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Die geschlechtsspezifischen Verhältnisse an deutschen Schulen

Subtitle: Die Veränderungen der unterschiedlichen Rollenverteilung von Jungen und Mädchen seit der Einführung der Koedukation

Scholary Paper (Seminar), 2005, 31 Pages
Author: Eva Koch
Subject: Pedagogy - School Pedagogics

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2005
Pages: 31
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 30  Entries
Language: German
Archive No.: V79155
ISBN (E-book): 978-3-638-85691-1
ISBN (Book): 978-3-638-85417-7
File size: 248 KB

Abstract

Seit der Einführung der Mädchenbildung gab es vermehrt Diskussionen über Benachteiligungen der Geschlechter. Auch die preußischen Reformen 1908, die Frauen erstmals den Abitursabschluss ohne jegliche Hindernisse ermöglichte, veranlassten weitere Debatten. Einige Frauenrechtlerinnen beschwerten sich über die differenzierte Zusammenstellung des Lehrplans an Jungen- und Mädchenschulen. Für Frauen standen hauswirtschaftliche Fächer auf dem Lehrplan, wobei man naturwissenschaftliche oder mathematische Bereiche ausschloss. Ganz im Gegenteil zum „männlichen“ Lehrplan, bei dem naturwissenschaftliche Fächer als Schwerpunkte angelegt wurden. Dies war einer der Gründe für die Koedukation: Das Recht auf gleichberechtigte Bildung. Jedoch bemühte man sich Mitte der 60er Jahre nicht um die Förderung der Geschlechter. Im Gegenteil: Die Einführung der Koedukation sollte den Bildungsnotstand beheben. In dieser Hinsicht war die gemeinsame Unterrichtung der Geschlechter ein voller Erfolg, denn seitdem erreichen mehr Mädchen den Abitursabschluss oder schreiben im Durchschnitt bessere Noren. Der Erfolg der Frauen ist deutlich. Doch warum gibt es seit den 80er Jahren einen erneuten Streit um die Koedukation? Weswegen beschließen sich die meisten Frauen nach dem Abitur nicht zu einem Hochschulstudium und weshalb interessieren sich die wenigsten Mädchen für eine berufliche Zukunft im naturwissenschaftlichen oder technischen Bereich? Welche negativen Folgen brachte die Koedukation, die vielleicht kaum beachtet wurden? Mit dieser Arbeit möchte ich die geschlechtsspezifischen Verhältnisse in der Schule darstellen. Dazu ist es wichtig, einige Hintergründe der Mädchenbildung bis zur Zeit der Koedukationseinführung und der Debatte in den 80er Jahren, zu erläutern. Anschließend gehe ich näher auf die einzelnen Merkmale der Schule ein: Die unterschiedliche Rollenverteilung hängt mit dem Verhalten der Lehrer zusammen. Ebenfalls spielen die Schulbücher, der heimliche Lehrplan und die Gesellschaft dabei eine wichtige Rolle. Diese ganzen Einflüsse wirken sich auf das Denken und die Interessen der Kinder aus. Im darauffolgenden Kapitel beschreibe ich die Veränderungen und Ursachen der Schulleistungen seit der Einführung der Koedukation. Um dies zu vertiefen gehe ich auf die Ergebnisse der im Jahr 2000 durchgeführten PISA- Studie ein. Abschließend stelle ich kurz einen Praxisversuch vor, der erfolgreich auf die Stärken und Bedürfnisse der Geschlechter eingehen konnte.


Excerpt (computer-generated)

Universität Heidelberg, Erziehungswissenschaftliches Seminar
SS 2005, 1. Semester

Die geschlechtsspezifischen Verhältnisse an deutschen Schulen
Die Veränderungen der unterschiedlichen Rollenverteilung von
Jungen und Mädchen seit der Einführung der Koedukation

von

Eva Koch

 


Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung  3

Die geschlechtsspezifischen Verhältnisse an deutschen Schulen  4

1. Die Geschichte der Mädchenerziehung  6

1.1. Der Beginn der Mädchenbildung 6

2. Die Geschlechterverhältnisse an deutschen Schulen  10

2.1. Die unterschiedliche Rollenverteilung  10
2.2. Das Interesse der Schüler und Schülerinnen  12
2.3. Der Einfluss der Schule und Lehrer auf die Geschlechter 14
2.4. Der heimliche Lehrplan  16
2.5. Die Darstellung der Geschlechter in Schulbüchern 17
2.6. Lösungsvorschläge  17

3. Geschlechterspezifische Schulleistungen  21

3.1. Der Schulerfolg von Jungen und Mädchen  21
3.2. Die PISA-Studie, eine Untersuchung der Schülerkompetenzen  23

4 Untersuchungen aus der Praxis  26

4.1. Das Beispiel der Hamburger Gesamtschule Bergedorf  26

Fazit  28

Literaturverzeichnis  29


 

 

Zusammenfassung

Die vorliegende Arbeit demonstriert den Beginn der Mädchenbildung und verdeutlicht die geschlechtsspezifischen Veränderungen der Schüler und Schülerinnen seit Einführung der Koedukation.

Die geschlechtsspezifischen Verhältnisse an deutschen Schulen

Seit der Einführung der Mädchenbildung gab es vermehrt Diskussionen über Benachteiligungen der Geschlechter. Auch die preußischen Reformen 1908, die Frauen erstmals den Abitursabschluss ohne jegliche Hindernisse ermöglichte, veranlassten weitere Debatten. Einige Frauenrechtlerinnen beschwerten sich über die differenzierte Zusammenstellung des Lehrplans an Jungen- und Mädchenschulen. Für Frauen standen hauswirtschaftliche Fächer auf dem Lehrplan, wobei man naturwissenschaftliche oder mathematische Bereiche ausschloss. Ganz im Gegenteil zum „männlichen“ Lehrplan, bei dem naturwissenschaftliche Fächer als Schwerpunkte angelegt wurden. Dies war einer der Gründe für die Koedukation: Das Recht auf gleichberechtigte Bildung. Jedoch bemühte man sich Mitte der 60er Jahre nicht um die Förderung der Geschlechter. Im Gegenteil: Die Einführung der Koedukation sollte den Bildungsnotstand beheben.
In dieser Hinsicht war die gemeinsame Unterrichtung der Geschlechter ein voller Erfolg, denn seitdem erreichen mehr Mädchen den Abitursabschluss oder schreiben im Durchschnitt bessere Noren. Der Erfolg der Frauen ist deutlich. Doch warum gibt es seit den 80er Jahren einen erneuten Streit um die Koedukation? Weswegen beschließen sich die meisten Frauen nach dem Abitur nicht zu einem Hochschulstudium und weshalb interessieren sich die wenigsten Mädchen für eine berufliche Zukunft im naturwissenschaftlichen oder technischen Bereich? Welche negativen Folgen brachte die Koedukation, die vielleicht kaum beachtet wurden?
Mit dieser Arbeit möchte ich die geschlechtsspezifischen Verhältnisse in der Schule darstellen. Dazu ist es wichtig, einige Hintergründe der Mädchenbildung bis zur Zeit der Koedukationseinführung und der Debatte in den 80er Jahren, zu erläutern. Anschließend gehe ich näher auf die einzelnen Merkmale der Schule ein: Die unterschiedliche Rollenverteilung hängt mit dem Verhalten der Lehrer zusammen. Ebenfalls spielen die Schulbücher, der heimliche Lehrplan und die Gesellschaft dabei eine wichtige Rolle. Diese ganzen Einflüsse wirken sich auf das Denken und die Interessen der Kinder aus.
Im darauffolgenden Kapitel beschreibe ich die Veränderungen und Ursachen der Schulleistungen seit der Einführung der Koedukation. Um dies zu vertiefen gehe ich auf die Ergebnisse der im Jahr 2000 durchgeführten PISA- Studie ein. Abschließend stelle ich kurz einen Praxisversuch vor, der erfolgreich auf die Stärken und Bedürfnisse der Geschlechter eingehen konnte.

1. Die Geschichte der Mädchenerziehung

Die Geschlechterverhältnisse in der Schule haben sich seit der Einführung der Koedukation stark verändert. Der ausschlaggebende Fortschritt in der Emanzipation begann mit den preußischen Reformen im Jahr 1908: Man gewährte den Frauen den Zugang zum Abitur, welcher zwar schon früher möglich, jedoch in vielen Bereichen eingeschränkt war.

1.1. Der Beginn der Mädchenbildung

Die Vorstellung der gemeinsamen Bildung von Jungen und Mädchen reicht bis hin ins 14. Jahrhundert. Damals stellte man die gleiche Bildung für beide Geschlechter in einigen Utopievorstellungen (Morus1)dar. Jedoch sah die Gesellschaft die Frau nur als eine stärkende Kraft an der Seite des Mannes und der Familie (Schwalb, 2000). Schon früh arbeiteten sich die Töchter in diese Rolle ein und genossen die tatkräftige Unterstützung der Mütter. Diese Situation hielt auch nach der Einführung der allgemeinen Unterrichtspflicht, welche erstmals 1771 in Preußen stattfand, an: 50 Jahre nach der Einführung besuchten weniger als 50 % aller schulpflichtigen Kinder den Unterricht (Kraul2). Die Mädchenbildung wurde vernachlässigt, da man davon ausging, dass die Frauen dieses Wissen als Hausfrau nicht benötigen würden. Viele Vertreter der bürgerlichen Frauenbewegung, deren Zentralfigur Helene Lange war, leiteten die Bemühungen um die Gleichberechtigung der Geschlechter. Deshalb sollten Einrichtungen wie privat finanzierte Mädchenschulen, die sich im 19.Jahrhundert entfalteten den Mädchen die Bildung zugänglicher machen. Jedoch klagten die Vertreter der Frauenbewegungen die niedere Bildung dieser Schulform an (Faulstich-Wieland, 1987; Schwalb, S.35). Die Möglichkeit an diesen Schulen das Abitur zu erlangen, wurde ausgeschlossen. Somit verwehrte man den Frauen ein Hochschulstudium3 (Schönknecht, 1994; Stürzer, 2004; Kreienbaum, 1992). Helene Lange machte es sich zur Lebensaufgabe das Abitur für alle Mädchen durchzusetzen.
Einen nächsten Kritikpunkt sahen die BürgerrechtlerInnen in den unterschiedlich angelegten Lehrplänen der Geschlechter (Kraul). Die Mädchenschulen setzten Schwerpunkte in der Hauswirtschaft und der Religion. In naturwissenschaftlichen Fächern förderte man ausschließlich die Schüler an Jungenschulen, denn für die Mädchen galt die Naturwissenschaft als zu kompliziert (Kreienbaum; Kraul). Deshalb forderte man zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine gleichwertige Bildung. Der noch vor einem halben Jahrhundert sicher geglaubte Platz der Frau in Familie und Haus schwankte. Man erkannte, dass Bildung ein wichtiger Bestandteil für den Beruf ist und die PädagogInnen konzentrierten sich auf die Heranführung der Frauen an die höheren Schulen (Schwalb). Schließlich ermöglichten die Preußischen Reformen im Jahre 1908 durch die Aufnahme von mathematischen und naturwissenschaftlichen Fächern den Abschluss des Abiturs an Mädchenschulen.
Die Mädchenbildung erlebte in der Weimarer Republik einen Aufschwung. Zwischen 1911 und 1921 stieg die Zahl der Schülerinnen an den höheren Mädchenschulen um 38 % (Schwalb). Indessen sprachen sich zu dieser Zeit viele Sozialisten (Schwalb, S.50; Stürzer, S.173) für die koedukative Erziehung der Geschlechter aus. Man begann mit einigen Umsetzungen an Schulen. Die Koedukation begann sich bis zur Zeit des Nationalsozialismus leicht zu entwickeln. Jedoch sprach die gemeinsame Erziehung der Geschlechter gegen die Ideologie der Nationalsozialisten. In der Nachkriegszeit entwickelte sich die Schulbildung in vielen Gebieten unterschiedlich. So gab es in der DDR keine Debatten über koedukative Schulen. Dort war die Schule für alle Kinder zugänglich. Auch in einigen Städten wie z.B. in Hamburg und Bremen setzte man diese Form früher ein (Kreienbaum). In der BRD blieb das alte Schulsystem bestehen. So erhielten Jungen vermehrt Unterricht in Mathematik und Werken; Mädchen in Hauswirtschaft und Handarbeit (Stürzer, 2004).

1.2. Die Einführung der Koedukation an deutschen Schulen

[...]


1 Thomas Morus aus: Faulstich-Wieland, H. ; Abschied von der Koedukation

2 Auf dem Weg zur Koedukation, aus Koedukation, Erbe und Chancen( 1999)

3 Mädchen hatten bis dahin nur über viele Umwege die Möglichkeit, das Abitur und damit den Zugang zur Universität, an den Jungenschulen zu machen( Schönknecht).


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