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Der Utilitarismus als angewandte Ethik

Subtitle: Erweiternde Konzepte des klassischen Utilitarismus als Antwort auf das Problem der Gerechtigkeit

Scholary Paper (Seminar), 2007, 30 Pages
Author: Michael Pehle
Subject: Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2007
Pages: 30
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 21  Entries
Language: German
Archive No.: V76892
ISBN (E-book): 978-3-638-82501-6
ISBN (Book): 978-3-638-82511-5
File size: 227 KB

Abstract

Ausgehend vom klassischen Utilitarismus Jeremy Benthams und John Stuart Mills werden moderne Utilitarismuskonzepte auf ihren Umgang mit dem Problem der Gerechtigkeit hin untersucht. Dabei wird nach einer Definition der Gerechtigkeit Regel- und Handlungsutilitarismus gegenübergestellt, anschließend der Gerechtigkeitsutilitarismus Brandts untersucht um schließlich auf die moderne Lösungsmöglichkeit des Regelkonsequentialismus Irrgangs als Grundlage einer Wirtschaftsethik zu sprechen zu kommen.


Excerpt (computer-generated)

Technische Universität Dresden, Institut für Philosophie
HS: Technologie und Wirtschaft: ethische Probleme
Wintersemester 2006/2007, 6. Fachsemester

Der Utilitarismus als angewandte Ethik -
Erweiternde Konzepte des klassischen Utilitarismus als Antwort auf das Problem der Gerechtigkeit

von

Michael Pehle

 


Inhaltsverzeichnis

1 Entstehung des Utilitarismusgedanken  2

2 Der Utilitarismus  4

2.1 Der klassische Utilitarismus  4

2.1.1 Jeremy Benthams Ansichten zum Utilitarismus  5
2.1.2 John Stuart Mills utilitaristische Ethik 8

2.2 Kritik am klassischen Utilitarismus 13

3 Weiterentwicklungen des klassischen Standpunktes – Das Problem der Gerechtigkeit  15

3.1 Der Begriff der Gerechtigkeit 15
3.2 Regelutilitarismus vs. Handlungsutilitarismus  17
3.3 Gerechtigkeitsutilitarismus  19
3.4 Entwurf eines Regelkonsequentialismus  24

4. Zusammenfassung und Ausblick  26

5 Literaturverzeichnis 28


 

 

1 Entstehung des Utilitarismusgedanken

„Hat man sein w a r u m ? des Lebens, so verträgt man sich fast mit jedem w i e ? – Der Mensch strebt n i c h t nach Glück; nur der Engländer tut das.“1 Geht man davon aus, dass für das Streben nach Glück zunächst ein gewisser Lebensstandard vorhanden sein muss, so könnte Nietzsche mit seinem Zitat durchaus recht gehabt haben. Das Glück als Endziel menschlichen Handelns kann nur der ins Auge fassen, dessen Lebensziel über das reine Überleben hinausgeht. England, als Vorreiter der Industriellen Revolution konnte sich als erstes europäisches Land ein Niveau erwirtschaften, das es den höheren Kreisen der Englischen Gesellschaft ermöglichte, sich ernsthaft mit dem Glücksstreben des Menschen auseinanderzusetzen. Großbritannien entwickelte sich nach den Napoleonischen Kriegen und dem gleichzeitigen Ausschalten des Erbfeindes Frankreich zur weltweit führenden Handels- und Industrienation fast über das gesamte 19.Jh. hinweg. Ab 1870 hatten die europäischen Nationen wie Deutschland ihren Rückstand aufgeholt und 1880 wurde England von den USA in der industriellen Gesamtproduktion überholt. Die Grundlage für den britischen Erfolg bildeten der Textilsektor, die Kohleförderung, die Eisenindustrie und der Maschinenbau. Zudem verfügte Großbritannien über ein frühzeitig großflächig ausgebautes Einsenbahnnetz und den Schiffbau, die zusammen die Infrastruktur für den Absatz der hergestellten Produkte boten.2 Wenn auch das Ausmaß und die Geschwindigkeit der britischen Industrialisierung allgemein überschätzt wird, so hat doch der steigende Wohlstand und die damit verbundenen ökonomischen und ethischen Probleme dazu beigetragen, dass sich eine Idee entwickelte, die der Gegenstand dieser Arbeit sein wird, der Utilitarismus. Zunächst entwickelte Adam Smith im Zuge des steigenden Wohlstandes in seinem Hauptwerk Der Wohlstand der Nationen3 das Modell einer liberalistischen Marktwirtschaft, die den Einfluss des individuellen Eigennutzes auf die Wirtschaft und die Gesellschaft zeigt. Später skizzierte Jeremy Bentham die Idee einer nutzenorientierten Ethik und setzte sich für politische und soziale Reformen ein, um die Gesellschaft an die veränderte ökonomische Lage Englands anzupassen und dabei auch die unteren Bevölkerungsschichten am steigenden Wohlstand zu beteiligen. John Stuart Mill schließlich wurde sowohl vom Utilitarismus Benthams, wie auch vom Frühliberalismus Smiths beeinflusst und entwickelte daraus den klassischen Utilitarismus wie wir ihn heute kennen.
Auf diesen klassischen Utilitarismus geht die Arbeit zunächst ein, wobei sie sich in der folgenden Kritik auf die Frage der Gerechtigkeit spezialisiert. Antworten darauf geben im Anschluss John C. Smart, John Rawls, Richard B. Brandt und Rainer W. Trapp in ihren unterschiedlichen Interpretationen und Erweiterungen des Utilitarismus. Den Abschluss soll Bernhard Irrgangs Konzept des Regelkonsequentialismus bilden, der Aspekte aus den vorherigen Beiträgen aufgreift und einen Vorschlag für eine aktuell relevante Wirtschaftsethik unterbreitet.

2 Der Utilitarismus

David Hume wendet sich als englischer Philosoph gegen die rein rationale Ethik des Deutschen Immanuel Kant, die im Zuge der Aufklärung den Verstand auf die Stufe der höchsten moralischen Instanz hob. Er war der Ansicht, „daß Verstand und Gefühl bei nahezu allen moralischen Entscheidungen und Schlüssen zusammenwirken“4. Während bei Kant eher lebensweltfremde Prinzipien im Vordergrund standen, die sich auf den Verstand allein berufen, versuchten die englischen Philosophen eine Ethik für die praktische Anwendung zu entwerfen. In dieser Tradition der praxisnahen Ethik steht auch der klassische Utilitarismus Benthams und Mills, über den der nächste Abschnitt einen Überblick liefern soll.

2.1 Der klassische Utilitarismus

John Stuart Mill und Jeremy Bentham werden als die Begründer des klassischen Utilitarismus bezeichnet, da sie einzelne Aspekte, die schon weit vor ihnen erwähnt wurden zu einer Ethik zusammenfassten. So trat der Hedonismus, die „[…] Lehre, nach welcher das höchste ethische Prinzip das Streben nach Sinnenlust und Genuss ist“5, schon bei Aristipp (435-360 v. Chr.) und Epikur (341-270 v. Chr.), wenn auch in mehr egoistischer denn universalistischer Gestalt auf.6 Während die christliche Lehre als Begründer des Universalismus gelten kann, in der der Hedonismus zurückgewiesen wird, kann man Hobbes (1588-1679) als Begründer des Konsequenzen- und Utilitäts- Prinzips sehen.7 In der Nachfolge von Hobbes steht Jeremy Bentham, dessen utilitaristische Ansichten im folgenden Kapitel behandelt werden.

2.1.1 Jeremy Benthams Ansichten zum Utilitarismus

[...]


1 Nietzsche, Götzendämmerung, Sprüche und Pfeile 12. In: Williams, B.: Kritik des Utilitarismus. Frankfurt am Main 1979

2 vgl. Cameron, R.: Geschichte der Weltwirtschaft Bd.2. Von der Industrialisierung bis zur Gegenwart. Stuttgart 1992 S. 9ff

3 Smith, A.: Der Wohlstand der Nationen. München 1978

4 Hume, D.: Eine Untersuchung über die Prinzipien der Moral. Stuttgart 2002 S. 91

5 Wermke, M., Kunzel-Razum, K., Scholze-Stubenrecht, W. (Hrsg): Duden. Das Fremdwörterbuch. Mannheim 2005 S. 395

6 vgl. Höffe, O.: Einführung in die utilitaristische Ethik. Tübingen 1992 S. 13

7 vgl. ebd.


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