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Examination Thesis, 2006, 54 Pages
Author: Beate Womelsdorf
Subject: Pedagogy - Pedagogic Psychology
Details
Year: 2006
Pages: 54
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 7 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-78494-8
ISBN (Book): 978-3-638-79585-2
File size: 222 KB
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Abstract
Lehrer gehen oftmals davon aus, dass ein Kind mit einem bestimmten Verhaltensrepertoire ausgestattet in die Schule kommt und dieses dort anwendet oder dass diese Fähigkeiten und Fertigkeiten einfach „nebenbei“ erworben werden. Warten, teilen, am Unterricht teilnehmen, Gesprächsregeln beachten, Kontakt zu Mitschülern aufnehmen, sachbezogen diskutieren usw., all das sollte ein Grundschulkind beherrschen. Bei vielen Schülern kann man jedoch erleben, dass genau diese Verhaltensgrundlagen noch nicht oder nur unzureichend vorhanden sind. Was tun? Wie der Titel schon sagt, beschäftigt sich diese Arbeit mit der Konzeption eines Trainings für sozial unsichere Kinder. Das große Problem dieser Kinder ist paradoxerweise, dass sie im Unterricht nicht auffallen. Indem sie sich scheinbar gut benehmen und für andere weder störend noch gefährlich sind, wie es bei hyperaktiven und aggressiven Kindern der Fall sein kann, bringen sie Lehrer und Eltern nicht unter Handlungsdruck und werden somit oftmals einfach übersehen. So wird ihr Problem, das sie sozusagen intern mit sich selbst austragen, nur selten bedacht und noch seltener darauf eingegangen. Nicht zuletzt versucht daher diese Arbeit die Leser auf den zumeist großen Leidensdruck solcher Kinder aufmerksam zu machen und ihnen mögliche Interventionsmaßnahmen an die Hand zu geben, damit sie für dieses Thema sensibilisiert werden und sie künftig ein bloßes Übergehen dieser Kinder als unangemessen und unbefriedigend erachten. Zu diesem Zweck sind mittlerweile mehrere, theoretisch fundierte und empirisch überprüfte Trainingskonzepte für sozial unsichere Kinder auf dem Markt erschienen, bei denen der Präventionsgedanke im Vordergrund steht. Dreien dieser Konzepte („Training mit sozial unsicheren Kindern“ von PETERMANN und PETERMANN; „Gruppentraining für ängstliche und sozial unsichere Kinder und ihre Eltern“ von MAUER-LAMBERT, LANDGRAF und OEHLER; „Mutig werden mit Til Tiger“ von AHRENS-EIPPER und LEPLOW) wurden einzelne Bestandteile entnommen und aus diesen und eigenen Ideen ein, auf die im Titel genannten Kinder, individuell zugeschnittenes Konzept erstellt. Die Zielsetzung besteht darin, den beiden eine Möglichkeit zu eröffnen, aus ihrer Passivität herauszutreten und ihrem Umfeld sozial aktiv und weitgehend kompetent zu begegnen.
Excerpt (computer-generated)
Studienseminar für Lehrämter an Schulen Arnsberg
Seminar für das Lehramt für die Primarstufe
Schriftliche Hausarbeit gem. § 33 OVP vom 11.11.2003
Lehramtsanwärterin:
Beate Womelsdorf
Thema:
"Jan und Julia sind immer so schüchtern"
- ein Trainingskonzept für sozial unsichere Kinder einer zweiten Klasse
der Grundschule zur Steigerung sozial kompetenten Verhaltens
Bad Berleburg, den 06.06.2006
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis ... 2
1 Einleitung ... 3
2 Bestandsaufnahme als Anlass für die Zielsetzung "Steigerung sozial kompetenten Verhaltens" ... 6
3 Hintergrundinformationen zu "Sozialer Unsicherheit" ... 11
3.1 Definition und Erscheinungsbild ... 11
3.2 Begleiterscheinungen und Folgen ... 12
3.3 Die Theorie der erlernten Hilflosigkeit als Erklärungsgrundlage ... 13
3.4 Verlauf und Stabilität ... 14
3.5 Aufrechterhaltung durch soziale Angst ... 15
4 Ziele des Trainings und Evaluationskriterien ... 19
5 Darstellung des Konzepts "Training für sozial unsichere Kinder" ... 21
5.1 Entwicklung des Konzepts ... 21
5.2 Äußerer Rahmen des Trainings ... 22
5.3 Ablauf der Trainingssitzungen ... 24
6 Verlauf des Trainings ... 47
7 Evaluation ... 49
8 Ausblick ... 52
9 Literaturverzeichnis ... 54
Videomaterial ... 54
1 Einleitung
Lehrer gehen oftmals davon aus, dass ein Kind mit einem bestimmten Verhaltensrepertoire ausgestattet in die Schule kommt und dieses dort anwendet oder dass diese Fähigkeiten und Fertigkeiten einfach „nebenbei“ erworben werden. Warten, teilen, am Unterricht teilnehmen, Gesprächsregeln beachten, Kontakt zu Mitschülern aufnehmen, sachbezogen diskutieren usw., all das sollte ein Grundschulkind beherrschen. Bei vielen Schülern kann man jedoch erleben, dass genau diese Verhaltensgrundlagen noch nicht oder nur unzureichend vorhanden sind. Was tun?1
Wie der Titel schon sagt, beschäftigt sich diese Arbeit mit der Konzeption eines Trainings für sozial unsichere Kinder. Die Auseinandersetzung mit diesem Thema ist für mich, als angehende Lehrerin, insofern bedeutsam, als dass ich einen Bedarf sehe, extrem „schüchternen“ und zurückgezogenen Kindern, wie es die beiden, im Titel genannten Kinder der Klasse 2 a der ...-Grundschule sind, eine Möglichkeit zu eröffnen, aus ihrer Passivität herauszutreten und ihrem Umfeld sozial aktiv und weitgehend kompetent zu begegnen.
Das große Problem sozial unsicherer bzw. ängstlicher Schüler, und damit auch das von Jan und Julia2, ist paradoxerweise, dass sie im Unterricht nicht auffallen. Indem sie sich scheinbar gut benehmen und für andere weder störend noch gefährlich sind, wie es bei hyperaktiven und aggressiven Kindern der Fall sein kann, bringen sie Lehrer und Eltern nicht unter Handlungsdruck und werden somit oftmals einfach übersehen.3 So wird ihr Problem, das sie sozusagen intern mit sich selbst austragen, nur selten bedacht und noch seltener darauf eingegangen.
Nicht zuletzt versucht daher die vorliegende Arbeit die Leser auf den zumeist großen Leidensdruck solcher Kinder (s. Kapitel 3.2) aufmerksam zu machen und ihnen mögliche Interventionsmaßnahmen (s. Kapitel 5.2 - 3) an die Hand zu geben, damit sie für dieses Thema sensibilisiert werden und sie künftig ein bloßes Übergehen dieser Kinder als unangemessen und unbefriedigend erachten. Diese Absicht entspringt meinem persönlichen Zugang zu diesem Thema, da ich zu Schulzeiten selbst sozial unsicher war und es teilweise immer noch bin, heute aber damit umzugehen weiß und nicht mehr so sehr darunter zu leiden habe.
Erst im Studium habe ich von der Existenz sozialer Unsicherheit erfahren bzw. die Begrifflichkeit für meinen damaligen Zustand und mögliche Interventionsverfahren kennen gelernt. So konnte ich mich in sämtlichen Symptomen nur allzu gut wiedererkennen und wäre im Nachhinein als Kind froh und dankbar gewesen, wenn mir jemand ein solches Training angeboten und mir somit einen Ausweg aus dieser Lage gezeigt hätte.
Zu diesem Zweck sind mittlerweile mehrere, theoretisch fundierte und empirisch überprüfte Trainingskonzepte für sozial unsichere Kinder auf dem Markt erschienen, bei denen der Präventionsgedanke im Vordergrund steht. Mit dreien dieser Konzepte habe ich mich eingehend auseinandergesetzt, wobei die Autoren eines jeden Trainingsprogramms ausdrücklich darauf hinweisen, dass die einzelnen Teile, im Sinne eines Baukastensystems, flexibel und je nach Bedarf der Kinder einzusetzen sind. So stieß ich in jeder Konzeption auf geeignete und weniger geeignete Elemente, um das sozial kompetente Verhalten von Jan und Julia sinnvoll zu fördern. Demzufolge entschied ich mich zu dem Vorgehen, den drei Konzepten die brauchbaren Bestandteile zu entnehmen und aus diesen und meinen Ideen ein eigenes, auf die genannten Kinder individuell zugeschnittenes Konzept, zu erstellen (s. Kapitel 5).
Parallel zum Kindertraining soll in 4 Sitzungen unterstützend eine Elternberatung durchgeführt werden, um den Wechselwirkungen zwischen dem ggf. neuen Verhalten der Kinder und ihrem familiären Umfeld Rechnung zu tragen. Diese Besprechungen sollen den Eltern zum einen den Inhalt des Trainings transparent machen und ihnen zum anderen Möglichkeiten eröffnen, die erzielten Fortschritte ihrer Kinder zu stabilisieren oder sogar weiter zu verbessern. Zugunsten einer ausführlichen Darstellung des Kindertrainings (s. Kapitel 5.3), die, meiner Ansicht nach, Priorität hat, muss jedoch auf eine nähere Beschreibung der Elternsitzungen verzichtet werden, da diese den recht begrenzten Rahmen der Arbeit, die nach Möglichkeit auch keinen Anhang enthalten sollte, sprengen würde.
Die vorliegende Arbeit umfasst nahezu sämtliche Lehrerfunktionen, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß:
Die Lehrerqualifikation des Organisierens ist Basis der gesamten Arbeit, da ohne eine grundlegende Organisation weder die Entwicklung noch die Durchführung dieses Konzepts möglich gewesen wäre.
Außerdem findet die Lehrerfunktion des Beratens Berücksichtigung, da Jan und Julia dahingehend unterstützt werden sollen, sozial kompetentes Verhalten einzuüben und ihren Eltern zugleich vermittelt wird, wie sie ihren Kindern dabei behilflich sein können. Des Weiteren muss beurteilt werden, und zwar insofern, als dass die Erstellung eines individuellen Trainingskonzepts eine genaue Diagnose erfordert. Dabei wird sich ausschließlich auf Beobachtungen unterschiedlicher Situationen und einen eigens erstellten Fragebogen (s. Kapitel 2) gestützt, da die Kinder in ihrem Lern- und Leistungsverhalten nicht derart beeinträchtigt sind, als dass umfangreiche diagnostische Maßnahmen oder ein AOSF-Verfahren einzuleiten wären. Darüber hinaus spielt die Funktion des Beurteilens auch im weiteren Verlauf des Trainings eine Rolle, da die Lernentwicklungsprozesse der beiden Kinder analysiert und evaluiert werden.
Da die einzelnen Trainingssitzungen also analog zu Unterrichtsstunden geplant, durchgeführt und analysiert werden müssen, kommt auch die Aufgabe des Unterrichtens zum Tragen.
[....]
1 Vgl. BERGSSON/ LUCKFIEL, 2005, S. 28. (Genauere Angaben finden sich im Literaturverzeichnis. Dieses Verfahren gilt für die gesamte Arbeit).
2 Die Namen wurden aus datenschutztechnischen Gründen geändert.
3 Vgl. MAUER-LAMBERT/ LANDGRAF/ OEHLER, 2003, S. 7.
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