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Termpaper, 2003, 18 Pages
Author: Sandra Pauliks
Subject: Social Pedagogy / Social Work
Details
Tags: Landerziehungsheimbewegung
Year: 2003
Pages: 18
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 17 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-89777-8
ISBN (Book): 978-3-638-90322-6
File size: 166 KB
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Abstract
Die deutsche Landerziehungsheimbewegung ist, neben der Jugend-, Kunsterziehungs- und Arbeitsschulbewegung, ein Bestandteil der reformpädagogischen Bewegung. Diese setzte um die Jahrhundertwende ein und dauerte in Deutschland bis etwa zur Zeit des Nationalsozialismus an. Mit der Bezeichnung Reformpädagogik wird umfassend eine pädagogische Erneuerungsbewegung charakterisiert. Das Kind wird nicht mehr als kleiner Erwachsener betrachtet, sondern als „kleine ganzheitliche gegliederte Persönlichkeit“ (vgl. Röhrs 1998, S.6) Die kindliche Entwicklung wurde nun nicht mehr als stufenförmig angenommen, sondern als „offener (...), dynamischer (...) Prozess (Winkel 1993, S.12.). Es entstand ein neues Verständnis von Kindheit. Während die einen dabei mehr der Entfaltung der Individualität dienen wollten, stellten andere ihren Erziehungsversuchen, vor allem Gemeinschaftserziehungselemente in den Vordergrund. In dieser Arbeit sollen die fundamentalen Erziehungsgrundsätze der deutschen Landerziehungsheime dargestellt werden. Dabei werden auch unterschiedliche Positionen innerhalb der Bewegung Berücksichtigungen finden. Diese fand zur Wende des 20. Jahrhunderts statt, beginnend mit Cecil Reddies. Dieser gründete 1889 in England das Heim Abbotsholme. Auf dieser Grundlage basierend entstand im Jahre 1898 das erste deutsche Landerziehungsheim bei Ilsenburg im Harz durch Hermann Lietz. Es kam in der darauf folgenden Zeit zu weiteren Gründungen, einerseits durch Lietz, später durch Gustav Wyneken (Freie Schulgemeinde Wickersdorf) und Paul Geheeb (Odenwaldschule). Bei genauerer Betrachtung des Grundgedankens der Landerziehungsheime, darf man die Unterschiede der Heime in pädagogischen Fragen nicht außer Betracht lassen. Daran ist zu erkennen, dass obwohl in einigen Bereichen verschiedene pädagogische Akzente gesetzt wurden sind, alle Heimgründungen in ihren wesentlichen Erziehungsgrundsätzen von gleicher Gestalt waren. Aufgrund der einheitlichen Absichten, kann man dies als "Landerziehungsheimbewegung" zusammenfassen. Sie lassen sich generell als jene Heime bezeichnen, die die drei fundamentalen pädagogischen Leitgedanken tragen, wobei diese bereits in dem Wort enthalten sind: Ländliche Umwelt, Familiencharakter und Vorrangstellung des Erzieherischen. (vgl. von den Driesch 1961, S.296f.)
Excerpt (computer-generated)
Die deutsche Landerziehungsheimbewegung
von
Sandra Pauliks
Sommersemester 2003, Abgabe am: 06.06.2003
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung... 2
2. Kritik und Forderungen der Reformpädagogen... 3
2.1. Kritik der Reformpädagogen... 3
2.2. Grundlegende Gedanken und Konzepte/ Forderungen... 3
3. Reformpädagogen... 4
3.1. Hermann Lietz... 4
3.2. Gustav Wyneken 6
3.3. Paul Geheeb 7
4. Die ländliche Umgebung... 8
5. Der Familiencharakter der Heime... 9
6. Die erzieherische Aufgabe... 10
6.1. Naturgemäße Erziehung der Jugend... 10
6.2. Das Lehrer-Schüler-Verhältnis... 11
6.3. Der Gemeinschaftsgedanke: Schulgemeinde und Schülermitwirkung... 11
7. Besondere erzieherische Elemente... 12
7.1. Die Koedukation... 12
7.2. Die körperliche Arbeit... 13
7.3. Die künstlerische Erziehung... 13
7.4. Die religiös-sittliche Arbeit... 14
8. Abschließende Zusammenfassung... 15
9. Literaturverzeichnis... 16
1. Einleitung
Die deutsche Landerziehungsheimbewegung ist, neben der Jugend-, Kunsterziehungs- und Arbeitsschulbewegung, ein Bestandteil der reformpädagogischen Bewegung. Diese setzte um die Jahrhundertwende ein und dauerte in Deutschland bis etwa zur Zeit des Nationalsozialismus an. Mit der Bezeichnung Reformpädagogik wird umfassend eine pädagogische Erneuerungsbewegung charakterisiert. Das Kind wird nicht mehr als kleiner Erwachsener betrachtet, sondern als „kleine ganzheitliche gegliederte Persönlichkeit“ (vgl. Röhrs 1998, S.6) Die kindliche Entwicklung wurde nun nicht mehr als stufenförmig angenommen, sondern als „offener (...), dynamischer (...) Prozess (Winkel 1993, S.12.). Es entstand ein neues Verständnis von Kindheit. Während die einen dabei mehr der Entfaltung der Individualität dienen wollten, stellten andere ihren Erziehungsversuchen, vor allem Gemeinschaftserziehungselemente in den Vordergrund. In dieser Arbeit sollen die fundamentalen Erziehungsgrundsätze der deutschen Landerziehungsheime dargestellt werden. Dabei werden auch unterschiedliche Positionen innerhalb der Bewegung Berücksichtigungen finden.
Diese fand zur Wende des 20. Jahrhunderts statt, beginnend mit Cecil Reddies. Dieser gründete 1889 in England das Heim Abbotsholme. Auf dieser Grundlage basierend entstand im Jahre 1898 das erste deutsche Landerziehungsheim bei Ilsenburg im Harz durch Hermann Lietz. Es kam in der darauf folgenden Zeit zu weiteren Gründungen, einerseits durch Lietz, später durch Gustav Wyneken (Freie Schulgemeinde Wickersdorf) und Paul Geheeb (Odenwaldschule). Bei genauerer Betrachtung des Grundgedankens der Landerziehungsheime, darf man die Unterschiede der Heime in pädagogischen Fragen nicht außer Betracht lassen. Daran ist zu erkennen, dass obwohl in einigen Bereichen verschiedene pädagogische Akzente gesetzt wurden sind, alle Heimgründungen in ihren wesentlichen Erziehungsgrundsätzen von gleicher Gestalt waren. Aufgrund der einheitlichen Absichten, kann man dies als "Landerziehungsheimbewegung" zusammenfassen. Sie lassen sich generell als jene Heime bezeichnen, die die drei fundamentalen pädagogischen Leitgedanken tragen, wobei diese bereits in dem Wort enthalten sind: Ländliche Umwelt, Familiencharakter und Vorrangstellung des Erzieherischen. (vgl. von den Driesch 1961, S.296f.)
Grundlegend gilt für alle Heimtypen, dass sie einen aktiven, schöpferischen, gemeinschaftsverbundenen und selbstverantwortlichen Menschen erziehen wollten. (vgl. Dietrich 1967, S.168) Bei dieser Forderung stimmen die Landerziehungsheime mit anderen Reformbestrebungen überein. Mit dieser Arbeit soll versucht werden, die wichtigsten Erziehungsgrundsätze darzustellen, welche die Landerziehungsheime prägten.
Dies erfolgt auf der Grundlage der drei maßgeblichen Gründer der deutschen Landerziehungsheimbewegung. Diese sind Hermann Lietz, Gustav Wyneken und Paul Geheeb. Die Heimgründungen sind sehr stark durch deren unterschiedliche Wesenszüge geprägt. Hierzu darf an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass es sich dabei um drei ausgewählte Hauptvertreter der Landerziehungsheimidee handelt. Neben Ihnen gab es noch weitere durchaus bedeutsame Vertreter, welche ebenfalls erwähnenswerte Heimgründungen durchführten, wie beispielsweise Kurt Hahn und die "Kurzschulen" (hier vor allem „Salem“). In den pädagogischen Auffassungen gibt es zum Teil erhebliche Unterschiede (z.B. beim Elitegedanken oder der Gemeinschaftsideologie), die immer wieder zu Spaltungen und Neugründungen führten. Die Reformer wehrten sich gegen die krankmachenden Bedingungen der modernen Großstadtzivilisation. Schwerpunkte setzten sie auf die Einheit von Schule und Heim, auf Handarbeit, Werkstätten, Koedukation und das Familienprinzip im Zusammenleben. Für eine Darstellung der fundamentalen Erziehungsgrundsätze möchte ich mich jedoch in dieser Arbeit auf die drei oben genannten Reformpädagogen beschränken
2. Kritik und Forderungen der Reformpädagogen
2.1. Kritik der Reformpädagogen
Die reformpädagogische Bewegung war in ihrer Gesamtheit der Ausdruck einer Kritik am Erziehungsstil des 20. Jahrhunderts, am Rationalismus, am Intellektualismus und an der Verwissenschaftlichung von Bildung. (vgl. Scheibe 1984, S.5f). Es findet nur eine einseitige Förderung des Intellektes statt und dadurch kommt es zu einer substantiellen Kritik am formalen Prüfungswesen, sowohl für Schüler als auch für Lehrer.
Zudem findet eine Nichtbeachtung der sozialen und emotionalen Aspekte des Kindes statt. Ein weiterer Kritikpunkt war die Erkenntnis, dass sich die Gesellschaft durch Technisierung und Vermassung in einer tiefen Krise befand. Die Veränderung der Gesellschaft wurde als negativ empfunden. Man sprach von einer krankmachenden Großstadtzivilisation. In allen Bewegungen war dieser Punkt, trotz der Verschiedenheit ihrer Lösungsansätze, inhärent und gewissermaßen deren gemeinsame Wurzel. Diese Kritikpunkte standen somit in Opposition zu den bestehenden Institutionen und strebten nach neuen freien Schulformen und Erziehungsanstalten. Erste Landerziehungsheime entstanden, welche in ihrem pädagogischen Konzepten zu den bedeutenden wegweisenden Schöpfungen der pädagogischen Reformbewegung gehörten.
2.2. Grundlegende Gedanken und Konzepte/ Forderungen
Die neuen Schulen sollten sich von den traditionellen öffentlichen Schulen und dem altem System im Ganzen abwenden. Ein wesentliches Ziel war die Herausbildung eines neuen Erziehungsstils, der die Kindes- und Jugendphasen im Lebenslauf des Menschen positiver bewertete. (vgl. Flitner 1984, S.9) Dies war auch ein ganz entscheidender Grundsatz für die Landerziehungsheime. Die Erziehung sollte Vorrang vor dem schulischen Unterricht haben. Das Heim sollte eine "Lebensstätte der Jugend" sein, mit einer Lebensform, die ihr entspricht und in der sie das ihr gemäße Leben führen kann. Die Landerziehungsheime sollten nicht nur eine Lehrinstitution, sondern als eine lebendige Gemeinschaft und als Modell für eine ideale Lebensform konzipiert sein.
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