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Subtitle: Gesellschaftliche Individualisierungsprozesse als Chance für die religionspädagogische Erwachsenenarbeit in der Gemeinde?
Diploma Thesis, 2007, 78 Pages
Author: Julia Horn
Subject: Theology - Didactics, Religion Pedagogy
Details
Tags: Kirche, Menschen
Year: 2007
Pages: 78
Grade: 1,6
Bibliography: ~ 72 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-74110-1
File size: 210 KB
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Excerpt (computer-generated)
Evangelische Fachhochschule Hannover
Diplomarbeit zur Diplomprüfung im Wintersemester 2006/2007
Kirche auf dem Weg zu Menschen
Gesellschaftliche Individualisierungsprozesse als Chance für die religionspädagogische Erwachsenenarbeit in der Gemeinde?
Julia Horn
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung ... 3
2 Begriffsdefinitionen ... 6
2.1 Evangelische Erwachsenenarbeit/Erwachsenenbildung ... 6
2.2 Historische Wurzeln und Interpretationen von Individualisierung ... 9
3 Individualisierungsprozesse in der Gesellschaft ... 12
3.1 Die Dimensionen der Individualisierung nach Ulrich Beck ... 12
3.1.1 Die Freisetzungsdimension ... 12
3.1.2 Die Entzauberungsdimension ... 13
3.1.3 Die Kontroll- und Reintegrationsdimension ... 15
3.1.4 Zusammenfassung und Weiterführung ... 16
3.2 Auswirkungen der Individualisierung ... 17
3.2.1 Erlebnisorientierung ... 19
3.2.2 Pluralisierung der Lebensformen ... 20
3.2.3 Isolation durch Individualisierung ... 23
3.2.4 Suche nach Gemeinschaft ... 25
3.3 Zusammenfassung ... 25
4 Auswirkungen der gesellschaftlichen Individualisierung auf Religiosität und Kirche ... 27
4.1 Religiosität zwischen Privatisierung und Gemeinschaftssuche ... 27
4.1.1 Individualisierung von Religion ... 28
4.1.2 Pluralisierung von Religion ... 30
4.1.3 Privatisierung von Religion ... 31
4.1.4 Entkirchlichung ... 33
4.1.5 Zuwendung zur Religion ... 35
4.2 Kirche im Wandel der Gesellschaft ... 36
4.2.1 Kirche als sinnstiftendes Element ... 38
4.2.2 Kirche als gemeinschaftsstiftendes Element ... 40
4.2.3 Vereinbarung von individuellem Glauben und Gemeinschaft ... 42
4.3 Zusammenfassung ... 43
5 Konsequenzen für die religionspädagogische Erwachsenenarbeit in der Gemeinde ... 45
5.1 Strukturelle Veränderungen ... 45
5.2 Pädagogik des Nicht-Alltäglichen ... 46
5.3 Betrachtung der Zielgruppe ... 47
5.3.1 Exkurs: Soziale Milieus in der Kirche ... 47
5.3.2 Die Humanisten ... 49
5.3.2.1 Beziehung zur Kirche ... 49
5.3.2.2 Möglichkeiten der Kirche sie zu erreichen ... 50
5.3.3 Die Alltagschristen ... 50
5.3.3.1 Beziehung zur Kirche ... 50
5.3.3.2 Möglichkeiten der Kirche sie zu erreichen ... 51
5.3.4 Die Nüchtern-Pragmatischen ... 51
5.3.4.1 Beziehung zur Kirche ... 51
5.3.4.2 Möglichkeiten der Kirche sie zu erreichen ... 52
5.3.5 Die Anspruchsvollen ... 52
5.3.5.1 Beziehung zur Kirche ... 53
5.3.5.2 Möglichkeiten der Kirche sie zu erreichen ... 53
5.3.6 Die Modernen Kirchenchristen ... 53
5.3.6.1 Beziehung zur Kirche ... 54
5.3.6.2 Möglichkeiten der Kirche sie zu erreichen ... 54
5.4 Fazit ... 55
6 Religionspädagogische Erwachsenenarbeit in der Gemeinde ... 55
6.1 Mögliche Angebote für die Arbeit mit Erwachsenen ... 58
6.1.1 Spirituelle Angebote ... 58
6.1.2 Eventgottesdienste ... 59
6.1.3 Bildungsangebote in der Kirche: Theologischer Salon ... 61
6.1.4 Single-Stammtische ... 62
6.1.5 Kultur in der Kirche ... 63
6.1.6 Kochen mit Erwachsenen ... 64
6.2 Zusammenfassung ... 65
7 Fazit ... 67
8 Literaturverzeichnis ... 69
8.1 Internetquellen ... 77
1 Einleitung
Ein plural geprägtes Interesse für religiöse Fragen bestimmt die Gegenwart. Religion und Spiritualität sind in den letzten Jahren zu einem Trend geworden, der als Respiritualisierung bezeichnet wird. Diese Trendwendung scheint sich jedoch in religiösen Formen außerhalb des kirchlichen Lebens zu gestalten und es stellt sich die Frage nach der Rolle der Kirche im Leben der Menschen. Rund 30% der Gesamtbevölkerung Deutschlands sind Mitglied der evangelischen Kirche. Laut der 4. EKD-Erhebung über die Kirchenmitgliedschaft geschehen Kirchenaustritte überwiegend in dem Alter zwischen 18 und 50 Jahren.1 Die meist genannten Motive hierfür sind für die von der EKD befragten Ausgetretenen das Sparen von Kirchensteuern und eine Kritik an der Glaubwürdigkeit der Kirche.2
Das bedeutet zunächst einmal, dass die meisten Menschen im Alter der Erwerbstätigkeit ihre Mitgliedschaft in der Kirche beenden. Weiterhin könnte man vermuten, die kirchliche Arbeit sei (zumindest für die Befragten) ihr Geld nicht wert und zudem nicht authentisch.
Die Evangelische Kirche in Deutschland ist von gesellschaftlichen Entwicklungen wie Individualisierung, Pluralisierung und Entkirchlichung entscheidend betroffen und steht dadurch vor großen Herausforderungen. Dies möchte ich in der vorliegenden Arbeit, welche den Titel: „Kirche auf dem Weg zu Menschen – Gesellschaftliche Individualisierungsprozesse als Chance für die religionspädagogische Erwachsenenarbeit in der Gemeinde“ trägt, aufgreifen. Hierbei sind folgende Fragen für mich von erkenntnisleitendem Interesse:
Haben die gesellschaftlichen Individualisierungsprozesse Auswirkungen auf Religiosität und kirchliches Leben? Welche Konsequenzen und Herausforderungen ergeben sich durch Individualisierungsprozesse für die religionspädagogische Arbeit mit Erwachsenen? Auf welche Art und Weise könnte die Beziehung Erwachsener zur Kirche neu belebt und verbessert werden? Wenn es Auswirkungen gibt, welche Angebote kann Kirche machen, um auf diese Veränderungen zu reagieren und diese zu begleiten und eventuell auch im positiven Sinne für sich zu nutzen?
Zunächst werde ich in Kapitel 2 den Begriff der Erwachsenenarbeit/Erwachsenenbildung näher definieren und dabei vor allem auf den Bildungsbegriff Schleiermachers eingehen. Zudem werden der Begriff der Individualisierung und seine historischen Wurzeln betrachtet. Im Anschluss werde ich drei Interpretationsströme von Individualisierung beschreiben.
In Kapitel 3 werde ich die gesellschaftlichen Individualisierungsprozesse in der Postmoderne3 genauer betrachten, hierbei werde ich mich vor allem auf die Theorie von Ulrich Beck stützen, der eine ambivalente Individualisierungstheorie beschreibt. Im Anschluss werde ich die Auswirkungen der Individualisierung unter folgenden Gesichtspunkten überprüfen: Wie verändern sich die Lebensformen der Menschen? Kommt es in der Gesellschaft zu einer verstärkten Erlebnisorientierung? Entsteht durch die Individualisierung eine Isolation des Menschen? Kommt es dadurch zu einer Suche nach neuer Gemeinschaft? Da Individuen immer in der Gesellschaft verortet sind und von dieser auch beeinflusst werden, ist es meines Erachtens nach wichtig, zuerst die gesellschaftlichen Bezüge herzustellen.
In Kapitel 4 werde ich die Auswirkungen der Individualisierungsprozesse auf Religiosität und Kirche aufspüren. Hierbei werde ich der Frage nachgehen, welche Gestalt und welchen Stellenwert Religiosität in der heutigen Gesellschaft annimmt. Anschließend stellt sich die Frage, was die Kirche den Menschen, die von Individualisierung betroffen sind, anbieten kann. Kann gerade durch die Individualisierung Kirche als Sinn- und Gemeinschaftsstifter wirken?
In Kapitel 5 werde ich die Konsequenzen, die durch die Individualisierung und ihre Auswirkungen auf Religiosität und Kirche entstehen, für die religionspädagogische Arbeit mit Erwachsenen beschreiben. Hierbei werde ich auch auf mögliche Strukturänderungen von Gemeinden eingehen und herausstellen, was es angesichts der Individualisierungsprozesse zu beachten gilt. Die Zielgruppe wird eingehender unter Einbezug der sozialen Milieus in der Kirche betrachtet. Die sozialen Milieus sind in der Arbeit jedoch als Exkurs eingeschoben, da es eine von vielen Möglichkeiten ist die Zielgruppe differenzierter zu betrachten. Aus diesem Grund werde ich im Verlauf der Arbeit nicht weiter auf sie eingehen.
In Kapitel 6 werde ich mögliche Angebote für die Arbeit mit Erwachsenen in der Ortsgemeinde vorstellen. Bei den Angeboten handelt es sich jedoch mehr um Orientierungen für die gemeindliche Arbeit, als um konkret durchgeplante Angebote. Ich werde ausschließlich die männliche Form verwenden um die Lesbarkeit der Arbeit zu erhalten. Die weibliche Form ist jedoch grundsätzlich mit einbezogen.
2 Begriffsdefinitionen
Ich verwende in der vorliegenden Arbeit die Begriffe Erwachsenenbildung, sowie Erwachsenenarbeit. Im Folgenden werde ich diese Begriffe synonym verwenden, da es keine Differenzierung zwischen beiden Begriffen in der von mir verwendeten Literatur gibt.
Da sich die vorliegende Diplomarbeit mit der Arbeit mit Erwachsenen beschäftigt, möchte ich im Folgenden den Begriff der Erwachsenenbildung erläutern und in diesem Zusammenhang den Begriff der Bildung näher definieren. Dabei werde ich einen kurzen historischen Abriss von Erwachsenenbildung skizzieren, bei dem ich vor allem auf die Reformationszeit und den Bildungsbegriff Schleiermachers eingehe, da vor allem die Definition Schleiermachers einen hohen Aktualitätsbezug aufweist.
Um in Kapitel 3 auf das Individualisierungstheorem von Ulrich Beck eingehen zu können, wird im Anschluss daran der Begriff der Individualisierung in seiner Geschichte näher betrachtet werden. Die nach Schroer drei unterschiedlichen Theorieansätze und Betrachtungsweisen von Individualisierung werden anschließend dargelegt.
2.1 Evangelische Erwachsenenarbeit/ Erwachsenenbildung
Der deutsche Begriff der Bildung entstand im Mittelalter und geht vielen Vermutungen zufolge auf eine Begriffsschöpfung von Meister Eckhardt im Rahmen der Imago-Dei- Theologie und den mystischen Bildvorstellungen zurück.4 Demnach entstammt der deutsche Begriff der Bildung einem theologischen Ursprung. Der Begriff der Bildung selbst, das Bilden, wurde als gebildet werden durch Gott, nach dem Abbild Gottes, verstanden: eine gelebte Veranschaulichung oder Darstellung des Wesen Gottes. Der Mensch selber hatte jedoch nicht die Aufgabe sich zu bilden.
Nipkow zufolge ist die christliche Erwachsenenbildung so alt wie die Kirche selbst5, denn bereits im Neuen Testament6 wird davon berichtet, dass das rechte Verstehen der Schrift die Vorraussetzung für eine Taufe bedeutet.7
Bildung ist seit der Reformation untrennbar mit der protestantischen Identität verknüpft, im Mittelpunkt des reformatorischen Bildungsbegriffes steht, den Menschen zu einer eigenen Urteilsfähigkeit zu verhelfen.8
[...]
1 Vgl. Kirchenamt der EKD (Hrsg.) (2006): S. 17.
2 Vgl. Kirchenamt der EKD (Hrsg.) (2006): S. 94ff.
3 An dieser Stelle möchte ich eine Verortung des gesellschaftstheoretischen Ausgangspunktes schaffen, da je nach unterschiedlichen Theorieansätzen die Rede von Moderne, Spätmoderne, reflexiver Moderne, Moderne als unvollendetes Projekt oder auch Postmoderne ist. Ich werde in der vorliegenden Arbeit den Begriff der „Postmoderne“ verwenden, um einen einheitlichen Begriff für die Zeit, in der wir leben, in der vorliegenden Arbeit zu verwenden. Ich beziehe mich bei der Verwendung des Begriffs „Postmoderne“ auf Jean-Francais Lyotard, der 1979 diese als das „Ende der drei Meta-Erzählungen“ (Aufklärung, Idealismus, Historismus) charakterisierte.
4 Vgl. Albrecht, C. (2003): S. 23.
5 Vgl. Nipkow, K. E. (1990): S. S. 556.
6 Beispielsweise in der Apostelgeschichte 8, 26-40. In Röm 6,12f, Gal 5,25 oder Kol 3,3ff werden Fragen des Verhaltens in Verbindung mit der Taufe ermahnt.
7 Vgl. Wegenast, K.: Evangelische Erwachsenenbildung. In: Adam, G./ Lachmann, R. (Hrsg.) (1987): S. 379.
8 Beispielweise die Bibelübersetzung Martin Luthers, welche die Bibel auch anderen Menschen zugänglich machte.
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