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Symbolischer Interaktionismus - Eine Sozialisationstheorie

Scholary Paper (Seminar), 2007, 21 Pages
Author: Stefan Lorenz
Subject: Sociology - Classics, Basics and Theoretical Directions

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2007
Pages: 21
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 16  Entries
Language: German
Archive No.: V77706
ISBN (E-book): 978-3-638-82750-8
ISBN (Book): 978-3-638-83179-6
File size: 229 KB

Abstract

Wer ist eigentlich George Herbert Mead und nachdem diese Frage geklärt ist, warum sollte man sich mit einem Soziologen auseinandersetzen, dessen Thesen auf einer Gesellschaft aufbauen die schon lange Vergangenheit ist? Haben diese Thesen noch einen Wert für die heutige Gesellschaftsanalyse und vielleicht auch darüber hinaus? Diese Fragen kommen dem mit dem Wortungetüm des symbolischen Interaktionismus konfrontierten Leser in den Sinn, der nach einem kurzen Blick in das Lexikon zur Soziologie keine klare Vorstellung vom Werk George Herbert Meads bekommen hat. Meads Arbeiten insgesamt stellen eine umfassende Theorie zur Funktion von Interaktion und Kommunikation dar. Die Probleme, seine Theorie zu erfassen entstehen aus der Art der Veröffentlichung; sein Werk stellt kein in sich geschlossenes methodisches Konstrukt dar, sondern besteht aus mehreren Einzelarbeiten zu verschieden Aspekten. Diese Einzelarbeiten wurden nicht von ihm selbst herausgegeben, sondern von einem seiner Schüler posthum veröffentlicht. Die leitenden Fragestellungen dieser Arbeit orientieren sich im wesentlichen an den Fragestellungen die Mead selbst bearbeitet hat. Wie entsteht Identität im Individuum? Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein um eine solche Identität überhaupt zu entwickeln? In welchen Phasen läuft diese Entwicklung ab? Und wie kann man diese auf das Individuum zentrierte Analyse in eine Analyse der Gesamtgesellschaft transformieren? Außerdem soll der Einfluss des symbolischen Interaktionismus auf die weitere Entwicklung der Soziologie betrachtet werden. Aus diesen Fragestellungen leitet sich dann auch die grobe Struktur ab: Im ersten Teil wird die psychologische Struktur des Bewusstseins dargestellt und es werden die begrifflichen Grundlagen für die weitere Beschäftigung mit dem Thema gelegt. Der zweite Teil beschäftigt sich vor allem mit der phasenweisen Entwicklung der Identität im Rahmen sozialer Interaktion während sich der letzte Teil mit der Weiterentwicklung des symbolischen Interaktionismus in der Theorie des kommunikativen Handelns von Jürgen Habermas beschäftigt und eine Einordnung in moderne Sozialisationtheorien vornimmt.


Excerpt (computer-generated)

Helmut Schmidt Universität Hamburg, Universität der Bundeswehr

Hamburg, den 15. Oktober 2007

Symbolischer Interaktionismus

- Eine Sozialisationstheorie -

vorgelegt von: 

 Stefan Lorenz

Seminar: Sozialisationstheorien

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung  3

2. Gesten, Symbole und die Struktur des Bewusstseins  5
2.1. Evolutionäre Grundlagen und Gesten  5
2.2. Soziale Interaktion  6
2.3. I, Me und Self  8

3. Die Entwicklungsstufen des Selbst  11
3.1.Die Phase des Play  11
3.2. Die Phase des Game  12
3.3. Die Identität im symbolischen Interaktionismus  14
3.4. Die universale Kooperation als Zielvorstellung  

4. Moderne Anwendungen und Weiterentwicklungen  15
4.1. Die Theorie des kommunikativen Handelns  15
4.2. Die Dialektik von persönlicher und sozialer Identität  17
4.3. Die Rollentheorie von Jürgen Habermas  18

5. Schlussbetrachtung  19

6. Literaturverzeichnis  21

 

 

1. Einleitung

Wer ist eigentlich George Herbert Mead und nachdem diese Frage geklärt ist, warum sollte man sich mit einem Soziologen auseinandersetzen, dessen Thesen auf einer Gesellschaft aufbauen die schon lange Vergangenheit ist? Haben diese Thesen noch einen Wert für die heutige Gesellschaftsanalyse und vielleicht auch darüber hinaus? Diese Fragen kommen dem mit dem Wortungetüm des symbolischen Interaktionismus konfrontierten Leser in den Sinn, der nach einem kurzen Blick in das Lexikon zur Soziologie keine klare Vorstellung vom Werk George Herbert Meads bekommen hat.1

Meads Arbeiten insgesamt stellen eine umfassende Theorie zur Funktion von Interaktion und Kommunikation dar. Die Probleme, seine Theorie zu erfassen entstehen aus der Art der Veröffentlichung; sein Werk stellt kein in sich geschlossenes methodisches Konstrukt dar, sondern besteht aus mehreren Einzelarbeiten zu verschieden Aspekten. Diese Einzelarbeiten wurden nicht von ihm selbst herausgegeben, sondern von einem seiner Schüler posthum veröffentlicht. Die leitenden Fragestellungen dieser Arbeit orientieren sich im wesentlichen an den Fragestellungen die Mead selbst bearbeitet hat. Wie entsteht Identität im Individuum? Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein um eine solche Identität überhaupt zu entwickeln? In welchen Phasen läuft diese Entwicklung ab? Und wie kann man diese auf das Individuum zentrierte Analyse in eine Analyse der Gesamtgesellschaft transformieren? Außerdem soll der Einfluss des symbolischen Interaktionismus auf die weitere Entwicklung der Soziologie betrachtet werden.

Aus diesen Fragestellungen leitet sich dann auch die grobe Struktur ab: Im ersten Teil wird die psychologische Struktur des Bewusstseins dargestellt und es werden die begrifflichen Grundlagen für die weitere Beschäftigung mit dem Thema gelegt. Der zweite Teil beschäftigt sich vor allem mit der phasenweisen Entwicklung der Identität im Rahmen sozialer Interaktion während sich der letzte Teil mit der Weiterentwicklung des symbolischen Interaktionismus in der Theorie des kommunikativen Handelns von Jürgen Habermas beschäftigt und eine Einordnung in moderne Sozialisationtheorien vornimmt. Diese Arbeit kann nicht den Anspruch erheben eine Neuinterpretation der Theorie des symbolischen Interaktionismus zu leisten, sondern nur versuchen eine Schneise in den mittlerweile unübersehbar gewordenen Wald aus soziologischen Theorien zur Subjektwerdung zu schlagen und sich dabei auf einen begrenzten Ansatz zur Erklärung der Phylogenese der menschlichen Gesellschaft zu stützen. Es werden die psychologischen Grundlagen der Subjektwerdung dargestellt und in den größeren Zusammenhang der Entwicklung zur universalen Gesellschaft eingeordnet.

Die Grundlage für diese Arbeit stellt dementsprechend vor allem das Werk George Herbert Meads2 dar, zusammen mit Einführungen in die Grundlagen der soziologischen Theorien. Diese sind vor allem zur anfänglichen Beschäftigung mit der Theorie des symbolischen Interaktionismus hilfreich, da sie die Inkonsistenzen innerhalb des Werkes hervorheben und versuchen einen roten Faden in die Ausführungen Meads zu bringen.3 Vor allem zur Erklärung der Entstehungsgeschichte des Werkes hat Hans Joas mit seiner Dissertation aus dem Jahre 1979 einen wichtigen Beitrag geleistet.4 Er hat sich auch durch die Herausgabe seiner gesammelten Aufsätze in deutscher Übersetzung verdient gemacht.5 Für die weitere Beschäftigung mit der Person Meads empfiehlt es sich auch eine Beschreibung seines sozialen Umfeldes zu Rate zu ziehen, der Einfluss auf seine Arbeit wird dort unverkennbar deutlich.6 Für den letzten Teil der Arbeit wurden sowohl Texte von Jürgen Habermas zu Rate gezogen, als auch wiederum Einführungen in die Theorie der Gesellschaft und die Theorie des kommunikativen Handelns. 7 Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass eine kritische Auseinandersetzung mit den vorgestellten Quellen eine genaue Kenntnis der Grundlagen der jeweiligen Autoren erfordert. Auch müssen die Querverbindungen zwischen den einzelnen Theorien deutlich werden.

2. Gesten, Symbole und die Struktur des Bewusstseins

Bevor wir uns nun mit der Struktur des menschlichen Bewusstseins beschäftigen können, ist es notwendig, den Begriff des Bewusstseins in Sinne Meads zu erklären. Für Mead ist das Bewusstsein das „Wissen um die Bedeutung von Objekten“8. Um dieses Wissen zu erlangen, muss das Subjekt mit den Objekten interagieren. Durch die Reaktion dieser Objekte wird ein gewisser Erfahrungsschatz angelegt, dieser ist dann bei der erneuten Interaktion mit dem gleichen Objekt verfügbar. Wenn ich das gleiche Objekt noch einmal wahrnehme, kann ich vorher schon die möglichen Handlungsoptionen mit diesem Objekt abschätzen.9 Dies gilt auch für soziale Objekte, damit sind andere Individuen gemeint. Durch die Verinnerlichung der Reaktion der anderen Objekte auf mein Handeln wird die Auswahl der möglichen Handlungen beeinflusst. An diesem Punkt kommt nun die symbolisch vermittelte Interaktion zum Tragen, dass bedeutet: Die Handlungen lösen die Reaktion nicht nur innerhalb des anderen Individuums aus sondern auch im handelnden Individuum selbst. Damit wird das Individuum zum Objekt seiner eigenen Handlungen und kann durch die Antizipation der Reaktion seine Handlungsmuster anpassen.

[....]


1 Bieler, Wolfgang: Symbolischer Interaktionismus. In: Fuchs-Heinritz, Werner u.a. (Hrsg.):Lexikon zu Soziologie. 3. Auflage, Opladen 1994, S. 309.

2 Mead, George Herbert: Geist, Identität und Gesellschaft aus der Sicht des Sozialbehaviorismus. 10. Aufl, Frankfurt am Main 1995.

3 Morel, Julius(u.a.): Soziologische Theorie. Abriss der Ansätze ihrer Hauptvertreter, München 1999. Schneider, Wolfgang Ludwig: Grundlagen der soziologischen Theorie, Band 1, Wiesbaden 2002.

4 Joas, Hans: Praktische Intersubjektivität: die Entwicklung des Werkes von G.H. Mead. Frankfurt am Main 1980.

5 Mead George Herbert: Gesammelte Aufsätze. Band 1 und 2, hrsg. von Hans Joas, Frankfurt am Main 1980/1983.

6 Wenzel, Harald: George Herbert Mead zur Einführung. Hamburg 1990.

7 Habermas, Jürgen: Moralbewusstsein und kommunikatives Handeln. Frankfurt am Main 1999. Reese-Schäfer, Walter: Jürgen Habermas. Frankfurt am Main 2001. Jäger, Wieland; Baltes-Schmidt, Marion: Jürgen Habermas, Einführung in die Theorie der Gesellschaft. (Hagener Studientexte zu Soziologie), Wiesbaden 2003.

8 Morel, Julius: Soziologische Theorie. Abriss der Ansätze ihrer Hauptvertreter. München 1999, S. 58.

9 Mead, George Herbert: Geist, Identität und Gesellschaft aus der Sicht des Sozialbehaviorismus. 10. Aufl, Frankfurt am Main 1995, S. 188f.


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