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Faschismus und Holocaust

Literature Review, 1990, 11 Pages
Author: Helene Bockschneider
Subject: History - National Socialism, World War II

Details

Category: Literature Review
Year: 1990
Pages: 11
Grade: sehr gut
Language: German
Archive No.: V785
ISBN (E-book): 978-3-638-10506-4

File size: 62 KB
Notes :
Kritisiert wird das Buch Hitler´s willige Vollstrecker von Daniel Goldhagen



Excerpt (computer-generated)

Faschismus und Holocaust

,,Hitlers willige Vollstrecker"
von Daniel Goldhagen

Inhaltsverzeichnis:

Argumentation Goldhagens 

Denk - und Analysenmethodik Goldhagen´s 

Der moderne politische Antisemitismus 

Antisemitismus in Europa 

Antisemitismus und Sozialdemokratische Partei 

Der Antisemitismus in Rußland 

 

Seit dem Zusammenbruch des Dritten Reiches ist wenig mehr als ein halbes Jahrhundert vergangen. Die Bilder des Massenmordes im Frühjahr 1945 bei der Eröffnung der nationalsozialistischen Vernichtungslager, werden nie wieder aus dem Bewußtsein der Menschen verschwinden. Allerdings genügt es nicht, die Verbrechen an der Menschlichkeit von Auschwitz, Treblinka, Buchenwald, Dachau, Bergen-Belsen usw nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Es ist ebenso wichtig, die Bedeutung jener Verbrechen zu verstehen.

Der ,,Holocaust" - über ihn wurde sehr viel geschrieben und gesagt, dennoch ist er ein befremdend rätselhaftes Ereignis geblieben. Wir kennen eine große Anzahl empirischer Daten, welche über den Holocaust zusammengetragen wurden, wir besitzen auch detaillierte Informationen darüber, wie die Nationalsozialisten ihre Endlösung - den Mord an Millionen europäischer Juden, organisierten und durchführten. Dennoch wurden die Fragen, die für ein Verständnis des Holocaust wesentlich sind - die politischen Ursachen, historischen Wurzeln und nicht zuletzt seine geschichtliche Stellung im zwanzigsten Jahrhundert - mit wenigen Ausnahmen lediglich ansatzweise behandelt. Die schwierigste Antwort erhält man wohl auf die Grundfrage welche der Holocaust aufwirft: ,,Wie konnte es dazu kommen?"

Dies wird allzu oft mit dem Argument erklärt, der Holocaust sei ein so erschreckendes Ereignis gewesen, daß er sich einer rationalen Erklärung schlichtweg entziehe. Wenn man, wie Adorno sagte nach Auschwitz keine Gedichte mehr schreiben konnte, dann durfte man wohl auch nicht mehr viel Vertrauen in die Fähigkeiten der Historiker verschwenden, die Triebkräfte des gesellschaftlichen (oder hier: gesellschaftsfeindlichen) Handelns der Menschen jener Zeit zu verstehen. Historische Wissenschaft wie politische Theorie stünden einem solchen Abgrund hilflos gegenüber. Aus einer Untersuchung der wirtschaftlichen Grundlagen gibt es für die Vertreter dieser Ansicht - der politischen Kämpfe und Klassenstruktur in der europäischen und deutschen Gesellschaft - nicht wichtiges zu lernen.

In den fünfziger Jahren erschien der Roman ,,Herr der Fliegen" von William Golding. Diese Schrift vertrat jene trübselige Sichtweise über den Zustand der Menschheit. Dem Autor zufolge ist Barberei der natürliche Zustand der Menschheit. Man befreie eine Gruppe durchschnittlicher Schuljungen von den üblichen Fesseln der Zivilisation und sie werden innerhalb von wenigen Wochen - wenn nicht sogar noch schneller - auf das Stadium der Menschenfresserei zurückfallen. Dieses misanthropische (menschenfeindliche) Werk Goldings war ein Ergebnis dessen Schlußfolgerungen, welche er aus den Erfahrungen des 2. Weltkrieges gezogen hatte. Golding schrieb später:


,,Wer diese Jahre durchgemacht hat ohne zu begreifen, daß der Mensch das Böse hervorbringt, wie die Biene den Honig, muß entweder blind oder geistesgestört sein".

Die Popularität des Romans ,,Herr der Fliegen" wiederspiegelte die durch den 2. Weltkrieg entstandene Verwirrung und das Entsetzen. Diese Stimmungen wurden durch die politischen Beziehungen, die nach dem Krieg entstanden, bestärkt. Nach dem Jahre 1945 wurde es noch schwieriger, objektiv über den Charakter des Dritten Reiches zu diskutieren, als zuvor schon war. Das politische Klima des ,,Kalten Krieges" war reaktionär und war nicht dazu angetan, sich allzu gründlich mit dem Zusammenhang zwischen dem modernen Kapitalismus und dem Faschismus zu befassen.

In der dreißiger Jahren verstanden klassenbewußte und politisch gebildete Menschen, daß der Aufstieg des europäischen Faschismus nach dem 1. Weltkrieg die direkte Antwort der kapitalistischen Gesellschaft auf die revolutionäre Gefahr war, die ihr von den sozialistischen Massenbewegungen der Arbeiterseite drohte. Zu deutlich haben die Beispiele Hitler-Deutschland und Mussolini-Italien gezeigt, daß der Faschismus im wesentlichen die konterrevolutionäre politische Mobilisierung der erzürnten Mittelklassen (Kleinbürgertum) gegen die sozialistische Arbeitebewegung war. Wo der Faschismus an die Macht kam, hörte die Existenz der Arbeiterklasse als organisierte politische und gesellschaftliche Kraft auf. Auch warnten die Sozialisten immer wieder davor, daß die kapitalistische Weltwirtschaftskrise die Gefahr der physischen Vernichtung der Juden brachte. Leo Trotzki schrieb 1940:

[...]


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