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Termpaper, 2004, 22 Pages
Author: M.A. Mareike Bibow
Subject: Sociology - Political Sociology, Majorities, Minorities
Details
Tags: Konstruktion, Nation, Anfängen, Revolution
Year: 2004
Pages: 22
Grade: 2,3
Bibliography: ~ 20 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-84685-1
File size: 106 KB
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Abstract
Frankreich ist als der Nationalstaat „par excellence“ in die Literatur eingegangen. Dabei stellt sich die Frage, wie so viele verschiedenen Gruppen - die ethnische Landkarte war „hier noch sehr lange nach der Teilung des Frankenreichs mindestens so bunt […] wie im Osten“-harmonisch unter der einen französischen Flagge vereint werden konnten. Natürlich wird diese Harmonie noch heute durch einen andauernden, wenn auch nicht ernsthaft bedrohlichen, Korsika-Konflikt gestört. Auch ist die in Frankreich spätestens Mitte der 1980er Jahre ausgebrochene Debatte über die eigene Identität3 ein Zeichen dafür, dass das französische Nationalbewusstsein Grenzen und Probleme kennt. Dennoch sorgt beispielsweise der jährliche Nationalfeiertag, wenn die Französinnen und Franzosen wie vor 200 Jahren in der Straßen tanzend und die Tricolore aus dem Fenster schwingend ihre Nation feiern, gerade in Deutschland immer wieder für Erstaunen. Ich möchte versuchen, die Frage zu beantworten, warum und wie es damals möglich war, so viele verschiedene Menschen glaubend zu machen, sie würden zu der einen französischen Nation gehören. Natürlich stellt sich damit auch die Frage, wer überhaupt zur "grande nation" gehörte und wer nicht. Es existieren viele allgemeine Theorien zur Nation, der Entstehung, ihrem Funktionieren und ebenso viele Definitionen.4 Mit diesem speziellen Beispiel möchte ich versuchen, den Prozess des "nation-building" näher zu beleuchten und verständlich zu machen. Das erlaubt einen tieferen Einblick in das französische Selbstverständnis, bleibt aber die Untersuchung eines Einzelfalls. Denn jede Nation hat bekanntlich ihre eigene Geschichte.
Excerpt (computer-generated)
Universität Leipzig
Sommersemester 2004
A Sociology of the Nation-State
Die Konstruktion der französischen Nation von den Anfängen bis zur Revolution
Mareike Bibow
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung (S.3)
2. Zur vormodernen Nation (S.4)
2.1 Die vormoderne Nation aus dem Blickwinkel der Literaturgeschichte (S.5)
2.2 Die Rolle der Monarchie (S.7)
2.3 Die Rolle der Kirche (S.9)
2.4 Die Bedeutung des Staatsapparates (S.10)
2.5 Fazit: Zum nationalen Bewusstsein vor 1789 (S.13)
3. «Vive la Nation! » Zur (nationalen) Bewegung 1789 und ihrer Bedeutung (S.15)
4. Schlussbemerkungen zur europäischen Frage (S.18)
5. Fazit: viele offene Fragen (S.20)
1. Einleitung
Frankreich ist als der Nationalstaat „par excellence“ in die Literatur eingegangen. Dabei stellt sich die Frage, wie so viele verschiedenen Gruppen - die ethnische Landkarte war „hier noch sehr lange nach der Teilung des Frankenreichs mindestens so bunt […] wie im Osten“1- harmonisch unter der einen französischen Flagge vereint werden konnten.
„…for two centuries France has been the most strongly cohesive national unit in Europe. France, almost alone among all major European nations, can make the striking claim that in modern times, despite episodes of violent civil war, it has experienced no serious threat of regional secession (not counting Germany’s forcible, temporary annexation of Alsace-Lorraine).”2
Natürlich wird diese Harmonie noch heute durch einen andauernden, wenn auch nicht ernsthaft bedrohlichen, Korsika-Konflikt gestört. Auch ist die in Frankreich spätestens Mitte der 1980er Jahre ausgebrochene Debatte über die eigene Identität3 ein Zeichen dafür, dass das französische Nationalbewusstsein Grenzen und Probleme kennt. Dennoch sorgt beispielsweise der jährliche Nationalfeiertag, wenn die Französinnen und Franzosen wie vor 200 Jahren in der Straßen tanzend und die Tricolore aus dem Fenster schwingend ihre Nation feiern, gerade in Deutschland immer wieder für Erstaunen.
Ich möchte versuchen, die Frage zu beantworten, warum und wie es damals möglich war, so viele verschiedene Menschen glaubend zu machen, sie würden zu der einen französischen Nation gehören. Natürlich stellt sich damit auch die Frage, wer überhaupt zur grande nation gehörte und wer nicht.
Es existieren viele allgemeine Theorien zur Nation, der Entstehung, ihrem Funktionieren und ebenso viele Definitionen.4 Mit diesem speziellen Beispiel möchte ich versuchen, den Prozess des nation-building näher zu beleuchten und verständlich zu machen. Das erlaubt einen tieferen Einblick in das französische Selbstverständnis, bleibt aber die Untersuchung eines Einzelfalls. Denn jede Nation hat bekanntlich ihre eigene Geschichte.
Im Rückblick auf die Konstruktion der französischen Nation5 werde ich mich an die Frage nach einer europäischen Nation und abschließend an einen kurzen Ausblick wagen.
2. Zur vormodernen Nation
Die wissenschaftlichen Ansichten gehen bereits bei der Geburtsstunde der französischen
Nation auseinander:
„Ist es das Jahr 987, die Begründung des französischen Königtums mit der Thronbesteigung des ersten Kapetingers? Oder das Jahr 496, als mit der Bekehrung des Frankenkönigs Chlodwig zum Christentum die älteste Tochter der Kirche aus der Taufe gehoben wurde? Von welchem Augenblick an haben sich die Bewohner des Hexagons6 spontan und freiwillig Franzosen genannt? Folgt man Eugen Weber, dann hat es fast bis ins 20. Jahrhundert gedauert, bis die letzten Bauern aus der Provinz sich als französische Staatsbürger empfanden [...].“7
Die französischen Schulbücher machen es einem scheinbar einfacher: Vierzig Könige haben hart an der nationalen Einheit gearbeitet, die Revolution hat sie zur Vollendung gebracht.8 Sicher kommt der französischen Monarchie eine große, bedeutende Rolle bei der Schaffung der französischen Nation zu. Im Folgenden werden die Monarchie und andere wichtige Akteure der französischen Geschichte, die wesentlich zum nation-building beigetragen, näher betrachtet - vorerst für den Zeitraum vor der Französischen Revolution, also die Vormoderne.
1
vgl. Estel (2002), S.46.
2
Bell (2001), S.9.
3
vgl. Christadler (1990), S.33.
4
vgl. Wodak (1998), S.20-39 geben einen Überblick über die verschiedenen Nationsverständnisse.
5
Es wird hier davon ausgegangen, dass Nationen von Menschen konstruiert sind und nicht „real“ existieren. Das französische Volk, wie jedes andere, bildet unter soziologischen Gesichtspunkten absolut keine Einheit. Diese wird von den staatstragenden Eliten und Historikern auf Basis von „raw material“, wie wichtige historische Ereignisse, Liedern, Symbolen, konstruiert und durch Staatsapparate, Schulen, Medien etc. an das Volk kommuniziert. „Dass die identische Nation, von innen besehen, eine „Erfindung“ ist, an deren Zustandekommen Generationen von Historikern und an deren Popularisierung die Schule entscheidenen Anteil haben, wird inzwischen von niemandem mehr bestritten…“ (Christadler (1990), S.40).
6
Bezeichnung für Frankreich, welches, idealtypisch, der Form eines Hexagons gleicht.
7
Christadler (1990), S.39.
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