Fall eine konsequente Umsetzung findet, wird im weiteren Verlauf herauszustellen sein.
Excerpt (computer-generated)
Schriftliche Hausarbeit
im Rahmen der Ersten Staatsprüfung
für das Lehramt für die Sekundarstufe II
Die Darstellung Innerer Konflikte und
Bewusstseinsvorgänge in Arthur Millers Dramen
am Beispiel von All my Sons, Death of a Salesman,
After the Fall und The Price
dem Staatlichen Prüfungsamt für Erste Staatsprüfungen für Lehrämter an Schulen Köln
vorgelegt von:
Barbara Groß-Langenhoff
März 2005
Inhaltsverzeichnis ... 2
I. Einleitung ... 4
II. Millers dramentheoretische Position ... 6
II.1. Millers Dramenverständnis, seine Grundthematik und seine Rolle als Autor ... 6
II.2. Grundzüge des Realismus und des Expressionismus ... 8
III. Einführung in die Thematik der Stücke: Vorstellung der Protagonisten ... 11
III.1. Joe Keller in der Doppelrolle des uneinsichtigen Verbrechers und sympathischen Familienvaters, und Kate Keller als Komplizin und Mutter ... 11
III.2. Fragwürdige Lebensträume eines Willy Loman ... 14
III.3. Die Identitätskrise Quentins ... 16
III.4. Die konträren Lebenswege der Brüder Franz ... 19
IV. Die dramaturgische Umsetzung innerer Konflikte und Bewusstseinsvorgänge ... 22
IV.1. Präsentation innerer Vorgänge in All my Sons ... 23
IV.1.1. Plot und Verhaltensmuster bei Joe Keller ... 25
IV.1.2. Sprache, Dialog und Gebärde ... 28
IV.1.3. Raumgestaltung ... 33
IV.1.4. Darstellung des Konflikts zwischen Illusion und Hellsichtigkeit bei Kate Keller ... 35
IV.2. Das "The Inside of His Head" Motiv in Death of a Salesman ... 36
IV.2.1. Plot, Erinnerungsszenen und Halluzinationen ... 37
IV.2.2. Sprache, Dialog und szenische Bilder ... 41
IV.2.3. Raumgestaltung ... 44
IV.2.4. Geräuschkulisse und optische Signale ... 46
IV.3. Das "The Inside of His Head" Motiv in After the Fall ... 48
IV.3.1. Fehlender Plot und dramatisierte Gedankengänge ... 50
IV.3.2. Monolog, Sprache und szenische Bilder ... 54
IV.3.3. Raumgestaltung ... 57
IV.3.4. Geräuschkulisse und optische Signale ... 60
IV.4. Präsentation innerer Vorgänge in The Price ... 61
IV.4.1. Der Plot und seine Symbolik ... 63
IV.4.2. Sprache, Dialog und Gebärde ... 66
IV.4.3. Raumgestaltung ... 71
V. Bewertung der Dramenformen im Hinblick auf eine gelungene Darstellung des seelischen Dilemmas der Protagonisten ... 75
V.1. Joe Kellers allzu plötzlicher Sinneswandel ... 75
V.2. Der Einblick in den Kopf des geistig verwirrten Willy Loman ... 79
V.3. Der Einblick in das hoch entwickelte Bewusstsein Quentins ... 82
V.4. Die konträren Standpunkte der Brüder Franz im offenen Schlagabtausch ... 85
VI. Abschließendes Fazit ... 89
Bibliographie ... 91
Primärtexte: ... 91
Sekundärtexte: ... 91
I. Einleitung
Das menschliche Innenleben entzieht sich einer konkreten, unmittelbaren Anschaulichkeit. Was im Kopf eines Menschen vor sich geht, welche inneren Konflikte er durchmacht, kommt nur bedingt hinter der physischen Fassade zum Vorschein. Zwar können teilweise emotionale Stimmungen und Bewusstseinsinhalte jemandem "ins Gesicht geschrieben stehen" oder auch anderweitig in der Körpersprache und in Verhaltensweisen andeutungsweise zum Ausdruck kommen, aber hauptsächlich und möglichst differenziert lassen sich Gedankengänge, Assoziationen, Gefühle und Erinnerungen nur dadurch vermitteln, indem man sie in Worte zu fassen versucht. Die Versprachlichung innerer Vorgänge wiederum setzt eine gewisse Selbstkenntnis voraus - bzw. eine Kenntnis des Mitmenschen, dessen Psyche man zu analysieren gedenkt. Weiterhin erfordert sie eine gewisse Artikulationsfähigkeit sowie das persönliche Interesse an einer ehrlichen Wiedergabe.
Welche vielfältigen Möglichkeiten dagegen das Theater besitzt, um subjektives Erleben anschaulich vorzuführen, beweist der große amerikanische Dramatiker Arthur Miller (*1915, †2005) in seinen Dramenwerken. Als Beispiele bieten sich vier seiner Bühnenstücke an, die sich aufgrund ihrer thematischen bzw. formalen Verwandtschaft besonders gut vergleichen lassen. Dazu gehören das realistisch-analytische Stück All my Sons, mit dem Miller 1947 seinen ersten Bühnenerfolg verzeichnete, die beiden Bewusstseinsdramen Death of a Salesman und After the Fall, und nicht zuletzt The Price, mit dem Miller 1968 wieder ein realistisches Drama auf die Bühne brachte. Während All my Sons innerhalb der Konventionen des Realismus nur indirekt auf Bewusstseinsprozesse eingehen kann, ist das spätere realistische Stück mit hohem Symbolgehalt bereichert, durch den innere Vorgänge auch assoziativ verdeutlicht werden. Die Bewusstseinsdramen verschaffen dem Zuschauer hingegen durch szenische Darstellung einen direkten Einblick in den Kopf des Protagonisten. So hieß das Stück Death of a Salesman vor der Uraufführung im Jahre 1949 auch zunächst The Inside of His Head. Aus welchen Gründen dieser Arbeitstitel am Ende verworfen wurde und inwiefern dieses "The Inside of His Head" Motiv in dem 1964 uraufgeführten After the Fall eine konsequente Umsetzung findet, wird im weiteren Verlauf herauszustellen sein.
Um Millers Stücke dramentheoretisch einordnen zu können, wird im zweiten Kapitel zunächst ein kurzer Überblick über Millers Vorstellungen von Drama, seine Theorie über Mensch und Gesellschaft und sein Selbstverständnis als Autor gegeben. Im Kontrast zum traditionellen realistischen Drama werden zudem die wesentlichen Merkmale des expressionistischen Bewusstseinsdramas aufgezeigt. Im dritten Kapitel wird in die Thematik der Stücke eingeführt, indem die Protagonisten und deren innere Krise vorgestellt werden, bevor das vierte Kapitel untersucht, welcher dramatischer Techniken sich Miller jeweils bedient, um die Gedankenwelt des Protagonisten und seine inneren Erfahrungen auf der Bühne zu illustrieren. Dabei richtet sich das Hauptaugenmerk auf die Kernfiguren und die Darstellung ihrer Erinnerungen, auf den Plot, den Dialog, die Sprache und die Gebärde sowie auf die Raumgestaltung, die Geräuschkulisse und die Beleuchtung der Bühne. Durch die Gegenüberstellung der Protagonisten und ihrer jeweiligen Probleme wird im fünften Kapitel die unterschiedliche Wahl der dramatischen Mittel begründet und bewertet, dem mit dem sechsten Kapitel noch ein abschließendes Fazit folgt.
An dieser Stelle sei noch auf die ein oder andere Formalität hingewiesen. Zum einen beschränkt sich die vorliegende Untersuchung größtenteils auf eine psychologisch-individuelle Interpretation der Dramen, da deren nicht zu unterschätzender gesellschaftskritischer Gehalt den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde. Weiterhin sind die folgenden dramentheoretischen Begrifflichkeiten und Analysekriterien im Sinne von Manfred Pfisters Dramentheorie zu verstehen, die er in seiner Monographie Das Drama (2001 [1977]) dargelegt hat. So wie er selbst von seiner konkreten Handlungsdefinition als "einzelne[r] Handlung einer Figur in einer bestimmten Situation" (269) bei gewissen Komposita abweicht (409/410), so wird auch hier in bestimmten Kontexten der Begriff Handlung mit dem übergreifenden Handlungszusammenhang des ganzen Stückes gleichgesetzt, zum Beispiel, wenn von äußerer Handlung oder der Handlungsstruktur die Rede ist. Als Letztes sei angemerkt, dass sämtliche Hervorhebungen in den zitierten Textabschnitten originalgetreu übernommen worden sind, weshalb auf entsprechende Vermerke im Einzelfall verzichtet wird.
II. Millers dramentheoretische Position
II.1. Millers Dramenverständnis, seine Grundthematik und seine Rolle als Autor
In seinem Vorwort zu den Collected Plays legt Arthur Miller (1996 [1957]: 113ff) ausführlich sein Verständnis von Drama dar und versucht sowohl sich als Autor als auch die seinen Stücken zugrunde liegende Intention einzuordnen. Er sieht sich demnach als Künstler und experimentierfreudiger Autor, der sich aber auch mit den bestehenden Theatertraditionen beschäftigt und auskennt. So spielen bei ihm auch Aristoteles Begriffe der "katharsis" und der "hamartia" eine große Rolle. Seine Dramen sollen beim Zuschauer Furcht und Mitleid hervorrufen und behandeln einen tragischen Fehler, der durch die Fügung des Schicksals noch begünstigt wird. Insbesondere die Leidenschaft, mit der die Problematik des Protagonisten dargestellt wird und wodurch die Emotionen des Publikums erweckt werden, ist nach Miller ausschlaggebend für gutes Drama. Dagegen lehnt er die vom klassischen Drama postulierte Fallhöhe des Helden ab, da die Zeiten der antiken Könige und deren Landeseroberungen der heutigen Gesellschaft nicht mehr entsprechen. Millers Hauptfigur ist sozusagen ein "mittlerer" Held, bei dem es darauf ankommt, dass er Statur hat, also dass er eine interessante Persönlichkeit darstellt. Auch die Einheit von Raum und Zeit sowie das Festhalten an der klassischen Handlungsstruktur sind für Miller nicht zwingend.
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