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Magnetismus und Psychoanalyse - Anwendung auf das Augenmotiv in E.T.A. Hoffmanns... close

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Magnetismus und Psychoanalyse - Anwendung auf das Augenmotiv in E.T.A. Hoffmanns „Der Sandmann“

Scholary Paper (Seminar), 2002, 21 Pages
Author: Tina Heesel
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2002
Pages: 21
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 7  Entries
Language: German
Archive No.: V78496
ISBN (E-book): 978-3-638-84059-0
ISBN (Book): 978-3-638-93854-9
File size: 154 KB

Abstract

Die Psychoanalyse wird als historische Nachfolgerin des Mesmerismus und der Hypnose betrachtet. Im Gegensatz zu Mesmer hat Freud allerdings kein geschichtliches oder literaturgeschichtliches Interesse an der Erzählung des Sandmanns. Daher gehört die Analyse der Sandmanngeschichte durch den Mesmerismus/ Magnetismus in den geistesge¬schichtlichen Bereich. Die Analyse durch Freud gehört dagegen zum psychoanalytischen Ansatz. Das Ziel meiner Ausarbeitung ist zu zeigen, dass das Motiv der Augen sowohl im psychoanalytischen Ansatz als auch im Ansatz des Mesmerismus/ Magnetismus dafür verantwortlich ist, dass Nathanael wahnsinnig bzw. krank wird. Dabei beziehe ich mich hauptsächlich auf die Personen Nathanael und Coppelius/ Coppola, bzw. auf deren Beziehung zueinander. Zu Beginn werde ich Sigmund Freud anhand einer kurzen Biographie vorstellen und die für dieses Thema relevanten Grundthesen Freuds kurz erläutern. Auch Mesmer werde ich mittels einer Kurzbiographie vorstellen und die Grundgedanken des Mesmerismus bzw. des Magnetismus erläutern. Mit Hilfe der Kerngedanken beider Theorien werde ich im Hauptteil zeigen, warum das Augenmotiv in enger Verbindung zu Nathanaels Krankheit steht und warum das Motiv der Augen sogar für dessen Selbstmord verantwortlich gemacht werden kann. Zum Schluss führe ich Gemeinsamkeiten und Unterschiede der auf das Augenmotiv angewandten Theorien auf und fasse die wichtigsten Gedanken noch einmal kurz zusammen. Sigmund Freud wird am 6. Mai 1856 in Freiberg, Mähren (Tschechien) geboren, zieht aber vier Jahre später (1860) mit seiner Familie nach Wien. Sein Vater Jakob, ein orthodox erzogener Jude, ist Wollkaufmann. Sigmund ist der Liebling seiner Mutter und stets eifersüchtig auf den Vater. Seine katholische Kinderfrau erzählt ihm von Himmel, Hölle und Strafen. Im Gymnasium ist er stets Klassenbester, so dass er mit 17 den Schulabschluss hat. Er beginnt ein Studium der Medizin mit dem Spezialgebiet Physiologie. Nach seinem Studium in Wien promoviert er 1881 zum Doktor der Medizin. 1885 bekommt er eine Privatdozentur im Fachgebiet Neuropathologie (Krankheitserscheinung des Nervensystems). Um 1887 beschäftigt er sich zum ersten Mal mit dem therapeutischen Einsatz von Hypnose.


Excerpt (computer-generated)

Germanistisches Institut der RWTH Aachen
Proseminar III (Methodenseminar): E.T.A. Hoffmann
WS 2001/ 2002

Magnetismus und Psychoanalyse -
Anwendung auf das Augenmotiv in E.T.A. Hoffmanns „Der Sandmann“

von

Tina Heesel

 

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

1.1 Kurzbiographie von Sigmund Freud 3

1.1.1 Grundthesen von Sigmund Freud 4

1.1.1.1 Der psychische Apparat 4
1.1.1.2 Psychische Qualitäten 5
1.1.1.3 Die Sexualfunktion 5

1.2. Kurzbiographie von Franz Anton Mesmer 6

1.2.1 Mesmers Theorie des tierischen Magnetismus 7

2. Anwendung des Mesmerismus/ Magnetismus auf das Augenmotiv im „Sandmann“ 8

3. Anwendung der Psychoanalyse auf das Augenmotiv im „Sandmann“ 14

4. Zusammenfassung 20

5. Literaturverzeichnis 21


 


 

1. Einleitung

Die Psychoanalyse wird als historische Nachfolgerin des Mesmerismus und der Hypnose betrachtet. Im Gegensatz zu Mesmer hat Freud allerdings kein geschichtliches oder literaturgeschichtliches Interesse an der Erzählung des Sandmanns. Daher gehört die Analyse der Sandmanngeschichte durch den Mesmerismus/ Magnetismus in den geistesgeschichtlichen Bereich. Die Analyse durch Freud gehört dagegen zum psychoanalytischen Ansatz.
Das Ziel meiner Ausarbeitung ist zu zeigen, dass das Motiv der Augen sowohl im psychoanalytischen Ansatz als auch im Ansatz des Mesmerismus/ Magnetismus dafür verantwortlich ist, dass Nathanael wahnsinnig bzw. krank wird. Dabei beziehe ich mich hauptsächlich auf die Personen Nathanael und Coppelius/ Coppola, bzw. auf deren Beziehung zueinander.
Zu Beginn werde ich Sigmund Freud anhand einer kurzen Biographie vorstellen und die für dieses Thema relevanten Grundthesen Freuds kurz erläutern. Auch Mesmer werde ich mittels einer Kurzbiographie vorstellen und die Grundgedanken des Mesmerismus bzw. des Magnetismus erläutern. Mit Hilfe der Kerngedanken beider Theorien werde ich im Hauptteil zeigen, warum das Augenmotiv in enger Verbindung zu Nathanaels Krankheit steht und warum das Motiv der Augen sogar für dessen Selbstmord verantwortlich gemacht werden kann. Zum Schluss führe ich Gemeinsamkeiten und Unterschiede der auf das Augenmotiv angewandten Theorien auf und fasse die wichtigsten Gedanken noch einmal kurz zusammen.

1.1 Kurzbiographie von Sigmund Freud:

Sigmund Freud wird am 6. Mai 1856 in Freiberg, Mähren (Tschechien) geboren, zieht aber vier Jahre später (1860) mit seiner Familie nach Wien. Sein Vater Jakob, ein orthodox erzogener Jude, ist Wollkaufmann. Sigmund ist der Liebling seiner Mutter und stets eifersüchtig auf den Vater. Seine katholische Kinderfrau erzählt ihm von Himmel, Hölle und Strafen. Im Gymnasium ist er stets Klassenbester, so dass er mit 17 den Schulabschluss hat. Er beginnt ein Studium der Medizin mit dem Spezialgebiet Physiologie. Nach seinem Studium in Wien promoviert er 1881 zum Doktor der Medizin. 1885 bekommt er eine Privatdozentur im Fachgebiet Neuropathologie (Krankheitserscheinung des Nervensystems). Um 1887 beschäftigt er sich zum ersten Mal mit dem therapeutischen Einsatz von Hypnose. 1889 entwickelt er seine „Verdrängungstheorie“ (durch hypnotische Suggestion werden unerledigte Komplexe in Erinnerung gerufen und dadurch geheilt) und 1890 die „Neurosentheorie“ (Für Neurosen sind aktuelle oder frühere Sexualstörungen verantwortlich). 1895 entsteht „Entwurf einer Psychologie“, wobei ein Übergang von der Physiologie zur Psychologie stattfindet. 1899/ 1900 wird die „Traumdeutung“ veröffentlicht, 1923 „Das Ich und das Es“. Sigmund Freud stirbt am 23. September in London.

1.1.1 Grundthesen von Sigmund Freud:

1.1.1.1 Der psychische Apparat

Die menschliche Psyche oder der psychische Apparat besteht nach Freud aus drei Bestandteilen: dem Ich, dem Über- Ich und dem Es. Die Instanz des Es beinhaltet alles, was ererbt ist, vor allem die Triebe (Destruktionstrieb und Eros). Man kann sagen, dass Es repräsentiert bezüglich des Ererbten die Vergangenheit. Beherrscht wird das Es vom Lustprinzip, wobei es sich auf alle sexuellen und aggressiven Neigungen (Triebe) bezieht. Das Es wird als primitiver unbewusster Teil der Persönlichkeit betrachtet. Als Sitz der primären Triebe wird vom Es nicht in Betracht gezogen, ob das, was begehrt wird, auch im Bereich des Möglichen liegt, ob es sozial erwünscht ist oder moralisch akzeptabel ist. Die Instanz des Ich vermittelt zwischen Es und Außenwelt. Das Ich muss die Befriedigung gewährleisten, bzw. die Befriedigung der Es- Impulse durch Verteidigung zurückstellen. Das Ich bedient sich dabei der Abwehrmechanismen. Man kann das Ich als Zentrum der Funktionen wie Wahrnehmung, Denken und motorische Kontrolle betrachten. Geleitet durch Reizspannungen empfindet das Ich Lust bzw. Unlust, wobei die Lust angestrebt wird, und der Unlust durch z.B. Angstsignale ausgewichen wird. Das Ich steht im Konflikt zwischen den Impulsen des Es und den Anforderungen des Über- Ichs. Beherrscht wird das Ich vom Realitätsprinzip, das vernünftige Entscheidungen über lustbetonte Wünsche stellt.
Die Instanz des Über- Ichs muss das Ich in Übereinstimmung mit den Normen kontrollieren. Wie das Es repräsentiert auch das Über- Ich die Einflüsse der Vergangenheit, nämlich das, was von anderen übernommen wurde. Das Über- Ich ist überall da anzunehmen, wo eine kindliche Abhängigkeit bestanden hat. Man kann sagen, dass das Über- Ich der Sitz der Werte und der in der Gesellschaft geltenden moralischen Regeln und Normen ist. Das Über- ich entspricht also in gewisser Weise dem Gewissen. Häufige Konflikte mit dem Es sind die Folge. „Eine Handlung des Ichs ist dann korrekt, wenn sie gleichzeitig den Anforderungen des Es, des Über- Ich’s und der Realität genügt, also deren Ansprüche miteinander zu versöhnen weiß.“1

1.1.1.2 Psychische Qualitäten

[...]


1 Freud, Sigmund: Abriss der Psychoanalyse – Einführende Darstellung. Frankfurt am Main 1994. (Im folgenden abgekürzt als: Abriss) , S.43


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