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Vereinbarkeit von Beruf und Familie - Ein Erfolgsfaktor für Unternehmen?

Diploma Thesis, 2007, 72 Pages
Author: Dipl.-Hdl. Kristina Schneider
Subject: Economics / Business: Personnel and Organisation

Details

Category: Diploma Thesis
Year: 2007
Pages: 72
Grade: 2,3
Bibliography: ~ 62  Entries
Language: German
Archive No.: V78359
ISBN (E-book): 978-3-638-83410-0
ISBN (Book): 978-3-640-20421-2
File size: 450 KB

Abstract

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie war über Jahre ein eher an den Rand geschobenes sozialpolitisches „Frauenthema“. Heute rückt es allerdings angesichts der demographischen Entwicklung zunehmend in den Mittelpunkt wirtschaftlicher und gesellschaftspolitischer Debatten. Die wirtschaftliche Relevanz des Themas „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ haben viele Unternehmen bereits erkannt – in einer Unternehmensbefragung des IW Köln im Jahr 2006 schätzten fast drei Viertel aller Befragten (71,7 Prozent) Familienfreundlichkeit für das eigene Unternehmen als sehr wichtig oder wichtig ein. Da Unternehmen erheblichen ökonomischen Zwängen unterliegen und unter zunehmendem Kostendruck stehen, um sich auf dem Weltmarkt behaupten zu können, wird die Bereitschaft, betriebliche familienfreundliche Maßnahmen anzubieten, primär von betriebswirtschaftlichen Faktoren abhängen. Es gibt zwar auch einige Unternehmen, in denen aufgrund von sozialen Motiven und/oder gesellschaftlichem Engagement gehandelt wird, dies wird jedoch aufgrund des zunehmenden ökonomischen Drucks immer mehr eine Seltenheit. Da „der ökonomische Ansatz als Entscheidungs- und Handlungsgrundlage im Kontext von Vereinbarkeit von Beruf und Familie [..] [als] der einzige Weg zur institutionalisierten Verankerung und zur Erreichung von Nachhaltigkeit“ angesehen wird, soll in der vorliegenden Arbeit unter ökonomischen Aspekten untersucht werden, ob die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein Erfolgsfaktor für Unternehmen sein kann und wovon dies abhängt. Dabei geht es ganz konkret darum, ob sich familienfreundliche Maßnahmen für Unternehmen betriebswirtschaftlich rechnen, wobei herausgestellt wird, welche betriebswirtschaftlichen Effekte von familienfreundlichen Maßnahmen ausgehen und geprüft wird, ob der Nutzen höher sein kann als die Kosten.


Excerpt (computer-generated)

Vereinbarkeit von Beruf und Familie – Ein Erfolgsfaktor für Unternehmen?

Wissenschaftliche Arbeit
zur Erlangung des Grades einer Diplom-Handelslehrerin
im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften
der Universität Konstanz

vorgelegt von: Kristina Schneider
Bearbeitungszeit: 6. Dezember 2006 – 20. Februar 2007

 

Inhaltsverzeichnis
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
... iv
Abkürzungsverzeichnis ... v

I Problemstellung ... 1

II Vereinbarkeit von beruf und Familie - ein Wirtschaftsthema ... 4

2.1 Trends zu Beginn des 21. Jahrhunderts ... 4
2.1.1 Demographische Entwicklung und sektoraler Strukturwandel 4
2.1.2 Globalisierung und technischer Fortschritt 5
2.1.3 Lebensentwürfe - Familienmodelle 6

2.2 Konsequenzen für die Unternehmen und Chancen einer familienorientierten Personalpolitik ... 7

III Betriebswirtschaftliche Effekte ... 10

3.1 Wirkung einer familienfreundlichen Personalpolitik ... 10
3.1.1 Verringerung der Fluktuation 10
3.1.2 Senkung der Abwesenheitsdauer nach Mutterschutz 12
3.1.3 Senkung von Fehlzeiten und Krankenstand 12
3.1.4 Steigerung der Motivation und Zufriedenheit 13
3.1.5 Erhöhte Produktivität 14
3.1.6 Verbessertes Unternehmensimage und verbessertes Personalmarketing 14

3.2 Wirkungsbeeinflussende Faktoren ... 16

IV Voraussetzungen für den Erfolg einer familienfreundlichen Unternehmenspolitik ... 19

4.1 Bedarfsanalyse ... 19
4.2 Unternehmenskultur ... 20
4.3 Führung ... 22

V Familienfreundliche Maßnahmen: Kosten-Nutzen-Relationen ... 24

5.1 Flexibilisierung der Arbeitszeit ... 25
5.1.1 Teilzeitarbeit 25
5.1.2 Erhöhung der Zeitsouveränität 27
5.1.3 Familienbezogene Freistellung 30

5.2 Flexibilisierung des Arbeitsortes ... 31

5.3 Unterstützung bei der Kinderbetreuung ... 34
5.3.1 Bereitstellung von Angeboten 35
5.3.2 Kinderbetreuung in Ausnahmesituationen 38
5.3.3 Beratung und Vermittlungsdienstleistungen 40
5.3.4 Zuschuss zur Kinderbetreuung 41

5.4 Angebote während der Elternzeit ... 43

5.5 Informations- und Beratungsangebote ... 45

5.6 Finanzielle Unterstützungsleistungen ... 47

VI Kosten-Nutzen-Berechung ... 49

6.1 Problem der Quantifizierbarkeit ... 49

6.2 Modellrechnung der Prognos AG für eine fiktive "Familien GmbH" ... 50
6.2.1 Einsparpotenziale der Maßnahmen 52
6.2.1.1 Einsparpotenzial Personal(wieder)beschaffungskosten 52
6.2.1.2 Einsparpotenzial Wiedereingliederungskosten 52
6.2.1.3 Einsparpotenzial Überbrückungskosten 53
6.2.1.4 Einsparpotenzial Fehlzeiten 54
6.2.2 Die Modellrechnung 54
6.2.2.1 Beschreibung der Szenarien 54
6.2.2.2 Kosten-Nutzen-Betrachtung 55
6.2.3 Bewertung 57

VII Schlussbetrachtung ... 58

Literaturverzeichnis ... 61


I Problemstellung

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie war über Jahre ein eher an den Rand geschobenes sozialpolitisches „Frauenthema“. Heute rückt es allerdings angesichts der demographischen Entwicklung zunehmend in den Mittelpunkt wirtschaftlicher und gesellschaftspolitischer Debatten.1 Der Staat und die Wirtschaftsverbände sehen gravierende Konsequenzen für die Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und zunehmende Probleme in den Sozialsystemen bei einer anhaltenden niedrigen Geburtenrate, zunehmend alternden Bevölkerung und einer relativ geringen Erwerbstätigenquote der Frauen. 2 Auch Unternehmen sehen im globalen Wettbewerb ihre Zukunftsfähigkeit gefährdet, da in einem an natürlichen Ressourcen armes Land wie Deutschland Wissen und Know-how eine bedeutende Rolle spielen und es sich für Unternehmen angesichts eines verringerten Erwerbspersonenpotenzials zunehmend schwierig gestalten wird, qualifizierten Nachwuchs zu finden.3 In Bündnissen wie der „Allianz für Familie“ setzen sich deshalb Persönlichkeiten aus Gesellschaft und Politik zusammen mit den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft für eine familienbewusste Arbeitswelt ein.4 Wenn Rahmenbedingungen geschaffen werden, dass Frauen sich nicht mehr zwischen Beruf und Familie entscheiden müssen, sondern beides vereinbaren können, wird dies zum einen dazu führen, dass sich wieder mehr Frauen für Kinder entscheiden und zum anderen wird sich die Erwerbstätigenquote der Frauen erhöhen. Damit wird auch verhindert, dass das hohe wirtschaftliche Potenzial der heute hervorragend ausgebildeten Frauen ungenutzt bleibt.5

Solche Rahmenbedingungen zu schaffen ist eine gemeinsame Aufgabe von Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. Dennoch liegt der Schlüssel zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie in den Unternehmen. Die „Umstände, Bedingungen, Möglichkeiten, Spielräume und auch Bewertungen […], [die] im Alltag die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglichen oder verhindern“6, werden nämlich ganz konkret in den Unternehmen bzw. im Arbeitsalltag definiert. Deshalb ist das Engagement der Unternehmen, betriebliche familienfreundliche Maßnahmen zu schaffen, unerlässlich.7 Die wirtschaftliche Relevanz des Themas „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ haben viele Unternehmen bereits erkannt – in einer Unternehmensbefragung des IW Köln im Jahr 2006 schätzten fast drei Viertel aller Befragten (71,7 Prozent) Familienfreundlichkeit für das eigene Unternehmen als sehr wichtig oder wichtig ein.8 Allerdings ist die Einführung familienfreundlicher Maßnahmen in Unternehmen auch immer mit Kosten verbunden. Da Unternehmen erheblichen ökonomischen Zwängen unterliegen und unter zunehmendem Kostendruck stehen, um sich auf dem Weltmarkt behaupten zu können, wird die Bereitschaft, betriebliche familienfreundliche Maßnahmen anzubieten, primär von betriebswirtschaftlichen Faktoren abhängen. Es gibt zwar auch einige Unternehmen, in denen aufgrund von sozialen Motiven und/oder gesellschaftlichem Engagement gehandelt wird, dies wird jedoch aufgrund des zunehmenden ökonomischen Drucks immer mehr eine Seltenheit.9

Da „der ökonomische Ansatz als Entscheidungs- und Handlungsgrundlage im Kontext von Vereinbarkeit von Beruf und Familie [..] [als] der einzige Weg zur institutionalisierten Verankerung und zur Erreichung von Nachhaltigkeit“10 angesehen wird, soll in der vorliegenden Arbeit unter ökonomischen Aspekten untersucht werden, ob die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein Erfolgsfaktor für Unternehmen sein kann und wovon dies abhängt. Dabei geht es ganz konkret darum, ob sich familienfreundliche Maßnahmen für Unternehmen betriebswirtschaftlich rechnen, wobei herausgestellt wird, welche betriebswirtschaftlichen Effekte von familienfreundlichen Maßnahmen ausgehen und geprüft wird, ob der Nutzen höher sein kann als die Kosten. Dabei beschränkt sich die vorliegende Arbeit auf Maßnahmen, die auf Eltern mit kleinen Kindern bezogen sind.


Aufbau der Arbeit

Da die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen – vor allem in Zukunft – den Erfolg von Unternehmen maßgeblich beeinflussen und die wirtschaftliche Relevanz der Thematik für Unternehmen verdeutlichen, werden diese im zweiten Kapitel mit ihren Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und den Konsequenzen für die Unternehmen dargestellt. Es wird gezeigt, inwiefern eine familienfreundliche Unternehmenspolitik eine Chance für Unternehmen darstellen kann, auf diese Entwicklungen zu reagieren.

Anschließend soll auf die betriebswirtschaftlichen Effekte einer familienfreundlichen Unternehmenspolitik näher eingegangen und erläutert werden, inwiefern diese positiven Wirkungen einer Familienfreundlichkeit von Unternehmen sich auf ihren Erfolg und ihre Wettbewerbsfähigkeit auswirken. Wie ausgeprägt diese positiven betriebswirtschaftlichen Effekte sind, hängt von betriebsindividuellen Faktoren ab, die anschließend beleuchtet werden. Damit die familienfreundliche Personalpolitik jedoch überhaupt ein Erfolg für Unternehmen sein kann und der Nutzen die Kosten von Maßnahmen übersteigen kann, sollten Unternehmen die Maßnahmen entsprechend dem Bedarf ihrer Mitarbeiter11 und ihrer betriebsindividuellen Situation ausgestalten, sie in eine familienfreundliche Unternehmenskultur einbetten und darauf achten, dass die Akzeptanz für familiäre Belange bei Führungskräften und Kollegen vorhanden ist. Diese Faktoren sollen Gegenstand des vierten Kapitels sein.

Im fünften Kapitel sollen schließlich die Instrumente der Unternehmen zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die familienfreundlichen Maßnahmen, erläutert werden. Den Unternehmen steht dabei eine Vielzahl an Möglichkeiten offen. In der vorliegenden Arbeit werden die wichtigsten Maßnahmen, systematisiert nach sechs Handlungsfeldern, dargestellt. Die Kosten-Nutzen-Relationen dieser Maßnahmen sind entscheidend dafür, ob ein Unternehmen die Familienfreundlichkeit überhaupt als personalwirtschaftliches Handlungsfeld anerkennt. Deshalb wird hier der Frage nachgegangen, wie sich welche Maßnahmen auf den Betrieb auswirken und mit welchen Kosten diese verbunden sind. Dabei können jedoch keine allgemeingültigen Aussagen getroffen werden, ob bei einzelnen Maßnahmen der Nutzen immer höher ist als die Kosten, da dies von der betriebsspezifischen Situation und den speziellen Belangen der Mitarbeiter abhängt. Zudem entfalten einzelne Maßnahmen ihre Wirkungen meist in ihrer Kombination. Deshalb sind Kosten-Nutzen-Berechnungen nötig, die die Wirkungen des gesamten Maßnahmenbündels den Kosten gegenüberstellt. Dies soll Gegenstand des sechsten Kapitels sein, wobei die Probleme der Quantifizierung herausgestellt werden und abschließend die Kosten-Nutzen-Analyse der Prognos AG als ein möglicher Quantifizierungsansatz dargestellt wird.

Am Ende der Arbeit werden die gewonnenen Erkenntnisse einer eingehenden Schlussbetrachtung unterzogen.


II Vereinbarkeit von Beruf und Familie - ein Wirtschaftsthema

Familienfreundlichkeit wird aufgrund mehrerer Entwicklungen und deren Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt zunehmend zu einem wichtigen wirtschaftlichen Thema für Unternehmen.12 Diese Entwicklungen werden im folgenden Punkt dargestellt, bevor auf deren Konsequenzen für die Unternehmen und die Chancen einer familienorientierten Personalpolitik eingegangen wird.

[...]


1 Vgl. Lukoschat/Bessing, 2006, S. 6

2 Vgl. Eichhorst/Thode, 2006, S. 7, 13

3 Vgl. Berger, 2004, S. 78

4 Vgl. Prognos, 2005a, S. 3; „Starke Partner der Allianz sind die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft, Gewerkschaften, Stiftungen, renommierte Unternehmen, namhafte Ökonomen und Persönlichkeiten aus der Politik.“ (BMFSFJ, 2007)

5 Vgl. Rump/Groh, 2005, S. 26

6 Prognos, 2004, S. 15

7 Vgl. Ebenda, S. 15

8 Vgl. BMFSFJ, 2006d, S. 9

9 Vgl. Rump/Eilers, 2005, S. 41

10 Ebenda, S. 44

11 Für eine bessere Lesbarkeit wird im Folgenden die männliche Form verwendet; gemeint sind aber jeweils Frauen und Männer soweit nicht ausdrücklich etwas anderes hervorgehoben wird.

12 Vgl. Prognos, 2004, S. 7


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