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Das Problem vollständigen Wissens - Eine Kritik an Frank Jacksons Argument vollständigen Wissens (Mary-Argument)

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2007, 30 Pages
Authors: Mark Wernsdorfer, Katarina Luttenberger
Subject: Philosophy - Philosophy of the Present

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2007
Pages: 30
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 10  Entries
Language: German
Archive No.: V78714
ISBN (E-book): 978-3-638-85107-7

File size: 284 KB

Abstract

Jackson's Artikel „Epiphänomenale Qualia“ argumentiert für die Existenz von mentalen Zuständen, die sich nicht durch den Physikalismus erklären oder sich auf ihn reduzieren lassen. Als Hauptargument im ersten Teil dient ihm dabei die Intuition, dass, auch wenn wir alles wüssten, was es aus physikalischer Sicht über eine Rose zu wissen gibt, wir doch etwas Neues dazulernen würden, wenn wir das erste Mal an einer Rose riechen. Er räumt aber ein, dass dieses Argument nur diejenigen Menschen von seiner Ansicht überzeugen kann, die sie ohnehin schon teilen. Anhängern des Physikalismus erscheint die Prämisse, dass beim Duft der Rose neue Tatsachen gelernt werden, nämlich gar nicht intuitiv einleuchtend. Also begibt sich Jackson auf die Suche nach einem polemisch starken Argument, das auch die Physikalisten davon überzeugen können soll, dass der Physikalismus allein nicht alle Dinge dieser Welt erklären kann. Er nennt dieses Argument, das im nächsten Abschnitt erläutert und kritisiert werden soll, das „Argument des unvollständigen Wissens“. Im letzten Abschnitt seines Artikels geht Jackson stärker auf die Theorie des Epiphänomenalismus ein, die es ihm erlaubt, seine nicht-physikalischen Qualia zu postulieren ohne in die Erklärungsnot der Dualisten bezüglich der Kausalität zu kommen. In unserer Erwiderung widmen wir uns zunächst dem Argument des unvollständigen Wissens, um daran einige Gedanken zum Epiphänomenalismus anzuschließen. Dabei diskutieren wir zuerst das Gedankenexperiment um Fred als Ausgangspunkt für den Übergang auf das Gedankenexperiment um Mary. Nach einer genaueren Betrachtung der Grundvoraussetzung beider Szenarien – dass es grundsätzlich möglich ist, alles Physikalische zu wissen – diskutieren wir zum Abschluss Jacksons Argumente für den Epiphänomenalismus.


Excerpt (computer-generated)

Otto-Friedrich-Universität Bamberg, Lehrstuhl für Philosophie II
Hauptseminar: Bewusstsein, WS 2006/2007

Das Problem vollständigen Wissens -
Eine Kritik an Frank Jacksons Argument vollständigen Wissens (Mary-Argument)

von Katharina Luttenberger und Mark Wernsdorfer

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung  3

2. Erlebt Fred Tatsachen?  4

2.1. Prämissen nach Jackson 5

1) Zur Unterscheidung farbiger Objekte  5
Erklärung 1: Fred ist ein Betrüger 5
Erklärung 2: Indirekte/relationale Farbwahrnehmung 6
Erklärung 3: Direkte/absolute Farbwahrnehmung 10
2) Zur Anatomie von Freds Sehapparat 12
3) Erleben und Wissen 14

2.2. Konklusion nach Jackson 15

3. Mary und die Farbe blau 15

3.1. Lernt Mary eine Tatsache?  17
3.2. Was weiß Mary überhaupt?  18

4. "Alles Physikalische wissen."?  21

4.1. Externe Einflussfaktoren auf Farbqualia 21
4.2. Interne Einflussfaktoren auf Farbqualia 22

5. Zum Epiphänomenalismus 23

5.1. Ein Widerspruch in sich 23
1) Mentale Zustände sind nicht-physikalisch  24
Gedanken gehören in die physikalische Welt 25
Was wir Gedanken nennen, sind in Wirklichkeit zwei Phänomene. Der Gedanke ist
mental, das Korrelat physikalisch 25
2) Mentale Zustände sind physikalisch 25
5.2. Drei Varianten eines Arguments 26
1) Bestimmte Vorgänge im Gehirn verursachen beides 26
2) Qualia sind Begleiterscheinungen bestimmter Gehirnprozesse 27
3) Qualia werden von etwas Physikalischem verursacht 27
4) Die Schneckisten 27

6. Das Problem dualistischen Denkens 28

7. Literaturangaben 30


 

 

1. Einleitung

Jackson′s Artikel „Epiphänomenale Qualia“ argumentiert für die Existenz von mentalen Zuständen, die sich nicht durch den Physikalismus erklären oder sich auf ihn reduzieren lassen. Als Hauptargument im ersten Teil dient ihm dabei die Intuition, dass, auch wenn wir alles wüssten, was es aus physikalischer Sicht über eine Rose zu wissen gibt, wir doch etwas Neues dazulernen würden, wenn wir das erste Mal an einer Rose riechen (Jackson 1982). Er räumt aber ein, dass dieses Argument nur diejenigen Menschen von seiner Ansicht überzeugen kann, die sie ohnehin schon teilen. Anhängern des Physikalismus erscheint die Prämisse, dass beim Duft der Rose neue Tatsachen gelernt werden, nämlich gar nicht intuitiv einleuchtend.
Also begibt sich Jackson auf die Suche nach einem polemisch starken Argument, das auch die Physikalisten davon überzeugen können soll, dass der Physikalismus allein nicht alle Dinge dieser Welt erklären kann. Er nennt dieses Argument, das im nächsten Abschnitt erläutert und kritisiert werden soll, das „Argument des unvollständigen Wissens“.
Im letzten Abschnitt seines Artikels geht Jackson stärker auf die Theorie des Epiphänomenalismus ein, die es ihm erlaubt, seine nicht-physikalischen Qualia zu postulieren ohne in die Erklärungsnot der Dualisten bezüglich der Kausalität zu kommen. In unserer Erwiderung widmen wir uns zunächst dem Argument des unvollständigen Wissens, um daran einige Gedanken zum Epiphänomenalismus anzuschließen. Dabei diskutieren wir zuerst das Gedankenexperiment um Fred als Ausgangspunkt für den Übergang auf das Gedankenexperiment um Mary. Nach einer genaueren Betrachtung der Grundvoraussetzung beider Szenarien – dass es grundsätzlich möglich ist, alles Physikalische zu wissen – diskutieren wir zum Abschluss Jacksons Argumente für den Epiphänomenalismus.

2. Erlebt Fred Tatsachen?

Anders formuliert: [Formel in der Downloaddatei vorhanden] ? Jackson setzt in seinem Gedankenexperiment den Wunsch nach Erleben mit dem Wunsch nach Wissen gleich. Am Beispiel des Fred versucht Frank Jackson also seinem Leser unter Anderem die Intuition zugänglich zu machen, dass Erleben immer zumindest eine Eigenschaft hat, welche entweder kausal eigenständiges Wissen verursacht oder als eigenständiges Wissen bezeichnet werden kann – dass also jede Quale genau eine Tatsache entstehen lässt und dass jede Tatsache auf genau eine Quale zurückzuführen ist.
Er präsentiert uns Fred. Fred besitzt die Fähigkeit, Rottöne mit ungewöhnlicher Genauigkeit diskriminieren zu können. Infolge dessen besitzt Fred Begriffe wie rot1, und rot2. Da eine Unterscheidung gemeinhin nicht vorgenommen wird, muss er eben auf Zahlen als Diskriminanten zurückgreifen. Jackson geht ferner davon aus, dass sich Freds Wahrnehmungsapparat physisch/physikalisch von dem unseren (dem in Biologiebüchern gelehrten) im Aufbau unterscheidet. Durch eine einfache Betrachtung von Freds Anatomie wird uns Freds Roterleben zwar nicht zu Teil, nach Jacksons Ansicht wohl aber durch eine Transplantation von Freds wahrnehmungsrelevanten physiologischen Charakteristika. Würde uns nun, so Jackson, Freds Wahrnehmungsapparat ′eingebaut′, nähmen wir rot auf eine differenziertere Weise wahr. Wir wären nun in der Lage, zwischen roten Gegenständen zu unterscheiden, die uns zuvor als absolut identisch erschienen.
Unsere Kritik an Jacksons Gedankenexperiment soll sich im Folgenden in zwei Hauptteile gliedern. Zum Einen möchten wir uns mit der Aufgebrachtheit der Prämissen auseinandersetzen, die Jackson benutzt, um zu seinem Schluss zu gelangen, man gewönne Wissen durch die ′Sicht aus Freds Augen′. Zum Anderen möchten wir die Aussage „Quale ↔ Tatsache“, bzw. „Quale → Tatsache“, die Jackson impliziert, genauer analysieren – zumal ihm diese Annahme dazu dient, im Weiteren sein Mary-Argument zu konstruieren.

2.1. Prämissen nach Jackson

[...]


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