Autor: Arne Kohlweyer
Fach: Kulturwissenschaft
Details
Jahr: 2007
Seiten: 22
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 17 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 160 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-82902-1
ISBN (Buch): 978-3-638-83113-0
Zusammenfassung / Abstract
Dem Film an sich gelang gerade auch in Schweden der Durchbruch von der Jahrmarktsattraktion hin zur Kunstform. Dank Filmemachern wie Victor Sjöström und Mauritz Stiller konnte hier qualitativ in neue Dimensionen vorgestoßen werden. Eine „…exotisch nordische Mischung von Eigensinn und Filmbegabung, von Kompromisslosigkeit und wilder Bildkraft…“ war es, die Ingmar Bergman und dem schwedischen Film in den 1950er und 60er Jahren wiederum zu Weltruhm verhelfen sollten. Heutzutage schauen die Schweden fünfmal mehr Filme als noch vor 50 Jahren – nur eben nicht mehr hauptsächlich im Kino. Die Dunkelziffer (illegale Filmdownloads im Internet, Schwarzmarktkopien, etc.) dürfte sogar weitaus höher liegen. Jeder fünfte dieser Filme ist schwedisch! Und das, obwohl man sich in der größten Revolution seit Einführung des Tonfilms, vielleicht sogar überhaupt befindet. Der Einzug digitaler Techniken erweist sich gleichermaßen als Fluch und Segen. Umso interessanter dürfte sein, wie der traditionsreiche schwedische Film, der in seiner langen Geschichte bereits mehrere Krisen überstehen musste, der neuerlichen Herausforderung gegenübertritt und ob es ihm gelingt, weiterhin den Balanceakt zwischen Kunst und Kommerz zu meistern. Ausgangspunkt dieser Betrachtung ist der Regionalisierungsprozess in der schwedischen Filmlandschaft auf den hier ausgiebig eingegangen werden soll. Ferner wird die momentane Verwertungssituation für schwedische Filme, sowie die Förderungs- und Ausbildungspolitik des Landes beleuchtet, ehe der künstlerische Aufschwung und die neuerliche Krise thematisiert werden, um schließlich folgende Frage zu beantworten: Ist der schwedische Film zur Jahrtausendwende lediglich nur noch per Zufall Kunst?
Textauszug (computergeneriert)
Europa-Universität Viadrina, Fakultät für Kulturwissenschaft
Seminar: Einführung in die Kulturwissenschaft
Wintersemester 2006/2007
"Art by accident"? - Der schwedische Film zur Jahrtausendwende
von
Arne Kohlweyer
Inhaltsverzeichnis
1. ABSTRACT 3
2. EINLEITUNG 3
3. HAUPTTEIL 6
3.1 Regionalisierung 6
3.2 Verwertung 8
3.3 Förderung und Ausbildung 10
3.4 Künstlerischer Aufschwung 12
3.5 Erneute Krise 14
4. FAZIT 18
BIBLIOGRAPHIE 20
ANHANG 21
1. ABSTRACT
The primary intention of this essay is to point out the artistic and economic developement of Swedish film during the last 10 years. The analytical focus lies on regionalism, changes in the exploitation chain and the situation of the Swedish Film Institute. Furthermore the thesis that Swedish film at the turn of millenium is just ′art by accident′ will be investigated.
2. EINLEITUNG
Dem Film gelang gerade auch in Schweden der Durchbruch von der Jahrmarktsattraktion hin zur Kunstform. Begünstigt durch die politische Neutralität des Landes konnte der schwedische Film während und nach dem ersten Weltkrieg weltweit eine tragende Rolle spielen und dank Filmemachern wie Victor Sjöström und Mauritz Stiller auch qualitativ in neue Dimensionen vorstoßen.
Während der 1920er und 30er Jahre wurde der Einfluss Hollywoods zunehmend größer. Stiller versuchte sein Glück in der Traumfabrik Amerikas und nahm seinen großen Star Greta Garbo gleich mit. Die Einführung des Tonfilms stellte auch die schwedische Filmlandschaft vor gravierende Umstellungen. Selbst der Boom nach dem zweiten Weltkrieg - immerhin wurden jetzt mehr als 40 Filme jährlich produziert1 - konnte über den künstlerischen Niedergang des schwedischen Films nicht hinwegtäuschen. Mit so genannten Cocktail- und Pilsnerfilmen, seichten Lustspielen in gutbürgerlichem bzw. in volkstümlichem Milieu wurde das Publikum bei Laune gehalten. Mit dem Verlust der kriegsbedingten Quasi- Monopolstellung ging eine gewisse Ignoranz gegenüber neuer Einflüsse, wie dem italienischen Neorealismus einher. Filmemacher wie Gustaf Molander und Alf Sjöberg prägten diese Zeit.
Die Erneuerung des schwedischen Films ging schließlich von einigen Kurz-, Dokumentar-, Experimental- und Naturfilmern aus. Vor allem Arne Sucksdorff, der mit seinem Dokumentarfilm Människor i stad2 1946 gar den Oscar erhielt, sorgte dafür, dass wieder etwas mehr Individualität Einzug hielt. Zudem machte mit Ingmar Bergman ein junger Mann zunächst mit einigen Drehbucharbeiten, dann auch bald mit ersten Filmprojekten auf sich aufmerksam, der nicht nur die schwedische Filmlandschaft nachhaltig beeinflussen sollte. Den Fokus der Weltöffentlichkeit lenkte aber zunächst ein anderer zurück auf Schweden. Hon dansade en sommar von Arne Mattson, einem der produktivsten schwedischen Filmemacher, überzeugte die Zuschauer weniger durch seine Handlung als mehr durch seine Freizügigkeit - dank der liberalen schwedischen Zensur, die im Gegensatz zur damaligen Prüderie im übrigen Europa stand. Der Schwedenfilm, bestehend aus den Komponenten schwedischer Sommer und nackter Haut, war geboren.3
1950 entbrannte dann ein Streit um Vergnügungssteuer, die mit 40% auf jeder Kinokarte lag, der in einem Filmstreik mündete und Filmemacher wie Bergman dazu zwang ihren Lebensunterhalt mit Werbung für Seife zu bestreiten. Erst ein Jahr später gab die Regierung schließlich nach und senkte die Steuern. Zudem beschloss sie die Steuerrückvergütung für besonders erfolgreiche Kinofilme. Filme, die also ohnehin schon erfolgreich waren, wurden obendrein belohnt. 4 Ein erster Schritt in eine hauptsächlich am wirtschaftlichen Erfolg orientierte Förderungspolitik war getan – zu Ungunsten künstlerisch etwas anspruchsvollerer oder eigenwilligerer Projekte.
Die „…exotisch nordische Mischung von Eigensinn und Filmbegabung, von Kompromisslosigkeit und wilder Bildkraft…“5 war es, die Bergman und dem schwedischen Film alsbald zu Weltruhm verhelfen sollten. Zudem sorgte vor allem die umfangreiche Verfilmung der Bücher Astrid Lindgren zu einer einzigartigen Stellung Schwedens im Bereich des Kinderfilms.
Während man den Umbruch mit der Einführung des Farbfilms noch meistern und den amerikanischen Breitwandfilmen noch strotzen konnte, sorgte das in Schweden 1957 von der Regierung eingeführte Fernsehen für den allmählichen Niedergang der Kinokultur. Das daraufhin gegründete Svenska Filminstitutet sollte vornehmlich gegen diese Entwicklung gegensteuern, konnte aber das Unaufhaltsame nicht verhindern.
Heute schauen die Schweden dennoch fünfmal mehr Filme als noch vor 50 Jahren – nur eben nicht mehr hauptsächlich im Kino. Die Dunkelziffer (illegale Filmdownloads im Internet, Schwarzmarktkopien, etc.) dürfte sogar weitaus höher liegen. Jeder fünfte dieser Filme ist schwedisch! 6 Und das, obwohl man sich in der größten Revolution seit Einführung des Tonfilms, vielleicht sogar überhaupt befindet. Der Einzug digitaler Techniken erweist sich gleichermaßen als Fluch und Segen. Umso interessanter dürfte sein, wie der traditionsreiche schwedische Film, der in seiner langen Geschichte bereits mehrere Krisen überstehen musste7, der neuerlichen Herausforderung gegenübertritt und ob es ihm gelingt, weiterhin den Balanceakt zwischen Kunst und Kommerz zu meistern.8
Ausgangspunkt dieser Betrachtung ist der Regionalisierungsprozess in der schwedischen Filmlandschaft auf den hier ausgiebig eingegangen werden soll. Ferner wird die momentane Verwertungssituation für schwedische Filme, sowie die Förderungs- und Ausbildungspolitik des Landes beleuchtet, ehe der künstlerische Aufschwung und die neuerliche Krise thematisiert werden, um schließlich folgende Frage zu beantworten: Ist der schwedische Film zur Jahrtausendwende lediglich nur noch per Zufall Kunst?
3. HAUPTTEIL
3.1 Regionalisierung
[...]
1 Der Spitzenwert betrug 1947 44 Filme. Nur 1916 wurde mit 39 (Stumm-)filmen eine ähnlich hohe Anzahl erzielt.. - vgl. Lachmann 1993, S. 163
2 Die Filmtitel werden folgend im Original angegeben. Eine Auflistung mit dem gegebenenfalls deutschen Verleihtitel befindet sich im Anhang.
3 vgl. Lachmann 1993, S.171 ff.
4 vgl. Lachmann 1993, S.171
5 Lachmann S.175
6 vgl. Hedling 2006a, S.9
7 Zu den bereits genannten Krisen ist vor allem noch der so genannte US-Boykott zu nennen. 1976/77 verfügten die US-Konzerne und ihre Tochtergesellschaften einen Verleihboykott, um die Erhöhung der maximalen Verleihabgaben von 50 auf 60 % durchzusetzen. Dies führte zu einer kurzfristigen Zunahme des Anteils schwedischer und nichtamerikanischer Filme. Schlöndorff, Herzog, Kluge und Fassbinder beispielsweise verdanken dem Boykott ihren Durchbruch in Skandinavien. Bereits Ende 1978 betrug der Marktanteil amerikanischer Produktionen aber wieder 75 Prozent. – vgl. Lachmann 1993, S.188
8 vgl. Lachmann S.193
Kommentare
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden: