Register or log in at GRIN

Your e-mail-address or password is wrong
Register now
For new authors: free, easy and fast
This will be used as your user name, please specify a valid e-mail address

Lost password

Your e-mail-address or password is wrong

Request a new password
Überprüfung der Kultivierungshypothese anhand der Sendungen „TV total“ und „Hara... close

Please wait

Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.

Überprüfung der Kultivierungshypothese anhand der Sendungen „TV total“ und „Harald Schmidt“

Diploma Thesis, 2006, 143 Pages
Author: Susanne Hoch
Subject: Psychology - Media Psychology

Details

Category: Diploma Thesis
Year: 2006
Pages: 143
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 40  Entries
Language: German
Archive No.: V78287
ISBN (E-book): 978-3-638-89771-6
ISBN (Book): 978-3-638-90383-7
File size: 712 KB

Abstract

In der vorliegenden Studie wurden anhand der Formate „TV total“ und „Harald Schmidt“ Kultivierungseffekte in nonfiktionalen Unterhaltungsshows überprüft. Gemäß den Hypothesen müssten Personen, die häufig beziehungsweise seit einem längeren Zeitraum die Sendungen verfolgen, öfter und schneller den dort vermittelten Einstellungen zustimmen. Dafür wurden die genannten Sendungen auf ihre Inhalte analysiert und 35 Items erstellt, die das in den Sendungen repräsentierte Meinungsspektrum widerspiegeln sollten. 107 vorwiegend studentische Versuchspersonen beurteilten diese Aussagen per computergestützem Fragebogen, indem sie ihnen zustimmten oder sie ablehnten. Zudem wurde die Reaktionsgeschwindigkeit im Zustimmungsfall erfasst. Im Anschluss an die Bewertung der Items sollten die Probanden angeben, wie oft sie „TV total“ und „Harald Schmidt“ sehen. Dann wurden die Korrelationen zwischen Häufigkeit beziehungsweise Dauer des Konsums und dem Antwortverhalten beziehungsweise der Antwortgeschwindigkeit berechnet. Da sich die Zusammenhänge nur in Einzelfällen als signifikant erwiesen, konnten die Ergebnisse die Kultivierungstheorie nur bedingt stützen.


Excerpt (computer-generated)

Überprüfung der Kultivierungshypothese anhand der
Sendungen „TV total“ und „Harald Schmidt“

Susanne Hoch

Diplomarbeit als Teil der Diplomprüfung für Psychologen und Psychologinnen

Universität Regensburg

Dezember 2006

 

 

Inhaltsverzeichnis

1. Forschungshintergrund zur Kultivierungshypothese ... 5

2. Fragestellung und Hypothesen ... 12

3. Voruntersuchung: Analyse der Formate „Harald Schmidt“ und „TV total“ ... 14

3.1 Harald Schmidt ... 14

3.2 TV total ... 15

3.3 Einstellungsanalyse ... 17
3.3.1 Analyse der Themengebiete ... 17
3.3.2 Auswahl der Einstellungsitem ... 19

3.4 Zuschauerprofil ... 36

4. Methodik ... 43

4.1 Versuchsplan ... 43

4.2 Stichprobe ... 44

4.3 Datengewinnung ... 47

4.4 Auswertungsmethoden ... 50

5. Ergebnisse ... 53

5.1 Reaktionsbaseline ... 53

5.2 Antwortverhalten ... 53

5.3 Ergebnisse zur Hypothese 1: Korrelation r1 zwischen Antwortverhalten und Fernsehhäufigkeit ... 56

5.4 Ergebnisse zur Hypothese 2: Korrelation r2 zwischen Antwortverhalten und Fernsehdauer ... 65

5.5 Ergebnisse zur Hypothese 3: Korrelation r3 zwischen Antwortgeschwindigkeit bei Zustimmung und Fernsehhäufigkeit ... 73

5.6 Ergebnisse zur Hypothese 4: Korrelation r4 zwischen Antwortgeschwindigkeit bei Zustimmung und Fernsehdauer ... 83

6. Diskussion ... 92

6.1 Betrachtung des Gesamtergebnisses vor dem Forschungshintergrund ... 92

6.2 Interpretation der Einzelergebnisse ... 93
6.2.1 Interpretation der Ergebnisse zur Hypothese 1 ... 93
6.2.2 Interpretation der Ergebnisse zur Hypothese 2 ... 95
6.2.3 Interpretation der Ergebnisse zur Hypothese 3 ... 96
6.2.4 Interpretation der Ergebnisse zur Hypothese 4 ... 98
6.2.5 Interpretation der Ergebnisse entgegen den Hypothesen ... 99

6.3 Methodische Aspekte ... 100

6.4 Fazit ... 101

7. Zusammenfassung ... 103

8. Literatur ... 104

9. Anhang ... 107

 

 

1. Forschungshintergrund zur Kultivierungshypothese

Das Fernsehen ist aus der heutigen Zeit kaum noch wegzudenken. Während es auf der einen Seite ein Spiegel der Gesellschaft ist, hat es gleichzeitig auch einen steuernden Einfluss (Morgan & Signorielli, 1990). Dabei unterscheidet sich das Fernsehen grundsätzlich von anderen Medien wie Zeitung, Kino oder Radio. Der Konsument muss beispielsweise nicht lesen können. Außerdem steht das Fernsehen durchgehend zur Verfügung, kann sowohl durch Bild als auch durch Ton Inhalte vermitteln und erfordert keine Mobilität (Gerbner & Gross, 1976). Da es sich inzwischen zur Hauptquelle für Informationen jeglicher Art entwickelt hat, bietet es zudem eine gemeinsame Basis für ein breites Publikum aus sonst sehr unterschiedlichen Schichten und Gruppierungen (Gerbner, Gross, Morgan & Signorielli, 1994). Allerdings ist bei näherer Untersuchung der Sendeinhalte oft auch eine verzerrte Repräsentation der Realität festzustellen (Gerbner & Gross, 1976). Aus dem Bemühen, eine Antwort auf die Frage, was davon in den Köpfen der Zuschauer bleibt, zu finden, entstand die Forschung zur Kultivierungstheorie, vor allem in Bezug auf Gewaltdarstellungen.

Im Jahr 1976 wurde von Gerbner und Gross die erste Violence-Profile-Untersuchung durchgeführt. Dazu analysierten sie zunächst umfassend das Fernsehprogramm (Message System Analysis) und erstellten den Violence Index, der als Maße Prävalenz und Häufigkeit von Gewalt sowie die charakteristischen Beschreibungen von Tätern und Opfern enthielt. Es ergab sich eine quantitative Überrepräsentation von Gewalt. Anschließend überprüften Gerbner und Gross, inwiefern diese Merkmale der Fernsehwelt bei den Zuschauern „kultiviert“ worden waren, indem sie die Versuchspersonen zu ihrer Einschätzung von verschiedenen Gewaltszenen befragten. Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass Vielseher häufiger eine Fernsehantwort gaben. Das heißt, sie nahmen ihre Umwelt als weit gefährlicher wahr als Wenigseher und begegneten ihr mit mehr Misstrauen. Daraus entwickelten Gerbner und Gross die Kultivierungshypothese, die besagt, dass das Ausmaß des Fernsehkonsums die Sichtweise der realen Welt beeinflusst.

Die Untersuchungen zum Violence Profile wurden in der Folge mehrfach wiederholt und ausgebaut. Beim Violence Profile Nummer 10 konzentrierten sich Gerbner, Gross, Signorielli, Morgan und Jackson-Beeck (1979) auf Kinder als Zuschauer. Auch hier überschätzten die jugendlichen Vielseher die Anzahl von Gewalttätern und Opfern und hatten mehr Angst davor, nachts allein durch die Stadt zu laufen. Außerdem stuften sie die Häufigkeit von Polizeieinsätzen sehr hoch ein und gaben ein starkes Misstrauen gegenüber anderen an. Im Violence Profile Nummer 11 (Gerbner, Gross, Morgan & Signorielli, 1980a) wurde die Kultivierungstheorie um die Begriffe Mainstreaming und Resonanz erweitert. Mainstreaming bedeutet, dass innerhalb der Gruppe der Vielseher eine Angleichung stattfindet und die Unterschiede, die aufgrund von beispielsweise sozialer Herkunft oder anderer Faktoren verursacht werden, verschwinden, während sie bei Wenigsehern bestehen bleiben. Resonanz hingegen heißt, dass Kultivierungseffekte verstärkt dann auftreten, wenn die entsprechenden Merkmale der Fernsehwelt eine besondere Bedeutung für die Zuschauergruppe hat. So fiel bei Vielsehern, die in einer Großstadt lebten, die Überschätzung der Gewalthäufigkeit noch höher aus als bei Vielsehern aus ländlichen Gebieten. Eine Studie von Shrum, Wyer und O’Guinn (1998) bestätigte den Zusammenhang zwischen dem Fernsehkonsum und der Meinung über die Verbreitung von Gewalt.

Wie bereits angedeutet, verändert sich durch häufiges Fernsehen nicht nur die quantitative Einschätzung des Gewaltrisikos. Das persönliche Misstrauen gegenüber der Umwelt steigt ebenfalls (Gerbner et al., 1980a). Bryant, Carveth und Brown (1981) fanden heraus, dass Vielseher durch übermäßige Gewaltdarstellungen im Fernsehen die Vorstellung von einer durchweg gefährlichen Welt entwickeln und sich selbst als ängstlicher bewerten als Wenigseher. Vor allem dann, wenn das Ende eines Films als ungerecht empfunden wird, nimmt bei Vielsehern die Ängstlichkeit unabhängig von ihrem Ausgangsniveau zu. Ferner ergab sich für Mitglieder von Gruppen, deren Angehörige oft als Gewaltopfer beschrieben werden, ein Zusammenhang zwischen Fernsehzeit auf der einen sowie Misstrauen, Besorgnis, Gefühl der Entfremdung und düsterer Stimmung auf der anderen Seite (Signorielli, 1990). So korrelierte in einer Studie an älteren Frauen der Fernsehkonsum mit Ängstlichkeit, selbst unternommenen Sicherheitsmaßnahmen und der Befürwortung eines härteren Vorgehens gegen Gewalttäter (Taschler-Pollacek & Lukesch, 1990).

Doch nicht nur die Gewaltdarstellung und das daraus resultierende Misstrauen wurden untersucht. Auch bei demographischen Repräsentationen zeigten sich im Fernsehen gewisse Verzerrungen. Beispielsweise stellten Gerbner et al. (1980b) fest, dass im Fernsehen sowohl zu wenig alte als auch zu wenig junge Menschen im Verhältnis zur mittleren Altersgruppe vertreten sind. Das führte bei Vielsehern dazu, dass sie den Anteil von Senioren in der Gesellschaft weit unterschätzten und diesen Personenkreis hauptsächlich mit negativen Dingen wie Krankheit oder finanziellen Sorgen assoziierten. In einer anderen Untersuchung demonstrierten Volgy und Schwarz (1980), dass der vermehrte Konsum von Sendungen mit medizinischen Themen das Vertrauen in Ärzte stärkte. Außerdem fanden sie heraus, dass Vielseher von Programmen, in denen ethnische Minderheiten im Mittelpunkt standen, Rassenproblemen weniger Bedeutung beimaßen. Shrum and O’Guinn (1993) forderten ihre Probanden auf einzuschätzen, wie viele Amerikaner Alkoholiker sind, wie viele die Dienste von Prostituierten in Anspruch nehmen und wie viele kokainsüchtig sind. Für die drei Variablen ergab sich ein positiver Zusammenhang mit der Fernsehzeit.

Die Ergebnisse von O’Guinn und Shrum (1997) weisen dagegen darauf hin, dass eine Korrelation zwischen dem Fernsehkonsum und der Überschätzung der Wohlstandsverteilung in der Gesellschaft besteht. Dieser Zusammenhang wurde in einer weiteren Studie von Shrum (1999b) jedoch nicht signifikant. Dafür zeigte sich, dass Vielseher von Daily Soaps eher glaubten, dass sie ihren Lebenspartner irgendwann wechseln würden und dass man generell sehr misstrauisch sein sollte. Zusätzlich zur Einstellungsrichtung führte Shrum (1999b) noch den Begriff der Einstellungsstärke an. Hierfür ergaben sich in allen drei Bereichen (Beziehungsprobleme, Misstrauen und Wohlstand) signifikante Korrelationen. Das bedeutet, dass Vielseher in ihren Antworten schneller waren und das Fernsehen damit Einstellungen nicht nur beeinflusst, sondern auch festigt.

Auch zum Verhältnis von Mann und Frau wurden diverse Untersuchungen durchgeführt. Dabei fällt in erster Linie auf, dass das Fernsehen sehr traditionelle Rollenvorgaben vermittelt und diese von Vielsehern eher akzeptiert werden als von Wenigsehern (Volgy & Schwarz, 1980). Signorielli (1989) beschäftigte sich eingehender mit dem Frauenbild im Fernsehen und konnte bestätigen, dass Vielseher entsprechend der Fernsehdarstellung glaubten, dass Frauen seltener als Männer einen Beruf ausüben und, wenn sie doch arbeiten, nicht verheiratet beziehungsweise geschieden seien. Frauen seien meist jünger und attraktiver, altern jedoch auch schneller. Trotzdem ließ sich für Zuschauer mit besonders sexistischen Einstellungen ein Mainstreaming-Effekt feststellen, da sie eine dennoch etwas liberalere Haltung kultivieren.

Shrum führte 1996 eine Studie zum Thema Ehe und Beziehung durch. Dabei zeigte sich, dass durch den häufigen Konsum von Daily Soaps die Wahrscheinlichkeit für Beziehungsprobleme und Scheidungen nach oben gestuft wurde.

Des Weiteren konnte ein Zusammenhang zwischen Fernsehdauer und verschiedenen politischen Einstellungen ermittelt werden. Einer Studie von Gerbner et al. (1982) zufolge befanden sich unter den Vielsehern mehr Demokraten, was möglicherweise auf den meist niedrigeren sozialen Status zurückzuführen war. Für wohlhabendere Vielseher verschwammen gemäß dem Mainstreaming-Konzept die Grenzen zwischen den sozialen Schichten und sie neigten dazu, ihre eigene Position abzuwerten. Bei Themen wie Rassenproblemen, Homosexualität, Abtreibung oder Marihuana schmolzen für Vielseher die Unterschiede zwischen den politischen Gruppierungen. Außerdem wollten sie sich selbst nicht als konservativ bezeichnen, tendierten aber durch ihre Fernsehantworten trotzdem in diese Richtung. In einer weiteren Untersuchung wiesen Gerbner et al. (1984) nach, dass diese politische Kultivierung ein fernsehspezifisches Phänomen war. Während Vielseher den Begriff gemäßigt für sich bevorzugten, beschrieben sich Vielleser als konservativ und Vielhörer als liberal. Ebenso beeinflusste der Fernsehkonsum die Haltung zur Außenpolitik. Am Beispiel der Berichterstattung über den Golfkrieg in den Jahren 1990/91 demonstrierten Lewis, Jhally und Morgan (1991), dass Vielseher das Vorgehen von Präsident George Bush senior stärker unterstützten als Wenigseher.

Die Kultivierungseffekte bei Vielsehern konnten allerdings nicht nur für Erwachsene belegt werden, sondern auch für Jugendliche, nicht jedoch für Kinder (Hawkins & Pingree, 1980). Dies erklärten die Autoren dadurch, dass den jüngeren Kindern noch die kognitiven Voraussetzungen für den Kultivierungsprozess fehlten. Die jugendlichen Vielseher dagegen überschätzten wie auch die Erwachsenen die Häufigkeit von Gewalttaten. Ebenfalls an Jugendlichen führten Gerbner et al. (1980a) eine Langzeitstudie über drei Jahre durch. Die Haupterkenntnis daraus war, dass diejenigen, die im zweiten Jahr sehr viel fernsahen, im dritten Jahr mehr Angst und Misstrauen zeigten. Dieser Effekt musste für Jungen allerdings weiter differenziert werden. Ein niedriges Angstniveau zu Beginn der Untersuchung führte bei Vielsehern zu einem Angstanstieg, während bei einem hohen Anfangsniveau die Angst nachließ. Morgan (1982) untersuchte in einer weiteren Langzeitstudie die Kultivierung von Geschlechtsstereotypen. Dabei erzielten Mädchen über die Zeit von zwei Jahren völlig andere Ergebnisse als Jungen. Während sich bei Mädchen ein signifikanter Zusammenhang zwischen Fernsehdauer und Sexismus ergab, konnte dies für ihre männlichen Altersgenossen nicht festgestellt werden. Eine sexistische Haltung deutete bei Jungen jedoch einen verstärkten Fernsehkonsum an, was sie bei Mädchen nicht tat. Diese Ergebnisse sind ein weiterer Beleg für die Mainstreaming-Idee.

Fünf Jahre später konnte Morgan (1987) neue Ergebnisse zur Kultivierung von Geschlechtsstereotypen präsentieren. Auch in dieser relativ kurzen Langzeitstudie über sechs Monate akzeptierten Vielseher eher eine traditionelle Aufteilung von Hausarbeit als Wenigseher. Es wurde ein Zusammenhang zwischen Fernsehkonsum und sexistischen Einstellungen, nicht aber dem Verhalten festgestellt. Vielmehr schien das Verhalten diesen Zusammenhang zu beeinflussen, und zwar für Jungen und Mädchen in unterschiedlicher Weise. Bei Jungen, die ein traditionell orientiertes Rollenverhalten an den Tag legten, veränderte sich die Haltung durch vermehrtes Fernsehen nicht. Verhielten sich die Jungen eher weniger geschlechtsstereotyp, konnte verstärktes Fernsehen die Meinung durchaus beeinflussen. Bei Mädchen waren diese Relationen genau umgekehrt. Außerdem deutete sich eine wechselseitige Beziehung zwischen der Fernsehzeit und der Übereinstimmung von Verhalten und Einstellung bezüglich der Aufteilung von Hausarbeiten an.

Neben der Bestätigung der Kultivierungshypothese war auch das Aufdecken der zugrunde liegenden psychologischen Prozesse Ziel zahlreicher Forschungsstudien. Shrum (1999a, 2002) stellte auf Basis der Verfügbarkeitsheuristik ein Erklärungsmodell auf. Die Grundannahmen sind, dass bei einer schnellen Urteilsfindung nur kurz notwendige Informationen gesammelt werden (heuristic sufficiency principle) und dass vor allem auf leicht zugängliche Daten zurückgegriffen wird (accessibility principle). Je häufiger man eine bestimmte Information aufnimmt (frequency), je kürzer der Zeitraum seit der letzten Aufnahme ist (recency) und je anschaulicher die Darbietung ist (vividness), desto zugänglicher ist das Gespeicherte. Übertragen auf die Kultivierungshypothese bedeutet das, dass Vielseher eher eine Fernsehantwort geben, weil sie die fernsehvermittelten Inhalte häufiger, in kürzeren Abständen und anschaulicher wahrnehmen als Wenigseher. Das wirkt sich auf ihre Urteile über Personen, Einstellungen und Wahrscheinlichkeiten aus. Diese Aspekte lassen sich in ein Gesamtmodell integrieren (heuristic processing model of cultivation effects; Shrum, 1999a, 2002), das mit fünf Thesen beschrieben werden kann:


1. Der Fernsehkonsum beeinflusst, wie erwähnt, die Verfügbarkeit von Informationen. Das lässt sich dadurch belegen, dass Vielseher ihre Fernsehantwort schneller geben (Shrum & O’Guinn, 1993).

2. Der Grad des Kultivierungseffekts ist wiederum von der Verfügbarkeit abhängig. So fallen bei leichterer Verfügbarkeit die Schätzungen von Häufigkeiten höher aus (Shrum, 1996).

3. Die Vorbilder im Fernsehen müssen als exemplarisch bewertet werden. Je stärker die Vorbehalte gegen die Quelle sind, desto geringer sind die Kultivierungseffekte (Shrum et al., 1998).

4. Die Motivation zur kognitiven Verarbeitung spielt ebenfalls eine Rolle. Vollzieht sie sich in tieferem Maße, reduziert das den Kultivierungseffekt (Shrum et al., 1998).

5. Neben der Motivation beeinflusst auch die Möglichkeit zur Informationsverarbeitung das Ergebnis des Kultivierungsprozesses. Beispielsweise sind unter Zeitdruck eher Kultivierungseffekte zu erwarten.

Als Alternativerklärung zur Verfügbarkeitsheuristik wäre laut Shrum (1996) auch denkbar, dass die Personen sich danach entscheiden, was für sie vorstellbar ist (simulation heuristic) oder was sie aus ihrem Weltbild ableiten können (representativeness heuristic). Möglicherweise tragen sowohl Verfügbarkeit als auch Repräsentativität sequentiell zur Entscheidungsfindung bei. Vielleicht beziehen sich die Probanden jedoch einfach nur auf frühere Urteile. Ebenso ist nicht auszuschließen, dass es noch ganz andere Gründe gibt, warum Vielseher schneller antworten als Wenigseher.

Allerdings gibt es auch einige Faktoren, die den Kultivierungseffekt beeinflussen können. Sollten sich die Zuschauer bereits früher eine eigene Meinung gebildet haben, ist diese leichter verfügbar als die fernsehvermittelten Einstellungen (Hastie & Park, 1986). In diesem Fall käme es zu keiner oder nur einer geringen Kultivierung. Laut Shrum (1995) spielt es ebenfalls eine Rolle, ob sich der Befragte seiner Informationsquelle bewusst ist. Aktive Fernsehkonsumenten speichern nicht nur die Inhalte, sondern auch die Quelle (high involvement). Passive Zuschauer elaborieren dagegen nur wenig (low involvement) und wissen deshalb später nicht mehr, woher die Botschaft stammt. Damit sind bei ihnen eher Kultivierungseffekte zu erwarten. Gibt man den Personen jedoch einen Hinweis darauf, dass ihre Erinnerung möglicherweise durch das Fernsehen verzerrt sein könnte, sind sie eher in der Lage, dieser Beeinflussung entgegen zu wirken (Shrum et al., 1998).

[...]


Comments

No comments yet

Add Comment
Your comment is reviewed before being published

Other users also were interested in the following titles:

Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit

Author: Claudia Nickel
Presentations, Models, Tutorials, Instructions, 2006 Download as PDF-file for 4,99 EUR

Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens

Author: Maik Philipp
Presentations, Models, Tutorials, Instructions, 2004 Download as PDF-file for 5,99 EUR

This text can be quoted and accessed from this url:

http://www.grin.com/e-book/78287/ueberpruefung-der-kultivierungshypothese-anhand-der-sendungen-tv-total
please wait Please wait