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Über den demographischen Wandel in China und die Auswirkungen auf die chinesische Gesellschaft - Geschichte, Entwicklung und Perspektiven

Scholary Paper (Seminar), 2007, 32 Pages
Author: Corinna Patrizia Franiek
Subject: Sociology - Age and Aging

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2007
Pages: 32
Grade: sehr gut
Bibliography: ~ 21  Entries
Language: German
Archive No.: V78503
ISBN (E-book): 978-3-638-84062-0

File size: 511 KB

Abstract

1999 wurde von der UNO das „Internationale Jahr der Senioren“ ausgerufen und kein Jahrhundert war für das menschliche Lebensalter so bedeutungsvoll wie das 20. Jahrhundert; es begann als Jahrhundert des Kindes und endete als das Jahrhundert der Senioren. Hierzu sagt Peter Alheit: „Zum ersten Mal in der Geschichte verbringen Individuen mehr Zeit ihres Lebens als Kind noch lebender Eltern als in der Rolle der Eltern von Kindern unter 20 Jahren. Die Rede vom ,alternden Kinde’ ist durchaus nicht absurd.“ (Alheit 1999, S. 33). Während der letzten 40 Jahre hat China einen extremen Wandel in der Fertilität durchgemacht. Nach einem ständigen Anstieg der Fertilitätsrate nahm die Fertilität in den 1970er und 1980er Jahren von einer Rate von 6 ab und hatte Ende der 1980er nur noch einen Wert von 2,31. China ist ein Land mit einer enormen Bevölkerung, einem großen Territorium und großen regionalen Unterschieden, was die sozioökonomische Entwicklung und die traditionellen Traditionen betrifft. Die Veränderungen der Fertilität sind nicht homogen im Land. Es hat immer schon Unterschiede in der Fertilität und den Eheschließungen gegeben, so fand die Änderung der Fertilitätsrate in den Städten früher statt und vollzog sich auch schneller. Die Veränderung der Fertilität begann in den ländlichen Gebieten rund 10 Jahre später als den städtischen. Hinzu kommt auch das die Fertilitätsraten auf dem Land höher waren, als in der Stadt. Die Entwicklung der chinesischen Gesellschaft, die Auswirkungen und Probleme sollen anhand dieser Arbeit dargestellt werden. Dabei sollen geographische Unterschiede und Unterschiede zwischen der Stadt- und Landbevölkerung dargestellt werden. Abschließend sollen Lösungen aufgezeigt werden, nicht nur aus sozialpolitischer Sicht, sondern auch aus der Perspektive, wie das Potential der Alten genutzt und gefördert werden kann.


Excerpt (computer-generated)

Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Institut für Soziologie
Vorlesung und Seminar: Jugend, Alter und Generation
7. Semester

Über den demographischen Wandel in China und die Auswirkungen
auf die chinesische Gesellschaft - Geschichte, Entwicklung und Perspektiven

von

Corinna Patrizia Franiek

 

 


1. Inhaltsverzeichnis

2. Einleitung 3

3. Entwicklung der chinesischen Gesellschaft  4

3. 1. Bestandsaufnahme 4
Exkurs: Demographische Alterung  6
3. 2. Historischer Abriss  7
3. 3. Regionale Unterschiede in der Alterung  10
3. 4. Veränderung der Familienstruktur  12
3. 5. Auswirkungen auf die Erwerbsstruktur 12
3. 6. Entwicklung Hochbetagter  13

4. Altersversorgung  15

4. 1. Im vorsozialistischen China  16
4. 2. In der sozialistischen Planwirtschaft von 1949 bis 1978  19

4. 2. 1. Versorgung in den Städten  21
4. 2. 2. Versorgung auf dem Land 22

4. 3. Marktwirtschaftliche Ausrichtung und die Folgen für die Altersversorgung  23
4. 4. Zukunftsaussichten 25
4. 5. Altersarmut 27

5. Freizeit 28

5. 1. Weiterbildung und Lernen  28
5. 2. Sinnsuche jenseits des Lernens  29

6. Fazit 30

7. Literatur  31

 


 

2. Einleitung

1999 wurde von der UNO das „Internationale Jahr der Senioren“ ausgerufen und kein Jahrhundert war für das menschliche Lebensalter so bedeutungsvoll wie das 20. Jahrhundert; es begann als Jahrhundert des Kindes und endete als das Jahrhundert der Senioren. Hierzu sagt Peter Alheit:
„Zum ersten Mal in der Geschichte verbringen Individuen mehr Zeit ihres Lebens als Kind noch lebender Eltern als in der Rolle der Eltern von Kindern unter 20 Jahren. Die Rede vom ,alternden Kinde’ ist durchaus nicht absurd.“ (Alheit 1999, S. 33). 1
Während der letzten 40 Jahre hat China einen extremen Wandel in der Fertilität durchgemacht. Nach einem ständigen Anstieg der Fertilitätsrate nahm die Fertilität in den 1970er und 1980er Jahren von einer Rate von 6 ab und hatte Ende der 1980er nur noch einen Wert von 2,31.2 China ist ein Land mit einer enormen Bevölkerung, einem großen Territorium und großen regionalen Unterschieden, was die sozioökonomische Entwicklung und die traditionellen Traditionen betrifft. Die Veränderungen der Fertilität sind nicht homogen im Land. Es hat immer schon Unterschiede in der Fertilität und den Eheschließungen gegeben, so fand die Änderung der Fertilitätsrate in den Städten früher statt und vollzog sich auch schneller. Die Veränderung der Fertilität begann in den ländlichen Gebieten rund 10 Jahre später als den städtischen. Hinzu kommt auch das die Fertilitätsraten auf dem Land höher waren, als in der Stadt.3
Die Entwicklung der chinesischen Gesellschaft, die Auswirkungen und Probleme sollen anhand dieser Arbeit dargestellt werden. Dabei sollen geographische Unterschiede und Unterschiede zwischen der Stadt- und Landbevölkerung dargestellt werden. Abschließend sollen Lösungen aufgezeigt werden, nicht nur aus sozialpolitischer Sicht, sondern auch aus der Perspektive, wie das Potential der Alten genutzt und gefördert werden kann.

3. Entwicklung der chinesischen Gesellschaft

3.1. Bestandsaufnahme

Die demographische Alterung der chinesischen Gesellschaft und die Probleme, die sich hieraus ergeben traten gegen Mitte der 1980er Jahre in das Bewusstsein der chinesischen Bevölkerung. Noch Mitte der 1980er Jahre verstand man in China unter demographischer Alterung hauptsächlich die Zahl der alten Menschen im Zusammenhang mit der Gesamtbevölkerung, als Auswirkung der Ein-Kind-Politik. Obwohl es Studien gab, wie die von Bonggarts und Grennhalgh, die besagen, dass mit einer Zwei-Kind-Politik, das gleiche Ziel hätte erreicht werden können, wenn die Geburten spät stattgefunden hätten und es zu einem größeren Abstand zwischen den Geburten gekommen wäre, so wurde die Ein-Kind-Politik dennoch mit harter Hand durchgesetzt. Die demographischen Folgen wären im Falle der Zwei-Kind-Politik nicht ganz so dramatisch ausgefallen.4 Forschungen zur Demographie finden in China meist vor dem Hintergrund statt, dass es zu einer möglichen staatlichen Änderung der Ein-Kind-Politik kommt, weniger ist es ihr Ziel die zukünftige demographische Alterung zu thematisieren, sowie die dadurch verursachten Probleme.5 Die Auffassung, dass viele Kinder mehr Glück bedeuten, die Versorgung im Alter betreffend, ist nicht mehr in vollem Umfang gültig, denn es hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass nicht allein die Kinderzahl wichtig ist, sondern auch die Bereitschaft der Kinder, ihre Eltern zu unterstützen. Mit dem gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und demographischen Wandel unterliegt diese Bereitschaft auch Veränderungen.6
Ein weiteres Problem ist, dass seit 1984 der Einsatz vorgeburtlicher Geschlechtsbestimmung verbreitet ist und dadurch ein Mangel an Mädchen und Frauen unausweichlich ist. Diese Tatsache wird zur Verschärfung der Situation beitragen.7 Noch befindet sich die demographische Alterung in China auf einem niedrigen Niveau, aber eine schnellere Entwicklung und ein höheres Alterungsniveau scheinen unausweichlich. Problematisch ist, dass die Wirtschaft noch nicht ausreichend entwickelt ist, dass ein Mangel an Sicherungssystemen herrscht und das traditionelle Familiensicherungssystem dem gesellschaftlichen Wandel unterzogen ist. Dies alles könnte zur Verschärfung der Situation beitragen.8 Heute ist mehr als jeder 5. alte Mensch weltweit ein Chinese. Jährlich nehmen die Alten in China um 3,32% zu.9 Nach Angaben der UNO erreichte China im Jahre 2000 eine Zahl von 128,9 Millionen alten Menschen und das entspricht 21,3% der alten Menschen weltweit. Ab 2010 wird die Zahl alter Menschen weiter ansteigen und in 20 Jahren wird sich die Zahl alter Menschen verdoppelt haben, in 45 Jahren sogar verdreifacht. 2030 werden weltweit ein Viertel der Menschen über 60 Jahre Chinesen sein. Die alten Menschen in China werden zahlenmäßig genauso vertreten sein, wie alle Alten in den Industrienationen zusammengenommen. Der Anteil der Chinesen an der Weltbevölkerung wird aber abnehmen und es bleibt zu erwarten, dass China 2045 den Platz als bevölkerungsreichstes Land der Erde an Indien abtritt. Nach 2060 wird die Zahl der Alten in China langsam sinken. China nimmt damit eine demographische Platzierung zwischen den Entwicklungsländern und den Industrieländern ein10. Die quantitative Zunahme von älteren Menschen an der Gesamtbevölkerung ist auch durch den quantitativen Zuwachs des Lebensalters bedingt.11 In China lebte 2000 die Mehrheit der alten Menschen mit ihren Kindern zusammen, auf dem Land war dies mehr verbreitet, als in der Stadt.12
In China wurde der Generationenvertrag als Familienangelegenheit betrachtet, die Familien sind blutsverwandt und patrilinear. Der Altersbegriff war nur über die Position im Familiensystem definierbar und mit dem „Alter“ war der Anspruch auf materielle Zuwendung und Unterstützung verbunden. Da den Kindern von den Eltern das Leben geschenkt worden ist und sie von den Eltern zu Erwachsenen erzogen worden sind, verpflichtet dies die Kinder ihnen Gehorsam und Leistungen entgegen zu bringen, dies entspricht der konfuzianischen Familienordnung.13 Bisher konnte diese Verbindung, die Blutverwandtschaft, alle Umwälzungen in China überstehen und so den Mechanismus der Altenpflege aufrechterhalten. Auch die marktwirtschaftlichen Veränderungen hat dieser Mechanismus überstanden, aber er hat Auswirkungen hinterlassen:
„(…) family support fort he elderly in China is weakening and the cultural sign of this weakening is that family support for the elderly is moving from a cultural norm towards a behavioural one“14.

Exkurs: Demographische Alterung

[...]


1 Yu 2005a, S. 3.

2 Vgl. Peng 1991, S. 276.

3 Vgl. Peng 1991, S. 276/277.

4 Vgl. Wu 2004, S.8/9.

5 Vgl. Wu 2004, S.8/9.

6 Vgl. Wu 2004, S. 10.

7 Vgl. Yu, 2005b, S. 147.

8 Vgl. Wu 2004, S. 31.

9 Vgl. Yu 2005b, S. 147.

10 Vgl. Schulz 2000, S. 281.

11 Vgl. Yu 2005a, S.4-5.

12 Vgl. Yu 2005a, S.4-5.

13 Vgl. Yu 2005a, S. 25.

14 Yao 1998, S. 50.


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