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„Die Menschen, welche dem Boden und der Heimat entfremdet worden sind, müssen auf diesen Boden wieder zurückgebracht werden.“ - Modernekritische Aspekte nationalsozialistischer Siedlungsideologie

Termpaper, 2007, 23 Pages
Author: Henriette Kunz
Subject: History - National Socialism, World War II

Details

Event: Hauptseminar: Vom Barockwohnhaus zum Plattenbau. Wohnen und Wohnungsbau in Dresden vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart
Institution/College: Dresden Technical University (Institut für Geschichte)
Tags: Menschen, Boden, Heimat, Boden, Modernekritische, Aspekte, Siedlungsideologie, Hauptseminar, Barockwohnhaus, Plattenbau, Wohnen, Wohnungsbau, Dresden, Jahrhundert, Gegenwart
Category: Termpaper
Year: 2007
Pages: 23
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 24  Entries
Language: German
Archive No.: V76627
ISBN (E-book): 978-3-638-81149-1
ISBN (Book): 978-3-638-81426-3
File size: 405 KB

Abstract

„Im Grünen fings an und endete blutigrot.“ Was Kurt Tucholsky hier auf treffende und prägnanteste Art und Weise resümierte, beleuchtet schlaglichtartig die historische Entwicklung bestimmter Geisteshaltungen, die im 19. Jahrhundert als Reaktion auf tief greifende soziale, wirtschaftliche und politische Veränderungen im Zuge der Industrialisierung des Deutschen Reiches ihren Anfang nahmen und sich im weiteren Verlauf immer stärker radikalisierten, um letztlich zu großen Teilen in eine im höchsten Maße irrationale Weltanschauung eingegliedert zu werden, deren staatliche Instrumentalisierung bis 1945 fortdauern sollte. Basierend auf dem generell anerkannten Forschungsstandpunkt einer dezidierten Vereinnahmung modernekritischer Aspekte aus dem Ideenkonglomerat der völkischen Bewegung und konservativem Gedankengut durch den Nationalsozialismus und ihrer Kanalisation in dessen Weltanschauung, soll in der vorliegenden Arbeit anhand der Siedlungsideologie des ‚Dritten Reiches’ exemplarisch aufgezeigt werden, wie stark diese Projektion innerhalb des Komplexes der Siedlung als „Idealform des deutschen Wohnungsbaues“ tatsächlich war. Dazu werden im ersten Teil der Darstellung die beiden Axiome der antimodernen Kulturkritik sowie wichtige Vertreter einer detaillierteren Betrachtung unterzogen. Im nachstehenden Abschnitt erfolgt nunmehr die Analyse der Nutzbarmachung und Umsetzung dieser Positionen innerhalb der nationalsozialistischen Siedlungsideologie, was durch die inhaltliche Fokussierung ihrer grundlegenden Ziele und Ausdrucksformen geschehen soll. Ergänzend dazu bot sich in Hinsicht auf das Schlusskapitel die Betrachtung des Verhältnisses zwischen antimodernem Anspruch der nationalsozialistischen Ideologie und dessen tatsächlicher Umsetzung an.


Excerpt (computer-generated)

Technische Universität Dresden
Institut für GeschichteLehrstuhl für Sächsische Landesgeschichte
Hauptseminar: Vom Barockwohnhaus zum Plattenbau. Wohnen und Wohnungsbau in Dresden vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart

„Die Menschen, welche dem Boden und der Heimat entfremdet worden sind, müssen auf diesen Boden wieder zurückgebracht werden.“
Modernekritische Aspekte nationalsozialistischer Siedlungsideologie

von Henriette Kunz
2007

 

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung ... 3

II. Axiome der Modernitätskritik im 19. Jahrhundert: Großstadtfeindschaft und Agrarromantik als Grundlage der ‚Blut- und Boden-Ideologie’ ... 5

III. Die Projektionsfläche ‚Siedlung’ im Nationalsozialismus: Ideologische Zielsetzung und deren Ausdruck ... 10
1. Die ideologische Konzeption der Hauptsiedlungstypen ... 10
1.1. Die Heimstättensiedlung ... 11
1.2. Die bäuerliche Siedlung ... 12
2. Rasse und Familie: Die Auswahl der Siedler ... 14

IV. Ausblick: Ideologie und Realität ... 15

V. Quellen- und Literaturverzeichnis ... 17

VI. Anhang: Bilddokumente ... 19

 

I. Einleitung

„Im Grünen fings an und endete blutigrot.“1 Was Kurt Tucholsky hier auf treffende und prägnanteste Art und Weise resümierte, beleuchtet schlaglichtartig die historische Entwicklung bestimmter Geisteshaltungen, die im 19. Jahrhundert als Reaktion auf tief greifende soziale, wirtschaftliche und politische Veränderungen im Zuge der Industrialisierung des Deutschen Reiches ihren Anfang nahmen und sich im weiteren Verlauf immer stärker radikalisierten, um letztlich zu großen Teilen in eine im höchsten Maße irrationale Weltanschauung eingegliedert zu werden, deren staatliche Instrumentalisierung bis 1945 fortdauern sollte. 2
Gemeinsamer Nenner dieser konservativen und reformistischen Strömungen der Jahrhundertwende, wie jene der alternativ-völkischen Siedlungsbestrebungen der Artamanen oder der Heimstättenbewegung, war vor allem ein starker kritischer Impetus gegen die Folgen und Einflüsse des modernen Fortschritts3 , dessen positive Wirkungen auf die menschlichen Lebenswelten in kulturpessimistischer Manier oft grundlegend negiert wurden. Das Resultat solch neuromantischer Erneuerungsbestrebungen war zum einen die Kultivierung des Topos’ der ‚Großstadtfeindschaft’ sowie die Proklamierung einer existentiell notwendigen Rückkehr zum naturnahen Dasein, was wiederum oft mit einer verklärenden Bauernromantik und idealisierten Rassevorstellungen einherging.4
Basierend auf dem generell anerkannten Forschungsstandpunkt5 einer dezidierten Vereinnahmung modernekritischer Aspekte aus dem Ideenkonglomerat der völkischen Bewegung6 und konservativem Gedankengut durch den Nationalsozialismus und ihrer Kanalisation in dessen Weltanschauung, soll in der vorliegenden Arbeit anhand der Siedlungsideologie des ‚Dritten Reiches’ exemplarisch aufgezeigt werden, wie stark diese Projektion innerhalb des Komplexes der Siedlung als „Idealform des deutschen Wohnungsbaues“7 tatsächlich war.
Dazu werden im ersten Teil der Darstellung die beiden bereits erwähnten Axiome der antimodernen Kulturkritik sowie wichtige Vertreter einer detaillierteren Betrachtung unterzogen. Im nachstehenden Abschnitt erfolgt nunmehr die Analyse der Nutzbarmachung und Umsetzung dieser Positionen innerhalb der nationalsozialistischen Siedlungsideologie, was durch die inhaltliche Fokussierung ihrer grundlegenden Ziele und Ausdrucksformen geschehen soll. Ergänzend dazu bot sich in Hinsicht auf das Schlusskapitel die Betrachtung des Verhältnisses zwischen antimodernem Anspruch der nationalsozialistischen Ideologie und dessen tatsächlicher Umsetzung an.
Seitens der Forschung ist das in den folgenden Ausführungen bearbeitete historische Feld sehr gut beleuchtet, sodass auf ein breites Spektrum an Sekundärliteratur zurückgegriffen werden konnte. Darüber hinaus herrscht dort über den starken Einfluss völkisch-nationaler, reformistischer und konservativer Ideen auf den Nationalsozialismus als reaktionäre Gegenbewegung zu Gesichtspunkten der Moderne in der wissenschaftlichen Diskussion ein allgemeiner Konsens.8 Hinsichtlich der verwendeten, allgemeinen Forschungsliteratur ist vor allem die Publikation Klaus Bergmanns9 , Johannes Pankaus10 und das Handbuch zur Völkischen Bewegung11 zu erwähnen. Bezüglich des Themenkomplexes der nationalsozialistischen Siedlungsideologie wurden auf die einschlägigen Werke Dieter Münks12 , Gert Kählers13 und Uwe Mais14 zurückgegriffen. Ferner kamen auch die Arbeiten Daniela Münkels15 , Joachim Flores16 und Rolf-Dieter Müllers17 in der vorliegenden Darstellung zur Anwendung.

[...]


1 Tucholsky, Kurt: Politische Satire. In: Ausgewählte Werke, Bd. 2. Berlin 1967, S. 136.
2 Bergmann, Klaus: Agrarromantik und Großstadtfeindschaft. Meisenheim am Glan 1970 (= Marburger Abhandlungen zur Politischen Wissenschaft, Bd. 20), S. 361
3„Moderne“ verwendet als Begriff für einen „sozialen, wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Strukturwandel“ im 19. Jahrhundert, der das Deutsche Reich von einem Agrarstaat in eine der führenden Industrienationen umwandelte, vgl. Bergmann, Agrarromantik, S. 361; Breuer Stefan: Anatomie der Konservativen Revolution. Darmstadt 21995, S. 15.
4 Vgl. zu den vorangegangenen Abschnitten: Bergmann, Klaus: Agrarromantik, S. 361. Den Zusammenhang zwischen lebensreformistischen Zielsetzungen und biologistisch-rassistischen Soziallehren betont Hartung, Günter: Völkische Ideologie. In: Puschner, Uwe; Schmitz, Walter; Ulbricht, Justus H. (Hgg.): Handbuch zur „Völkischen Bewegung“ 1871-1918. München, New Providence, London u.a. 1996, S. 22-27.
5 Eine bibliographische Übersicht bei: Puschner, Völkische Bewegung, S. IX (Fußnote 1).
6 Der Begriff „völkisch“ wird hier in Anlehnung an Hartung, Günter: Völkische Ideologie. In: Puschner, Völkische Bewegung, S. 22 verstanden als ein Konglomerat von Lehren, „welche bei der Bestimmung nationaler Identität die scheinbar natürlichen, angestammten Momente ethnischer, sprachlicher, religiös-kultureller Art wesentlich stärker betonen als die unmittelbar sozialen und historischen“.
7 Führer, Karl Christian: Das NS-Regime und die „Idealform des deutschen Wohnungsbaues“. Ein Beitrag zur nationalsozialistischen Gesellschaftspolitik. In: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 89 (2002), S. 141-166.
8 Vgl. u.a. Puschner, Völkische Bewegung, S. IX; Mail, „Rasse und Raum“, S. 31.
9 Bergmann, Klaus: Agrarromantik und Großstadtfeindschaft. Meisenheim am Glan 1970 (= Marburger Abhandlungen zur Politischen Wissenschaft, Bd. 20).
10 Pankau, Johannes G.: Wege zurück. Zur Entwicklungsgeschichte restaurativen Denkens im Kaiserreich. Eine Untersuchung kulturkritischer und deutschkundlicher Ideologiebildung. Frankfurt a.M., Bern, New York 1983 (= Europäische Hochschulschriften: Reihe I: Deutsche Sprache und Literatur, Bd. 717).
11 Puschner, Uwe; Schmitz, Walter; Ulbricht, Justus H. (Hgg.): Handbuch zur „Völkischen Bewegung“ 1871-1918. München, New Providence, London u.a. 1996.
12 Münk, Dieter: Die Organisation des Raumes im Nationalsozialismus. Eine soziologische Untersuchung ideologisch fundierter Leitbilder in Architektur, Städtebau und Raumplanung des Dritten Reiches. Bonn, Univ., Diss. 1993 (= Pahl-Rugenstein Hochschulschriften, Bd. 284).
13 Kähler, Gert (Hg.): Geschichte des Wohnens 1918-1945. Reform – Reaktion – Zerstörung. Stuttgart 1996 (= Geschichte des Wohnens. Hg. von der Wüstenrot Stiftung, Bd. 4).
14 Mai, Uwe: „Rasse und Raum“. Agrarpolitik, Sozial- und Raumplanung im NS-Staat. Paderborn, München, Wien u.a. 2002.
15 Münkel, Daniela: Nationalsozialistische Agrarpolitik und Bauernalltag. Frankfurt a. M., New York 1996 (= Campus: Forschung, Bd. 735).
16 Flores, Joachim: Zur Entstehungsgeschichte von vier Kleinsiedlungen der Zwischenkriegszeit und zum Bedeutungswandel des Nutzgartens im Bewusstsein des heutigen Bewohnerschaft. Stuttgart, Univ., Diss. 2003.
17 Müller, Rolf-Dieter: Hitlers Ostkrieg und die deutsche Siedlungspolitik. Frankfurt a. M. 1991.


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