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Kommunikationsprobleme im schulischen Kontext und Lösungsmöglichkeiten aus der Lehrerperspektive

Scholary Paper (Seminar), 2005, 26 Pages
Author: Nele Bach
Subject: Pedagogy - The Teacher

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2005
Pages: 26
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 18  Entries
Language: German
Archive No.: V78761
ISBN (E-book): 978-3-638-83576-3
ISBN (Book): 978-3-638-83569-5
File size: 203 KB

Abstract

In der vorliegenden Arbeit werde ich Kommunikationsprobleme in der Schule und ihre Lösungsmöglichkeiten besprechen. In der kritisch-kommunikativen Didaktik werden Lehren und Lernen als „kommunikative Prozesse“ betrachtet (Stangl 2004, Kritisch Kommunikative Didaktik). Das System Schule wird als Kommunikationsgemeinschaft gesehen, in der die Schüler die Chance bekommen, sich so in ihrer Persönlichkeit weiter zu entwickeln, dass sie schließlich fähig sind, ihr Lernen selbstverantwortlich in die Hand zu nehmen (ebenda). Welche Probleme sind in diesem Prozess zu erwarten und welche Vorgehensweisen bei deren Lösung sind denkbar? Im Folgenden betrachte ich zu diesen Fragen schwerpunktmäßig das kommunikative Geschehen im Unterricht. Unter Kommunikation versteht man einen Prozess, an dem sieben Elemente beteiligt sind: der Informationssender, der Informationsempfänger, ihr gemeinsamer Code, die Verschlüsselung einer Nachricht, die Entschlüsselung einer Nachricht, der Kanal und die Nachricht selbst (Shannon & Weaver nach Stangl 2004, Kommunikation). Dieser Kommunikationsbegriff kann auf die Schulsituation übertragen werden. Verläuft die Kommunikation erfolgreich, so sagt eine Person etwas, d.h. der Sender versendet eine Nachricht, die er zuvor verschlüsselt hat, mithilfe des gemeinsamen Zeichenvorrats unserer Sprache, dem Code. Eine andere Person, d.h. der Empfänger, empfängt das Gesagte über einen Kanal, in diesem Fall über das Gehör. Er versteht die Nachricht, er dekodiert sie richtig. Im Normalfall können der Sender zum Empfänger und der Empfänger zum Sender werden. Dies geschieht in der Schule mehr oder weniger kontinuierlich, dabei sind Lehrer und Schüler idealer Weise Sender und Empfänger, also Sender-Empfänger in einer Doppelrolle. Für die schulische Kommunikation ist typisch, dass Nachrichten, die nicht immer kongruent sind, auf verschiedenen Kanälen übermittelt werden. Sender-Empfänger nutzen den visuellen Kanal, d.h. sie sehen die Aufmachung, die Körperhaltung, die Gesten, das Mienenspiel des Gegenüber. Die beteiligten Personen nehmen auch wahr, was der andere noch „nebenbei“ im Unterricht tut.


Excerpt (computer-generated)

Universität des Saarlandes
PS Persönlichkeitsentwicklung und Erziehung

Seminararbeit

Kommunikationsprobleme im schulischen
Kontext und Lösungsmöglichkeiten aus der
Lehrerperspektive

vorgelegt von: Nele Bach
vorgelegt am: 24.10.2005

 

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis ... 2

1. Einleitung ... 3
1.1 Kommunikation nach Shannon & Weaver, Watzlawick und Schulz von Thun ... 3
1.2 Die Bedeutung symmetrischer Kommunikation in der Schule ... 5
1.3 Was sind Kommunikationsprobleme im schulischen Kontext? ... 6

2. Kommunikationsprobleme zwischen Schülern ... 8
2.1 Wie kommen sie zustande? ... 8
2.2 Lösungsmöglichkeiten aus der Lehrerperspektive ... 10

3. Kommunikationsprobleme zwischen Schülern und Lehrern ... 14
3.1 Wie kommen sie zustande? ... 14
3.2 Lösungsmöglichkeiten aus der Lehrerperspektive ... 21

4. Ausblick ... 23

5. Literaturverzeichnis ... 25


1. Einleitung

In der vorliegenden Arbeit werde ich Kommunikationsprobleme in der Schule und ihre Lösungsmöglichkeiten besprechen. In der kritisch-kommunikativen Didaktik werden Lehren und Lernen als „kommunikative Prozesse“ betrachtet (Stangl 2004, Kritisch Kommunikative Didaktik). Das System Schule wird als Kommunikationsgemeinschaft gesehen, in der die Schüler die Chance bekommen, sich so in ihrer Persönlichkeit weiter zu entwickeln, dass sie schließlich fähig sind, ihr Lernen selbstverantwortlich in die Hand zu nehmen (ebenda).

Welche Probleme sind in diesem Prozess zu erwarten und welche Vorgehensweisen bei deren Lösung sind denkbar? Im Folgenden betrachte ich zu diesen Fragen schwerpunktmäßig das kommunikative Geschehen im Unterricht.


1.1 Kommunikation nach Shannon & Weaver, Watzlawick und Schulz von Thun

Unter Kommunikation versteht man einen Prozess, an dem sieben Elemente beteiligt sind: der Informationssender, der Informationsempfänger, ihr gemeinsamer Code, die Verschlüsselung einer Nachricht, die Entschlüsselung einer Nachricht, der Kanal und die Nachricht selbst (Shannon & Weaver nach Stangl 2004, Kommunikation). Dieser Kommunikationsbegriff kann auf die Schulsituation übertragen werden.

Verläuft die Kommunikation erfolgreich, so sagt eine Person etwas, d.h. der Sender versendet eine Nachricht, die er zuvor verschlüsselt hat, mithilfe des gemeinsamen Zeichenvorrats unserer Sprache, dem Code. Eine andere Person, d.h. der Empfänger, empfängt das Gesagte über einen Kanal, in diesem Fall über das Gehör. Er versteht die Nachricht, er dekodiert sie richtig. Im Normalfall können der Sender zum Empfänger und der Empfänger zum Sender werden. Dies geschieht in der Schule mehr oder weniger kontinuierlich, dabei sind Lehrer und Schüler idealer Weise Sender und Empfänger, also Sender-Empfänger in einer Doppelrolle. Für die schulische Kommunikation ist typisch, dass Nachrichten, die nicht immer kongruent sind, auf verschiedenen Kanälen übermittelt werden. Sender-Empfänger nutzen den visuellen Kanal, d.h. sie sehen die Aufmachung, die Körperhaltung, die Gesten, das Mienenspiel des Gegenüber. Die beteiligten Personen nehmen auch wahr, was der andere noch „nebenbei“ im Unterricht tut.

Paul Watzlawick hat darauf hingewiesen, dass jede Nachricht eine Inhaltsseite hat, aber auch die Beziehung zwischen Sender und Empfänger definiert (Watzlawick et al. 1974, S.53ff.). Diesen Ansatz erweitert – wie Watzlawick ohne einen speziellen Bezug zum schulischen Bereich - Friedemann Schulz von Thun (1981, S.13ff.), indem er von vier Aspekten einer Nachricht ausgeht. Bei ihm umfasst die Nachricht neben dem Sachinhalt und dem Beziehungshinweis die Aspekte der Selbstoffenbarung und des Appells. Die unbestimmten Gefühle, die wir als Kinder oft schon hatten, dass ganz wichtige Botschaften „zwischen den Zeilen“ versteckt sind, hat er in diesem Modell erkennbar gemacht.

Wenn man nach diesem Modell die Feststellung eines Lehrers „Du hast ja schon wieder deine Hausaufgaben nicht gemacht!“ analysiert, so ergeben sich folgende vier Botschaften:

  • auf der Inhaltsebene „Die Hausaufgaben sind nicht gemacht“,
  • auf der Beziehungsebene „Ich bin der Lehrer und stelle das bei dir, meinem Schüler, fest“,
  • auf der Selbstoffenbarungsebene „Ich bin enttäuscht, dass du wieder ohne Hausaufgaben in meinen Unterricht kommst“,
  • auf der Appellebene „Mach bitte deine Hausaufgaben!“

Schulz von Thun führt sein allgemeines Modell noch weiter aus und sagt, dass der Sender vier unterschiedliche Zungen hat, um seine Nachricht zu verschlüsseln: die Sach-Zunge, die Beziehungs-Zunge, die Selbstoffenbarungs-Zunge und die Appell-Zunge. Genauso hat der Empfänger nach Schulz von Thun vier Ohren, mit denen er die Nachricht hört: das Sach-Ohr, das Beziehungs-Ohr, das Selbstoffenbarungs-Ohr und das Appell-Ohr. Welches seiner vier Ohren der Empfänger besonders gespitzt hat, hängt von seinen Erfahrungen mit dem Sender, der augenblicklichen Situation und von Persönlichkeitsmerkmalen des Empfängers ab wie z.B. dem Geschlecht, dem Alter, dem Kommunikationsstil in seiner Familie, seinem Selbstbild und dem Fremdbild von sich selbst, das er dem Sender unterstellt.


1.2 Die Bedeutung symmetrischer Kommunikation in der Schule

Man unterscheidet in der Kommunikation symmetrische und komplementäre Interaktionen. In der symmetrischen Kommunikation herrscht Gleichberechtigung zwischen den Beteiligten, in der komplementären Kommunikation ergänzen sich die Kommunikationspartner; sie sind dabei ungleich (Watzlawick 1974, S.68ff.).

[...]


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