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Die USA als anti-koloniale Supermacht und die französischen Kolonialkriege in Indochina und Algerien

Termpaper, 2004, 28 Pages
Author: M.A. Mareike Bibow
Subject: Politics - International Politics - Region: USA

Details

Category: Termpaper
Year: 2004
Pages: 28
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 21  Entries
Language: German
Archive No.: V78827
ISBN (E-book): 978-3-638-84687-5
ISBN (Book): 978-3-640-20422-9
File size: 112 KB

Abstract

Frankreich ist es zuweilen besonders schwer gefallen, sein Kolonialreich nach dem 2. Weltkrieg in die Unabhängigkeit zu entlassen. Dies verdeutlichen vor allem die beiden kostspieligen und langjährigen Kriege in Indochina (1946-1954) und Algerien (1954-1962), die hier im Mittelpunkt stehen werden. Das soll jedoch nicht zu dem Eindruck führen, Frankreich habe immer mit aller Macht versucht, ihre Kolonien zu halten – tatsächlich verliefen die Dekolonisationsprozesse sehr unterschiedlich und in Teilen auch relativ „friedlich“, so in Tunesien und den Kolonien der Sub-Sahara. Es soll hier jedoch nicht Aufgabe sein, über die französische Dekolonisation, weder im Allgemeinen noch im Speziellen, zu urteilen. Vielmehr werfen die beiden Kriege eine ganz andere Frage auf: die nach der „indépendance“ Frankreichs zu Zeiten des Kalten Krieges. Diese wird grundsätzlich eher angezweifelt, mit Verweis auf das Erstarken der USA und UdSSR zu Supermächten, das Entstehen einer bipolaren Welt und die damit notwendige Westbindung der ehemaligen Kolonialmächte, unter ihnen die beiden „Großen“, Großbritannien und Frankreich. Tatsächlich hat Großbritannien in Dekolonisationsfragen verstärkt auf Diplomatie gesetzt und die Zustimmung der USA gesucht, mit Verweis auf die eigene wirtschaftliche Abhängigkeit. Dies wird am Beispiel Palästina deutlich: Der damalige Außenminister Bevin hat nach dem 2. Weltkrieg ein anglo-amerikanisches Komitee zur Palästinafrage berufen, in der Hoffnung, dies würde einen Konsens zwischen den USA und Großbritannien schaffen, der von ihm als notwendig für die finanzielle Restauration Großbritanniens betrachtet wurde. Nun waren die ökonomischen Unterstützungen im Rahmen des Marshall-Plans sowohl für Großbritannien als auch für Frankreich von großer Bedeutung, das Verhältnis zu dem großen Partner USA ganz anders. Daher stellt sich die Frage, wie abhängig und schwach Frankreich im internationalen System nach 1945 wirklich war, wenn es sich 16 Jahre Kolonialkrieg leisten konnte, und dies nicht nur im finanziellen Sinne. Schließlich gaben sich die USA offenkundig als anti-koloniale Macht, die mit der Atlantik-Charta auf das „Selbstbestimmungsrecht der Völker“ pochte. Auf den ersten Blick zeugen diese beiden Kolonialkriege von einer relativen Unabhängigkeit Frankreichs gegenüber dieser anti-kolonialen Macht. Zwei Möglichkeiten bleiben, um diesen Widerspruch zwischen anti-kolonialer Großmacht und französischen Kolonialkriegen zu lösen: Entweder waren die antikolonialen USA nur bedingt antikolonial; oder das geschwächte Frankreich nur bedingt von den USA abhängig. Die beiden Kolonialkriege in Indochina und Algerien stellen offensichtlich die Bedeutung dieses internationalen Faktors, Supermacht USA und Kalter Krieg, der Dekolonisationstheorie in Frage. Auf diese Theorie wird im ersten Teil eingegangen. Danach steht die Metropole, die Situation im Nachkriegsfrankreich im Vordergrund. Schließlich werden die Situationen in der Peripherie, in Indochina und Algerien, sowie die Ursachen für den Dekolonisationsprozess vorgestellt. Besonders wird dabei auf die Rolle der USA eingegangen, ihre Einflussmöglichkeiten und Interessen in den jeweiligen Gebieten. Letztlich stellt sich die Frage nach der Relevanz der USA als internationaler Faktor für die Dekolonisationsprozesse Frankreichs.


Excerpt (computer-generated)

Universität Leipzig
Wintersemester 2004/2005
Vom Kolonialreich nach Europa:
Der lange Weg der Dekolonisierung in Frankreich und Großbritannien


Die USA als anti-koloniale Supermacht
und die französischen Kolonialkriege in Indochina und Algerien


Mareike Bibow

 

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis 2
1 Einleitung 3
2 Der internationale Faktor in der Dekolonisationstheorie 5
    2.1 Der Kalte Krieg als internationaler Faktor 5
    2.2 Der Anti-Kolonialismus der USA 7
3 Die Metropole Frankreich: Warum 16 Jahre Kolonialkriege? 8
    3.1 Moralischer Wiederaufbau 8
    3.2 1954: Das Jahr von Pierre Mendès France 10
    3.3 L’Algérie Française, de Gaulle und die V. Republik 11
4 Vom Indochinakrieg zum Kalten Krieg 14
    4.1 Die Situation in Indochina nach dem 2. Weltkrieg 14
    4.2 Vom klassischen Kolonialkrieg zum „Bollwerk gegen den Kommunismus“ 15
    4.3 Schlussfolgerungen zur Rolle der USA im Dekolonisationsprozess Indochinas 18
5 Der Algerienkrieg: die USA im Dilemma 21
    5.1 „Algérie Française“ gegen die algerische Nationalbewegung 21
    5.2 Vom Scheitern der IV. Republik bis zu den „Accords d’Evian" 22
    5.3 Die Rolle der USA im Algerienkrieg 23
6 Schlussfolgerungen 26
Literaturnachweis 27

 

1 Einleitung

Frankreich ist es zuweilen besonders schwer gefallen, sein Kolonialreich nach dem 2. Weltkrieg in die Unabhängigkeit zu entlassen. Dies verdeutlichen vor allem die beiden kostspieligen und langjährigen Kriege in Indochina (1946-1954) und Algerien (1954-1962), die hier im Mittelpunkt stehen werden. Das soll jedoch nicht zu dem Eindruck führen, Frankreich habe immer mit aller Macht versucht, ihre Kolonien zu halten – tatsächlich verliefen die Dekolonisationsprozesse sehr unterschiedlich und in Teilen auch relativ „friedlich“, so in Tunesien und den Kolonien der Sub-Sahara.1 Es soll hier jedoch nicht Aufgabe sein, über die französische Dekolonisation, weder im Allgemeinen noch im Speziellen, zu urteilen. Vielmehr werfen die beiden Kriege eine ganz andere Frage auf: die nach der „indépendance“ Frankreichs zu Zeiten des Kalten Krieges. Diese wird grundsätzlich eher angezweifelt, mit Verweis auf das Erstarken der USA und UdSSR zu Supermächten, das Entstehen einer bipolaren Welt und die damit notwendige Westbindung der ehemaligen Kolonialmächte, unter ihnen die beiden „Großen“, Großbritannien und Frankreich. Tatsächlich hat Großbritannien in Dekolonisationsfragen verstärkt auf Diplomatie gesetzt und die Zustimmung der USA gesucht, mit Verweis auf die eigene wirtschaftliche Abhängigkeit. Dies wird am Beispiel Palästina deutlich: Der damalige Außenminister Bevin hat nach dem 2. Weltkrieg ein anglo-amerikanisches Komitee zur Palästinafrage berufen, in der Hoffnung, dies würde einen Konsens zwischen den USA und Großbritannien schaffen, der von ihm als notwendig für die finanzielle Restauration Großbritanniens betrachtet wurde.2 Nun waren die ökonomischen Unterstützungen im Rahmen des Marshall-Plans sowohl für Großbritannien als auch für Frankreich von großer Bedeutung, das Verhältnis zu dem großen Partner USA ganz anders.3
Daher stellt sich die Frage, wie abhängig und schwach Frankreich im internationalen System nach 1945 wirklich war, wenn es sich 16 Jahre Kolonialkrieg leisten konnte, und dies nicht nur im finanziellen Sinne. Schließlich gaben sich die USA offenkundig als anti-koloniale Macht, die mit der Atlantik-Charta auf das „Selbstbestimmungsrecht der Völker“ pochte. Auf den ersten Blick zeugen diese beiden Kolonialkriege von einer relativen Unabhängigkeit Frankreichs gegenüber dieser anti-kolonialen Macht. Zwei Möglichkeiten bleiben, um diesen Widerspruch zwischen anti-kolonialer Großmacht und französischen Kolonialkriegen zu lösen: Entweder waren die antikolonialen USA nur bedingt antikolonial; oder das geschwächte Frankreich nur bedingt von den USA abhängig. Die beiden Kolonialkriege in Indochina und Algerien stellen offensichtlich die Bedeutung dieses internationalen Faktors, Supermacht USA und Kalter Krieg, der Dekolonisationstheorie in Frage. Auf diese Theorie wird im ersten Teil eingegangen. Danach steht die Metropole, die Situation im Nachkriegsfrankreich im Vordergrund. Schließlich werden die Situationen in der Peripherie, in Indochina und Algerien, sowie die Ursachen für den Dekolonisationsprozess vorgestellt. Besonders wird dabei auf die Rolle der USA eingegangen, ihre Einflussmöglichkeiten und Interessen in den jeweiligen Gebieten. Letztlich stellt sich die Frage nach der Relevanz der USA als internationaler Faktor für die Dekolonisationsprozesse Frankreichs.

2 Der internationale Faktor in der Dekolonisationstheorie

Verschiedene Autoren unterstreichen die Zusammensetzung der Dekolonisation als einen Prozess, der von drei Ebenen beeinflusst wird, so auch Raymond Betts:

„Decolonization might therefore be visually presented as an equilateral triangle, an arrangement of three parts of similar significance: national politics, international developments, and colonial protest movements.“4

Mommsen verdeutlicht zudem, dass es die nationalen Unabhängigkeitsbewegungen waren, die die Dekolonisationsprozesse ausgelöst haben. Die Gewährung der Unabhängigkeit binnen weniger als zwei Jahrzehnten wurde jedoch nur auf Grund zusätzlicher exogener Faktoren erreicht.

 


1

Vgl. Wesseling (1997), S. 120f.

2

Vgl. Sela (1998), S.227f.

3

An Großbritannien gingen von 1948 bis 1952 insgesamt 3,126 Milliarden US-Dollar, an Frankreich 2,629 Milliarden US-Dollar. Vgl. Grosser (1980), S.79.

4

Betts (1998), S.36.


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