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Strukturanalyse des Liebesmotives bei Erec und Enite im "Erec" Hartmanns von Aue

Scholary Paper (Seminar), 2007, 19 Pages
Author: Sandra Schwab
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2007
Pages: 19
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 21  Entries
Language: German
Archive No.: V78535
ISBN (E-book): 978-3-638-84992-0
ISBN (Book): 978-3-638-84928-9
File size: 150 KB

Abstract

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Entstehung und dem Verlauf der Liebe zwischen den beiden Hauptfiguren im mittelalterlichen Roman "Erec" von Hartmann von Aue einerseits und den verschiedenen Ausprägungen der Liebe der beiden andererseits. Die einzelnen Stadien des Liebesmotives werden voneinander abgegrenzt und in Relation zueinander gesetzt. Hierbei werde ich zeigen, dass die Struktur des Motivs Liebe als kausale, in sich stringente Linie zu sehen ist, welche einerseits dem finalen Erzählstil geschuldet ist, aber auch durchaus die Möglichkeiten eines Scheiterns der Liebe zulässt. Zur Verdeutlichung gehe ich noch kurz auf das Gegensatzpaar des Mabonagrin und dessen Freundin ein, welche an einem entscheidenden Punkt des Verlaufs einen Weg einschlagen, der die Gesellschaftliche Integration ihrer Liebe negiert und damit im Gegensatz zu Erec und Enites Liebe nicht zur Erfüllung findet.


Excerpt (computer-generated)

Universität Mannheim, Seminar für deutsche Philologie
PS: Erec im FSS 2007, Germanistische Mediävistik
2. Fachsemester

Strukturanalyse des Liebesmotives bei Erec und Enite im "Erec" Hartmanns von Aue

von

Sandra Schwab

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung  - 3 -

2. Höfische Liebe – die Minne - 3 -

2.1 Die Liebe zwischen Erec und Enite: Entstehung - 4 -
2.2 Die Liebe zwischen Erec und Enite: Das verligen - 8 -
2.3 Die Liebe zwischen Erec und Enite: die Ausfahrt  - 12 -

3. Zusammenfassung: Die Struktur des Liebesmotives  - 14 -

4. Anmerkungen zum Schluß - 16 -

5. Literaturverzeichnis - 17 -


 

 

1. Einleitung

Erec und Enite sind ein Paar aus der höfischen Literatur, das den klassischen aventiure-Weg beschreitet. Als sie sich kennen lernen, wird Enite vom ihrem Vater Karolus dem Erec mit einer Rüstung, praktisch als Dreingabe, übergeben. Von Liebe in dem Sinn und von einer Liebesheirat im heutigen Sinn kann also keine Rede sein. Wie im Mittelalter üblich, wurde diese Ehe arrangiert, wenn auch aus anderen Gründen als üblich.
Hier stand weder der wirtschaftliche, noch der heiratspolitische Gedanke im Vordergrund, sondern der Rachegedanke. Erec war nämlich unterwegs, um erlittene Schmach aus einer Züchtigung zu rächen und gedachte dies bei einem Sperberkampf zu tun. Da ihm aber die Rüstung fehlte, sprach er seinen Wirt um dessen Rüstung an, und da es bei diesem Kampf vordergründig um einen Wettbewerb um die Schönheit der Frau handelte, musste Erec auch eine Frau mitnehmen. So kam Erec in den Besitz der Rüstung und Enites.
Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Entstehung und dem Verlauf der Liebe zwischen den beiden. einerseits und den verschiedenen Ausprägungen der Liebe andererseits. Die einzelnen Stadien der Liebe werden voneinander abgegrenzt und in Relation zueinander gesetzt. Hierbei werde ich zeigen, dass die Struktur des Motivs Liebe als kausale, in sich stringente Linie zu sehen ist, welche einerseits dem finalen Erzählstil geschuldet ist, aber auch durchaus die Möglichkeiten eines Scheiterns der Liebe zulässt.
Der Begriff der Ehe ist in diesem Zusammenhang nicht in der heutigen Bedeutung zu sehen, die Ehe wird zwar als Rechtfertigung für die ehelichen Zärtlichkeiten gesehen, aber immer nur begrenzt durch die ritterlichen Tugenden. Das mittelalterliche Tugendsystem hat hierbei grundsätzliche Gültigkeit, da es die kulturellen und soziologischen Strukturen vorgibt. Unterschieden werden auch die verschiedenen Wertungen der Liebe welche im mittelalterlichen Wortlaut alle nur unzureichend differenziert werden. Die Interpretation der einzelnen Passagen beginnt damit mit dem Versuch der Übersetzung der zentralen mittelalterlichen Begriffe ins heute verständliche Deutsch.

2. Höfische Liebe – die Minne

Der Begriff der Minne ist für heutige Leser nicht leicht zu fassen. Er kann nicht einfach mit „Liebe“ übersetzt werden, da sich die historische Semantik verschoben hat. Während die heutige Generation unter „Liebe“ ein Gefühl versteht, welches das ganze Leben beeinflussen kann und als Entscheidungsgrund fungiert, war die Liebe im heutigen Sinne im Mittelalter eine schöne Beigabe, aber hatte nicht den Status, den sie heute oftmals in der westlichen Kultur hat. Erst seit der Frühen Neuzeit werden Ehen in Europa als Liebe und nicht als Zweckehen geschlossen1. Insofern muss der heutige Leser eines mittelalterlichen Artusromans, uns als solcher ist der Erec Hartmanns von Aue zu verstehen, den Liebesbegriff des Mittelalters beachten. Im Mittelhochdeutschen Wörterbuch wird der Begriff der minne sehr weit gefasst als „freundliches gedenken, erinnerung, […] religiöse liebe,[…] elternliebe, freundschaft, liebe, zuneigung, wohlwollen, […] gütliche beilegung, die geschlechtliche, sinnliche liebe […]“2
In der Höfischen Epik werden speziell zwei Formen von minne unterschieden: Zum einen die hohe Minne oder höfische Liebe, welche als Charakterisierung und als gemeinsames Kennzeichen aller Erscheinungsformen die „Einbettung in den höfischen Gesellschaftsentwurf“ voraussetzt.3 Die interessante Konstruktion der Minnebeziehung, dass nämlich die Frau als Herrin erscheint und der Mann als Diener „verkehrt das Verhältnis der Geschlechter […] ins Gegenteil.“4
Im Gegensatz zur hohen Minne dient die niedere Minne der Befriedigung von individuellen Gelüsten und bewegt sich damit außerhalb der höfischen Gesellschaft. Wenn die Kennzeichen der höfischen Liebe und hohen Minne „Rationalisierung der Liebe, Kontrolle der Affekte, Sublimierung der Triebhaftigkeit“5 waren, dann waren die Empfindsame, also nur dem Gefühl und nicht dem Verstand unterworfene Liebe, die Affektionalität der Handlungen und die Auslebung der Triebhaftigkeit die Kennzeichen der niederen Minne.

2.1 Die Liebe zwischen Erec und Enite: Entstehung

[...]


1 Eine ausführliche Darstellung der historischen Hintergründe findet sich bei Wiegand, Ernst: Studien zu Minne und Ehe in Wolframs Parzival und Hartmanns Artusepik (Quellen und Forschungen zur Sprach- und Kulturgeschichte der germanischen Völker. Neue Folge 49) deGruyter: Berlin, New York 1972. S. 14ff.

2 Lexer, Matthias: Art: minne In: Ders: Mittelhochdeutschers Wörterbuch. Mit Nachträgen von Ulrich Pretzel. 38. unver. Auflage. S. Hirzel: Stuttgart 1992. S. 140.

3 Bumke, Joachim: Höfische Kultur. Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter. Band 2. 4.Auflage. Deutscher Taschenbuch Verlag: München 1986. S.505.

4 Bumke. Höfische Kultur. S. 453.

5 Bumke. Höfische Kultur. S. 520.


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