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Rochuspoint - Der Landsitz des berühmten Erfinders Viktor Kaplan in Unterach

Subtitle: Geschichte und Gäste des "kleinen Paradieses hoch über dem Attersee"

Textbook, 2007, 83 Pages
Author: Martin Gschwandtner
Subject: History - Miscellaneous

Details

Category: Textbook
Year: 2007
Pages: 83
Language: German
Archive No.: V79089
ISBN (E-book): 978-3-638-73599-5
ISBN (Book): 978-3-638-73634-3
File size: 5935 KB

Abstract

Großzügige Gastfreundschaft war eine der sympathischen Merkmale des Ehepaares Margarete (1884 -1973) und Prof. Viktor Kaplan (1876-1934). Der berühmte Erfinder Viktor Kaplan hatte im Jahre 1920 das Landgut Rochuspoint in Unterach am Attersee (Bundesland Oberösterreich) erworben, es dann flächenmäßig erweitert und mit zusätzlichen Bauten und Einrichtungen ausgestattet. U.a. mit Bienenhaus, kleinem Wasserkraftwerk, Werkstätten, Almhütte, Schwimmteich und Kinoraum. Auch zahlreiche Tiere und Pflanzen sowie ein Automobil gehörten zum Bestand. Mit einer treuen Schar von Dienstleuten war es eine heile Welt, ein kleines „Land“ für sich, weshalb die mütterlich sorgende Frau des Hauses oft mit dem Namen „Landesmutter“ angesprochen wurde. „Rochus-Point“ wurde zu einem „Wellness-Point“ für die Familie Kaplan, sowie auch für zahlreiche Gäste: Verwandte, Freunde und Geschäftspartner. Auch die von Kaplan erworbene Villa Rosenmann in Unterach wurde häufig als Quartier für Besucher verwendet. Ihr Dank an die Gastgeber fand oft einen literarischen oder zeichnerischen Niederschlag in den Gästebüchern, die sich in einem Privatarchiv in Unterach befinden. In diesem Buch wird die Geschichte des Landsitzes mit der Herkunft des Namens Rochuspoint behandelt. Weiters enthält es die Namen zahlreicher Gäste, die aus mehreren Ländern gekommen waren und stellt einige der Gäste näher vor: Elov Englesson, Prof. Franz Karollus, Prof. Dr. Alfred Lechner, Jaroslav Slavik, Herbert und Heinz Storek, Prof. Siegfried Theiß, Joseph Ferdinand von Habsburg Lothringen, Walter und Hermann Voith. Gäste, die erst nach der Zeit von Viktor Kaplan (nach 1934) den Landsitz besuchten, waren u.a. die Schriftsteller Bruno Brehm, Franz Karl Ginzkey, Robert Hohlbaum und der berühmte Schauspieler Werner Krauß. Zahlreiche Bilder ergänzen die Abhandlung.


Excerpt (computer-generated)

Rochuspoint - Der Landsitz des berühmten Erfinders Viktor Kaplan in Unterach
Geschichte und Gäste des "kleinen Paradieses hoch über dem Attersee"

Martin Gschwandtner

2007

 

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1 Rochuspoint ...2
1.1 Lagepläne, Bilder ...2 - 6
1.2 Herkunft des Namens ...6 - 7
1.3 Geschichte des Landsitzes ...8 - 12
1.4 Villa Rosenmann ...13 - 15

2 Gäste auf Rochuspoint zur Zeit Kaplans ...16
2.1 Elov Englesson ...17
2.2 Franz Karollus ...18 - 22
2.3 Alfred Lechner ...23 - 27
2.4 Jaroslav Slavik ...28 - 34
2.5 Heinz Storek ...35
2.6 Herbert Storek ...36
2.7 Siegfried Theiß ...37 - 43
2.8 Josef Ferdinand von Habsburg-Lothringen ...44 - 47
2.9 Walter Voith ...47 - 48
2.10 Hermann Voith ...48

3 Gästelisten 1921 - 1934 ...49 - 56

4 Auswahl prominenter Gäste nach 1934 ...57
4.1 Bruno Brehm ...57 - 60
4.2 Franz Karl Ginzkey ...61 - 66
4.3 Robert Hohlbaum ...67 - 71
4.4 Werner Kraus ...71 - 75

5 Besondere Gäste ...76
5.1 Der „rumänische König“ ...76
5.2 Die Dauergäste „Schnucki“ und „Mucki“ ...77 - 78

Schluss ...79

Quellen und Literatur ...80 - 81

 

Vorwort

Großzügige Gastfreundschaft war eine der sympathischen Merkmale des Ehepaares Margarete und Prof. Viktor Kaplan. Viktor Kaplan hatte im Jahre 1920 das Landgut Rochuspoint in Unterach am Attersee erworben, es dann flächenmäßig vergrößert, weiter ausgebaut und ausgestattet. Mit Bienenhaus, kleinem Wasserkraftwerk, Werkstätten, Almhütte, Schwimmteich, Kinoraum, zahlreichen Tieren und Pflanzen, mit Automobil und vor allem mit einer treuen Schar von Dienstleuten war es eine heile Welt, ein kleines „Land“ für sich, die für die mütterlich sorgende Frau des Hauses den Namen „Landesmutter“ begründete, als die sie oft apostrophiert wurde. „Rochus-Point“ wurde in der heutigen Sprache ausgedrückt, zu einem „Wellness-Point“ für die Familie Kaplan, sowie auch für zahlreiche Gäste. Verwandte, Freunde und Geschäftspartner waren dort gerne zu Besuch. Auch die von Kaplan erworbene Villa Rosenmann in Unterach wurde häufig als Quartier für Gäste verwendet. Ihr Dank an die Gastgeber fand oft einen literarischen oder zeichnerischen Niederschlag in den Gästebüchern, die mir das Ehepaar Gerhild – eine Enkelin Kaplans – und Ing. Heimo Maurer, für diese Abhandlung zur Verfügung stellten, wofür ich herzlich danke. Ein ganz besonderer Dank gilt auch Herrn Architekt DI. Dr. Alfred Lechner jun. Wien, für die großzügige Unterstützung bei den Recherchen, sowie für die Beschaffung und Beistellung zahlreicher wichtiger Unterlagen. Ein weiterer Dank gebührt Frau Christine Steinbichler des Grundbuchamtes Mondsee und Herrn Archivar Willibald Mayrhofer des Landesarchivs Linz für ihre freundliche Hilfe bei den Recherchen über die Voreigentümer des Landsitzes Rochuspoint, sowie dem GRINVerlag für die außergewöhnlich gute Zusammenarbeit und für die zügige Abwicklung des Buchprojektes. Der von der Regionalentwicklung Mondseeland (REGMO) in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Unterach geplante Kulturwanderweg, soll neben interessanten Erklärungen zur Landschaft vor allem auch die Geschichte der Wasserkraftnutzung, sowie Leben und Werk Viktor Kaplans auf verschiedenen Schautafeln vorstellen. Dieser Weg führt auch zum Landsitz Rochuspoint und eröffnet dem interessierten Wanderer ein Fenster in vergangene Zeiten, als hier im „Paradies“ des berühmten Erfinders, hoch über dem Attersee, ein Hort der Gastfreundschaft war. "Das ist der Gastfreundschaft tiefster Sinn, dass wir einander Rast geben auf dem Weg nach dem ewigen Zuhause“, sagte Romano Guardini.

Martin Gschwandtner, Juli 2007.


[Abbildungen können aus technischen Gründen nicht in der Vorschau dargestellt werden - sind jedoch in der Download-Datei enthalten!]


1. Die Herkunft des Namens Rochuspoint

Die Nachschau im Ortsnamenbuch Oberösterreich3 ergab: Die Deutung von Alfred Mück in der Chronik von Unterach 1990, S. 110, wonach Rochus von Roggen (Getreide) abgeleitet wurde, ist nicht mehr erwähnt. Mücks Auslegung stammt aus den 30er Jahren des 20. Jhdts. Der im Ortsnamenbuch enthaltene neue Forschungsstand kommt allerdings über Vermutungen auch nicht hinaus und nennt den „Spinnrocken“ als eventuellen Namensgeber, womit die Spinnstube bezeichnet worden sein könnte. Demnach ist die Herkunft des Namens immer noch nicht eindeutig belegt. Gegen die Ableitung vom Spinnen spricht der Umstand, dass damals auf den meisten Bauernhöfen gesponnen wurde und daher eine Namensgebung nach der Tätigkeit des Spinnens kein besonderes Identifizierungsmerkmal darstellten konnte. Volksetymologisch wird das Erstglied des Namens als Heiligenname Rochus aufgefasst. Bei Rochuspoint (Heiliger Rochus = San Rocco = Pestpatron) handelt es sich vermutlich um eine Quarantäne-Station aus der Pestzeit des 15. Jahrhunderts. („Point“ aus althochdeutsch „biunti“ = „Umzäuntes“, der allgemeinen Weide entzogenes Land, besonders am Waldrand).4 Dafür spricht der abgelegene Ort auf einem leicht abgrenzbaren Grundstück außerhalb des Dorfes, wo dort und rundherum keine nennenswerte Besiedlung war, sowie das erstmalige Auftreten des Namens in der Pestzeit.5 Auch der Rochushof der Stieglbrauerei in Salzburg- Maxglan steht mit seinem Namen in Verbindung mit der Pest und dem Pestpatron; er war seinerzeit ein Pest-Spital. Zur endgültigen Klärung der Herkunft des Namens Rochuspoint sind weitere Nachforschungen erforderlich.

Sage aus Unterach:
Im Gegensatz zum zeitlosen Märchen werden tatsächliche Ereignisse zum Anlass einer Sage, die dann phantastisch ausgeschmückt wird. Deshalb sind Sagen oft mit einer Lokalisation und/oder einer Datierung verbunden.6

Pestzeit:
„Die Pest wütete am Attersee so stark, dass niemand von ihr verschont blieb. AlleLleute um den Attersee waren gestorben, nur der Faschinger war noch am Leben. Er war über seine Einsamkeit ganz verzweifelt. Da zündete er ein Feuer an und hielt Ausschau, ob sein zeichen gesehen würde. Und in der Tat, er wurde bemerkt, am anderen Ufer des Sees, in der gegend von Weyregg stieg eine Rauchsäule auf. Rasch schob er sein Boot ins Wasser, um ans andere Ufer zu gelangen. Doch mitten auf dem See kam im ein anderes Boot entgegen. Darin befand sich eine Frau, die alleine in Weyregg von der Pest verschont geblieben war. Und von diesem Paar sollen die Bewohner rund um den Attersee Stelle abstammen. Der Faschinger7 und die Weyreggerin mussten nun alle Toten begraben. Die Stelle, wo dies angeblich geschah, heißt heute noch Elend. Das kam daher: Die Arbeit des Begrabens war so schrecklich, dass der eine ausrief: ` Ist das ein Elend !`“.8

[...]


3 Wiesinger, Peter (Hrsg.): Ortsnamenbuch des Landes Oberösterreich für den politischen Bezirk Vöcklabruck, Gerichtsbezirk Mondsee,. Wien 1997, S. 73.

4 Hörburger, Franz, Salzburger Ortsnamenbuch, Salzburg 1982, S. 69. Vergl.: Fichtinger, Gerlinde: Glossar für Heimat-, Haus-und Familienforschung. Linz 2003 (Schriftenreihe Akademie der Volkskultur Nr. 3), S. 122.

5 Besonders arge Pestzüge waren in unseren Gegenden 1465, 1482 und 1495 (Müller, Arno: Kapellenspur II. In: Hofspur, hrsg, vom Tourismusverband Hof, Hof 2005, S.13.).

6 Vergl.: URL: http://de.wikopedia.org/wiki/Sage [01.11.2006].

7 Siehe Gut Vaschang (Fasching) in: Mück, Alfred/Pölzleitener Franz: Unterach am Attersee. Chronik, hrsg. von der Gemeinde Unterach, Unterach 1990, S. 31.

8 Ebda, S. 113.


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