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Scholary Paper (Seminar), 2006, 28 Pages
Author: Katja Henning
Subject: Sociology - Work, Profession, Education, Organisation
Details
Tags: Belästigung, Arbeitsplatz, Form, Mobbings
Year: 2006
Pages: 28
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 15 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-83071-3
File size: 196 KB
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Abstract
Seit Jahren steigt die Zahl der Arbeitslosen stetig an, unbefristete Arbeitsverträge werden nur noch selten vergeben und der Leistungsdruck in den Betrieben nimmt in unserer wettbewerbsorientierten Dienstleistungsgesellschaft kontinuierlich zu. Damit wachsen auch Zukunftsängste und die Unsicherheit. Gesellschaften reagieren darauf in sehr unterschiedlicher Weise. Während die einen diese Unsicherheit akzeptieren und damit risikofreudiger und toleranter gegenüber abweichenden Meinungen und Verhaltensweisen sind, reagieren andere, wie es zum Beispiel in Deutschland erkennbar ist, nervös, gestresst oder gar aggressiv. Die zuletzt Genannten zeichnen sich aus durch die Einführung spezifischer Regeln, eine geminderte Toleranz gegenüber Abweichlern, das Anstreben einer lebenslangen Beschäftigung und eine geringe Arbeitsplatzmobilität. Häufig wird in diesem Zusammenhang auch von einer bestehenden Maskulinität gesprochen, das heißt maskuline Werte wie Durchsetzungsfähigkeit und Materialismus stehen im Vordergrund. In sehr maskulinen Gesellschaften findet man erheblichen arbeitsbedingten Stress und Konflikte. Dieser entsteht nicht zuletzt auch durch den Missbrauch von Machtverhältnissen. Auch wenn Macht erforderlich ist, um Veränderungen voranzutreiben, so ist sie auf der anderen Seite auch ein Instrument, um sich ungerechtfertigte Vorteile zu verschaffen, vermeintliche Gegner zu vernichten sowie Kritik und unerwünschte Meinungen zu unterdrücken. Doch sind es in der Regel nicht die Instrumente selbst, von denen Gefahr ausgeht, sondern die Menschen, die sich ihrer bedienen – genauer, die Einstellung, aus der heraus sie handeln, sowie die Absichten und Ziele, die sie verfolgen. Im Rahmen dieser Überlegungen und nicht zuletzt wegen der stetig steigenden Brisanz des Themas setzt sich diese Arbeit mit zwei Formen des ichhaften Machteinsatzes in Unternehmen auseinander: Mobbing und sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Dabei sollen beide Taktiken zunächst völlig unabhängig voneinander betrachtet werden, ihre jeweilige Definition, Erkennungsmerkmale sowie deren begünstigenden Konstellationen. Daraus schlussfolgernd soll ein Vergleich stattfinden, um letztlich folgende Frage zu beantworten: Ist sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz eine Form von Mobbing?
Excerpt (computer-generated)
Universität: FU Berlin
Seminar: Theorie und Praxis der Organisation
Ist sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz eine Form des Mobbings?
von
Katja Henning
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Mobbing 4
2.1 Definition 4
2.1.1 Die allgemeine Definition
2.1.2 Leymann´s Verlaufsmodell
2.1.3 Die operationale Definition
2.2 Die 45 Mobbing-Handlungen 8
2.2.1 Angriffe auf die Möglichkeit, sich mitzuteilen
2.2.2 Angriffe auf die sozialen Beziehungen
2.2.3 Angriffe auf das soziale Ansehen
2.2.4 Angriffe auf die Qualität der Berufs- und Lebenssituation
2.2.5 Angriffe auf die Gesundheit
2.3 Gründe und Ursachen von Mobbing 10
2.3.1 Die Mobbingtäter
2.3.1.1 Übergriffe von Mitarbeitern gegen Vorgesetzte (Bottom-Up-Mobbing)
2.3.1.2 Übergriffe von Vorgesetzten gegen Mitarbeiter (Top-Down-Mobbing)
2.3.1.3 Übergriffe von Mitarbeitern untereinander
2.3.2 Die Mobbingopfer
2.3.3 Arbeitsorganisation und betriebliche Situation
3. Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz 14
3.1 Definition 14
3.2 Eine bundesweite Studie 15
3.3 Die Ergebnisse 16
3.4 Konstellationen, die sexuelle Belästigungen am Arbeitsplatz begünstigen 18
3.4.1 Die Opfer
3.4.2 Die Täter
3.4.3 Die Situationen
4. Fazit 21
5. Anhang 23
5.1 Die 45 Handlungen – was die „Mobber“ tun
5.2 Mobbing als Prozess – Schema
5.3 sexuelle Belästigung – Befragungsergebnisse
6. Literaturverzeichnis 27
1. Einleitung
Seit Jahren steigt die Zahl der Arbeitslosen stetig an, unbefristete Arbeitsverträge werden nur noch selten vergeben und der Leistungsdruck in den Betrieben nimmt in unserer wettbewerbsorientierten Dienstleistungsgesellschaft kontinuierlich zu. Damit wachsen auch Zukunftsängste und die Unsicherheit.
Gesellschaften reagieren darauf in sehr unterschiedlicher Weise. Während die einen diese Unsicherheit akzeptieren und damit risikofreudiger und toleranter gegenüber abweichenden Meinungen und Verhaltensweisen sind, reagieren andere, wie es zum Beispiel in Deutschland erkennbar ist, nervös, gestresst oder gar aggressiv. Die zuletzt Genannten zeichnen sich aus durch die Einführung spezifischer Regeln, eine geminderte Toleranz gegenüber Abweichlern, das Anstreben einer lebenslangen Beschäftigung und eine geringe Arbeitsplatzmobilität. Häufig wird in diesem Zusammenhang auch von einer bestehenden Maskulinität gesprochen, das heißt maskuline Werte wie Durchsetzungsfähigkeit und Materialismus stehen im Vordergrund. In sehr maskulinen Gesellschaften findet man erheblichen arbeitsbedingten Stress und Konflikte.1 Dieser entsteht nicht zuletzt auch durch den Missbrauch von Machtverhältnissen. Auch wenn Macht erforderlich ist, um Veränderungen voranzutreiben, so ist sie auf der anderen Seite auch ein Instrument, um sich ungerechtfertigte Vorteile zu verschaffen, vermeintliche Gegner zu vernichten sowie Kritik und unerwünschte Meinungen zu unterdrücken. Doch sind es in der Regel nicht die Instrumente selbst, von denen Gefahr ausgeht, sondern die Menschen, die sich ihrer bedienen – genauer, die Einstellung, aus der heraus sie handeln, sowie die Absichten und Ziele, die sie verfolgen. Grundsätzlich wird in diesem Zusammenhang von sachbezogenem und ichhaftem Einsatz von Macht gesprochen. „Sachbezogen ist der Einsatz von Macht dann, wenn die dahinter stehende Intention gemeinschaftsfördernd ist, also etwa, wenn es darum geht, etwas aufzubauen, Entwicklungen voranzubringen, Ideen zu verwirklichen, aber auch, etwas Wertvolles zu verteidigen. Dagegen ist er ichhaft, wenn die Intention gegen die Gemeinschaft gerichtet ist – also etwa, wenn sie benutzt wird, um sich über andere zu stellen, andere klein zu machen, Wertvolles zu zerstören.“2
Im Rahmen dieser Überlegungen und nicht zuletzt wegen der stetig steigenden Brisanz des Themas setze ich mich in dieser Arbeit mit zwei Formen des ichhaften Machteinsatzes in Unternehmen auseinander: Mobbing und sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Dabei sollen beide Taktiken zunächst völlig unabhängig voneinander betrachtet werden, ihre jeweilige Definition, Erkennungsmerkmale sowie deren begünstigenden Konstellationen. Daraus schlussfolgernd soll ein Vergleich stattfinden, um letztlich folgende Frage zu beantworten: Ist sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz eine Form von Mobbing?
2. Mobbing
2.1 Definition
2.1.1 Die allgemeine Definition
Der Begriff Mobbing leitet sich aus dem englischen Verb „to mob“ ab, was soviel bedeutet wie „über jemanden lärmend herfallen“, „angreifen“, „attackieren“. Er wurde erstmals von dem Verhaltensforscher Konrad Lorenz verwendet, der damit Gruppenangriffe von eigentlich unterlegenen Tieren zur Vertreibung von Gegnern bezeichnete. Bezogen auf zwischenmenschliches Gruppenverhalten führte der schwedische Arzt Heinemann den Ausdruck Mobbing ein, als er Gruppengewalt von Kindern untersuchte. Schließlich übernahm der schwedische Arbeitswissenschaftler Leymann den Begriff, um psychische Gruppengewalt im Arbeitsleben zu charakterisieren.3
Es stellt sich dabei allerdings die Frage, wann man von Mobbing sprechen kann. Denn innerhalb von Organisationen, in Arbeitsgruppen, zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern gibt es in der Regel oft unterschiedliche Interessen und damit auch ein erhöhtes Konfliktpotenzial. Doch Meinungsverschiedenheiten und Konflikte können auch ein wichtiger Teil von Veränderung und Weiterentwicklung sein. An dieser Stelle wird bereits deutlich, wie schwer der Begriff „Mobbing“ abzugrenzen ist. Leymann leitete aber aus seinen ersten Forschungen heraus eine allgemeine Definition für Mobbing ab, auf die sich nahezu alle nachfolgenden Definitionen von Wissenschaftlern beziehen: „Der Begriff Mobbing beschreibt negative kommunikative Handlungen, die gegen eine Person gerichtet sind (von einer oder mehreren anderen) und die sehr oft und über einen längeren Zeitraum hinaus vorkommen und damit die Beziehung zwischen Täter und Opfer kennzeichnen.“4
Eines der entscheidendsten Merkmale hinsichtlich dieser Definition ist die Häufigkeit der Angriffe über einen längeren Zeitraum. Untersuchungen von Wissenschaftlern zeigten zudem, dass die meisten Mobbingfälle den gleichen Verlauf aufweisen, geprägt von verschiedenen aneinander anschließenden Phasen. Demnach spricht man bei Mobbing auch von einem Prozess. Leymann entwickelte aus diesen Überlegungen heraus ein Verlaufsmodell, das zunächst vier Phasen enthielt. Dieses Modell wurde zu einem späteren Zeitpunkt weiterentwickelt, indem es um eine weitere Phase zwischen der ursprünglich dritten und vierten Phase erweitert wurde.
2.1.2 Leymann´s Verlaufsmodell
Am Anfang dieses Prozesses stehen die Konflikte in der Organisation. An dieser Stelle sei erneut darauf hingewiesen, dass ohne konstruktive Konflikte wesentliche Veränderungen kaum möglich sind.5 Und trotzdem werden häufig nur die nervliche Anspannung, der Zeit- und Energieverlust sowie die emotionale Belastung in einer Konfliktsituation gesehen.6 Werden jetzt Konflikte vertuscht oder tabuisiert, schwellen sie weiter an und brechen früher oder später in verschärfter Form aus7, womit eine größere Gefahr für Mobbing besteht.
In Phase zwei etabliert sich das Mobbing, indem nach einem nicht konstruktiv bewältigten Konflikt aus vereinzelten Sticheleien und Gehässigkeiten ein systematischer und gezielter Psychoterror wird.8 Die psychische Verfassung des Mobbingopfers wird immer schlechter, das Selbstvertrauen wird gestört, Stresssymptome stellen sich ein. Zudem gerät das Opfer in ein Verteidigungsverhalten, seine Widerstandkraft erlahmt allerdings allmählich.9 Phase drei ist gekennzeichnet durch erste Reaktionen der Organisation, in Gestalt eines Vorgesetzten, eines Mitarbeiters der Personalabteilung oder des Betriebsrates.
[...]
1 Weinert, Ansfried B.: Organisationspsychologie; Psychologie Verlags Union; Weinheim; 1998; S. 37 f
2 http://www.umsetzungsberatung.de/geschaeftsleitung/machtmissbrauch.php (Stand: 23.07.06); Die Umsetzungsberatung Winfried Berner + Kollegen BDU; Die Rolle der Geschäftsleitung: Machtmissbrauch: von destruktiver und von konstruktiver Macht
3 Esser, Axel/ Wolmerath, Martin: Mobbing. Der Ratgeber für Betroffene und ihre Interessenvertretung; Bund-Verlag; Köln; 1997; S. 20
4 Leymann, Heinz: Mobbing. Psychoterror am Arbeitsplatz und wie man sich dagegen wehren kann; Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH; Reinbek bei Hamburg; 1993; S. 21
5 ebd. S. 60
6 Kratz, Hans-Jürgen: Mobbing. Erkennen, ansprechen, vorbeugen; Wirtschaftsverlag Carl Ueberreuter, Wien/ Frankfurt; 2000; S. 20
7 ebd. S. 21
8 ebd. S. 23
9 Leymann, Heinz: Mobbing. Psychoterror am Arbeitsplatz und wie man sich dagegen wehren kann; S. 61
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