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Diploma Thesis, 1990, 123 Pages
Author: Prof. Wilfried Köpke
Subject: Theology - Systematic Theology
Details
Tags: Leonhard Ragaz; Geschichtstheologie; Marxismus; Politische Theologie
Year: 1990
Pages: 123
Grade: 1
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-14984-6
ISBN (Book): 978-3-638-71704-5
File size: 521 KB
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Abstract
Die Arbeit wendet sich der Geschichtstheologie des reformierten Theologen Leonhard Ragaz (1868-1945) zu. Die kritisch hermeneutische Untersuchung wertet dabei besonders das "Werk der Krise" von Leonhard Ragaz aus und entdeckt darin u.a. in Theologismen wie dem "Christus incognito" eine Vorwegnahme der politischen Theologie wire man sie später bei Moltmann oder transzendentaltheologischer Einsichten wir man sie später bei Karl Rahner findet. Seine geschichtstehologischen Grundzüge zeigen Leonhard Ragaz als großen Theologen in Tradition von Reformation und Aufklärung.
Excerpt (computer-generated)
"Wir harren eines neuen Himmels und einer neuen Erde"
Die geschichtstheologischen Grundlinien im Werk der Krise von Leonhard Ragaz
Wissenschaftliche Arbeit
zur Erlangung des Diploms
in Katholischer Theologie
an der Philosophisch-Theologischen Hochschule
Sankt Georgen
Frankfurt am Main
Vorgelegt von Wilfried Köpke
Sommersemster 1990
Inhaltsverzeichnis
0. Vorbemerkungen ... 5
0.1 Themenstellung und -abgrenzung ... 5
0.2 Warum diese Arbeit und dieses Thema? ... 7
0.3 Die Fragen der Geschichtstheologie ... 8
1. Im Ringen um die Sache Jesu - drei Annäherungen an Leonhard
Ragaz ... 11
1.0 Subjektgebundene Theologie im lebensweltlichen, politischen Kontext
und im Horizont des Reiches Gottes ... 11
1.1 Perspektive auf das Reich Gottes - eine poetische Annäherung ... 13
1.2 Umstrittener Theologe ... 14
1.3 Leben in der Nachfolge Jesu ... 19
2. Geschichtstheologische Grundlinien im Werk der Krise ... 25
2.0 Biographische und politische Krise als Herausforderung an Theologie
und Kirche ... 25
2.0.1 Das Werk der Krise ... 25
Exkurs: Das Politikverständnis von Ragaz ... 33
2.0.2 Zentrale Aspekte der Theologie der Krise ... 35
Exkurs: Jacob Burckhardts Einfluß auf Ragaz ... 38
2.0.3 Geschichtstheologische Entwicklung des frühen Ragaz - eine
Skizze ... 41
2.1 Geschichtstheologie als Antwort auf die Krise ... 48
2.1.1 Ragaz′ Geschichtsverständnis im Werk der Krise ... 48
2.1.1.1 Die qualitative Zeit ... 49
2.1.1.2 Geschichte als teleologisches, geistgewirktes Wirken ... 55
2.1.1.3 Geschichte als »Kreislauf« ... 59
Exkurs: Ragaz′ Verständnis von Revolution ... 64
2.1.1.4 Ragaz′ Kritik am marxistischen Geschichtsdenken und am
Evolutionsverständnis ... 65
2.1.2 Die Dialektik der Welt ... 74
2.1.3 Geschichte der Sache Jesu: Utopie zwischen Inkarnation und
Auferstehung ... 80
2.1.3.1 Relative und absolute Hoffnung ... 80
2.1.3.2 Das Subjekt der Geschichte ... 86
2.1.3.2.1 Die Menschwerdung Gottes ... 87
2.1.3.2.2 Die Menschwerdung des Menschen ... 92
2.2 Die bleibende Aufgabe ... 94
3. Schlußbemerkungen ... 95
4. Literaturverzeichnis ... 98
0. Vorbemerkungen
(1) Schlechte Zeiten für Ragaz.
Der Sozialismus, sagt man, ist tot.
Die Pfarrer sollen sich aus der Politik heraushalten, sagt der Bundeskanzler.
Geschichtstheologie ist im Kurse gefallen, und es sieht so aus, als fiele sie weiter ins Bodenlose der Ideologie.1
Der Kapitalismus wird wieder salonfähig.
Und daß das Reich Gottes nicht indifferent sei zu den Welthandelspreisen, muß eine Jugendsünde nachkonziliarer Weltverliebtheit auf der Würzburger Synode gewesen sein.
(2) Gute Zeiten für Ragaz.
Es gibt immer noch Männer und Frauen, die glauben, die Bergpredigt sei mehr wert als das beste Hochglanzpapier, auf dem man sie drucken kann.
Die Pfarrer in der DDR, die sich in die Politik einmischten, hat doch nicht der Teufel geholt.
Daß Arbeit Vorrang hat vor Kapital, diese Option eint immer noch Marx mit dem Papst.
Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung als Gabe und Aufgabe haben eine Konfession quer zu allen Konfessionen geeint, die eucharistische Gemeinschaft im Teilen der Sorge um die Welt und die Menschen, im Dank für Gottes Schöpfung und im Auftrag der Friedensstiftung neu entdeckt haben, über alle kirchenrechtlichen Engen hinaus.
0.1 Themenstellung und -abgrenzung
(1) Diese Arbeit versucht die geschichtstheologischen Grundlinien im Werk der Krise des schweizer Theologen Leonhard Ragaz darzustellen.
Sie hat dabei einige Schwierigkeiten.
1. Die Erkenntnis, daß ein geschlossenes Werk der Krise bei Ragaz vorliegt, hat Mattmüler Anfang der 80er Jahre herausgearbeitet. Der größte Teil der Sekundärliteratur berücksichtigt dieses Phänomen noch nicht, und geht auch sonst wenig auf die Schriften dieses Werkkomplexes ein.2 Die Arbeit muß sich also häufig auf eine werkimmanente Interpretation beschränken und kann bisherige Ergebnisse der Forschung nur behutsam übertragen.
2. Ragaz selbst hätte dem Unterfangen einer solchen Arbeit skeptisch gegenüber gestanden, wie er jedem Theologen skeptisch gegenüberstände, der versucht, zu systematisieren, den lebendigen Gott in die Strukturen des toten und verstaubten Dogmas zu zwängen. Diese Kritik findet in der bearbeiteten Werkphase ihren Höhepunkt. Dementsprechend ist das Werk nicht systematisch, begrifflich nicht immer stringent, die geistesgeschichtlichen Einflüße sind oft nur zu erschließen, da sie von Ragaz nur vereinzelt benannt und nicht wissenschaftlich zitiert werden. Soweit zugänglich wurden Informationen über geistesgeschichtliche Einflüße aus der Autobiographie, Briefen, Tagebuchzitaten verarbeitet.
3. Ragaz ist kontextueller Theologe. Sein lebensweltlicher Kontext ist die Schweiz, seine konfessionelle Herkunft das reformierte Christentum. Ragaz starb vor beinahe 45 Jahren, die behandelte Werkepoche (ca. 1917-1921) liegt siebzig Jahre zurück. Das gibt Grenzen des Vorverständnisses und der Interpretationsmöglichkeiten an.
4. Diese Arbeit beschränkt sich auf eine kritische Darstellung. Allein die Darstellung könnte an vielen Stellen ausführlicher sein. Die Diskussion mit anderen Theologen von Moltmann bis L. Boff, von Sobrino bis Pannenberg, von Barth bis K. Rahner wäre sehr reizvoll. Doch selbst die Diskussion mit Ragaz′ eigenen theologischen Lehrern und reformatorischen Vätern wird nicht ausführlich durchgeführt und dargestellt.
5. Es wird auf einen ökumenischen Diskurs verzichtet. Theologie muß sich vor der Diskursgemeinschaft aller Gläubigen verantworten. Die ökumenische Frage als Frage, war nicht der Anspruch Ragaz′. Trotzdem wird an gewissen Vorlieben und kritischen Anfragen der katholische Hintergrund, in dem diese Arbeit entstand, deutlich werden.
(2) Nach dieser Grenzziehung einige Hinweise auf den gestellten Rahmen. Eine hermeneutische Textinterpretation, also auch diese Arbeit, muß sich an der Erfüllung dreier Bedingungen messen lassen:
»1. Offenlegung und kontrollierter Einsatz des Vorverständnisses und besonderen, situationsbezogenen Interesses einschließlich der vorverständniskritischen und möglichst immanenten Auslegung des Interpretandums;
2. Kritische Prüfung des Geltungsanspruchs, den das Interpretandum erhebt, bzw. unterstellt;
[...]
1 Ich bediene mich frei bei Jacob Taubes: Geschichtsphilosphie und Historik, in: Geschichte - Ereignis und Erzählung, hg. von Reinhart Koselleck und Wolf-Dieter Stempel, München 1973, 490: »Geschichtsphilosophie ist im Kurse gefallen, und es sieht so aus, als fiele sie weiter ins Bodenlose der Ideologie«.
2 »... diese Texte sind bisher von den Interpreten kaum | beachtet worden und treten viel zu stark zurück hinter den Frühwerken, haben aber als eine ′Theologie der Krise′ eine wichtige Bedeutung«, Mattmüller, Markus: Leonhard Ragaz - religiöser Sozialist, Pazifist und Theologe des Reiches Gottes, in: Leonhard Ragaz. Religiöser Sozialist, Pazifist, Theologe und Pädagoge, hg. vom Leonhard-Ragaz-Institut e.V., Darmstadt 1986, 20f.
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