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Internship Report, 2006, 45 Pages
Author: Jakob Lorenc
Subject: Psychology - Psychology of Religion
Details
Tags: Messung, Antisemitismus
Year: 2006
Pages: 45
Bibliography: ~ 109 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-83024-9
ISBN (Book): 978-3-638-83192-5
File size: 349 KB
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Abstract
Die vorliegende Abhandlung soll eine Übersicht zu dem Phänomen Antisemitismus, seiner Messung und möglicherweise damit in Verbindung stehender psychologischer Variabeln darstellen. Es wird eine umfassende Literaturübersicht und eine teils detailliertere Beschreibung von (v.a. psychologischen) Konzepten, Theorien und Studien in folgender Struktur präsentiert: 1. Abschnitt: Bedingungen von Antisemitismus 2. Abschnitt: Antisemitismus und Israelkritik 3. Abschnitt: Konservatismus 4. Abschnitt: Konservatismus und Ambiguitäts(in)toleranz 5. Abschnitt: Antisemitismus und Nationalismus/Patriotismus Weiterhin wird im Anhang ein Itempool zur Verfügung gestellt, der die in den jeweiligen Studien verwendeten Items dokumentiert. Sämtliche aufgeführte Tabellen und Itemzusammenstellungen sind den im Text erläuterten Quellen entnommen und nicht eigener Verdienst des Autors, der diese im Rahmen seiner Literaturrecherche lediglich zusammengetragen und in vorliegender Form strukturiert hat, um dem Leser die Vielseitigkeit und Komplexität des Phänomens Antisemitismus und den Schwierigkeiten seiner Messung näher zu bringen.
Excerpt (computer-generated)
Messung von Antisemitismus
von
Jakob Lorenc
WS 2006/2007
Inhaltsverzeichnis
1.0. Bedingungen von Antisemitismus 2
2.0. Antisemitismus und Israelkritik 7
3.0. Konservatismus 17
4.0. Konservatismus und Ambiguitäts(in)toleranz 19
5.0. Antisemitismus und Nationalismus/Patriotismus 21
6.0. Studentische Anmerkungen 22
Anhang 23
Literaturangaben 40
1.0. Bedingungen von Antisemitismus
Ein großer Teil der empirischen Antisemitismusforschung beschäftigt sich mit der Frage nach den Eigenschaften der Menschen, die Vorurteile gegenüber Juden haben. Hierbei haben sich v.a. drei Arten von Variablen als relevant herausgestellt:
1. Religiöse Variablen (vgl. Glock and Stark, 1966; Selznick and Steinberg, 1969; Kersten, 1970; Stark et al., 1971; Roof, 1974; Hoge and Carroll, 1975; MacGréil, 1977/1980; Martire and Clark, 1982; Silbermann, 1982; Weil, 1990; Bergmann and Erb, 1991; Brym and Lenton, 1991);
2. Sozialpsychologische Variablen (vgl. Adorno et al., 1950; Selznick and Steinberg, 1969; Lutterman and Middleton, 1970; Middleton, 1973; Roof, 1974; Hoge and Carroll, 1975);
3. Sozial-Strukturelle Variablen (vgl. Selznick and Steinberg, 1969; Middleton, 1973; Roof, 1974; Hoge and Carroll, 1975; MacGréil, 1977/1980; Panahi, 1980; Martire and Clark, 1982; Silbermann, 1982; Weil, 1985; 1990; Bergmann and Erb, 1991; Brym and Lenton, 1991).
Einige Autoren (z.B. Glock und Stark, 1966) unterscheiden zwischen religiösen Vorurteilen (z.B. Juden als verantwortlich für die Hinrichtung Jesu) und säkularen Vorurteilen (z.B. Juden als geldorientiert, raffgierig oder unmoralisch) gegenüber Juden, andere Autoren tun dies nicht (z.B. Adorno et al., 1950).
Konig, Ruben, Eisinga und Scheepers (2000) etwa stützen sich bei ihrer niederländischen Untersuchung zur Beziehung zwischen christlichem Glauben und Antisemitismus auf die Unterscheidung von Glock und Stark (1966). Zur Erhebung des religiösen bzw. säkularen Antisemitismus verwendeten sie 3 bzw. 7 auf Kersten (1970), Buikhuisen et al. (1976), Selznick und Steinberg (1969), Martire und Clark (1982) u.a. zurückgehende Fünf-Punkte- Items, welche traditionelle antisemitische Einstellungen zum Ausdruck bringen sollen. Eine Faktorenanalyse ergab, dass religiöser und säkularer Antisemitismus als zwei verschiedene, wenn auch hoch miteinander korrelierte Phänomene zu betrachten sind. Um Liekert-Skalen für religiösen und säkularen Antisemitismus zu erhalten wurden die Summen-Scores berechnet. Das Cronbach Alpha für religiösen Antisemitismus lag in dieser Studie (mit einem niederländischen Datensatz aus der Studie Social and Cultural Developments in the Netherlands von 1990/91, n = 700) bei 0.84, für säkularen Antisemitismus bei 0.92.
Folgende Items wurden zur Erhebung des religiösen Antisemitismus verwendet:
The Jews have so much trouble because God punishes them for their rejection of Jesus.
The Jews have so much trouble because they have the wrong faith.
Jews remain responsible for the death of Jesus.
Folgende Items wurden zur Erhebung des säkularen Antisemitismus verwendet:
When you do business with Jews, you have to be extra careful.
Jews have too much power in the financial world.
Jews are often pushy.
Jews are always after money.
Jews often use unfair methods to obtain their goals.
Jews always want to be on top of things.
Jews prefer to associate only with other Jews.
Trotz einiger unterschiedlicher Forschungsergebnisse lassen sich durchaus Aussagen zu den Begleitbedingungen von Antisemitismus machen. So erweisen sich zwei der religiösen mit Antisemitismus in Verbindung gebrachten Variablen (Kirchenangehörigkeit/Konfession und Orthodoxie/Fundamentalismus) als unabhängig von der Unterscheidung zwischen religiösen und säkularen Formen von Vorurteilen gegenüber Juden. Hierbei scheinen Menschen, die einer Kirche und konservativeren Konfessionen angehören mehr Vorurteile zu haben als Personen ohne religiöse Zugehörigkeit bzw. Menschen liberalerer Konfessionen. Christen mit orthodoxerem bzw. fundamentalistischerem Glauben tendieren zu mehr Vorurteilen gegenüber Juden als Christen gemäßigten Glaubens (Gorsuch and Aleshire, 1974; Batson and Ventis, 1982; Batson et al., 1993). Eine dritte religiöse Variable im Zusammenhang mit der Untersuchung von Antisemitismus stellt die Häufigkeit der Kirchenbesuche dar. An dieser Stelle erweist sich die Unterscheidung zwischen religiösem und säkularem Antisemitismus als sinnvoll: Die Beziehung zwischen der Anzahl der Kirchgänge und religiösen Vorurteilen gegenüber Juden scheint linear zu verlaufen, i.S. von mehr Vorurteilen mit steigender Zahl der berichteten Kirchgänge (z.B. Hoge and Carroll, 1975). Die Beziehung zwischen der Häufigkeit der Kirchenbesuche und säkularen Vorurteilen scheint hingegen kurvilinearer Natur zu sein; hierbei zeigen Personen, die nie oder fast nie zur Kirche gehen und Personen, die mindestens einmal pro Woche den Kirchgang antreten weniger Vorurteile gegenüber Juden als Menschen, deren Häufigkeit der Kirchgänge im mittleren Bereich dazwischen liegen (Gorsuch and Aleshire, 1974; Batson and Ventis, 1982; Batson et al., 1993).
Als sozialpsychologische Variablen im Zusammenhang mit Vorurteilen gegenüber Juden konnten Autoritarismus, Anomie und Lokalismus/Lokalpatriotismus ermittelt werden. Hohe Ausprägungen in Autoritarismus, Anomie oder Lokalismus gehen einher mit weitreichenderen antisemitischen Vorurteilen (z.B.Adorno et al., 1950; Lutterman and Middleton, 1970; Roof, 1974), wobei die Differenzierung zwischen religiösen und säkularen Vorurteilen keinen Einfluss zu haben scheint. Auch die alternative Verwendung der Konstrukte Dogmatismus (z.B. Hoge and Carroll, 1975) oder „simplism“ (z.B. Selznick and Steinberg, 1969) anstelle des Autoritarismus bestätigt die gefundene Beziehung der sozialpsychologischen Variablen mit dem Ausmaß an Vorurteilen gegenüber Juden. Die sozial-strukturellen Variablen im Kontext der Erfassung antisemitischer Vorurteile scheinen die Wohndauer in der gegenwärtigen Nachbarschaft, die politische Orientierung, Alter, Bildungsstand, Geschlecht und sozioökonomische Klassenzugehörigkeit zu sein. Hierbei korrelieren eine lange Wohndauer in ein und derselben Nachbarschaft (z.B. Roof, 1974) wie auch eine rechte politische Orientierung (z.B. Martire and Clark, 1982) positiv mit einer hohen Ausprägung von Vorurteilen gegenüber Juden. Jüngere Menschen weisen weniger Vorurteile auf als ältere (z.B. Martire and Clark, 1982), Personen mit höherem Bildungsstand weisen weniger Vorurteile auf als Personen niedrigeren Bildungstandes (z.B. Weil, 1985; 1990). Bei der Variable Geschlecht ist die empirische Forschungslage uneindeutig; eine Mehrheit von Autoren berichtet von keinen Geschlechterunterschieden (z.B. Martire and Clark 1982), andere Autoren verweisen auf die Tendenz von Männern hin, zu mehr Vorurteilen gegenüber Juden zu neigen (z.B. Middleton, 1973; Bergmann and Erb 1991; Brym and Lenton 1991).
Bis auf die Variable sozioökonomische Zugehörigkeit bleibt auch bei den sozial-strukturellen Variablen kein Einfluss der Differenzierung zwischen religiösen und säkularen Vorurteilen gegenüber Juden zu verzeichnen. Bauern und Arbeiter zeigen mehr säkulare Vorurteile als Angehörige anderer Gesellschaftsschichten (z.B. Selznick and Steinberg 1969). Religiöse Vorurteile gegenüber Juden werden nur von den Bauern berichtet (z.B. Silbermann, 1982). Bei diesen Forschungsergebnissen bleibt neben dem Alter einiger Studien zu beachten, dass viele Ergebnisse mit US-amerikanischen Stichproben gewonnen wurden, deutlich weniger Resultate stammen aus deutschen, französischen, österreichischen und irischen Untersuchungen. Dies mag die Repräsentativität bzw. Übertragbarkeit der aufgeführten Studien auf alle westlichen Länder einschränken.
Einen interessanten Ansatz zur Messung von Antisemitismus könnten auch die Untersuchungen von Kowner (1997) bieten. In seinen Korrelationsstudien untersucht der Autor Vorurteile bzw. Einstellungen von japanischen Studenten gegenüber Juden, Angehörigen der westlichen Welt, generell Ausländern, Israelis und Arabern. Hierzu bedient er sich einer von Peabody (1987) entlehnten Adjektivliste (ähnlich der Forschung mit dem Semantischen Differential), welche Stereotypen bezüglich der Eigen- und jeweiligen Fremdgruppen erheben soll (insgesamt 57 bipolare Adjektive). Diese Herangehensweise, welche Eigengruppen- und Fremdgruppenbewertung miteinander in Beziehung setzt könnte bei Übertragung auf die Messung von Antisemitismus evtl. Informationsträchtige Differenzierungen zutage fördern.
Im Folgenden sind die von Peabody (1987) verwendeten Adjektivpaare dargestellt:
[...]
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