Die Auswirkungen der Globalisierung auf den deutschen Arbeitsmarkt

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Details
Autor: Ronny John
Fach: Wirtschaft - Volkswirtschaftslehre
Institution/Hochschule: Technische Universität Chemnitz
Jahr: 2007
Seiten: 126
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 158 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 912 KB
ISBN: 978-3-638-78073-5
Es handelt sich um eine sehr gut lesbare und bestens recherchierte Arbeit zu einem der wichtigsten aktuellen Themen. Die Arbeit bereitet den Leser, unabhängig von dessen pol. Einstellung, bestens auf das Thema vor. Darüber hinaus ist es dem Autor gelungen, ohne Aufdringlich zu wirken, seine Position zur Lösung des Problems als zwingend und unausweichlich erscheinen zu lassen. Zu meinem Bedauern sieht die für diese Diplomarbeit maßgebliche Prüfungsordnung die Note 1,0 und nicht die Note 0,7 als Höchstnote vor. Deshalb kann ich die Arbeit, trotz ihrer Vorzüge, nur mit der Note 1,0 bewerten.
Zusammenfassung / Abstract
Die Verbesserung der gegenwärtigen Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt infolge des Konjunkturaufschwunges im ersten Quartal 2007 konnte auch nicht durch die Mwst.-erhöhung um drei Prozentpunkte erkennbar bremsen. Noch vor zwei Jahren waren die Aussichten auf eine Verbesserung der Situation für Arbeitslose eher trübe. Die Mehrheit in Politik und in den Medien war der Meinung, Deutschland stehe vor scheinbar unlösbaren wirtschaftlichen Problemen durch die ansteigende Globalisierung und nur harte sowie tief greifende Reformen könnten das Land vor dem Absturz retten. Negative Auswirkungen des weltweiten Handels, wie Arbeitslosigkeit im Sektor für gering Qualifizierte in IL oder die Senkung der Agrarpreise, wenn dieser Wirtschaftsbereich geöffnet werden sollte, werden häufig sehr einseitig und medienwirksam von Globalisierungsgegnern dargestellt. Dabei wird scheinbar vernachlässigt, die Vorteile des internationalen Handels hervorzuheben. So wird kaum die Frage gestellt, wie es z. B. bei Textilwaren zu einem Preisverfall seit dem chinesischen Markteintritt gekommen ist oder Unterhaltungselektronik aus Fernost in Europa zu sehr günstigen Preisen angeboten werden kann. Von diesem Preisverfall können die deutschen Verbraucher profitieren und machen von diesem Angebot reichlich Gebrauch, denn „Geiz ist geil“, wie die Werbung den Kunden suggeriert. Diese Arbeit befasst mit der ersten Kernfrage, ob der deutsche Arbeitsmarkt von der Globalisierung profitieren kann. Es wird zudem die Frage aufgeworfen, welche Segmente des Arbeitsmarktes zu den Gewinnern und welche zu den Verlierern gehören und welche Erklärungsansätze die Theorie dafür bereithält. Des Weiteren ist zu überprüfen, ob Abweichungen zwischen den Ergebnissen der theoretischen Modelle und der Realität bestehen und welche Erklärungen dafür existieren. Zudem sollen die theoretischen Modelle kritisch bewertet werden. Im Zentrum der zweiten Kernfrage steht, welche Arbeitsmarktstrategien zur Reduzierung oder zur Bekämpfung der negativen Folgen der Globalisierung, z. B. hohe Arbeitslosigkeit im Niedriglohnsektor, in Betracht kommen. Dabei sollen die häufig genannten Lösungen, Lohndifferenzierung und Flexibilisierung des Kündigungsschutzes, einer kritischen ökonomischen Analyse unterzogen werden. Zudem soll anhand eines ausländischen Beispiels empirisch überprüft werden, ob die vorgeschlagenen Reformen erfolgreich waren und möglicherweise für Deutschland in Betracht kommen.
Textauszug
Technische Universität Chemnitz
Fakultät für Wirtschaftswissenschaften
Diplomarbeit
Die Auswirkungen der Globalisierung auf den deutschen Arbeitsmarkt
vorgelegt von:
Ronny John
6. Fachsemester Diplom Volkswirtschaftslehre
Abgegeben am 23.04.2007
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis I
Abbildungsverzeichnis IV
Abkürzungsverzeichnis V
1. Einleitung ... 1
1.1 Aufgabenstellung ... 1
1.2 Aufbau ... 2
2. Die Globalisierung ... 5
2.1 Zum Begriff der Globalisierung ... 5
2.1.1 Verschiedene wissenschaftliche Definitionen - eine einheitliche Aussage? ... 5
2.1.2 Was ist Globalisierung? ... 8
2.2. Geschichte der Globalisierung ... 11
2.2.1 Beginn und Periodisierung ... 11
2.2.2 Vorgeschichte der Globalisierung ... 12
2.2.3 Erste Welle der Globalisierung: "Das Goldene Zeitalter" (1871-1914) ... 14
2.2.4 "Fordistische Pause" (1914-1945) oder wirtschaftliche Deglobalisierung? ... 15
2.2.5 Zweite Globalisierungswelle: Liberalisierung nach 1945 ... 17
2.3 Katalysatoren und Indizien der Globalisierung ... 19
2.3.1 Internationaler Handel ... 20
2.3.2 Ausländische Direktinvestitionen (FDI) ... 23
2.3.3 Technologischer Fortschritt ... 24
2.3.4 Migration ... 26
3. Theoretische Erklärungsansätze - Theoreme des Heckscher-Ohlin-Modells ... 30
3.1 Voraussetzungen bzw. Modellannahmen ... 30
3.2 Zum Inhalt des Heckscher-Ohlin-Modells ... 31
3.3 Faktorpreisausgleichstheorem ... 31
3.4 Stolper-Samuelson Theorem ... 32
3.5 Rybczynski Theorem ... 33
3.6 Kritik am Heckscher-Ohlin-Modell ... 34
4. Die Auswirkungen der Globalisierung auf den deutschen Arbeitsmarkt ... 37
4.1 Der Arbeitsmarkt in der ökonomischen Theorie ... 37
4.1.1 Klassik ... 37
4.1.2 Neoklassik ... 38
4.2. Arbeitsmarktsegmentierungen ... 43
4.2.1 Definition ... 43
4.2.2 Horizontale Arbeitsmarktsegmentierung ... 44
4.2.3 Vertikale Arbeitsmarktsegmentierung ... 44
4.3 Auswirkungen der Globalisierung auf die einzelnen Segmente ... 45
4.3.1 Horizontale Segmentierung ... 45
4.3.2 Vertikale Segmentierung ... 46
4.4 Der deutsche Arbeitsmarkt im 21. Jahrhundert ... 48
4.4.1 Langfristige Trends ... 48
4.4.2 Die Entwicklung des Arbeitsmarktes im Januar 2007 ... 55
4.4.3 Fazit ... 58
5. Lohndifferenzierung ... 60
5.1 Lohnentwicklung und Lohnspreizung ... 60
5.2 Niedriglohnsektor und Kombilohnmodell ... 65
5.2.1 Charakteristik des Niedriglohnsektors ... 65
5.2.2 Sozialethische Beurteilung des Niedriglohnsektors ... 65
5.2.3 Kombilohnmodell als sinnvolle Lösung? ... 68
5.2.4 Fazit ... 72
5.3 Gerechte Löhne ... 72
5.4 Makroökonomische Betrachtung von Löhnen ... 77
5.5 Fazit zur Lohndifferenzierung ... 80
6. Ausweg: Lockerung des Kündigungsschutzes? ... 81
6.1 Zur Relevanz aus aktuellem Anlass ... 81
6.2 Das deutsche Kündigungsschutzrecht ... 82
6.3 Ökonomische Folgen der Rechtslage ... 83
6.4 Denkansätze zur Bedeutung des gesetzlichen Kündigungsschutzes ... 84
6.5 Fazit und Reformansätze ... 89
7. Der britische Working Tax Credit - eine Strategie gegen Arbeitslosigkeit und Armut? ... 92
7.1. Ausgangssituation in Großbritannien ... 92
7.2 Reforminstrumente ... 95
7.2.1 New Deal und Mindestlöhne ... 95
7.2.2 Working Tax Credit ... 96
7.2.3 Child Tax Credit ... 97
7.3 Auswirkungen und Bewertung der Ergebnisse ... 97
7.4 Handlungsempfehlungen für Deutschland ... 99
8. Schlussbetrachtung ... 103
8.1 Fazit ... 103
8.2 Ausblick ... 108
9. Literaturverzeichnis ... 111
1. Einleitung
1.1 Aufgabenstellung
Die deutliche Verbesserung der gegenwärtigen Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt infolge eines kräftigen Konjunkturaufschwunges im ersten Quartal 2007 konnte auch nicht durch die Mehrwertsteuererhöhung zu Beginn des Jahres um drei Prozentpunkte erkennbar bremsen. Noch vor zwei Jahren waren die Aussichten auf eine Verbesserung der Situation für Arbeitslose eher trübe. Die Mehrheit in Politik und in den Medien war der Meinung, Deutschland stehe vor scheinbar unlösbaren wirtschaftlichen Problemen durch die ansteigende Globalisierung und nur harte sowie tief greifende Reformen könnten das Land vor dem Absturz retten.
Im Februar 2006 trat Franz Müntefering auf die mediale Bühne mit der Forderung nach einem gesetzlichen Mindestlohn, der zwischen 4,00 € und 9,90 € je nach Familienstand liegen soll. Welche Grundlage seine Berechnung hatte oder wie hoch der Mindestlohn konkret ausfallen sollte, ließ der Bundesminister für Arbeit und Soziales völlig offen. Er begründete seine Forderung damit, dass ein Hochleistungsland, wie Deutschland, auch ein Hochlohnland sein muss.1 Gerade mit dem Ansteigen des internationalen Handels und der Zunahme des Ausmaßes der Globalisierung orientieren sich Löhne und andere Faktorpreise jedoch verstärkt am ausländischen Niveau. Dies wurde bei der o. g. Aussage nicht beachtet. Zwar darf die Politik sich Werturteile erlauben, jedoch müssen die politischen Entscheidungsträger berücksichtigen, dass ökonomische Gesetze existieren und oftmals mit ihren Wunschvorstellungen nicht in Einklang zu bringen sind.
Bereits die unsachlich geführte „Heuschrecken-Kampagne“ Franz Münteferings, die im Mai 2005 mehr ein wahltaktischer Schachzug für die SPD war, sollte die Ängste der Bevölkerung vor dem ungezügelten globalen „Turbo- oder Raubtierkapitalismus“2 schüren. Die ständige Suche nach der höchstmöglichen Rendite global operierender Investoren, häufig zu Lasten deutscher Arbeitnehmer, wurde besonders von Gewerkschaften instrumentalisiert. Kritiker machen die Globalisierung für diese Entwicklung verantwortlich und forderten einen Stopp oder eine Alternative zu dieser. Ob die Globalisierung wirklich hinter dem Profitstreben der Investoren, oder zu neudeutsch der „Heuschrecken“ steht, ist äußerst umstritten und sollte stets objektiv bewertet werden.
Negative Auswirkungen des weltweiten Handels, wie Arbeitslosigkeit im Sektor für gering Qualifizierte in IL oder die Senkung der Agrarpreise, wenn dieser Wirtschaftsbereich geöffnet werden sollte, werden häufig sehr einseitig und medienwirksam von Globalisierungsgegnern dargestellt. Dabei wird scheinbar vernachlässigt, die Vorteile des internationalen Handels hervorzuheben. So wird kaum die Frage gestellt, wie es z. B. bei Textilwaren zu einem Preisverfall seit dem chinesischen Markteintritt gekommen ist oder Unterhaltungselektronik aus Fernost in Europa zu sehr günstigen Preisen angeboten werden kann. Von diesem Preisverfall können die deutschen Verbraucher profitieren und machen von diesem Angebot reichlich Gebrauch, denn "Geiz ist geil", wie die Werbung den Kunden suggeriert.
Diese Diplomarbeit befasst sich mit den Auswirkungen der Globalisierung auf den deutschen Arbeitsmarkt und ferner mit der ersten Kernfrage, ob der deutsche Arbeitsmarkt im Großen und Ganzen von der Globalisierung profitieren kann. Es wird zudem die Frage aufgeworfen, welche Segmente des Arbeitsmarktes zu den Gewinnern und welche zu den Verlierern gehören und welche Erklärungsansätze die Theorie dafür bereithält. Des Weiteren ist zu überprüfen, ob Abweichungen zwischen den Ergebnissen der theoretischen Modelle und der Realität bestehen und welche Erklärungen dafür existieren. Zudem sollen die theoretischen Modelle kritisch bewertet werden.
Im Zentrum der zweiten Kernfrage steht, welche Arbeitsmarktstrategien zur Reduzierung oder zur Bekämpfung der negativen Folgen der Globalisierung, z. B. hohe Arbeitslosigkeit im Niedriglohnsektor, in Betracht kommen. Dabei sollen die häufig genannten Lösungen, Lohndifferenzierung und Flexibilisierung des Kündigungsschutzes, einer kritischen ökonomischen Analyse unterzogen werden. Zudem soll anhand eines ausländischen Beispiels empirisch überprüft werden, ob die vorgeschlagenen Reformen erfolgreich waren und möglicherweise für Deutschland in Betracht kommen.
1.2 Aufbau
Die Diplomarbeit kann inhaltlich in vier Hauptabschnitte gegliedert werden; Charakteristik der Globalisierung, theoretische Betrachtung zum Heckscher-Ohlin-Modell sowie zum Arbeitsmarkt, Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt und Lösungsstrategien.
Kapitel 2 beinhaltet eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Problematik der Globalisierung. Es sollen in diesem Abschnitt exakte wissenschaftliche Definitionen dieses Begriffes aus der Fachliteratur herausgearbeitet und verglichen werden, um das breite Spektrum dieser Begriffskontroverse zu erfassen und ferner Missverständnisse zu vermeiden. Um die politischen und wirtschaftlichen Geschehnisse des 21. Jh. einordnen zu können, wird zudem ein prägnanter geschichtlicher Abriss der Globalisierung skizziert, um zu beurteilen, ob diese Entwicklung völlig neu ist oder eventuell auf eine alte Tradition zurückgeblickt werden kann. Des Weiteren sollen die Katalysatoren und die Indizien näher beleuchtet werden, welche belegen, dass sich das Ausmaß und die Tiefe der Globalisierung deutlich vergrößert haben. Die Existenz dieses Kapitels wird dahingehend begründet, dass zunächst ein grundsätzliches Verständnis zur Problematik der Globalisierung geschaffen werden soll, damit anschließend wissenschaftlich objektiv die Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt beurteilt werden können.
Im dritten Kapitel werden die theoretischen Auswirkungen der Globalisierung auf Güter- und Faktorpreise untersucht. Zur Erklärung dieses Sachverhalts wird das H-O-Modell herangezogen. Dabei sollen zunächst die Modellannahmen skizziert werden, anschließend die einzelnen Theoreme, Faktorpreisausgleichs-, Stolper-Samuelson- und Rybczynski Theorem, näher analysiert und letztendlich die Ergebnisse des Modells dargestellt werden. Des Weiteren scheint eine kritische Hinterfragung des H-O-Modells nötig zu sein, um die möglichen Differenzen zwischen theoretischen und empirischen Resultaten erklären zu können.
Das vierte Kapitel umfasst eine sowohl theoretische als auch empirische Betrachtung zum deutschen Arbeitsmarkt. Zunächst wird der Arbeitsmarkt in der ökonomischen Theorie betrachtet und geprüft, ob die untersuchten Theorien für die Praxis relevant sind bzw. welche Schwierigkeiten auftreten können. Im Anschluss wird der Arbeitsmarkt in Segmente eingeteilt, da eine differenzierte Betrachtung einzelner Arbeitsmarktteile sinnvoll ist, um später konkrete Aussagen über die Auswirkungen der Globalisierung auf die verschiedenen Segmente treffen zu können. Folglich werden dadurch mögliche Handlungsoptionen für die jeweiligen Gruppen am Arbeitsmarkt aufgezeigt. Abschließend sollen die langfristigen Trends und die aktuelle Entwicklung am deutschen Arbeitsmarkt dargestellt werden.
[....]
1 Vgl. http://www.netzeitung.de/wirtschaft/wirtschaftspolitik/384404.html, abgerufen am 04.04.2007.
2 Vgl. Landemann, Oliver: Die Globalisierung: Wachstumsmotor oder Job-Killer?, Freiburg i. Br. 1999, S. 1.
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