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Scholary Paper (Seminar), 2006, 30 Pages
Author: Christian Berwanger
Subject: History - Middle Ages, Early Modern
Details
Institution/College: University of Cologne (Historisches Seminar)
Tags: Frühparlamentarismus, England, Stuart-Dynastie, Seminar
Year: 2006
Pages: 30
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 28 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-82791-1
ISBN (Book): 978-3-638-83171-0
File size: 212 KB
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Abstract
In der vorliegenden Seminararbeit wird der Frühparlamentarismus in England unter den frühen Stuart-Herrschern behandelt. Ziel ist es, Entwicklungslinien im englischen Parlamentarismus des 17. Jahrhunderts aufzuzeigen, um zu erläutern, wie eine erste vorübergehende Konsolidierung des Parlaments als feste Institution stattgefunden hatte. Bei der Analyse dieses dynamischen Epochenabschnitts stellt sich im Besonderen die Frage: „Was machten die ersten beiden Stuart-Herrscher so anders als die vorherigen englischen Monarchen, dass eine Eskalation zwischen parlamentarischer und monarchischer Seite nur noch in einem Bürgerkrieg ihren Ausgang finden konnte?“ Der Abstieg der Monarchie begann mit der Thronbesteigung James I. und gipfelte in der Abschaffung der Monarchie durch die Hinrichtung Charles’ I. 1649. Aus diesem Grund wird zu Beginn der Arbeit ein Blick auf das Verhältnis von König und Parlament unter Charles unmittelbaren Vorgängern Elizabeth I., als letzter Herrscherin der Tudor-Dynastie, und James I., als erstem Herrscher der Stuart Dynastie, geworfen, um zu zeigen, was für Unterschiede es zwischen tudorscher und stuartscher Politik gab, und was Charles anders als sein Vater machte, der es verstand, einen offenen Konflikt mit dem Parlament zu vermeiden, doch die beginnenden Probleme nicht zu regeln vermochte.
Excerpt (computer-generated)
Universität zu Köln
Philosophische Fakultät
Historisches Seminar
Seminar: Konsens, Kooperation, Konflikt
Sommersemester 2006
Der Frühparlamentarismus in England unter der Stuart-Dynastie
von Christian Berwanger
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Der dynastische Wechsel: wachsende Probleme unter James I. 4
2.1 Misstrauen gegenüber der neuen Regierung 4
2.2 Purveyance und Impositions: Debatte um die königliche Prärogative 7
2.3 Prestigeverlust der Krone durch die Außenpolitik James’ 12
3. Kulmination der Probleme unter Charles I. 14
3.1 Kritik am Hof und an der Günstlingswirtschaft: das Impeachment gegen den Duke of Buckingham 14
3.2 Forced Loan 15
3.3 Petition of Rights 17
3.4 Tonnage und Pounding und Beginn der Personal Rule 19
4. Eskalation der Probleme ab 1640 20
4.1 Die Schottland-Krise 20
4.2 Act against dissolving the Long Parliament without its consent 22
4.3 Antipapismus und Army Plot 24
5. Ausblick: The Cromwellian Protectorate 26
5.1 Änderungen für das Parlament? 26
6. Bilanz 27
1. Einleitung
In der vorliegenden Seminararbeit wird der Frühparlamentarismus in England unter den frühen Stuart-Herrschern behandelt. Ziel ist es, Entwicklungslinien im englischen Parlamentarismus des 17. Jahrhunderts aufzuzeigen, um zu erläutern, wie eine erste vorübergehende Konsolidierung des Parlaments als feste Institution stattgefunden hatte.
Bei der Analyse dieses dynamischen Epochenabschnitts stellt sich im Besonderen die Frage: „Was machten die ersten beiden Stuart-Herrscher so anders als die vorherigen englischen Monarchen, dass eine Eskalation zwischen parlamentarischer und monarchischer Seite nur noch in einem Bürgerkrieg ihren Ausgang finden konnte?“ Der Abstieg der Monarchie begann mit der Thronbesteigung James I. und gipfelte in der Abschaffung der Monarchie durch die Hinrichtung Charles’ I. 1649. Aus diesem Grund wird zu Beginn der Arbeit ein Blick auf das Verhältnis von König und Parlament unter Charles unmittelbaren Vorgängern Elizabeth I., als letzter Herrscherin der Tudor-Dynastie, und James I., als erstem Herrscher der Stuart Dynastie, geworfen, um zu zeigen, was für Unterschiede es zwischen tudorscher und stuartscher Politik gab, und was Charles anders als sein Vater machte, der es verstand, einen offenen Konflikt mit dem Parlament zu vermeiden, doch die beginnenden Probleme nicht zu regeln vermochte.
Zu Beginn der Arbeit soll zudem auf den Kompetenz- und Aufgabenbereich des englischen Parlaments, sowie dessen Privilegien, die von den englischen Monarchen stets gebilligt wurden, eingegangen werden, da mit Beginn der Stuart-Herrschaft ein Mentalitätswandel hinsichtlich des Selbstverständnisses der Krone stattgefunden hatte, der zwar nicht die Abschaffung des Parlaments zum Ziel hatte, wohl aber dessen Unterminierung.
Um die zu Beginn formulierte Frage beantworten zu können, muss auch ein Blick auf die Günstlingswirtschaft bzw. das Favoritentum Charles’ geworfen werden, da die öffentliche und politische Bevorzugung einzelner Individuen am Hof zu offenen Konflikten mit dem Parlament führte und überdies das Ansehen der Krone diskreditierte, da sich der Hof besonders unter Charles immer weiter vom Rest des Landes isolierte und Politik ausschließlich innerhalb der vom König begünstigten Hofpartei betrieben wurde. Das Parlament wurde von Charles als magnum concilium nahezu ignoriert und sollte nur dazu dienen, dem König sein Hofleben sowie seine außenpolitischen Ambitionen zu finanzieren. Bestehende Rechte und Privilegien des Parlaments wurden von Charles dabei umgangen, was dazu führte, dass die von Charles einberufenen Parlamente größtenteils wieder aufgelöst wurden, da sie ihm nie das zusicherten, was er am meisten benötigte: Subsidien.
Ausgehend von diesen Zuständen in den ersten Regierungsjahren Charles’ sollen die Errungenschaften des englischen Parlamentarismus näher beleuchtet werden: die Petition of Rights, die die königliche Prärogative zu beschränken und die monarchische Herrschaft an eine feste Rechtsgrundlage zu binden versuchte, der Triennial Act sowie der Act against dissolving the Long Parliament without its consent, die das Parlament zum ersten Mal zu einer festen Institution machten und die Herrschaftsgewalt des Königs untergruben.
Zum Abschluss dieser Arbeit soll noch ein Ausblick gegeben werden, was sich für das Parlament nach den Bürgerkriegen und der Hinrichtung des Königs geändert hatte. Erfüllte das Cromwellian Protectorate das, wofür sich das Parlament 20 Jahre lang eingesetzt hatte? Oder war es vielleicht nur das zweite Gesicht eines Janus-Kopfes? Mit dieser abschließenden Betrachtung soll eine Bilanz über den Frühparlamentarismus in England unter den Stuarts gezogen werden.
2. Der dynastische Wechsel: wachsende Probleme unter James I.
2.1 Misstrauen gegenüber der neuen Regierung
„Je enger die Identifikation der Person Elisabeths mit dem englischen religiösen Nationalismus wurde, desto schwieriger wurde es, diese Identifikation auf ihren Nachfolger zu übertragen.“1 Mit diesem Problem sah sich der erste Stuart-Herrscher zu Beginn seiner Regierungszeit konfrontiert. Elizabeth hatte ein Nationalgefühl, auf das später in dieser Arbeit noch eingegangen werden soll, unter der englischen Bevölkerung geweckt, das sich auf den Protestantismus stützte. Seit ihrer Exkommunikation durch den Papst wurde der Katholizismus in England verfolgt und bestraft2. Mit James I. bestieg zum ersten Mal seit Maria der Katholischen wieder ein katholischer Monarch den Thron. Er verkörperte zwei Seiten einer Münze, die von den Engländern abgelehnt wurde: Schottland und den Papismus. Obwohl er der nächste Thronprätendent war –er war sowohl erbrechtlich legitimiert als auch von Elizabeth als Nachfolger nominiert3- stand sowohl das Parlament als auch die politische Elite des Landes seiner Regierung misstrauisch gegenüber. Zwar versuchte er anfangs einen Ausgleich zwischen Schotten und Engländern in seiner Regierung zu schaffen, doch bevorzugte er dabei seine schottische Entourage. Die wichtigsten Ämter waren der schottischen Elite vorbehalten. Zudem integrierte er seine Gefolgsleute im Privy Council, dem wichtigsten Verwaltungsorgan der Regierung4.
Wie eingangs bereits erwähnt, war das grundlegende Problem seiner Herrschaft die Glorifizierung Elizabeth I. England wurde über 100 Jahre von den Tudors regiert, und gelangte vor allem unter Heinrich VIII. und Elizabeth I. zu Macht und zu großem Ansehen auf kontinentaleuropäischer Seit ebenso wie beim Volk. „[James] hatte nichts von der kraftvollen physischen Ausstrahlung Heinrichs VIII. oder der jungendlichen Schönheit der englischen Elisabeth. Anders als seine Vorgängerin zeigte er sich ungern in der Öffentlichkeit und scheute den Kontakt mit dem einfachen Volk.“5 Durch ihre Sozialpolitik erschien Elizabeth dem englischen Volk als eine Königin, die für ihre Untertanen eintrat. Durch die Armengesetze von 1598 und 1601, die die Einführung einer Armensteuer zur Folge hatten, wurde den ärmeren Bevölkerungsschichten das Bewusstsein vermittelt, dass der Staat nicht nur für die Interessen der Reichen eintrete, sondern auch für die der Armen. Da sich England im 15. Jahrhundert mit einer neuen Armutswelle konfrontiert sah, muss diese Einstellung der Regierung weniger als Wohlfahrts-, sondern vielmehr als Propagandapolitik betrachtet werden, die die ärmeren gesellschaftlichen Schichten beschwichtigen sollte, indem sie ihnen einen Verbesserung ihrer Lage suggerierte. Auch wenn die von Elizabeth betriebene Sozialpolitik kaum erfolgreich war, blieben die erlassenen Armengesetze bis in die 30er Jahre des 19. Jahrhunderts bestehen und trugen dazu bei, die Ehrerbietung für Elizabeth zu fördern und zu rechtfertigen6.
Erschwerend kam für James hinzu, dass er für das englische Volk als Schotte ein „Ausländer“ war. „Had James been an Englishman he might well have been given the benefit of any doubts, but as a stranger, and one, moreover, who was the author of the Trew Law of Free Monarchies, James seemed to embody a threat to this traditional framework which could not simply be ignored or allowed to pass unheeded in the general atmosphere of goodwill that greeted his arrival.”7 Wie Lockyer an dieser Stelle seiner Darstellung analysiert, liegt hier der Beginn der Probleme der frühen Stuart-Herrscher mit dem englischen Parlament. Unter der 45 Jahre andauernden Regentschaft Elizabeth’ hatte das Parlament seinen festen Platz in den Regierungsgeschäften durch die Monarchin zugesprochen bekommen. Die Grenzen zwischen „matters of commonwealth“ und „matters of state“, zwischen denen Bereich Elizabeth unterschieden hatte, indem die Staatsangelegenheiten, zu denen auch die Prärogative gehörte, als ihre Domäne deutlich machte,8 waren klar gezogen, und die Königin hatte die Privilegien des Parlaments, deren wichtigste das Steuerbewilligungsrecht, Redefreiheit sowie Freiheit vor Arrest waren, nicht angetastet9. Mit einem Dynastiewechsel bzw. einem neuen Monarchen war jedoch immer die Unsicherheit verbunden, bestehende Rechte und Privilegien zu verlieren, da diese erst vom jeweiligen Monarchen in der ersten Parlamentssitzung bestätigt werden mussten10. Somit sah sich James bei seiner Thronbesteigung mit einem misstrauischen Parlament konfrontiert, dessen Ziel es war, seine bestehenden Rechte und Privilegien zu bewahren. Zwar behielt James den Kurs seiner Vorgängerin bei, dem Parlament Redefreiheit zu gewährleisten, jedoch unterschied auch er zwischen „matters of state“ und „matters of commonwealth“. Anders allerdings als Elizabeth ließ James deutlicher erkennen, dass er auch bereit war, die Rechte des Parlaments einzuschränken. „Parliament, as he saw it, met at his command to do his business. […] The privileges […] were to enable them to do the King’s business more effectively, not to hold it up for reasons of their own.”11 Zu Recht sah sich das Parlament in seiner bestehenden Ordnung bedroht. Auf der Parlamentssitzung von 1604 betonte James zwar, dass er die Rechte des Parlaments nicht zu beschneiden beabsichtige, aber auch, dass sie, da sie von seiner Gnade abhingen, nicht gegen ihn verwendet werden sollten12.
[...]
1 Stone, Lawrence: Ursachen der englischen Revolution 1529-1642. S 114
2 Haan, H./ Niedhart, G.: Geschichte Englands vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. S. 130 ff.
3 Eßer, R.: Die Tudors und die Stuarts. S. 109 4
4 Lockyer, R.: The Early Stuarts. A political history of England 1603-1642. S. 257
5 Eßer, R.: Die Tudors und die Stuarts. S. 110
6 Zur Entstehung der Armut vgl.Clay, C. G. A., Economic Expansion and Social Change. England 1500-1700. Bd. 2, S. 214-221; zur Armenfürsorge vgl. Slack, P., Poverty and Social Regulation in Elizabethan England. In Haigh, C. (Hrsg).: The reign of Elizabeth I. 1984, S. 221-241; Ders., The English Poor Law, 1531-1782. Studies in Economic and Social History, 1990
7 Lockyer, R.: The early Stuarts. S. 43 f.
8 Eßer, R.: Tudors. S. 88
9 Vgl. hierzu die Darstellung der Freiheiten des englischen Parlaments bei Lockyer, R.: The early Stuarts, S. 137-145
10 Abgesehen von dem Steuerbewilligungsrecht. Seit Anfang des 14. Jahrhunderts musste die Bewilligung von Sondersteuern, die nicht zur königlichen Prärogative gehörten, ausschließlich über das Parlament erfolgen; vgl. dazu Lockyer, The early Stuarts, S. 138; Wende, P.: Probleme der englischen Revolution, S. 27
11 Lockyer, R.: The early Stuarts. S. 138
12 Vgl. hierzu die Rede des Königs vor dem Unterhaus 1604 in Journals of the House of Commons 1547-1714, vol. 1, S. 58
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