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Seminararbeit, 2007, 30 Seiten
Autor: Patrick Weber
Fach: Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
Details
Institution/Hochschule: Universität Zürich
Tags: Adam, Smith, Gerechtigkeit, Seminar
Jahr: 2007
Seiten: 30
Note: angenommen
Literaturverzeichnis: ~ 25 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-81321-1
ISBN (Buch): 978-3-638-82565-8
Dateigröße: 226 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Ich orientiere mich an der Theorie von Michael Walzer, wie er sie in seinen „Sphären der Gerechtigkeit“ entwickelt und werde im ersten Teil der Arbeit sein Konzept kurz darlegen. Diese Wahl beruht einerseits darauf, dass uns Walzer einen Begriff der Gerechtigkeit übergeben hat, der die Forderung nach einem modernen und umfassenden Verständnis der Gerechtigkeit erfüllt. Andererseits bin ich der Überzeugung, dass sein Konzept der Gerechtigkeit den meisten anderen Konzepten, und was modernere Schriften betrifft besonders der „Theorie der Gerechtigkeit“ von Rawls, überlegen ist. Michael Walzers „Sphären der Gerechtigkeit“ ist eines der grossen Werke in der Geschichte der modernen Philosophie und jedes Konzept der Gerechtigkeit muss sich mit seinem Werk messen.5 Danach mache ich mich auf die Suche nach der Gerechtigkeit bei Adam Smith. Im zweiten Teil der Arbeit wende ich mich dem Menschenbild von Adam Smith zu. Ich werde die moralischen Subjekte, das heisst die Individuen als Träger der Gerechtigkeit, beschreiben und ebenso die institutionelle Ausprägung der gesellschaftlichen Zusammenarbeit. Das Ergebnis dieser Analyse dient mir im dritten Teil der Arbeit dazu, Smiths Vorstellungen über die gesellschaftliche Zusammenarbeit durch die Matrize der distributiven Gerechtigkeit, wie sie Walzer vorschlägt, auf ihren Gehalt zu untersuchen. Zu beweisen, ob sich Smith tatsächlich, wie es die oben erwähnte Übereinstimmung der Prämissen impliziert, in eine kommunitaristische Denktradition einordnen lässt, ist nicht das primäre Ziel dieser Arbeit.
Textauszug (computergeneriert)
Historisches Seminar der Universität Zürich
Seminar: Gouvernementalität und neue Theorien der Macht
ADAM SMITH und die GERECHTIGKEIT
von Patrick Weber
2007
Inhalt
PROLOG ... 2
I. THEORETISCHE GRUNDLAGEN DER GERECHTIGKEIT ... 4
EINE THEORIE DER SOZIALEN GÜTER ... 4
UNGERECHTIGKEIT ... 5
EINFACHE GLEICHHEIT ... 5
KOMPLEXE GLEICHHEIT ... 6
DISTRIBUTIONSPRINZIPIEN ... 6
FREIER AUSTAUSCH ... 7
DAS VERDIENST ... 7
BEDÜRFNISSE ... 7
ABSCHLUSS DER THEORIE ... 8
II. DIE ZIVILE GESELLSCHAFT BEI ADAM SMITH ... 9
DAS INDIVIDUUM ... 9
WOHLWOLLE, MITGEFÜHL UND MENSCHENLIEBE ... 9
DIE GRENZEN DER MENSCHENLIEBE ... 10
DER MENSCH ZWISCHEN ALTRUISMUS UND EGOISMUS ... 11
GRUNDLAGEN DER ZIVILEN GESELLSCHAFT ... 12
FREIHEIT UND RECHTSTAATLICHKEIT ... 13
III. SPHÄREN DER GERECHTIGKEIT ... 15
KOMMUTATIVE GERECHTIGKEIT ... 15
FREIHEIT UND EIGENTUM ... 16
DISTRIBUTIVE GERECHTIGKEIT ... 17
EIGENTUM UND MACHT ... 18
MACHT UND WOHLSTAND ... 20
BEDÜRFNISSE UND KOMPLEXE GLEICHHEIT ... 21
DIE GEMEINSCHAFTSVERSORGUNG ... 22
IV. ADAM SMITH – EIN KOMMUNITARIST? ... 25
INDIVIDUALISMUS VS. KOMMUNITARISMUS ... 26
EPILOG ... 28
ANHANG ... 29
QUELLEN ... 29
LITERATUR ... 29
Prolog
Adam Smith gilt gemeinhin als einer der wichtigsten Vertreter der klassischen politischen Ökonomie. Er stellt dem Merkantilismus ein ökonomisches Prinzip entgegen, welches in der wirtschaftlichen Freiheit der nach persönlichem Gewinn strebenden Individuen, so die gängige Interpretation, einen höheren Gewinn für die Gesellschaft als Ganzes prognostiziert. Gegen diese Interpretationsart, welche primär Smiths wirtschaftliche Analysen durchleuchtet und ihn in die Tradition des „Laissez-Faire-Prinzips“ stellt, wehren sich andere Rezensenten. Sie betonen die sozialen Komponenten und den moralphilosophischen Gehalt in seinem Gesamtwerk.1 Mit der vorliegenden Arbeit will ich keineswegs widerlegen, dass Adam Smith ein liberaler Denker war und bis zu einem gewissen Grade eine freie Marktwirtschaft postulierte. Ebenso liegt es mir fern, den moralischen Gehalt in seinem Werk zu widerlegen. Stattdessen schlage ich eine alternative Smithrezension vor.
Ein kleines Detail in seinem Werk bildet den Ausgangspunkt der vorliegenden Betrachtung. Smith schreibt, dass die Gesellschaft um „ihrer selbst willen erhalten werde“ und sie ein menschliches Bedürfnis sei.2 Mit dieser Aussage finden wir Smith in der Tradition von Autoren, welche gemeinhin dem Kommunitarismus (!) zugerechnet werden. Michael Walzer betont, dass „eines unserer Bedürfnisse (…) ausgerechnet die Gemeinschaft selbst“ sei und ebenso definiert Charles Taylor das Gemeinwesen als ein Gut an sich, das als solches respektiert und gepflegt wird.3 Des Weiteren lesen wir bei Smith: „Gerechtigkeit (…) ist der Hauptpfeiler der das ganze Gebäude stützt. Wenn dieser Pfeiler entfernt wird, muss der gewaltige (…) Bau der menschlichen Gesellschaft (…) in einem Augenblick zusammenstürzen und in Atome zerfallen.“4 Wenn nun also die Gesellschaft ein menschliches Bedürfnis ist und diese ohne Gerechtigkeit nicht bestehen kann, ist die Gerechtigkeit ebenso ein menschliches Bedürfnis. Diese fordernden Aussagen über die Gerechtigkeit führen zur Frage, ob und inwiefern sich bei Smith ein Konzept der Gerechtigkeit innerhalb der gesellschaftlichen Zusammenarbeit feststellen lässt.
Ich orientiere mich dabei an der Theorie von Michael Walzer, wie er sie in seinen „Sphären der Gerechtigkeit“ entwickelt und werde im ersten Teil der Arbeit sein Konzept kurz darlegen. Diese Wahl beruht einerseits darauf, dass uns Walzer einen Begriff der Gerechtigkeit übergeben hat, der die Forderung nach einem modernen und umfassenden Verständnis der Gerechtigkeit erfüllt. Andererseits bin ich der Überzeugung, dass sein Konzept der Gerechtigkeit den meisten anderen Konzepten, und was modernere Schriften betrifft besonders der „Theorie der Gerechtigkeit“ von Rawls, überlegen ist. Michael Walzers „Sphären der Gerechtigkeit“ ist eines der grossen Werke in der Geschichte der modernen Philosophie und jedes Konzept der Gerechtigkeit muss sich mit seinem Werk messen.5
Danach mache ich mich auf die Suche nach der Gerechtigkeit bei Adam Smith. Im zweiten Teil der Arbeit wende ich mich dem Menschenbild von Adam Smith zu. Ich werde die moralischen Subjekte, das heisst die Individuen als Träger der Gerechtigkeit, beschreiben und ebenso die institutionelle Ausprägung der gesellschaftlichen Zusammenarbeit. Das Ergebnis dieser Analyse dient mir im dritten Teil der Arbeit dazu, Smiths Vorstellungen über die gesellschaftliche Zusammenarbeit durch die Matrize der distributiven Gerechtigkeit, wie sie Walzer vorschlägt, auf ihren Gehalt zu untersuchen. Zu beweisen, ob sich Smith tatsächlich, wie es die oben erwähnte Übereinstimmung der Prämissen impliziert, in eine kommunitaristische Denktradition einordnen lässt, ist nicht das primäre Ziel dieser Arbeit. Ich schlage lediglich einen alternativen Zugang zu seinem Werk vor, in der Hoffnung, wir mögen daraus einige interessante Ergebnisse gewinnen, die uns einen neuen Zugang zu seinem Werk ermöglichen. Es dürfte bereits ein wertvoller Beitrag zur Smithdiskussion sein, wenn sich die These von Hayek relativieren lässt, dass sich individuelle Freiheit und distributive Gerechtigkeit kaum zufriedenstellend vereinbaren lassen. 6
Um Smith gerecht zu werden, dürfen wir seine Schriften nicht isoliert betrachten. Smith betonte, dass der „Reichtum der Nationen“ als ein Teil einer grösseren Abhandlung über die allgemeinen Prinzipien des Rechts und der Regierung zu verstehen sei.7 Er selbst betrachtete stets seine „Theorie der ethischen Gefühle“ als sein Hauptwerk.8 Seine beiden grossen Abhandlungen stehen also nicht unabhängig nebeneinander, sondern müssen im Zusammenhang betrachtet werden. Leider hinterliess uns Smith trotz seiner sehr bestimmten Forderung nach Gerechtigkeit kein Werk mit dem Titel „Eine Theorie der Gerechtigkeit“ (o.ä.). In seiner literarischen Hinterlassenschaft findet sich ebenso kein Kapitel, in dem er uns ein kohärentes Bild von einem Konzept der Gerechtigkeit präsentiert. Zeit seines Lebens plante er eine umfassende Abhandlung über die Prinzipien des Rechts und der Regierung. Seine eigene Prophezeiung hat sich aber leider bewahrheitet: „Mein bereits sehr vorgerücktes Alter lässt mir (…) sehr wenig Hoffnung, dass ich noch jemals im Stande sein werde, dieses grosse Werk so, wie ich es wünschen würde, auszuführen.“9 Glücklicherweise verfügen wir heute über eine Abschrift einer im Jahre 1763 in Glasgow gehaltenen Vorlesung über die Rechts- und Staatswissenschaften, welche als authentisch gilt.10 So haben wir, nebst den zahlreichen Stellen in seiner Moraltheorie und in seiner ökonomischen Abhandlung, welche sich mit Themen der gesellschaftlichen Zusammenarbeit befassen, einen zusammenhängenden Text vor uns, der wohl nicht die wissenschaftliche Qualität seiner Abhandlungen aufweist, aber weitere Hinweise geben kann. So muss die Suche nach einem Konzept der Gerechtigkeit in Smiths Gesamtwerk in einem Aufspüren der einzelnen Fragmente bestehen, welche sich verstreut in seinem Werk finden lassen.
[...]
1 Die initiale Anregung zu dieser Arbeit verdanke ich: Ulrich, Peter; 2002
2 TMS; Seite 131
3 Walzer, Michael; 2006; Seite 109; ebenso Seite 62 / Taylor, Charles; 2002; Seite 16
4 TMS; Seite 129
5 Ob sich diese Behauptung aufrecht erhalten lässt, kann ich nicht beurteilen. Der Verlauf der Geschichte wird darüber entscheiden, welchen Platz Walzer in der Ahnenreihe der Philosophen einnehmen wird.
6 Hayek, F.A.; Individualismus und wirtschaftliche Ordnung; Zürich 1952; Seite 35
7 TMS: Im Vorwort zur 6. Auflage
8 Eckstein, Walter; in: Adam Smith; Theorie der ethischen Gefühle; übersetzt und eingeleitet von Walter Eckstein; Hamburg 2004; Seite XXIII
9 TMS: Im Vorwort zur 6. Auflage; Im Jahr nach der Niederschrift dieser Zeilen ist Smith gestorben.
10 Brühlmeier, Daniel; in: Adam Smith; Vorlesungen über Rechts- und Staatswissenschaften; übersetzt, eingeleitet und kommentiert von Daniel Brühlmeier; Sankt Augustin 1996
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