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Scholarly Essay, 1989, 20 Pages
Author: Dr. Wilma Ruth Albrecht
Subject: Economics / Business: Economic Policy
Details
Year: 1989
Pages: 20
Bibliography: ~ 27 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-88847-9
ISBN (Book): 978-3-638-88855-4
File size: 221 KB
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Abstract
„Jobmotor Mittelstand“ ? Klein- und Mittelunternehmen (KMU) und die Selbstheilungskräfte des Marktes Wilma Ruth Albrecht In der Sonntagsausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAS, 6. Mai 2007, p. C3) fand ich einen Hinweis auf eine aktuelle Studie der Universität Lüneburg. Dort wurde festgestellt, dass die allgemein (und zuletzt auch wieder von der FAZ selbst am 12. Mai 2007, p. C4) verbreitete These und „Expertenansicht“ vom Job- und „Beschäftigungsmotor“ Mittelstand empirisch nicht haltbar ist. Das erinnerte mich an meine eigene Studie zum gleichen Thema. Vor etwa zwanzig Jahren nämlich hatte ich selbst(ändig), US-amerikanische und englische Studien auswertend, systematisch-kritisch entwickelt und mit damals verfügbaren Daten empirisch dargestellt, dass die „behauptete überdurchschnittliche arbeitsplatzerzeugende Wirkung“ von Klein- und Mittelunternehmen [KMU] sich speziell für die Bundesrepublik nicht nachweisen“ lässt. Meine Studie wurde 1988 in Aufsatzform publiziert. So erfreulich es einerseits ist, dass nun, nahezu zwei Jahrzehnte später, auch beamtete Hochschulwissenschaftler zu ähnlichen Grundergebnissen kommen - so befremdet andererseits doch der professorale raum-zeitliche Wahrnehmungshorizont. Denn tatsächlich erfasst die Studie am Institut für Volkswirtschaftslehre der Universität Lüneburg („Jobmotor Mittelstand ? Arbeitsplatzdynamik und Betriebsgröße in der westdeutschen Industrie“) vom 10. April 2007 nur Literatur aus den 1990er Jahren - grad so als hätte es vorher überhaupt keine, auch kritisch argumentierende, wissenschaftliche, also öffentliche, Debatte zum gleichen Thema mit empirischen Nachweisen zur Legende vom „Jobmotor Mittelstand“ gegeben... Auch darauf, wenn auch nicht allein darauf, verweist mein im Herbst 1988 veröffentlichter Aufsatz, den ich, weil die ©-Rechte allein bei mir als Autorin liegen, hier als wissenschaftsgeschichtliches Dokument unverändert wieder veröffentliche. Dr.rer.soc. Wilma Ruth Albrecht; dr.w.ruth.albecht@gmx.net; http://www.grin.com/de/search?searchstring=16255&search=id_autor&page=0; Aktuelle Bücher: Bildungsgeschichte/n; Aachen: Shaker-Verlag, 2006, 202 p., http://www.shaker.de/shop/978-3-8322-4897-0; Harry Heine; Shaker, 2007, 114 p., http://www.shaker.de/shop/978-3-8322-6062-0; Nachkriegsgeschichte/n. Sozialwissenschaftliche Beiträge zur Zeit(geschichte); Shaker, 2007, http://www.shaker.de/shop/978-3-8322-6506-9
Excerpt (computer-generated)
Klein- und Mittelunternehmen (KMU) und die "Selbstheilungskräfte des Marktes"
von
Wilma Ruth Albrecht
Inhaltsverzeichnis
0. Vorbemerkung... 3
1. Einleitung... 4
2. Kritisch-methodische Anmerkungen zu Untersuchungen über KMU... 5
2.1. Definition... 5
2.2. Methoden und statistische Verfahren der Bilanzierung von Arbeitsplatzzuwächsen... 6
2.3. Darstellungsform der Untersuchungsergebnisse... 7
3. Statistische Aussagen der Beschäftigungsentwicklung nach Betriebsgrößenklassen in der Bundesrepublik... 8
4. Diskussion der Thesen von der Innovationskraft, Marktflexibilität und besseren staatlichen Beeinflussung KMU... 13
5. Zusammenfassung... 16
0. Vorbemerkung
In der Sonntagsausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAS, 6. Mai 2007, p. C3) fand ich einen Hinweis auf eine aktuelle Studie der Universität Lüneburg. Dort wurde festgestellt, dass die allgemein (und zuletzt auch wieder von der FAZ selbst am 12. Mai 2007, p. C4) verbreitete These und „Expertenansicht“ vom Job- und „Beschäftigungsmotor“ Mittelstand empirisch nicht haltbar ist. Das erinnerte mich an meine eigene Studie zum gleichen Thema. Vor etwa zwanzig Jahren nämlich hatte ich selbst(ändig), US-amerikanische und englische Studien auswertend, systematisch-kritisch entwickelt und mit damals verfügbaren Daten empirisch dargestellt, dass die „behauptete überdurchschnittliche arbeitsplatzerzeugende Wirkung“ von Klein- und Mittelunternehmen [KMU] sich speziell für die Bundesrepublik nicht nachweisen“ lässt. Meine Studie wurde 1988 in Aufsatzform publiziert. So erfreulich es einerseits ist, dass nun, nahezu zwei Jahrzehnte später, auch beamtete Hochschulwissenschaftler zu ähnlichen Grundergebnissen kommen - so befremdet andererseits doch der professorale raum-zeitliche Wahrnehmungshorizont. Denn tatsächlich erfasst die Studie am Institut für Volkswirtschaftslehre der Universität Lüneburg („Jobmotor Mittelstand ? Arbeitsplatzdynamik und Betriebsgröße in der westdeutschen Industrie“) vom 10. April 2007 nur Literatur aus den 1990er Jahren - grad so als hätte es vorher überhaupt keine, auch kritisch argumentierende, wissenschaftliche, also öffentliche, Debatte zum gleichen Thema mit empirischen Nachweisen zur Legende vom „Jobmotor Mittelstand“ gegeben...
Auch darauf, wenn auch nicht allein darauf, verweist mein im Herbst 1988 veröffentlichter Aufsatz, den ich, weil die ©-Rechte allein bei mir als Autorin liegen, hier als wissenschaftsgeschichtliches Dokument unverändert wieder veröffentliche.
1. Einleitung
Im Zusammenhang mit den Krisenerscheinungen der Weltwirtschaft westlicher Prägung in den 70er Jahren — Rezession, Währungskrisen, Kapitalflucht, Staatsverschuldung und ständig steigende Arbeitslosigkeit — und den damit einhergehenden engeren regionalpolitischen Handlungsmöglichkeiten staatlicher Stellen bei gleichzeitiger Zunahme und Verschärfung regionaler Krisen gelangten die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) zunehmend in den Blickfang von Politik und Wissenschaft1. Dabei werden in KMU die Träger für „Selbstheilungskräfte" des Marktes gesehen, die auch den volkswirtschaftlichen Strukturwandel in sozialverträglicher Form ermöglichen. Ungeprüft werden Sachaussagen, insbesondere die ihrer arbeitsplatzerzeugenden Wirkung2, getroffen und Konzeptionen, wie z.B. die Bestimmung der KMU als Träger eines Umbaus zu einer alternativen, ökologisch ausgerichteten und teils selbstverwalteten Wirtschaftsordnung bei den Grünen3, entworfen. Ray Hudson hat jedoch schon vor Jahren fünf Untersuchungsfelder benannt, um der Diskussion um KMU eine kritische Stoßrichtung zu geben. Diese Untersuchungsfelder sind: „Erstens, inwieweit und in welchem Sinn kann die Ersetzung von großem durch kleines Kapital die sozialen Probleme lösen, die sich gesetzmäßig aus dem Charakter der ungleichmäßigen kapitalistischen Entwicklung ergeben? Zweitens, welche klassenbezogenen Schlußfolgerungen ergeben sich aus der Betonung der Rolle von Kleinunternehmen — beispielsweise hinsichtlich der Schwächung der Macht der organisierten Arbeiterschaft, die auf großbetrieblicher Organisation beruht, und der Förderung der Spaltung innerhalb der Arbeiterklasse? Drittens, wie realistisch ist es, anzunehmen, daß Kleinunternehmen die Grundlage für autonome Entwicklung (sei es regional oder national, kapitalistisch oder sozialistisch) in einer zunehmend internationalisierten kapitalistischen Weltwirtschaft abgeben — schafft nicht vielmehr ihre Herausbildung in Wirklichkeit einfach neue Abhängigkeitsformen? Viertens, in welchem Ausmaß setzen Kleinunternehmen nicht einfach Maßstäbe von Selbst- und Überausbeutung der abhängigen Arbeitskraft — besonders dann, wenn das Wachstum von Kleinunternehmen sich mit Bewegungen für größere regionale Selbständigkeit verbindet, die meinen, klassenübergreifende Interessenidentität sei auf territorialer Grundlage herstellbar? Fünftens, welche Rolle spielt der Staat bei Förderung und Rechtfertigung der Herausbildung und des Wachstums von Kleinunternehmen — und wo liegen hier die Grenzen staatlicher Eingriffe?"4 Nachfolgend diskutiere ich einige dieser Fragen. Dabei erscheint mir auch eine Methodenkritik von Untersuchungen zu KMU nötig, sowie die Korrektur wesentlicher Sachaussagen.
2. Kritisch-methodische Anmerkungen zu Untersuchungen über KMU
[...]
1 Birch, D.: The Job Generation Process. Cambridge MA M.I.T. Program on Neigbourhood and Regional Change. 1979. Birch, D.: The Role of Small Business in New England. Cambridge MA M.I.T. Program on Neighbourhood and Regional Change. 1979. Birch, D.: Job Generation in Cities. Cambridge MA. M.I.T. Program on Neighbourhood and Regional Change. 1980. Birch, D.: Choosing a Place to grow. Businers Location Decisions in the 1970′s. Cambridge MA. M.I.T. Program on Neighbourhood and Regional Change. 1980. Birch, D.: Who creates Job? The Public Interest 65. Fall 1985, S. 3-14. Forthergill, S., Gudgin, G.: The Job Generation Process in Britain. London: Centre for Environmental Studies. Research Series No. 32 MS..
2 Vgl. Entwurf für ein neues Grundsatzprogramm der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Bonn 1986, S. 26 „Die Arbeitsplätze der Zukunft werden jedoch eher von mittleren und kleineren Unternehmen, als solchen des Handwerks, angeboten werden. Wir werden deshalb kleine und mittlere Unternehmen nach Kräften fördern."
3 Die Grünen (Hrsg.): Unmbau der Industriegesellschaft. Schritte zur Überwindung von Erwerbslosigkeit, Armut und Umweltzerstörung. 2. überarbeiteter Entwurf, Bonn 1986.
4 Hudson, R. (Hrsg.): Small firrns and Regional Development — Perspectives from Northern and Southern Europe. Copenhagen 1984, S. 5.
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