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Konstruktivismus - eine Perspektive für den Sachunterricht? Überlegungen zur konstruktivistischen Unterrichtsgestaltung

Examination Thesis, 2002, 116 Pages
Author: Bettina Anders
Subject: Regional History and Geography (Basic Primary School Pedagogy)

Details

Category: Examination Thesis
Year: 2002
Pages: 116
Grade: 1,0
Language: German
Archive No.: V7863
ISBN (E-book): 978-3-638-14982-2

File size: 874 KB
Notes :
Die Arbeit ist in drei große Teile zu gliedern: erstens: Theoretische Grundlagen, zweitens: Lernen aus konstruktivisticher Sicht und drittens: Konstruktivismus im Sachunterricht.



Excerpt (computer-generated)

 

Konstruktivismus - eine Perspektive für den
Sachunterricht?
Überlegungen zur konstruktivistischen
Unterrichtsgestaltung

HAUSARBEIT
Zur Prüfung für das Lehramt an Grund-, Haupt- und Realschulen
an der Universität: LÜNEBURG
im Fach: SACHUNTERRICHT

Vorgelegt von: 

BETTINA ANDERS

Lüneburg, den 10. Mai 2002

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis ... 5

1 Einleitung ... 6

2 Theoretische Grundlagen ... 10
   
2.1 Radikaler Konstruktivismus ... 10
        2.1.1 Von Glasersfelds Weg zum Konstruktivismus ... 10
        2.1.2 Der Radikale Konstruktivismus ... 13
        2.1.3 Erkennen aus radikal-konstruktivistischer Sicht ... 22
    2.2 Social constructionism ... 27

3 Lernen aus konstruktivistischer Sicht ... 30
    3.1 Wie gewinnt der Mensch Erkenntnis? ... 30
        3.1.1 Erkenntnistheoretische Sichtweisen ... 30
        3.1.2 Piagets Theorie der kognitiven Entwicklung ... 30
        3.1.3 Wissenserwerb im Grundschulalter ... 35
            3.1.3.1 Geschichtlicher Abriss des Wissenserwerbs in der 
            Entwicklungspsychologie ... 35
            3.1.3.2 Vorhandenes Wissen und Veränderung des Wissens ... 36
            3.1.3.3 Inwieweit erschließen Grundschüler die Wirklichkeit 
            anders als Erwachsene? ... 39
            3.1.3.4 Wie kann der Wissenserwerb und das Wirklichkeitsverstehen 
            von Grundschulkindern unterstützt werden? ... 40
    3.2 Lernwege im konstruktivistisch gestalteten Unterricht ... 41
        3.2.1 Was heißt Lernen? ... 42
        3.2.2 Situatives Lernen ... 44
            3.2.2.1 Veränderte Lebenswelt von Kindern ... 44
            3.2.2.2 Lernen am authentischen Ort / in authentischen Situationen ... 48
        3.2.3 Aktiv-entdeckendes Lernen ... 48
            3.2.3.1 Problemorientiertes Lernen ... 49
            3.2.3.2 Lernen durch Entdecken ... 51
            3.2.3.3 Lernen durch Erkunden ... 53
            3.2.3.4 Lernen durch Experimentieren ... 53
            3.2.3.5 Handlungsorientiertes Lernen ... 56
        3.2.4 Individuell-konstruktives Lernen ... 57
            3.2.4.1 Lernen durch Staunen ... 58
            3.2.4.2 Lernen durch Fragen ... 59
        3.2.5 Dialogisch-kooperatives Lernen ... 60
            3.2.5.1 Lernen durch Kooperieren ... 61
            3.2.5.2 Lernen im Gespräch ... 66
            3.2.5.3 Kinder lernen von Kindern ... 70
            3.2.5.4 Kinder lernen aus Verschiedenheit ... 72
        3.2.6 Reflexives Lernen ... 73
            3.2.6.1 Lernen durch Dokumentieren ... 74
            3.2.6.2 Lernen durch Präsentieren ... 75
        3.2.7 Vielperspektivisches Lernen ... 76

4 Konstruktivismus im Sachunterricht ... 81
   
4.1 Konstruktivistische Didaktik ... 81
        4.1.1 Kennzeichen einer konstruktivistischen Didaktik ... 81
        4.1.2 Veränderte Lehrerrolle als Voraussetzung der konstruktivistischen 
        Unterrichtsgestaltung ... 85
        4.1.3 Merkmale der konstruktivistischen Unterrichtsgestaltung ... 89
        4.1.4 Inhalte und Ziele des konstruktivistisch gestalteten Unterrichts ... 92
    4.2 Konstruktivistische Unterrichtsgestaltung zum Sachunterrichtsthema 
    "Elektrizität/ Strom" ... 94
        4.2.1 Wesentliche Aspekte zur Umsetzung des Themas ... 95
        4.2.2 Allgemeine Ziele ... 99
        4.2.3 Vorüberlegung ... 101
        4.2.4 Tätigkeit der Lehrerin ... 101
        4.2.5 Möglichkeiten der Unterrichtsgestaltung zum Thema "Elektrizität: 
        Umgang mit Strom" ... 102
            4.2.5.1 Zugänge zum Thema ... 102
            4.2.5.2 Bearbeitung des Themas ... 104
            4.2.5.3 Abschluss des Themas ... 105

5 Fazit ... 107

6 Literaturverzeichnis ... 110

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Der Mensch gelangt über Sinnesorgane zu Informationen Klein/ Oettinger (2000), ... 11
Abb. 2 Der Mensch erreicht die empirische Wahrheit nicht Klein/ Oettinger (2000), ... 21
Abb. 3 Der Wahrnehmungsvorgang aus abbildtheoretischer Sicht Diesbergen (1998), ... 25
Abb. 4 Assimilation und Akkomodation Klein/ Oettinger (2000), ... 47
Abb. 5 Eine Eins-zu-Eins-Übertragung ist nicht möglich Klein/ Oettinger (2000), ... 36
Abb. 6 Ähnliche Lernumgebungen führen zu ähnlichen Konstruktionen Klein/ Oettinger (2000), ... 37
Abb. 7 Verschiedene Rollen des Lehrers Klein/ Oettinger (2000), ... 141
Abb. 8 Voraussetzungen auf Schülerseite Klein/ Oettinger (2000), ... 168
Abb. 9 Unterrichtliche Umsetzungsmöglichkeiten Klein/ Oettinger (2000), ... 169


1 Einleitung
Diese Arbeit ist im Anschluss an ein Sachunterrichtseminar entstanden, indem der Konstruktivismus thematisiert und einige Lernwege von Kindern vorgestellt wurden. Dieses Seminar regte mich an, darüber nachzudenken, ob und wieweit der Konstruktivismus eine Perspektive für den Sachunterricht sein kann und wie die Umsetzung des Konstruktivismus konkret aussehen kann. Um eine Antwort auf diese Fragen zu finden, habe ich mich entschlossen, im Rahmen meiner Examensarbeit die Theorie des Konstruktivismus und - in Anlehnung an diese Theorie - Möglichkeiten der Unterrichtsgestaltung zu einem Sachunterrichtsthema zu erarbeiten.
Der Konstruktivismus ist ein erkenntnistheoretischer Ansatz, der davon ausgeht, dass jeder Mensch seine eigene Welt mit Hilfe seiner Erfahrungen konstruiert. Damit lautet die grundlegende These des Konstruktivismus "Die Welt, die wir erleben, bauen wir unwillkürlich auf" . Das bedeutet, dass es keine wahre Wirklichkeit gibt, mit der man seine eigenen Konstruktionen vergleichen kann, da das Erkennen im konstruktivistischen Sinn kein Abbilden der Umwelt ist. Der Konstruktivismus lehnt nicht ab, dass es eine wahre Wirklichkeit gibt, sondern nur, dass man sein konstruiertes Wissen überprüfen kann. Das Problem der Überprüfbarkeit ist ein Problem, das seit langem in der Philosophie besteht.
Im Konstruktivismus wird die Tätigkeit, die das Individuum auf dem Weg zur Erkenntnis ausführt, in den Vordergrund gestellt. Dies ist vor allem ein Grund dafür, dass es Überlegungen im Bereich der Didaktik gibt, inwieweit der Konstruktivismus eine Perspektive für den Unterricht darstellt.
Horst Siebert fasst das Wesentliche des Konstruktivismus in den folgenden Grundannahmen zusammen:

  • Zugänglich ist uns nicht die äußere Realität, sondern die Wirklichkeit, das, was in uns etwas bewirkt.
  • Wir entdecken nicht eine vorhandene Welt, sondern wir erfinden Welten.
  • Objektivität der Erkenntnis ist nicht möglich, wohl aber Intersubjektivität, d.h. Verständigung mit anderen.
  • Lernen heißt nicht, Vorgegebenes abbilden, sondern Eigenes gestalten.
  • Nicht lineare Kausalität bestimmt unsere Welt, sondern Wechselwirkung.

An Hand dieser Grundannahmen zeigt sich, dass das Wesentliche des Konstruktivismus im eigenständigen Konstruieren von Wissen besteht. Da die Auseinandersetzung mit dem Prozess des Wissenserwerbs auf Seiten des Schülers für den Lehrer nötig ist, besteht hier eine Verbindung zwischen der zunächst erkenntnisphilosophischen Richtung des Konstruktivismus und der Unterrichtsdidaktik. Durch Übertragung einer philosophischen Theorie auf die Didaktik kommt es zwangsläufig zu Veränderungen, dennoch bleiben wesentliche Teile dieser Theorie erhalten.
Die Grundannahmen des Konstruktivismus und ihre Übertragung auf die konstruktivistische Didaktik stehen in engem Zusammenhang mit den geforderten allgemeinen Lernzielen wie z.B. die Fähigkeit selbstständig zu arbeiten, Vorgehen zu planen oder eigene Lern- und Arbeitsprozesse zu reflektieren.

Am Anfang der Arbeit wird ein Überblick über die Theorie des Konstruktivismus gegeben. Dabei werden der Radikale Konstruktivismus und Ernst von Glasersfeld, als einer seiner Begründer vorgestellt. Der Radikale Konstruktivismus soll als eine Richtung des Konstruktivismus ausführlich dargestellt werden, da es die Richtung ist, die den größten Einfluss auf die Pädagogik, insbesondere die Unterrichtsdidaktik, hat. Abgeschlossen wird der theoretische Teil mit der Darstellung des Social constructionism, um daran beispielhaft zu verdeutlichen, worin sich die verschiedenen Richtungen des Konstruktivismus unterscheiden.
Nach dem theoretischen Teil wird vorgestellt, wie der Weg der Erkenntnis bzw. der Prozess des Wissenserwerbs von verschiedenen Erkenntnistheorien gesehen wird. Außerdem soll die Theorie der kognitiven Entwicklung Piagets in groben Zügen darstellt werden, da sich in dieser Theorie Ansätze des Konstruktivismus erkennen lassen, die von Ernst von Glasersfeld in seiner Theorie des Radikalen Konstruktivismus berücksichtigt werden. Im Hinblick auf die Frage, ob der Konstruktivismus eine Perspektive für den Sachunterricht, also den Unterricht in der Grundschule sein kann, wird dargestellt, wie Kinder ihr Wissen im Grundschulalter erwerben und wie sich ihr Wissen und Denken vom Wissen und Denken der Erwachsenen unterscheidet.
In einem dritten Teil werden Unterrichtsformen bzw. Zugangsweisen und Lernwege vorgestellt, die für die konstruktivistische Unterrichtsgestaltung von Bedeutung sind. Orientiert an der Konzeption des Schweizerischen Unterrichtsfaches Natur-Mensch-Mitwelt (NMM), das konstruktivistisch ausgerichtet ist, können die Methoden bzw. Zugangsweisen in Gruppen gegliedert werden: Situatives Lernen, Aktiv-entdeckendes Lernen, Individuell-konstruktives Lernen, Dialogisch-kooperatives Lernen, Reflexives Lernen und Vielperspektivisches Lernen.
In einem letzten Teil wird am Sachunterrichtsthema "Elektrizität: Umgang mit Strom" beispielhaft dargestellt, wie konstruktivistisch gestalteter Unterricht aussehen kann. Dazu werden drei Unterrichtsbausteine vorgestellt: Zugangsmöglichkeiten, Bearbeitungsmöglichkeiten und Abschlussmöglichkeiten. Unterricht ist im konstruktivistischen Sinn nicht minutiös planbar, da der Verlauf immer von Fragen, Interessen und Kompetenzen der Schüler abhängt. Somit handelt es sich nur um Möglichkeiten der Unterrichtsgestaltung.

2 Theoretische Grundlagen
Der Konstruktivismus ist ein erkenntnisphilosophischer Ansatz. Es gibt verschiedene Varianten des Konstruktivismus wie z.B. den "Radikalen Konstruktivismus" oder den "Social constructionism".
Der erste Entwurf einer konstruktivistischen Wissenstheorie geht auf den Philosophen Giambatista Vico zurück. Vico legte fest, dass der Mensch nur das wissen könne, was er selbst aufbaut und Gott die ganze Welt erkennen könne, weil er sie selbst geschaffen hat .
Der Radikale Konstruktivismus, der einen Einfluss auf die radikal-konstruktivistische Pädagogik und somit Relevanz für die konstruktivistische Unterrichtsgestaltung besitzt, ist wesentlich von Ernst von Glasersfeld geprägt worden.
Eine Wurzel des Radikalen Konstruktivismus ist die Kybernetik. Unter Kybernetik wird eine interdisziplinäre Wissenschaft verstanden, die sich mit Kommunikations- und Steuerungssystemen in lebenden Organismen, Maschinen und Organisationen beschäftigt.

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