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Examination Thesis, 2005, 86 Pages
Author: Tina Heesel
Subject: English Language and Literature Studies - Literature
Details
Tags: Mary, Shelleys, Frankenstein, Sicht, Literaturkritik
Year: 2005
Pages: 86
Grade: 2,7
Bibliography: ~ 31 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-79996-6
ISBN (Book): 978-3-638-80361-8
File size: 450 KB
Die Arbeit hätte laut Gutachten mit mehr eigenen Ideen versehen werden können, sie basiert so vollständig auf Sekundärliteratur, was zu Punktabzügen führte.
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Abstract
Einleitung Die Formulierung des Themas dieser Arbeit, wie im Titel ausgewiesen, deutet schon auf den Umfang und die Reichweite der möglichen Untersuchungsaspekte und somit auch auf notwendige Eingrenzungen und Beschränkungen hin. Am Anfang war der Text, der Roman Frankenstein von Mary Shelley. Als das Werk im März 1818 im Londoner Lackington Verlag in drei Bänden anonym erschien, war das kritische Urteil durchaus geteilt, aber es wurde eindeutig in die damalige ´phantastische` Literatur eingeordnet. Es wurde als ein ´gotischer` Roman (gothic novel) verstanden, allgemein unbestritten als ein „Schauerroman von düsterer und dramatischer Ausstattung“ , der zunächst ein „literarischer Streitfall“ war. Eine der ersten Rezensionen, die u. a. eine Anhäufung von „nonsense“ feststellte, druckte die Quarterly Review. Es ist bekannt, was in den Jahren aus dem Roman mit dem Protagonisten Viktor Frankenstein geworden ist. Er und sein Geschöpf, das Monster, wurden auf der ganzen Welt berühmt und fanden Leser; auch der Film nahm sich seiner an, so dass heute allgemein gültig ist: „Mit ihm muß jede kritische und historiographische Rekonstruktion der Entwicklung des Science-fiction, jenes modernen literarischen Genres, ihren Anfang nehmen“ (Mas-sari, 147). In dieser Arbeit geht es nicht nur um den Text, sondern auch um seine Analyse, eingeschränkt auf mögliche Analyseansätze in der modernen Literaturkritik. Als hilfreich und weiterführend erweist sich der Überblick, den Peter Wenzel in einem Beitrag mit dem Titel Der Text und seine Analyse über „Ordnungsmuster für die Klassifikation der literaturtheoretischen Ansät-ze“ verschafft. Es ist unumstritten, dass Literatur, ein Text allgemein, auf sehr verschiedene Art und Weise vom Leser wahrgenommen wird. Dies kann zum einen durch die Interpretation eines Werkes als eine Art „gesellschaftliche Praxis“ vollzogen werden. Dabei wird ein Werk nach individuellen Aspekten gelesen, ohne dass eine bestimmte Theorie im Hintergrund steht.
Excerpt (computer-generated)
Mary Shelleys Frankenstein in der Sicht der neueren Literaturkritik
Schriftliche Hausarbeit
im Rahmen der Ersten Staatsprüfung für das Lehramt Sekundarstufe
II, Staatliches Prüfungsamt für Erste Staatsprüfungen, Lehrämter an Schulen, Köln, Außenstelle
Aachen, Institut für Anglistik II
von
Tina Heesel
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 5
2. Der psychoanalytische Interpretationsansatz nach Freud ... 9
2.1 Psychoanalytisches Grundwissen ... 10
2.1.1 Der psychische Apparat nach Sigmund Freud ... 10
2.1.2 Abwehrmechanismen ... 11
2.1.3 Menschliche Triebe ... 11
2.1.4 Die Sexualfunktion ... 12
2.1.5 Das topografische Model ... 13
2.2 Die Analyse des Textes unter psychoanalytischem Aspekt ... 14
2.2.1 Victors Kindheit ... 14
2.2.2 Victors Jugend ... 15
2.2.3 Victors Studienzeit und die Erschaffung des Wesens ... 17
2.2.4 Die Entwicklung des Monsters ... 19
2.2.5 Das Gespräch zwischen Victor und dem Monster und dessen Auswirkungen ... 21
2.3 Zusammenfassung der Analyse unter psychoanalytischem Aspekt ... 23
2.4 Kritische Stellungnahme ... 25
3. Der feministische Interpretationsansatz ... 30
3.1 Die Analyse des Textes unter feministischem Aspekt ... 32
3.1.1 Die Rolle der Männer in Frankenstein ... 32
3.1.1.1 Victor Frankenstein ... 33
3.1.1.2 Robert Walton ... 38
3.1.1.3 Felix DeLacey ... 41
3.1.1.4 Henry Clerval ... 42
3.1.1.5 Das Monster ... 42
3.1.2 Die Rolle der Frau in Frankenstein ... 43
3.1.2.1 Margaret Saville ... 44
3.1.2.2 Caroline Beaufort Frankenstein ... 45
3.1.2.3 Elizabeth Lavenza ... 46
3.1.2.4 Safie ... 47
3.2 Zusammenfassung der Analyse unter feministischem Aspekt ... 48
3.3 Persönliche Stellungnahme zum feministischen Interpretationsansatz ... 50
4. Der biografische Interpretationsansatz ... 52
4.1 Mary Shelleys Leben ... 53
4.2 Analyse des Textes unter biografischem Aspekt: zwei Ansätze ... 55
4.2.1 Erster möglicher biografischer Interpretationsansatz zu Frankenstein ... 57
4.2.1.1 Die Bedeutung der Margaret Saville ... 57
4.2.1.2 Die Bedeutung des Robert Walton ... 58
4.2.1.3 Die Verbindung zwischen Victor Frankenstein und Robert Walton ... 59
4.2.1.4 Marys Eltern als ´ghosts` in Frankenstein ... 60
4.2.1.5 Die Eltern-Kind-Beziehungen in Frankenstein ... 61
4.2.1.6 Mary und das Monster ... 64
4.2.1.7 Elizabeth und Safie als Gegensatzpaar ... 67
4.2.1.8 Felix und Safie: Das ideale Paar? ... 68
4.2.1.9 Kritische Stellungnahme zum ersten Ansatz ... 69
4.2.2 Zweiter möglicher biografischer Interpretationsansatz zu Frankenstein ... 70
4.2.2.1 Waltons Briefe als ´rereading` von William Godwins St. Leon ... 72
4.2.2.2 Victors Geschichte als ´rereading` von Percy Shelleys Alastor, or the Spirit of Solitude ... 74
4.2.2.3 Die Geschichte des Monsters als ´rereading` von Mary Wollstonecrafts The Wrongs of Woman, or Maria, a Fragment ... 76
4.2.2.4 Kritische Stellungnahme zum zweiten Ansatz ... 78
4.3 Abschließender Kommentar zum biografischen Interpretationsansatz ... 79
5. Zusammenfassung ... 81
6. Literaturverzeichnis ... 84
1. Einleitung
Die Formulierung des Themas dieser Arbeit, wie im Titel ausgewiesen, deutet schon auf den Umfang und die Reichweite der möglichen Untersuchungsaspekte und somit auch auf notwendige Eingrenzungen und Beschränkungen hin. Am Anfang war der Text, der Roman Frankenstein1 von Mary Shelley. Als das Werk im März 1818 im Londoner Lackington Verlag in drei Bänden anonym erschien, war das kritische Urteil durchaus geteilt, aber es wurde eindeutig in die damalige ´phantastische` Literatur eingeordnet. Es wurde als ein ´gotischer` Roman (gothic novel) verstanden, allgemein unbestritten als ein „Schauerroman von düsterer und dramatischer Ausstattung“2, der zunächst ein „literarischer Streitfall“ (Massari, 7) war. Eine der ersten Rezensionen, die u. a. eine Anhäufung von „nonsense“3 feststellte, druckte die Quarterly Review. Es ist bekannt, was in den Jahren aus dem Roman mit dem Protagonisten Viktor Frankenstein geworden ist. Er und sein Geschöpf, das Monster, wurden auf der ganzen Welt berühmt und fanden Leser; auch der Film nahm sich seiner an, so dass heute allgemein gültig ist: „Mit ihm muß jede kritische und historiographische Rekonstruktion der Entwicklung des Science-fiction, jenes modernen literarischen Genres, ihren Anfang nehmen“ (Massari, 147).
In dieser Arbeit geht es nicht nur um den Text, sondern auch um seine Analyse, eingeschränkt auf mögliche Analyseansätze in der modernen Literaturkritik. Als hilfreich und weiterführend erweist sich der Überblick, den Peter Wenzel in einem Beitrag mit dem Titel Der Text und seine Analyse über „Ordnungsmuster für die Klassifikation der literaturtheoretischen Ansätze“ 4 verschafft. Es ist unumstritten, dass Literatur, ein Text allgemein, auf sehr verschiedene Art und Weise vom Leser wahrgenommen wird. Dies kann zum einen durch die Interpretation eines Werkes als eine Art „gesellschaftliche Praxis“5 vollzogen werden. Dabei wird ein Werk nach individuellen Aspekten gelesen, ohne dass eine bestimmte Theorie im Hintergrund steht.
Es gibt aber auch formalere Interpretationsformen. Diese Formen, eine verwirrende „Vielfalt konkurrierender Ansätze und hochkomplexer Theorien“ (Wenzel, 149), findet man häufig in Schulen oder Universitäten, also da, wo Methoden wissenschaftlicher Forschung vermittelt und gelehrt werden.
Ziel der formalen Interpretation ist es, auf die Frage nach dem Inhalt eine spezielle, theoriegeleitete Antwort geben zu können. Diese speziellen Antworten gibt die Literaturtheorie, die sich dabei keineswegs als „freischwebende Ansammlung irgendwelcher Gedanken“ (Culler, 175), sondern als eine „diskursive Praxis“ (Culler, 175) versteht, die eng verbunden ist mit Einrichtungen von Kultur und Bildung. Seit den 60er Jahren denkt man mehr nach über „Sprache, Repräsentation und die Kategorie der Kritik“ (Culler, 175), sowie über die „Rolle der Geschlechterdifferenz und Sexualität“ (Culler, 175) in Literatur und Wissenschaft und über eine „historisch ausgerichtete Kulturkritik“ (Culler, 175).
Zu den wichtigsten theoretischen Schulen und Strömungen gehören unter anderem der New Criticism, der Strukturalismus, der Feminismus, die Psychoanalytische Literaturwissenschaft, der New Historicism und die Postkoloniale Theorie.
Der New Criticism entstand in den USA der 30er und 40er Jahre des 20. Jahrhunderts und betrachtet das literarische Werk eher als ein „ästhetisches Objekt“ (Culler, 176) und weniger als „historisches Dokument“ (Culler, 176). Auf die Frage nach dem Inhalt würde der New Criticism antworten, es ginge um die „Möglichkeit einer Einheitserfahrung“ (Culler, 95). Aus dem New Criticism entwickelte sich später das Verfahren der textimmanenten Interpretation. Der Strukturalismus interessiert sich eher für die Entstehung der Bedeutung eines Werkes. Er entstand in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts unter der Saussureschen Sprachtheorie. Die Strukturalisten verstehen Sprache dabei als ein geschlossenes Zeichensystem und wollen die Struktur dieses Systems erfassen. Beim Feminismus geht es um eine Kritik „an der heterosexuellen Matrix, die Identitäten wie Kulturen in den Begriffen der Opposition von Mann und Frau organisiert“ (Culler, 183). Die Feministen würden auf die Frage nach dem ´worum` in einem Werk mit der Beschreibung der „Asymmetrie der Geschlechterverhältnisse“ (Culler, 95) antworten. Der Feminismus gehört zu den modernen Bewegungen. So auch die Psychoanalytische Literaturwissenschaft mit ihrem wissenschaftlichen Vokabular. Der Fokus bei dieser Theorie liegt auf psychoanalytischen Themen und Beziehungen. Vertreter dieser Theorie würden auf die Frage nach dem ´worum` in einem Werk antworten, dass es um einen „ödipalen Konflikt“ (Culler, 95) geht. Der New Historicism ist sehr auf die Renaissance und damit auf die „historischen Entstehungsbedingungen“ (Culler, 187) eines Werkes ausgerichtet, so dass ihre Antwort nach dem Inhalt lauten würde, es ginge um „die Inschachnahme subversiver Energien“ (Culler, 95). Der New Historicism entwickelte sich in den 80er und 90er Jahren des 20. Jahrhunderts und gilt damit als sehr modern. Die Postkoloniale Theorie ist die letzte der hier genannten Theorien. Mit Hilfe dieser Theorie wird versucht, die Probleme und Folgen der Kolonialisierung von Europa aus zu verstehen, so dass es bei ihnen um das „Aushöhlen des Imperialismus“ (Culler, 95) geht.
Neben diesen sehr stringent theoriegeleiteten Verfahren findet man auch den biografischen Interpretationsansatz. Ein literarisches Werk wird dabei als „Ausdruck der Psyche seines Autors verstanden“ (Wenzel, 154), welche wiederum „Ausdruck des Milieus und des Zeitalters ist“ (Wenzel, 154). Ein biografischer Kritiker benutzt also als Grundlage die Biografie eines Autors, um ein Werk zu beleuchten.
Die zuvor beschriebenen Theorien und Bewegungen an sich sind keine Interpretationsverfahren, sondern aus ihnen ergeben sich „bestimmte Typen des Interpretierens“ (Culler, 95). Vor dem Hintergrund der jeweiligen Theorie bzw. Bewegung kann ein Werk gelesen und interpretiert werden. Wenn aber jede Theorie bzw. Bewegung die Zielsetzung der Interpretation bestimmt, dann kann man daraus schließen, dass nicht das Ergebnis das Ziel ist, sondern der Weg der Interpretation bzw. die Art, wie man zu der Antwort kommt. Man liest, wie bereits erwähnt, ein Werk vor dem Hintergrund einer bestimmten Theorie oder Bewegung.
Läuft man dann aber nicht Gefahr, dass das Werk in den Hintergrund gerät? Um dies zu verhindern, könnte man entweder im Sinne des New Criticism interpretieren, der das Werk ja als einheitliches und in sich geschlossenenes Objekt betrachtet oder aber – wie anfänglich erwähnt – das Werk nach individuellen Aspekten lesen. Der Text steht in beiden Vorgehensweisen direkt im Blickpunkt und kann in Folge dessen nicht durch eine Theorie in den Hintergrund geraten.
[....]
1 Shelley, Mary. 1992. Frankenstein. London (im Folgenden abgekürzt als: MS).
2 Massari, Robert. 1989. Mary Shelleys Frankenstein: Vom romantischen Mythos zu den Anfängen der Science-Fiction. Hamburg. S. 7 (im Folgenden abgekürzt als: Massari).
3 Crocker, John Wilson. 1818. “Review of Frankenstein; or the Modern Prometheus”. In: The Quarterly Review, 18 (January 1818). S. 379-385. Der Text ist abrufbar im Internet unter: www.rc.umd.edu.
4 Wenzel, Peter. „Der Text und seine Analyse“. In: Bernhard Fabian, ed. 1998. Ein anglistischer Grundkurs: Einführung in die Literaturwissenschaft, 8. Auflage. Berlin. S.147 (im Folgenden abgekürzt als: Wenzel).
5 Culler, Jonathan. 1997. Literaturtheorie – Eine kurze Einführung. Stuttgart. S.94 (im Folgenden abgekürzt als:
Culler).
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