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Seminararbeit, 2002, 25 Seiten
Autor: Sylvie Magerstädt
Fach: Filmwissenschaft
Details
Tags: Drehbuchtheorie, Film, Lajos Egri, Dramatic Writing, Billy Wilders, Sunset Boulevard
Jahr: 2002
Seiten: 25
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 5 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-74105-7
ISBN (Buch): 978-3-638-79560-9
Dateigröße: 157 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Die hier vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Lajos Egris Werk „The Art of Dramatic Writing“ und seine Anwendung als Drehbuchtheorie. Obwohl es in dem 1946 erschienen Buch in erster Linie um Theaterstücke geht bieten Egris Thesen nach meiner Auffassung eine nicht zu unterschätzende Abhandlung über Stoffentwicklung im Allgemeinen, die auch für das Kino die gleiche Relevanz hat. Lajos Egri will mit seinem Buch nicht in erster Linie eine Anleitung geben, wie man am besten gute Drehbücher schreibt, sondern möchte durch seine Arbeit auch den Zuschauern und „Laien“ helfen, dramatische Strukturen besser verstehen zu lernen. Um die Besonderheiten seiner Konzepte besser verständlich zu machen, vergleiche ich seine Thesen im dritten Kapitel dieser Arbeit mit anderen Drehbuchtheorien und werde anschließend im letzen Teil untersuchen, inwiefern sich Egris Thesen auf die Analyse von Filmen anwenden lässt, und zwar am Beispiel des Billy Wilder-Klassikers „Sunset Boulevard“.
Textauszug (computergeneriert)
Universität Leipzig
Wintersemester 2001/02
Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft
Seminar: „Der Stoff aus dem die Träume sind – Dramaturgie und Stoff-Entwicklung für Spielfilme"
"Characters create plot" - Lajos Egris "The Art of Dramatic Writing" als Drehbuchtheorie und seine praktische Anwendung am Beispiel von Billy Wilders Film „Sunset Boulevard“
Sylvie Magerstädt
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 3
2. Der Charakter als tragendes Element in der Drehbuchtheorie von Lajos Egri ... 3
3. Lajos Egri versus Syd Field – ein kritischer Vergleich ... 9
4. „The Art of Dramatic Writing“ in der Praxis – eine Analyse zu Sunset Boulevard ... 12
5. Resümee ... 21
A. Literaturliste ... 25
B. Daten zu Sunset Boulevard ... 26
1. Einleitung
„The Art of Dramatic Writing“ von Lajos Egri ist im Grunde gar keine Drehbuchtheorie. Besser gesagt, sie beschäftigt sich nicht in erster Linie mit filmischer Arbeit, sondern stellt eine Theorie dramatischer Struktur im Allgemeinen dar. In diesem Buch, das bereits 1946 erschien, geht es in erster Linie um Theaterstücke. Nichtsdestotrotz bieten Egris Thesen nach meiner Auffassung eine nicht zu unterschätzende Analyse darüber, wie Figuren, Handlungen und Konflikte entwickelt werden (sollten), unabhängig davon, in welchem Medium wir uns bewegen.
Lajos Egri will mit seinem Buch nicht in erster Linie eine Anleitung geben, wie man am besten gute Bücher schreibt, sondern möchte durch seine Arbeit auch den Zuschauern und „Laien“ helfen, dramatische Strukturen besser verstehen zu lernen. Damit unterscheidet er sich bereits grundlegend von vielen anderen Autoren, besonders auch von Syd Field, auf dessen Theorie ich im dritten Kapitel vergleichend eingehen werde.
Anschließend möchte ich im vierten Teil untersuchen, inwiefern sich Egris Thesen auf die Analyse von Filmen anwenden läßt, und zwar am Beispiel des Billy Wilder-Klassikers „Sunset Boulevard“.
2. Der Charakter als tragendes Element in der Drehbuchtheorie von Lajos Egri
Bereits der Untertitel von „The Art of Dramatic Writing – Its Basis in the Creative Interpretation of Human Motives“ weist auf die Personen als Grundlage von Egris Arbeit hin. Nach seiner Beschreibung basiert seine gesamte Theorie auf dem sich ständig verändernden Charakter, der immer wieder, meist sehr heftig, auf konstante innere und äußere Stimuli reagiert. (Egri, 1946) Neben dem Charakter als solches spielen für ein gutes Skript natürlich weitere Elemente eine Rolle, die keineswegs losgelöst von einander zu betrachten sind, so wie der Charakter sich erst mit diesen und durch sie entwickeln kann. Diese weiteren Elemente sind laut Egri die Prämisse und der Konflikt. Zusammen mit den Charakteren bilden sie also die Grundlage seiner Theorie. Sobald eines dieser Elemente vernachlässigt wird oder gar fehlt, wird es nach Egris Ansicht unmöglich, ein gutes Stück zu schreiben, und eine Handlung zu entwickeln, die für den Zuschauer nicht nur interessant, sondern auch plausibel ist.
Ausgangspunkt ist die Prämisse. Ohne sie ist es unmöglich, seine Charaktere zu kennen, beziehungsweise kennenzulernen. „The premise is the motivating power behind everything we do“, schreibt Egri (1946, S.9). Sie deutet also die Kraft an, welche die Charaktere vorantreibt und ihr Handeln bestimmt. Es geht dabei aber weniger um ein ganz konkretes individuelles Motiv, als vielmehr um allgemeine Motivationen, wie z.B. Eifersucht, Mißtrauen und Liebe. Das heißt nicht, daß die Prämisse eine universale Wahrheit enthalten muß, aber sie muß für unser Stück wahr sein.
Jede Prämisse besteht aus drei Teilen. Der erste deutet den Charakter an, beziehungsweise das Motiv seines Handelns, z.B. „Great love“ oder „Blind trust“. Der zweite Teil weist auf den Konflikt, den Verlauf der Handlung hin, so wie „leads to“ und „defies“. Im dritten Teil der Prämisse wird letztendlich die Lösung des Konfliktes und somit der Ausgang der Handlung beschrieben: „Destruction“ und „Death“. Daraus ergeben sich die Prämissen für zwei bekannte Shakespeare-Stücke, die Egri (1946, S.3) als Beispiel verwendet, nämlich: „Blind trust leads to destruction“ als Prämisse für King Lear und „Great love defies even death“ für Romeo and Juliet. Im vierten Kapitel meiner Arbeit werde ich versuchen, eine eigene Prämisse für „Sunset Boulevard“ zu finden.
Egri räumt durchaus ein, daß die Prämisse nicht unbedingt das Erste ist, was uns einfällt, wenn wir anfangen, ein Stück zu schreiben. Aber sie ist es, was uns dabei hilft, die Charaktere in die richtige Richtung zu lenken und den Konflikt voranzutreiben. Wenn wir uns einmal auf eine Prämisse festgelegt haben, muß alles in unserem Stück diese Prämisse stützen und nur auf diese eine vorgegebene Richtung zur Lösung des Konfliktes ausgerichtet sein. Egri (1946, S.106) formuliert dies folgendermaßen: „The premise is a tyrant who permits you to go only one way – the way of absolute proof.” Kein gutes Drehbuch oder Theaterstück funktioniert ohne eine gute Prämisse.
Die Charaktere stellen, wie bereits erwähnt, das tragende Element in Egris gesamter Theorie dar. Jeder Charakter besitzt eine gewisse Grundstruktur (Bone Structure), die alle drei menschlichen Dimensionen enthalten muß: Physiologie, Soziologie und Psychologie. (Schema 1). Jede dieser Dimensionen bedingt die andere, verändert sich ein einzelner Aspekt, dann verändert sich der gesamte Charakter, läßt man eine Dimension aus, erhält man keine guten Charaktere, die stark genug sind, unser Stück zu tragen.
Aus den einzelnen Aspekten der menschlichen Dimensionen leitet sich die Motivation ab. Deshalb stehen die Charaktere in unmittelbarem Zusammenhang mit der Prämisse, die das Thema unseres Stückes und die Motivationen der handelnden Figuren bestimmt. Sie müssen also so ausgewählt und entwickelt sein, daß sie auch zur Prämisse „passen“. Egri (1946, S.42-43) schreibt dazu: “Anything that happens in your play must come directly from the characters you have chosen to prove your premise, and they must be characters strong enough to prove the premise without forcing.”
Es ist daher für den Autor absolut notwendig, nicht nur alle aktuellen Elemente seiner Figur zu kennen und zu wissen, wie sie ist, sondern auch warum sie so ist und wo und wie sie in ein paar Jahren sein wird und warum. Das heißt natürlich nicht, daß jedes einzelne Element letztendlich auch im Theaterstück oder im Film dargestellt werden muß, aber alle diese Aspekte bestimmen die Art, wie eine Figur redet und handelt, und nicht zuletzt auch wie sie auszusehen hat.
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