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Entwicklung eines Ausbildungskonzeptes für seilunterstütztes Retten im Bergbau

Thesis (M.A.), 2005, 88 Pages
Author: Harald Dippe
Subject: Sport - Sports Equipment and Supplies

Details

Category: Thesis (M.A.)
Year: 2005
Pages: 88
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 45  Entries
Language: German
Archive No.: V78874
ISBN (E-book): 978-3-638-81776-9
ISBN (Book): 978-3-638-82129-2
File size: 7725 KB

Abstract

Ein Jahr vor der Fußball Weltmeisterschaft wird das Waldstadion in Frankfurt renoviert. Unter anderem erhält es ein 40 Meter hohes spinnennetzartiges Dach aus einer modernen Stahlseilkonstruktion. Strom für Licht und Fernsehkameras wird mit Hilfe von Hochspannungsmasten, die zum Teil bis zu 80 Meter Höhe erreichen, transportiert. Ein Teil der Stromproduktion wird durch das Verbrennen von Kohle, die der Bergbau im Tagebau mit riesigen Baggern oder Untertage in tiefsten Schächten fördert, abgedeckt. Kommunikation wird durch ein gut ausgebautes Mobilfunknetz gewährleistet, das Sendemasten, die über ähnliche Höhen verfügen, nutzt. Die Herstellung eines Handys ist ohne chemische Produkte unmöglich. Rohstoffe, Zwischen – und Endprodukte der Chemieindustrie werden in Bunkern und Silos gelagert, die mit bis zu 50 Metern ebenfalls stattliche Höhen erreichen. In diesen Höhen und Tiefen wird gebaut und gewartet. Bis zu sechs Tonnen schwere Stahlbaugruppen werden im Dach des Frankfurter Waldstadion mit 2mm Toleranz zusammengefügt, um später Kameraleuten optimale Blickwinkel für Übertragungen zu ermöglichen. Im Pumpspeicherwerk Markersbach hängen Aluminiumschweißer in 90 Meter tiefen dunklen Schächten und reparieren Stromleitungen. Um Funklöcher zu beheben werden Sendemasten für Mobilfunkanlagen modifiziert und aufgebaut. Die korrekte Lagerung von Chemieprodukten, in Silos innerhalb und außerhalb von Gebäuden, muss aus Sicherheits – und Umweltgründen regelmäßig geprüft werden. Skifahrer verlassen sich auf sichere, funktionsgerechte Seilbahnen, deren Masten, Rollen und Lager regelmäßig geprüft und gewartet werden müssen. Ob Schächte, Masten, Gebäude, Silos, Bunker, Dach – und Fassadenbau, Tagebaubagger oder Kräne, an allen diesen Orten wird gearbeitet und all diese Arbeiter setzen sich der Gefahr aus, abzustürzen. Um dies zu vermeiden, nutzen sie die Seiltechnik. Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielseitig und scheinen unbegrenzt. Die Schwierigkeit und die Gefahr der Anwendung hängen stark von der Arbeitsaufgabe ab. Das Besteigen eines Mastes, der über ein bereits montiertes modernes Leitersystem verfügt, ist leichter zu gestalten als die Montage des Leitersystems. Masten auf Korrosion zu überprüfen, ist weniger gefährlich, als auf einem Brett sitzend zu schweißen. [...]


Excerpt (computer-generated)

Technische Universität Chemnitz
Fakultät für Maschinenbau
Professur Arbeitswissenschaft

Entwicklung eines Ausbildungskonzeptes für
seilunterstütztes Retten

Die Magisterarbeit ist als Einzelarbeit anzufertigen.

Name, Vorname: Dippe, Harald
Studiengang: Magister
Hauptfächer: Sportwissenschaft / Sportgerätetechnik

Ausgabedatum: 01.03.2005
Abgabetermin: 31.08.2005

 

Erläuterung zum Inhalt der Aufgabe

Ziel ist es, für diese spezielle Ausbildung entsprechend den Anforderungen aus dem seilunterstützten Retten eine Methodik für die Ausbildung zu entwickeln. Diese soll in einem Ausbildungskonzept umgesetzt werden, welches nach den Aspekten

  • Organisation
  • Sicherheitstechnik
  • Technologie
  • Mensch

differenzierte Ausbildungskriterien (Inhalte) beinhaltet und Mindestforderungen bei der Gestaltung und Durchführung der Ausbildung aufzeigt.


Bearbeitungsschwerpunkte:

Dabei soll die Ausbildung der Hauptstelle für Grubenrettungswesen, mit Sitz in Leipzig systematisch nach Ausbildungskriterien, -methoden, deren didaktische Aufbereitung und die zeitliche Gestaltung der Ausbildung untersucht werden.

Die Untersuchung und Bewertung der Daten soll entsprechend arbeits-, erziehungsund sportwissenschaftlichen Methoden und Verfahren erfolgen.


Bearbeitungsschritte:

Anhand der im Projekt „seilunterstütztes Retten und Bergen in Höhen und Tiefen“ durchgeführten Rettungsübungen in Unternehmen der Bergbau Berufsgenossenschaft sollen die Anforderungen an die Retter bezüglich der Kenntnisse über organisatorische und technologische Abläufe und sicherheitstechnische Anforderungen an Mensch, Technik und Arbeitsumgebung erfasst werden.

Entsprechend der Häufigkeit und Signifikanz spezifischer Anforderungen an das Rettungspersonal sollen diese in Mindestforderungen (Trainingszyklen, zeitliche Anteile während der Ausbildung u.a.) umgesetzt werden.


I Inhaltsverzeichnis

I Inhaltsverzeichnis ... 1
II Abkürzungsverzeichnis ... 2
III Abbildungsverzeichnis ... 3

1 Einleitung ... 5

1.1 Kennzeichnung der Problemlage ... 7
1.2 Fragestellung ... 11
1.3 Aufbau der Arbeit ... 12

2 Stand des Wissens ... 13

2.1 Empirischer Befund ... 13

2.2 Hermeneutischer Befund ... 15
2.2.1 Rechtliche Grundlagen ... 16

2.3 Theoretische Konzepte ... 19
2.3.1 Regulation von Handlungen und Ansätze des Lernen und Lehrens ... 19
2.3.2 Ausbildungsgestaltung und Organisation ... 29

2.4 Synthese und Konsequenzen ... 34

3 Entwicklung eines Ausbildungskonzeptes ... 36

3.1 Inhalte der Ausbildung ... 36
3.1.1 Grundkenntnisse für seiltechnische Rettungen ... 36
3.1.2 Geräte und Verfahren ... 39
3.1.3 Anschlagpunkte, Knoten, Theorie und Dokumentation ... 55

3.2 Organisatorisch – methodische Gestaltung der Ausbildung ... 59
3.2.1 Organisationsaufbau der Ausbildung ... 59
3.2.2 Methodik der Ausbildung ... 62

4 Umsetzung des Ausbildungskonzeptes anhand der Basisausbildung I ... 70

5 Diskussion, Zusammenfassung und Ausblick ... 79

6 Literaturverzeichnis ... 82

IV Anhang ... 85


1 Einleitung

Ein Jahr vor der Fußball Weltmeisterschaft wird das Waldstadion in Frankfurt renoviert. Unter anderem erhält es ein 40 Meter hohes spinnennetzartiges Dach aus einer modernen Stahlseilkonstruktion. Strom für Licht und Fernsehkameras wird mit Hilfe von Hochspannungsmasten, die zum Teil bis zu 80 Meter Höhe erreichen, transportiert. Ein Teil der Stromproduktion wird durch das Verbrennen von Kohle, die der Bergbau im Tagebau mit riesigen Baggern oder Untertage in tiefsten Schächten fördert, abgedeckt. Kommunikation wird durch ein gut ausgebautes Mobilfunknetz gewährleistet, das Sendemasten, die über ähnliche Höhen verfügen, nutzt. Die Herstellung eines Handys ist ohne chemische Produkte unmöglich. Rohstoffe, Zwischen – und Endprodukte der Chemieindustrie werden in Bunkern und Silos gelagert, die mit bis zu 50 Metern ebenfalls stattliche Höhen erreichen.

In diesen Höhen und Tiefen wird gebaut und gewartet. Bis zu sechs Tonnen schwere Stahlbaugruppen werden im Dach des Frankfurter Waldstadion mit 2mm Toleranz zusammengefügt, um später Kameraleuten optimale Blickwinkel für Übertragungen zu ermöglichen. Im Pumpspeicherwerk Markersbach hängen Aluminiumschweißer in 90 Meter tiefen dunklen Schächten und reparieren Stromleitungen. Um Funklöcher zu beheben werden Sendemasten für Mobilfunkanlagen modifiziert und aufgebaut. Die korrekte Lagerung von Chemieprodukten, in Silos innerhalb und außerhalb von Gebäuden, muss aus Sicherheits – und Umweltgründen regelmäßig geprüft werden. Skifahrer verlassen sich auf sichere, funktionsgerechte Seilbahnen, deren Masten, Rollen und Lager regelmäßig geprüft und gewartet werden müssen.

Ob Schächte, Masten, Gebäude, Silos, Bunker, Dach – und Fassadenbau, Tagebaubagger oder Kräne, an allen diesen Orten wird gearbeitet und all diese Arbeiter setzen sich der Gefahr aus, abzustürzen. Um dies zu vermeiden, nutzen sie die Seiltechnik.

Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielseitig und scheinen unbegrenzt. Die Schwierigkeit und die Gefahr der Anwendung hängen stark von der Arbeitsaufgabe ab. Das Besteigen eines Mastes, der über ein bereits montiertes modernes Leitersystem verfügt, ist leichter zu gestalten als die Montage des Leitersystems. Masten auf Korrosion zu überprüfen, ist weniger gefährlich, als auf einem Brett sitzend zu schweißen.

Aufgrund dessen, dass die Seiltechnik sehr häufig einen schnelleren und kostengünstigeren Zugang ermöglicht als aufwendigere Aufbauten, steigt die Zahl der Anwender. Allein in Frankfurt waren ca. 150 Arbeiter gleichzeitig mit Seiltechnik im Einsatz.

Mit zunehmender Anwenderzahl steigen auch die Unfälle, bei denen Menschen gerettet bzw. aus der Höhe oder Tiefe geborgen werden müssen.

Unfälle können vielseitig, sowohl einfach als auch komplex, gestaltet sein. Ein Opfer kann unverletzt und bei Bewusstsein sein, sich jedoch von seinem gegenwärtigen Standort nicht ohne fremde Hilfe entfernen. Es ist möglich, dass das Opfer schwerstverletzt, und bewusstlos ist. Bei einer Havarie kann die Zahl der in Not geratenen sehr hoch sein. Für eine Rettung kann viel Zeit zur Verfügung stehen, meistens muss sie aber zügig erfolgen.

Die rasante Entwicklung von Material und Geräten eröffnet Möglichkeiten, die undenkbar scheinen. Bei korrektem Gebrauch der Seiltechnik können Pendelschwünge von Brücken mit Höhenunterschieden von bis zu 50 Metern unternommen werden, ohne jegliche Verletzung hervorzurufen, gleichzeitig haben in der Vergangenheit bereits kleinste Fehler in 2 Metern Höhe zum Tod geführt. Leichtgewichtige Geräte aus Aluminium – Legierungen können mit 2 Tonnen belastet werden, jedoch bei fehlerhafter Anwendung, nur durch Anheben eines menschlichen Körpers, brechen.

Wird mit Seiltechnik gearbeitet, ist es Pflicht der Arbeitgeber dafür zu sorgen, dass im Notfall Arbeitnehmer zur Verfügung stehen, die in der Lage sind zu retten. Die Berufsgenossenschaften (BG) haben unter anderem die Aufgabe, Ausbildungen auf dem Gebiet des Arbeitsschutzes durchzuführen. Daher entstand an der Professur der Arbeitswissenschaften der TU – Chemnitz das Forschungsprojekt „Seil“. Diese Arbeit ist Teil des Projektes, das durch folgende Berufsgenossenschaften (BG) finanziert wird:

  • BG Bergbau; Gebäude, Silos, Schächte…
  • BG Fein und Elektrotechnik; Hochspannungsanlagen, Mobilfunk…
  • BG Chemie; Silos, Industrieanlagen…
  • Metall BG; Stahl – und Fassadenbau…
  • BG BAHNEN; Seil – und Gondelbahnen

Diese Berufsgenossenschaften sind in den angegebenen Arbeitsbereichen mit Problemstellungen des Rettens in Höhen und Tiefen konfrontiert.

Die BG Bergbau verfügt bereits über eine bestehende Höhenretter – Ausbildung, die in Leipzig in der Hauptstelle für das Grubenrettungswesen (HGRW) durchgeführt wird. Mit diesem Konzept soll diese Ausbildung unterstützt werden.

Zusätzlich soll diese Arbeit als Muster dienen, um in anderen berufsgenossenschaftlichen Bereichen Ausbildungen entwickeln zu können, die dort noch fehlen bzw. optimiert werden sollen.


1.1 Kennzeichnung der Problemlage

Aufgrund der Prinzipien der ersten Hilfe sollte eine Rettung so zügig wie möglich, jedoch unter absoluter Gewährleistung der Sicherheit für alle Beteiligten absolviert werden. Dies erfordert höchste Ansprüche an Mensch und Technik im Einsatzfall. Eine Ausbildung muss gewährleisten, dass Höhenretter diesem Anspruch gerecht werden können. Die Gefahr des Abstürzens ist nicht nur bei der eigentlichen Rettung gegeben, sondern auch bei Ausbildungen und Übungen. Fehler können direkt und unmittelbar zu schwersten Verletzungen bis hin zum Tod führen.

[...]


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