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Humor in Gottfried Kellers "Kleider machen Leute"

Scholary Paper (Seminar), 2001, 19 Pages
Author: Wolfgang Kulzer
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Event: Erzählungen des Realismus
Institution/College: Catholic University Eichstätt-Ingolstadt
Tags: Humor, Gottfried, Kleider, Leute, Erzählungen, Realismus, Keller
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2001
Pages: 19
Grade: 1
Bibliography: ~ 15  Entries
Language: German
Archive No.: V78633
ISBN (E-book): 978-3-638-83605-0
ISBN (Book): 978-3-638-83600-5
File size: 177 KB

Abstract

Für Jean Paul, der in der Literaturwissenschaft oft als der erste Ästhetiker des Humors angesehen wird und unter dem der deutsche Humor eine Blütezeit erfährt, ist der Ernst die Bedingung des Scherzes. Lachende sehen oftmals in den Belachten ein Spiegelbild ihrer selbst. Humor zielt nicht auf die Verurteilung eines Individuums, sondern auf allgemein Menschliches. Er kritisiert Hintergründe, für ihn existiert keine individuelle Torheit, sondern nur die allgemeine Torheit und eine verrückte Welt. Inwieweit dies für Kellers bekanntes Werk "Kleider machen Leute" gilt, soll sich in den folgenden Ausführungen zeigen.


Excerpt (computer-generated)

Katholische Universität Eichstätt
Sprach- und literaturwissenschaftliche Fakultät
Sommersemester 2001
Proseminar:
Erzählungen des Realismus

Thema der Arbeit:

Humor in Gottfried Kellers
„Kleider machen Leute“

Verfasser der Arbeit:
Wolfgang Kulzer

 

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis ... 2

1. Ansichten und Gedanken zum Begriff des Humors ... 3

2. Gottfried Kellers Humor vor dem Hintergrund seiner Biographie ... 5

3 Merkmale und Intention des Humors bei Keller in seinem Werk „Kleider machen Leute“ ... 7

3.1 Das „arme Schneiderlein“ als Ausgangspunkt ... 7

3.2 Humoristische Gesellschaftskritik – „Kleider machen Leute“ als Satire? ... 8

3.3 Form und Technik des Humors bei Keller ... 10
3.3.1 Charakterkomik ... 10
3.3.2 Situationskomik ... 12
3.3.3 Stilmittel des Humors ... 13

4. Kleider machen Leute – Leute machen Kleider: Das Schein- und Sein-Thema der Novelle ... 16

Literaturverzeichnis ... 18


1. Ansichten und Gedanken zum Begriff des Humors

Die Wurzeln des Begriffes „Humor“ sind in der Antike zu suchen. Aus dem Lateinischen stammend hat „Humor“ ursprünglich die Bedeutung „Saft“, „Nässe“, „Feuchtigkeit“. Mit „humores“ wurden in der antiken Medizin die vier Körpersäfte bezeichnet, welche ausschlaggebend für Temperament und Charakter eines Menschen waren. Die Bezeichnung wurde auf diesem Wege in die Psychologie übernommen und besagte bis ins 19. Jahrhundert soviel wie „Laune“ oder „Stimmung“.1

Mit der Wesenserfassung und ästhetischen Einordnung des Humors befassten sich zahlreiche Denker von Platon und Aristoteles bis heute, ohne eine endgültige Lösung des Problems zu finden.2

Eine allgemeine Definition bieten Jan Bremmer und Herman Roodenburg, die Herausgeber der „Kulturgeschichte des Humors“. Diese bezeichnen Humor „als jede durch eine Handlung, durch Sprechen, durch Schreiben, durch Bilder oder durch Musik übertragene Botschaft, die darauf abzielt, ein Lächeln oder ein Lachen hervorzurufen.“3

„Der Humorist faßt das Leben in all seinen Gegensätzen und vermag damit in freiem Scherz zu spielen, wenngleich der Scherz sich zutiefst auf dem Ernst begründet.“4

Bei Schopenhauer spielt der Ernst eine entscheidende Rolle bei der Unterscheidung zwischen Humor und Ironie: „Ernst, der sich hinter Scherz versteckt, ist (...) Humor. Umgekehrt versteckt sich (...) in der Ironie Scherz hinter dem Ernst.“5

Auch für Jean Paul, den ersten „Ästhetiker des Humors“, unter dem der deutsche Humor eine Blütezeit erfährt, ist der Ernst die Bedingung des Scherzes. Lachende sehen oftmals in den Belachten ein Spiegelbild ihrer selbst.

„Die Einsicht des Humoristen in die Fragwürdigkeit der menschlichen Ansprüche nimmt seinem Verlachen die verletzende Schärfe des Satirikers, der (...) einzelne Schwächen aufs Korn nimmt, um sie tödlich zu treffen.“6 Humor zielt somit nicht auf die Verurteilung eines Individuums, sondern auf allgemein Menschliches. Er kritisiert Hintergründe, für ihn existiert keine individuelle Torheit, sondern nur die allgemeine Torheit und eine „tolle Welt“.7

Die Einschätzung Kellers als Humorist ist in der Literaturwissenschaft unumstritten. Im Folgenden werden die Eigenarten von Kellers Humor anhand seines Werkes „Kleider machen Leute“ herausgestellt.


2. Gottfried Kellers Humor vor dem Hintergrund seiner Biographie

Eine wichtige Grundlage für Gottfried Kellers Humor stellt seine Weltanschauung dar. Entscheidend geprägt wurde diese bereits während seiner Studienzeit in Heidelberg, wo er Vorträge von Jakob Henle über Anthropologie und von Ludwig Feuerbach über das Wesen der Religion besuchte. Den Glauben an eine jenseitige Welt gab Keller auf, das diesseitige Leben erfasste er allerdings mit umso größerer Kraft und Liebe. Ebenso wie beim Humor deutscher Realisten wie Raabe, Reuter oder Wilhelm Busch, ist der Humor Kellers fest in dieser Welt verwurzelt.8 Somit zählt Keller zu den Vertretern des Realismus und des realistischen Humors, der nicht mehr – wie im Idealismus – mit metaphysischer Spekulation belastet ist, sondern sich ganz der Erde, dem schönen Leben und der Freude widmet.9

[...]


1 vgl. Demeter, S. 13

2 vgl. Demeter, S. 11

3 Bremmer/Roodenburg, S. 9

4 Demeter, S. 13

5 Walzel, S. 190

6 Demeter, S. 18

7 ebd.

8 vgl. Demeter, S. 16

9 ebd. S. 20


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