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Termpaper, 2003, 15 Pages
Author: Britta Krümpelmann
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Tags: Franz, Kafka, Hungerkünstler, Eine, Untersuchung, Kafkas, Bezug, Nahrung, Grundlage, Tagebuchaufzeichnungen
Year: 2003
Pages: 15
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 5 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-74049-4
File size: 117 KB
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Abstract
1. Einleitung – oder: Von der (Un)möglichkeit, das Hungern zur Kunst zu machen – Was ist los mit dem Hungerkünstler Kafka? In Franz Kafkas Tagebüchern finden wir zahlreiche Stellen, in denen er sich mit Nahrung beschäftigt. Dieses Thema scheint Kafka vor allem mit zunehmendem Lebensalter immer mehr zu beschäftigen. Dabei scheint es ihm in erster Linie nicht allein um materielle Nahrung, also die Essensaufnahme, zu gehen. Lesen wir Kafkas Tagebücher aufmerksam, so erhalten wir eine Menge Anspielungen und Hinweise auf eine „andere“ immaterielle Nahrung, der Kafka auf der Spur zu sein scheint. Zusätzlich findet diese spezielle Form der Nahrung ihren Wiederklang in einigen von Kafkas Werken. Somit scheint das Thema „Nahrung“ eine wichtige Rolle in Kafkas Leben und Werk zu spielen. Deshalb möchte ich es mit dieser Arbeit näher untersuchen. Dazu werde ich zunächst Kafkas Verhältnis zur „natürlichen“ Nahrung herausstellen, um dann darauf einzugehen, wie Kafka eine andere Nahrung definiert, und welche Rolle sie in seinem Leben spielt. Um dies herauszufinden, untersuche ich einig „auffällige“ Stellen aus seinen Tagebüchern. Am eingehendsten beschäftigt sich Kafka meiner Meinung nach in dem „Hungerkünstler“, einer seiner späteren Erzählungen, mit der Bedeutung von Nahrung. Deshalb gehe ich dazu parallel auf den „Hungerkünstler“ ein, um Kafka dadurch noch besser zu verstehen. Dabei sollen zentrale Aussagen im Hungerkünstler in Beziehung zu denen der Tagebücher gestellt werden, um übereinstimmende oder auch konstrastierende Aussagen zu erhalten. Ich möchte Kafka aus dem „Hungerkünstler“ heraus und gleichzeitig den Hungerkünstler aus den Tagebuchstellen zu verstehen...
Excerpt (computer-generated)
Universität Bonn, Abteilung für Neuere deutsche Literatur
Proseminar: Kafkas Tagebücher
Sommersemester 2003
Franz Kafka – Ein Hungerkünstler?
Eine Untersuchung von Kafkas Bezug zur Nahrung
auf Grundlage seiner Tagebuchaufzeichnungen
von
Britta Krümpelmann
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung – oder: Von der (Un)möglichkeit, das Hungern zur Kunst zu machen – Was ist los mit dem „Hungerkünstler“ Kafka? Seite 1
2. Kafkas Bezug zur essbaren Nahrung Seite 3
2.1 Kafka auf der Suche nach einer „anderen“ Nahrung Seite 4
2.2 Erster Aspekt: Hungern als Kunst? Seite 6
2.3 Zweiter Aspekt: Sich zum Außenseiter hungern? Seite 8
2.4 Dritter Aspekt: „Echte“ Nahrung auch innerhalb des Lebens? Seite 10
3. Schlussüberlegungen Seite 12
4. Quellenangaben Seite 13
1. Einleitung – oder: Von der (Un)möglichkeit, das Hungern zur Kunst zu machen – Was ist los mit dem Hungerkünstler Kafka?
In Franz Kafkas Tagebüchern finden wir zahlreiche Stellen, in denen er sich mit Nahrung beschäftigt. Dieses Thema scheint Kafka vor allem mit zunehmendem Lebensalter immer mehr zu beschäftigen. Dabei scheint es ihm in erster Linie nicht allein um materielle Nahrung, also die Essensaufnahme, zu gehen. Lesen wir Kafkas Tagebücher aufmerksam, so erhalten wir eine Menge Anspielungen und Hinweise auf eine „andere“ immaterielle Nahrung, der Kafka auf der Spur zu sein scheint. Zusätzlich findet diese spezielle Form der Nahrung ihren Wiederklang in einigen von Kafkas Werken. Somit scheint das Thema „Nahrung“ eine wichtige Rolle in Kafkas Leben und Werk zu spielen. Deshalb möchte ich es mit dieser Arbeit näher untersuchen. Dazu werde ich zunächst Kafkas Verhältnis zur „natürlichen“ Nahrung herausstellen, um dann darauf einzugehen, wie Kafka eine andere Nahrung definiert, und welche Rolle sie in seinem Leben spielt. Um dies herauszufinden, untersuche ich einig „auffällige“ Stellen aus seinen Tagebüchern.
Am eingehendsten beschäftigt sich Kafka meiner Meinung nach in dem „Hungerkünstler“, einer seiner späteren Erzählungen, mit der Bedeutung von Nahrung. Deshalb gehe ich dazu parallel auf den „Hungerkünstler“ ein, um Kafka dadurch noch besser zu verstehen. Dabei sollen zentrale Aussagen im Hungerkünstler in Beziehung zu denen der Tagebücher gestellt werden, um übereinstimmende oder auch konstrastierende Aussagen zu erhalten. Ich möchte Kafka aus dem „Hungerkünstler“ heraus und gleichzeitig den Hungerkünstler aus den Tagebuchstellen zu verstehen. Dabei arbeite ich einige Aspekte heraus, die ich zur besseren Übersicht in verschiedene Kapitel unterteilt habe.
Letztendlich geht es darum, ob Kafka selbst als möglichen Hungerkünstler begriffen werden kann, bzw. dass er als Hungerkünstler erklärt werden kann.
Kafkas Bezug zur essbaren Nahrung
Zunächst ist interessant, das Franz Kafka Vegetarier war. Das geht vielfach aus seinen Tagebüchern hervor, etwa wenn er sich Gedanken über das Essen macht.1
Dazu kommt, dass Kafka krankheitsbedingt häufig unter Magenproblemen litt. So beschreibt er den Zustand seines Magens oft als „verdorben“, dabei erlegt ihm sein Magen manchmal auch das Hungern auf.2 Es fällt zudem auf, das der Begriff „Appetitlosigkeit“ bei Kafka eine große, immer wiederkehrende Rolle spielt. Kafka selbst klagt das ein oder andere Mal darüber, appetitlos zu sein; die Figuren in seinen Erzählungen werden in die Kategorien „mit“ und „ohne“ Appetit eingeteilt.3
Essen scheint bei Kafka auch eine große Rolle im Bezug auf zwischenmenschliche Beziehungen zu spielen. So etwa verkehren Vater und Sohn in Kafkas Erzählung „Das Urteil“ nur noch während der gemeinsamen Mahlzeiten miteinander. Es fällt auf, dass Kafkas Helden irgendwie immer „ausgehungert“ sind. Gregor Samsa („Die Verwandlung“) etwa hat nach der Verwandlung in einen Käfer keinen Appetit auf die Nahrung, die seine Familienmitglieder zu sich nehmen, und wird sodann von seinen Familie ausgeschlossen. Dabei geht es zwar oberflächlich um die nicht-schmeckende materielle Nahrung, aber eigentlich wird der Weg zu der „ersehnten unbekannten Nahrung“ gesucht. Ebenso passt auch der Hungerkünstler in der gleichnamigen Erzählung auf Dauer nicht in die „essende“ Gesellschaft, er lebt ausgestoßen (?) in einem Käfig, die Menschen „besichtigen“ ihn.
Immer wieder können wir das gleiche Muster erkennen. Der Nicht-Essende wird von den Menschen nicht verstanden und zum Sonderling. Da diese Erzählfiguren (und mit ihnen auch Kafka) nicht der gewöhnlichen Nahrung zugeneigt sind, bleibt die Frage, nach welcher Art von Nahrung sie verlangen. Es scheint sich schon einmal nicht um irgendeine materielle Form von Nahrung zu handeln.
Kafka auf der Suche nach einer „anderen“ Nahrung
[...]
1 Kafka, Franz: Tagebücher, hg. v. Hans-Gerd Koch, Michael Müller und Malcolm Pasley, Frankfurt a. M. 1990, S. 140 Z. 12 f.; S. 508 Z, 23 f. beispielsweise.
2 vergl ebd. S. 266, Z. 1 und Z.14f. ; S. 279, Z.10f.
3 vergl. ebd. S. 441, Z.19; S. 472 Z. 10f.
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