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Der Aufbau der Siegfried-Figur in den ersten Aventiuren des Nibelungenliedes

Scholary Paper (Seminar), 2001, 19 Pages
Author: M.A. Matthias Reim
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2001
Pages: 19
Grade: 2
Bibliography: ~ 14  Entries
Language: German
Archive No.: V78819
ISBN (E-book): 978-3-638-84680-6
ISBN (Book): 978-3-638-88843-1
File size: 161 KB
Notes :
Kompetente Darstellung wesentlicher Forschungsergebnisse zur Fragestellung.


Abstract

„Der was der selbe valke, den si in ir troume sach, den ir besciet ir muoter. wie sêre si daz rach an ir næhsten mâgen, die in sluogen sint! durch sîn eines sterben starp vil maneger muoter kint.“ Mit diesen Versen endet die erste Aventiure des Nibelungenlieds, nachdem die Protagonisten am Burgundenhof vorgestellt worden sind und der Erzähler mit dem Kriemhildschen Falkentraum die Katastrophe des Untergangs bereits sehr früh andeutet. Da man das Motiv der Rache als für das ganze Epos handlungskonstitutiv bezeichnen kann, nimmt die Figur des Sîvrit darin eine zentrale Stellung ein, ja ist sogar der ganze erste Abschnitt des Lieds engstens mit Sîvrit verbunden, denn ohne seine Ermordung wären die Rache Kriemhilds und der Untergang der Nibelungen nicht möglich. Nachdem die erste Aventiure die Hauptpersonen am Königshof zu Worms eingeführt hat, wechselt der Schauplatz im folgenden Kapitel nach Xanten an den Niederrhein und der Erzähler stellt die Angehörigen der dortigen Königsfamilie vor. Während dort neben König Gunther und seinen Blutsverwandten auch die Inhaber der wichtigsten Hofämter vorgestellt werden, die als Protagonisten wichtige handlungstragende Elemente des NL darstellen, bleibt die Sphäre des niederländischen Königreichs im weiteren Handlungsverlauf weitgehend unberührt. Sîvrit wird gleichsam aus jener herausgehoben, seine Person dominiert den ersten Abschnitt des NL bis zu seiner Ermordung in der 16. Aventiure und m.E. auch darüber hinaus. In dieser Arbeit möchte der Verfasser den Aufbau der Sîvrit-Figur in den ersten Aventiuren untersuchen, wobei der Fokus in erster Linie auf die beiden Jugendgeschichten in der zweiten bzw. dritten Aventiure gerichtet werden soll. Der Befund (soweit es dabei überhaupt möglich ist, zu objektivierbaren Erkenntnissen zu gelangen) wird sich in erster Linie auf narratologische Beobachtungen stützen; zusätzlich soll auf die teilweise konträren Positionen der Forschung zu diesem Thema zurückgegriffen werden. Es gilt herauszuarbeiten, welche Bedeutung der Gestaltung der Sîvrit-Figur für den Aufbau des Nibelungenlieds zukommt und dabei auch die Eigenheiten dieses schwierigen Werks angemessen zu würdigen. Besonderes Interesse finden hierbei verschiedene Schichten des Textes, aus deren Verflochtenheit eine charakteristische, faszinierende Spannung zwischen höfischen Erzählelementen und mythischem Sagengut in der Zeichnung der heroischen Siegfried-Figur resultiert.


Excerpt (computer-generated)

Ludwig-Maximilians-Universität München
Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaften
Institut für Deutsche Philologie
Lehrstuhl für Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters
Wintersemester 2000 / 2001

Hauptseminar:
Das Nibelungenlied

Seminararbeit zum Thema:
Der Aufbau der Siegfried-Figur in den ersten Aventiuren des Nibelungenliedes


Verfasser:
Matthias Reim
Datum: 30. 03. 2001

 

INHALTSVERZEICHNIS

0 Einleitung 3
1 Die zwei grundverschiedenen Geschichten von Sîvrits Jugend und ihre narratologischen Eigenheiten 4
    1.1 Der Bericht des Erzählers in der 2. Aventiure: behütete Erziehung in der ´höfischen` Welt zu Xanten 4
    1.2 Hagens ´niuwemære` - Sîvrits Heldentaten in der ´archaischen` Welt der Nibelungen 5
        1.2.1 Die narrativen Eigenheiten 6
        1.2.2 Zur ´mythischen Kausalität` in Hagens Jugendbericht 8
2 Die Dichotomien ´Mündlichkeit – Schriftlichkeit`, ´höfisch – archaisch`, ´literarische Mode – literarisches Erbe` 9
3 Exkurs: Zu den Heldenbezeichnungen im Nibelungenlied 11
4 Sîvrits Ankunft am Burgundenhof 13
    4.1 Sîvrits übermüete und die Folgen 13
    4.2 Beilegung des Konflikts 14
    4.3 Das ´Spiel` mit literarischen Modellen: Höfischer Roman und Minnesang 15
5 Resümee 17
6 Bibliographie 18
    6.1 Primärliteratur 18
    6.2 Sekundärliteratur 18
    6.3 Bibliographien, Lexika 19

0 Einleitung

„Der was der selbe valke, den si in ir troume sach,
den ir besciet ir muoter. wie sêre si daz rach
an ir næhsten mâgen, die in sluogen sint!
durch sîn eines sterben starp vil maneger muoter kint.“1

Mit diesen Versen endet die erste Aventiure des Nibelungenlieds, nachdem die Protagonisten am Burgundenhof vorgestellt worden sind und der Erzähler mit dem Kriemhildschen Falkentraum die Katastrophe des Untergangs bereits sehr früh andeutet. Da man das Motiv der Rache als für das ganze Epos handlungskonstitutiv bezeichnen kann, nimmt die Figur des Sîvrit darin eine zentrale Stellung ein, ja ist sogar der ganze erste Abschnitt des Lieds2 engstens mit Sîvrit verbunden, denn ohne seine Ermordung wären die Rache Kriemhilds und der Untergang der Nibelungen nicht möglich: „Die Exposition präsentiert das thematische Material, aber sie öffnet […] auch zeitlich den Blick auf das folgende Geschehen und macht die Gefährdung der vorgestellten Personen und der höfischen Welt bewusst“.3
In dieser Arbeit möchte der Verfasser den Aufbau der Sîvrit-Figur in den ersten Aventiuren untersuchen, wobei der Fokus in erster Linie auf die beiden Jugendgeschichten in der zweiten bzw. dritten Aventiure gerichtet werden soll. Der Befund (soweit es dabei überhaupt möglich ist, zu objektivierbaren Erkenntnissen zu gelangen) wird sich in erster Linie auf narratologische Beobachtungen stützen; zusätzlich soll auf die teilweise konträren Positionen der Forschung zu diesem Thema zurückgegriffen werden. Es gilt herauszuarbeiten, welche Bedeutung der Gestaltung der Sîvrit-Figur für den Aufbau des Nibelungenlieds zukommt und dabei auch die Eigenheiten dieses schwierigen Werks angemessen zu würdigen.

1 Die zwei grundverschiedenen Geschichten von Sîvrits Jugend und ihre narratologischen Eigenheiten

„Dô wuohs in Niderlanden eins edelen küneges kint,
des Vater der hiez Sigemunt, sîn muoter Sigelint,
in einer rîchen bürge wîten wol bekannt,
nidene bî dem Rîne: diu was ze Santen genant.“4

Nachdem die erste Aventiure die Hauptpersonen am Königshof zu Worms eingeführt hat, wechselt der Schauplatz im folgenden Kapitel nach Xanten an den Niederrhein und der Erzähler stellt die Angehörigen der dortigen Königsfamilie vor. Während dort neben König Gunther und seinen Blutsverwandten auch die Inhaber der wichtigsten Hofämter vorgestellt werden, die als Protagonisten wichtige handlungstragende Elemente des NL5 darstellen, bleibt die Sphäre des niederländischen Königreichs im weiteren Handlungsverlauf weitgehend unberührt. Sîvrit wird gleichsam aus jener herausgehoben, seine Person dominiert den ersten Abschnitt des NL bis zu seiner Ermordung in der 16. Aventiure und m.E. auch darüber hinaus.

 


1

Strophe 19.

2

Bis zur 16. Aventiure; Anm. d. Verf.

3

SCHULZE: Das Nibelungenlied, S. 143.

4

Str. 20.


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