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Eine kleine Kulturgeschichte der Bibliotheken

Scholary Paper (Seminar), 2005, 21 Pages
Author: Julika Zimmermann
Subject: Cultural Studies

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2005
Pages: 21
Grade: 1
Bibliography: ~ 23  Entries
Language: German
Archive No.: V77265
ISBN (E-book): 978-3-638-88210-1

File size: 170 KB

Abstract

So beschreibt Richard de Bury, der erste bekannte Bibliophile, im vierzehnten Jahrhundert die Macht der Bücher: die Sammlung und Bewahrung von Wissen – die Bücher sind das Mittel gegen das Vergessen. Im ersten Kapitel „Der Schatz der Weisheit ist vornehmlich in Büchern zu suchen“ seines Traktats „Philobiblon“ schreibt de Bury, dass nur durch die Bücher das Vorrecht genossen werden kann, der Nachwelt bekannt zu sein. Seit alters her ist es die Aufgabe der Bibliothek, Bücher zu sammeln, aufzubewahren, zu ordnen und weiterhin deren Nutzung zu ermöglichen. Da die Schriftkommunikation spätestens seit Gutenbergs Erfindung die dominierende gesellschaftliche Kommunikationsform ist, ist ihre Institution, die Bibliothek, das Kollektivum der Bücher, auch unser kulturelles Gedächtnis. So ist die Geschichte der Bibliotheken untrennbar mit der Geschichte der europäischen Kultur verbunden. Daher wird nun im Folgenden nach einführenden Exkursen zu Schrift und Buch als den Voraussetzungen von Bibliotheken eine kleine Kulturgeschichte der Bibliotheken nachgezeichnet.


Excerpt (computer-generated)

Freie Universität zu Berlin
Institut für Kultur- und Medienmanagement
Hauptseminar: Kulturgeschichte der Neuzeit I
Wintersemester 2004/05

Eine kleine Kulturgeschichte der Bibliotheken

von

Julika Zimmermann

 

 

Inhalt

Einleitung Seite 1

1. Die Voraussetzungen Seite 1

I. Schrift Seite 1
II. Buch Seite 3

2. Die Bibliotheken Seite 6

I. Antike Bibliotheken Seite 6
II. Klosterbibliotheken Seite 8
III. Universitätsbibliotheken Seite 9
IV. Renaissancebibliotheken Seite 11
V. Privatbibliotheken Seite 11
VI. Neunzehntes und zwanzigstes Jahrhundert Seite 13
VII. Die digitale Bibliothek Seite 15

Resümee Seite 17

Verwendete Literatur Seite 19

 

 

„Aller Ruhm der Welt ginge in Vergessenheit, hätte Gott
die Sterblichen nicht mit dem Heilmittel des Buches versehen.“1

 

 

Einleitung

So beschreibt Richard de Bury, der erste bekannte Bibliophile, im vierzehnten Jahrhundert die Macht der Bücher: die Sammlung und Bewahrung von Wissen – die Bücher sind das Mittel gegen das Vergessen. Im ersten Kapitel „Der Schatz der Weisheit ist vornehmlich in Büchern zu suchen“ seines Traktats „Philobiblon“ schreibt de Bury, dass nur durch die Bücher das Vorrecht genossen werden kann, der Nachwelt bekannt zu sein. Seit alters her ist es die Aufgabe der Bibliothek, Bücher zu sammeln, aufzubewahren, zu ordnen und weiterhin deren Nutzung zu ermöglichen. Da die Schriftkommunikation spätestens seit Gutenbergs Erfindung die dominierende gesellschaftliche Kommunikationsform ist, ist ihre Institution, die Bibliothek, das Kollektivum der Bücher, auch unser kulturelles Gedächtnis. So ist die Geschichte der Bibliotheken untrennbar mit der Geschichte der europäischen Kultur verbunden. Daher wird nun im Folgenden nach einführenden Exkursen zu Schrift und Buch als den Voraussetzungen von Bibliotheken eine kleine Kulturgeschichte der Bibliotheken nachgezeichnet.

1. Die Voraussetzungen

1. Schrift

Schrift entstand bereits vor Tausenden von Jahren, und immer noch ist sie das weitest reichende und präsenteste Medium. Sie hat große Veränderungen erlebt: von der Sumerischen Bilderschrift, die um 3500 v. Chr. entstand, über die Entstehung des griechischen Alphabets aus dem phönizischen bis hin zur auf das binäre System von 1 und 0 veränderten Form des Informationstransports in der Gutenberg Galaxis2.

Um 3000 v. Chr. entstanden die ägyptischen Hieroglyphen parallel aber asynchron mit der sumerischen Keilschrift.3 Um 2700 v. Chr. datiert man die babylonische Bilderschrift in Ton, 700 Jahre später entwickelten sich die Ideogramme, die chinesische Schrift, die aber ohne Einfluss auf unsere abendländische Schriftkultur blieben. Mit der semitischen Buchstabenschrift gab es um 1500 v. Chr. erste Versuche, ein Alphabet zu entwickeln. Im achten Jahrhundert entstand dann das uns bekannte griechische Alphabet, welches das erste phonetische Alphabet ist, aus dem phönizischen. Aus dieser griechischen Wurzel entwickelten sich dann die römisch-lateinische und die kyrillische Schrift. Im zweiten Jahrhundert nach Christus wurde die Unziale eingeführt, die den Übergang zu einer leichteren Schreibschrift markiert.

Karl der Große verbesserte durch die Einführung der karolingischen Minuskel die Lesefähigkeit, die daraus entwickelte gotische Minuskel diente Gutenberg als Vorlage für seine beweglichen Metalllettern. Befördert durch die Entdeckung der Neuen Welt und der damit notwendigen Anpassung an fremde Sprachen entstand eine enorme Typenvielfalt, so dass Ende des fünfzehnten Jahrhunderts 5.000 Typenalphabete gezählt werden konnten. Von großer Bedeutung ist die Übernahme der arabischen Zahlen, die seit dem elften Jahrhundert auftauchten und von der wirtschaftlichen Entwicklung und dem damit verbundenen schnellen Rechnen gefordert und gefördert wurden.

Die kulturelle Leistung der Schrift besteht darin, die gesprochenen Worte dauerhaft verfügbar und transportabel zu machen.4 Schrift ermöglicht, die Schwächen der mündlichen Kommunikation, also ihre Unzuverlässigkeit und Flüchtigkeit, aufzuheben und die Informationen dauerhaft zu fixieren. Diese Literalität durch die Revolution des phonetischen Prinzips im antiken Griechenland, so der Literatur- und Medienwissenschaftler Günther Stocker5, ist mit dem logischen, formalen Denken und der abendländischen Philosophie zusammen zu denken, da erst die Schrift die Planung und Gestaltung längerer Texte, das wiederholte Lesen, Überarbeiten, Korrigieren und Perfektionieren überhaupt ermögliche.

[....]


1 De Bury 1989, S. 28.

2 Marshall McLuhan prägte 1962 diesen Begriff mit seinem Buch „The Gutenberg Galaxy“ und bezeichnet damit eine Welt, die grundlegend vom Buch als Leitmedium geprägt ist.

3 Vgl. Stocker, S. 21.

4 Vgl. Rehm 1994.

5 Stocker 1997, S. 22ff.


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