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Studienarbeit, 2007, 77 Seiten
Autoren: Sven Christian, Mirjeta Bickel, Julika Jarosch, Beatrice Kreinsen, Jenny Uhlig
Fach: Umweltwissenschaften
Details
Tags: Entwurf, Monitoring, Ausbreitung, Neophyten, Brandenburg
Jahr: 2007
Seiten: 77
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 31 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-75582-5
Dateigröße: 7870 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Die Aufmerksamkeit gegenüber gebietsfremden Pflanzenarten / Neophyten hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Zwar bürgert der Mensch seit dem 15. Jahrhundert bewusst oder unbewusst Neophyten in großem Maßstab in die Kulturlandschaft Europas ein, im Zuge der Globalisierung und Klimaerwärmung wird aber deutlich, dass die einheimische Flora durch Zuzug der gebietsfremden Arten im verstärkten Maß verändert und teilweise beeinträchtigt wird. Als solche Beeinträchtigungen werden volkswirtschaftliche und gesundheitsbeeinträchtigende Schäden gemeldet . Von den meisten Neophyten, die sich bei uns ansiedeln konnten, gehen keine Gefahren für unsere Natur oder Gesundheit aus und sie haben auch keine negativen wirtschaftlichen Auswirkungen. Allerdings haben „Neophyten ) grundsätzlich das Potenzial, hohe wirtschaftliche Schäden zu verursachen“: DEUTSCHER BUNDESTAG (2000). Diese werden häufig aus naturschutzfachlicher Perspektive negativ bewertet. Daher nehmen im Bereich der Wissenschaft, des Naturschutzes, aber auch auf der rechtlichen Ebene weltweit die Bemühungen zu, den von invasiven gebietsfremden Arten verursachten Entwicklungen angemessen zu begegnen. Unter der Beachtung der internationalen rechtlichen Übereinkünften, wie dem Übereinkommen über die Biologische Vielfalt (CBD), der Europäischen Artenschutzverordnung, der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie, wird der Umgang mit Neophyten in Deutschland durch das Bundesnaturschutzgesetz grundsätzlich geregelt. Der Artikel § 41 (2) schreibt vor, dass: „Die Länder ... geeignete Maßnahmen (treffen), um die Gefahren einer Verfälschung der Tier- und Pflanzenwelt der Mitgliedstaaten durch Ansiedlung und Ausbreitung von Tieren und Pflanzen gebietsfremder Arten abzuwehren“11. Dies soll auf der Basis von „Genehmigungen des Ansiedelns gebietsfremder Arten“ erfolgen, also Sachverhalten, die durch bewusstes Handeln ausgelöst werden. Neben dieser bewussten Ausbreitung läuft parallel die unbewusste / gesetzlich nicht steuerbare Ausbreitung ab. Die Ausbreitung von Neophyten geschieht nicht unsichtbar, aber doch oftmals unbeobachtet, bzw. nur sporadisch untersucht und dann häufig nur ortsbegrenzt. Ein koordiniertes, wissenschaftlich abgeleitetes Monitoringsystem für Neophyten ist nach Stand des Wissens, trotz frühzeitiger Forderung u.a. des NABU (2000), in keinem regionalen Bezug wie der Länderebene Deutschlands vorhanden. In diesem Zusammenhang möchte die vorliegende Arbeit eine Grundlage im Bundesland Brandenburg entwerfen.
Textauszug (computergeneriert)
Fachhochschule Eberswalde
Entwurf eines Monitoring zur Ausbreitung von Neophyten in Brandenburg
Sven Christian
Coautoren:
Mirjeta Bickel, Julika Jarosch, Beatrice Kreinsen, Jenny Uhlig
Inhaltsverzeichnis
1 Allgemeiner Teil ... 6
1.1 Einleitung ... 6
1.2 Allgemeines zum Monitoring und zu Neophyten ... 8
1.2.1 Definitionsgeschichte ... 8
1.2.2 Klassifizierungen ... 8
1.2.3 Status der Einbürgerung von Neophyten in Deutschland ... 10
1.2.4 Invasive gebietsfremde Arten ... 10
1.2.5 Ökologie und Verbreitungsstrategien von Neophyten ... 11
1.2.6 Neophyten und Klimawandel ... 13
1.2.7 Neophyten und zunehmender globaler Austausch ... 15
1.2.8 Monitoring ... 16
1.2.9 IT- Einsatz im Monitoring ... 17
2 Konzept Zielformulierung ... 20
2.1 Wann sind Neophyten naturschutzrelevant? ... 20
2.1.1 Ist das Verhalten von Neophyten sicher vorhersagbar? ... 21
2.1.2 Ist ein naturschutzfachliches Monitoring von Neophyten sinnvoll? ... 23
2.1.3 Zielformulierung ... 24
3 Methodik ... 25
3.1 Bestandsanalyse ... 25
3.2 Potentialanalyse ... 27
3.2.1 Fehlerbetrachtung der Potentialanalyse ... 28
3.3 Biotopbezogene Erfassung aus naturschutzfachlicher Sicht ... 30
3.4 Biotopbezogene Erfassung aus gesundheitlicher Sicht ... 34
3.4.1 Allergieauslösende Neophyten ... 34
3.4.2 Giftige Neophyten ... 35
3.4.3 Betroffene Biotoptypen in Siedlungsbereichen ... 35
4 Schlussfolgerungen/Tendenzen/Ausblick ... 36
5 Allgemeinverständliche Zusammenfassung ... 39
6 Quellen und Literaturverzeichnis ... 41
Anhang ... 43
Anhang 1 Artenliste – Neophyten ... 44
rot – geschützter Biotop nach § 32 BrbNatSchG ... 53
Anhang 2 gesundheitsgefährdende Neophytenarten ... 54
Anhang 3 potentielle Neophytenarten Brandenburg ... 56
Anhang 4 Artcharakteristiken der invasiven Neophyten ... 59
1. Allgemeiner Teil
1.1 Einleitung
Die Aufmerksamkeit gegenüber gebietsfremden Pflanzenarten / Neophyten hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Zwar bürgert der Mensch seit dem 15. Jahrhundert bewusst oder unbewusst Neophyten in großem Maßstab in die Kulturlandschaft Europas ein, im Zuge der Globalisierung und Klimaerwärmung wird aber deutlich, dass die einheimische Flora durch Zuzug der gebietsfremden Arten im verstärkten Maß verändert und teilweise beeinträchtigt wird. Als solche Beeinträchtigungen werden volkswirtschaftliche und gesundheitsbeeinträchtigende Schäden gemeldet (STARFINGER MDL. 2007). REINHARDT ET AL. (2003)1 hat für Deutschland anhand von ausgewählten Neophytenarten versucht diese zu berechnen. Für die USA würden derartige Kosten nach Angaben des US-Kongresses von 1993 auf 3,6 bis 5,4 Milliarden Dollar pro Jahr geschätzt (DEUTSCHER BUNDESTAG 2000)2. REINHARDT ET AL. (2003) kommt für den deutschen Raum zu dem Schluss, dass nicht alle untersuchten Neophytenarten ökonomische Schäden verursachen. STARFINGER (mdl. 2007) untermauert dies und gibt dabei auch zu bedenken, dass die Neophytenproblematik weltweit in unterschiedlich starken Ausprägungen gegenwärtig ist. Dabei ist Mitteleuropa (derzeit) nicht so massiv betroffen, wie bspw. ozeanische Inseln und andere isolierte und konkurrenzschwache Floren, wie Australien. Von den meisten Neophyten, die sich bei uns ansiedeln konnten, gehen keine Gefahren für unsere Natur oder Gesundheit aus und sie haben auch keine negativen wirtschaftlichen Auswirkungen (FLORAWEB, 2006)3. Allerdings haben „Neophyten (auch in Deutschland, Anm. d. A.) grundsätzlich das Potenzial, hohe wirtschaftliche Schäden zu verursachen“: DEUTSCHER BUNDESTAG (2000).
Die ökologischen Schäden sind im Fokus zahlreicher Wissenschaftsstudien. So rufen nach PARKER ET AL. (1999, IN HEGER 20044) gebietsfremde Arten aus ökologischer Sicht auf mehreren Ebenen Veränderungen hervor. Diese werden häufig aus naturschutzfachlicher Perspektive negativ bewertet. Es kann bspw. zu direkten Auswirkungen auf Individuen heimischer Arten kommen, so dass deren Vitalität beeinträchtigt wird (z.B. Allelopathie, CALLAWAY & ASCHEHOUT 2000, IN HEGER 20045). Durch Hybridisierung können heimische Arten beeinflusst oder sogar zum Aussterben gebracht werden (HEGER 20046). Invasionen können Auswirkungen auf die Populationsdynamik heimischer Arten haben, im Extremfall kann dies deren Aussterben zur Folge haben (KOWARIK 1992, IN HEGER 20047). Zudem können Effekte auf der Ebene der Gemeinschaften auftreten, die bspw. zu einer Verminderung des Artenreichtums führen und schließlich kann der Einfluss gebietsfremder Arten Ökosystemprozesse verändern (MACK & D`ANTONIO 1998, IN HEGER 20048). STARFINGER (mdl. 2007) weist darauf hin, dass die gebietsfremden Arten die Co-Evolution in den Einwanderungsgebieten nicht durchlaufen haben und sie daher immer einem Anfangsverdacht unterliegen, Probleme zu bereiten. Sie können dann ökologisch problematisch werden, wenn sie schützenswerte Biotope gefährden (sog. Invasive Arten, vgl. Glossar). BÖHMER ET AL. (2001)9 sieht insgesamt, dass gebietsfremde Arten auch in Deutschland ein wichtiger Faktor für den Rückgang der biologischen Vielfalt sein können.
Daher nehmen im Bereich der Wissenschaft, des Naturschutzes, aber auch auf der rechtlichen Ebene weltweit die Bemühungen zu, den von invasiven gebietsfremden Arten verursachten Entwicklungen angemessen zu begegnen. Unter der Beachtung der internationalen rechtlichen Übereinkünften, wie dem Übereinkommen über die Biologische Vielfalt (CBD)10, der Europäischen Artenschutzverordnung, der Flora-Fauna-Habitat- Richtlinie, wird der Umgang mit Neophyten in Deutschland durch das Bundesnaturschutzgesetz grundsätzlich geregelt. Der Artikel § 41 (2) schreibt vor, dass: „Die Länder ... geeignete Maßnahmen (treffen), um die Gefahren einer Verfälschung der Tier- und Pflanzenwelt der Mitgliedstaaten durch Ansiedlung und Ausbreitung von Tieren und Pflanzen gebietsfremder Arten abzuwehren“11. Dies soll auf der Basis von „Genehmigungen des Ansiedelns gebietsfremder Arten“ erfolgen, also Sachverhalten, die durch bewusstes Handeln ausgelöst werden. Neben dieser bewussten Ausbreitung läuft parallel die unbewusste / gesetzlich nicht steuerbare Ausbreitung ab. Die Ausbreitung von Neophyten geschieht nicht unsichtbar, aber doch oftmals unbeobachtet, bzw. nur sporadisch untersucht und dann häufig nur ortsbegrenzt. Ein koordiniertes, wissenschaftlich abgeleitetes Monitoringsystem für Neophyten ist nach Stand des Wissens, trotz frühzeitiger Forderung u.a. des NABU (2000)12, in keinem regionalen Bezug wie der Länderebene Deutschlands vorhanden. In diesem Zusammenhang möchte die vorliegende Arbeit eine Grundlage im Bundesland Brandenburg entwerfen.
1.2 Allgemeines zum Monitoring und zu Neophyten
1.2.1 Definitionsgeschichte
Die Geschichte der Definitionsentwicklung des Begriffs „Neophyt“ zeigt, dass unterschiedliche Perspektiven zu unterschiedlichen Zeiten zum Thema bestanden. Neophyt in seiner buchstäblichen Bedeutung entspringt dem griechischen Stammwort „neóphytos“ und bedeutet „neu gepflanzt“. In der Botanik wurde der Begriff „Neophyt“ bereits im Jahr 1903/04 durch den Schweizer Botaniker Rikli eingeführt. Unter der Bezeichnung wurden unbeabsichtigt eingeschleppte, nichteinheimische Arten verstanden, die „sich bereits ganz mit unserer einheimischen Pflanzenwelt verassimiliert“ haben. Um das Jahr 1919 gab Thellung die Beschränkung auf „unbeabsichtigt eingeführte Arten“ auf.
Schroeder interpretierte den Neophytenbegriff Anfang der 70-er Jahre ausschließlich zeitlich und verstand unter diesem Arten, deren durch den Menschen ermöglichte Einwanderung erst in „historischer“ Zeit erfolgte. Zeitliche Trennlinie ist das Jahr 1492, in dem Kolumbus Amerika entdeckte. Diese zeitliche Begrenzung ist zwar willkürlich, aber aus pragmatischen Gründen durchaus sinnvoll. Ab 1500 erfolgte nicht nur ein zunehmend rascher Austausch von Pflanzenarten über die bisherigen Ausbreitungsschranken hinweg, sondern es entwickelte sich [in der Renaissance] auch erst das Interesse für die Pflanzenwelt und ihre Verschiedenheit13. Neben den Ausbreitungswegen und den entsprechenden Zeitabgrenzungen geht das botanische Wörterbuch (SCHUBERT & WAGNER 2000) bei der Definition von Neophyten auch auf den Einwanderungserfolg ein: „Neophyten sind Einwanderer, die an natürlichen Standorten inmitten der einheimischen Pflanzenwelt sich anzusiedeln und einzubürgern vermögen“. Bei der Literaturdurchsicht ist tendenziell aufgefallen, dass in neuerer Zeit der Begriff „gebietsfremde Art“ den „Neophyten“-Begriff zu ersetzen scheint (BRANDES 2000, BFN, 2005).
[...]
1 Reinhardt, F., Herle, M., Bastiansen, F., Streit, B. (2003): Ökonomische Folgen der Ausbreitung von Neobiota, Berlin
2 http://www.bundestag.de/aktuell/hib/2000/0031709.html
3 http://www.floraweb.de/neoflora/auswirkung.html
4 Heger, T. (2004): Zur Vorhersagbarkeit biologischer Invasionen. Entwicklung und Anwendung eines Modells zur Analyse der Invasion gebietsfremder Pflanzen, Schriftenreihe Neobiota, Band 4, Berlin
5 Heger, T. (2004): Zur Vorhersagbarkeit biologischer Invasionen. Entwicklung und Anwendung eines Modells zur Analyse der Invasion gebietsfremder Pflanzen, Schriftenreihe Neobiota, Band 4, Berlin
6 Ebenda
7 Ebenda
8 Ebenda
9 Böhmer, H. J., Heger, T. & Trepl, L. (2001): Fallstudien zu gebietsfremden Arten in Deutschland/Case Studies on Alien Species in Germany. Robinia pseudoacacia, Reynoutria japonica, Senecio inaequidens, Dreissena polymorpha, Ondatra zibethicus, Mustela vison. UBA-Texte 13/01, Berlin
10 Die CBD schreibt erstmals Vorsorge, Kontrolle und Bekämpfung invasiver Arten als Ziel und Aufgabe des Naturschutzes völkerrechtlich. Dazu wurden auf der 6. Vertragsstaatenkonferenz 2002 auf Grundlage des Vorsorgeprinzips die „Guiding Principles on Invasive Alien Species“ (ein umfangreicher Maßnahmenkatalog als Muster für nationale Umsetzungsstrategien) verabschiedet.
11 Bundesgesetzblatt Jahrgang 2002 Teil I Nr. 22, ausgegeben zu Bonn am 3. April 2002
12 Mayr C., Kiefer A. (Red.): Was macht der Halsbandsittich in der Thujahecke? Zur Problematik von Neophyten und Neozoen und ihrer Bedeutung für den Erhalt der biologischen Vielfalt. Tagungsband, Braunschweig - http://www.nabu.de/ratgeber/neobiota_branschweig.pdf
13 Brandes D. (2000): Neophyten in Deutschland – Ihre standörtliche Einnischung und die Bedrohung der indigenen Flora. In: Mayr C., Kiefer A. (Red.): Was macht der Halsbandsittich in der Thujahecke? Zur Problematik von Neophyten und Neozoen und ihrer Bedeutung für den Erhalt der biologischen Vielfalt. Tagungsband
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