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Examination Thesis, 2005, 137 Pages
Author: Hans Nagel
Subject: Civil Engineering
Details
Tags: Kachelöfen, Kamine
Year: 2005
Pages: 137
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 34 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-79972-0
ISBN (Book): 978-3-638-81110-1
File size: 3814 KB
Auszug aus dem Gutachten zur Arbeit: Herr Nagel hat ein im Einfamilienhausbau häufig anstehendes Thema, Kachelöfen und offene Kamine, bearbeitet. Die Fachliteratur liefert meist nur Einzelaspekte für den Planenden. Die Arbeit von Herrn Nagel besticht durch ihre umfassende und gründliche Darstellung des Themas. Es ist gelungen, sowohl die physikalischen und technischen Grundlagen, wie auch die physiologischen und gestalterischen Auswirkungen auf Mensch und Raum in einem Gesamtzusammenhang aufzuzeigen...
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Abstract
Wer heute vom „guten alten Kachelofen“ spricht, schwelgt meist in nostalgischer Begeisterung. Aus Überlieferungen wissen wir, welche wichtige Bedeutung solch ein Prunkstück früher hatte. Es war die einzige Wärmequelle im ganzen Haus. Seine gemütliche Atmosphäre lockte Mensch wie Tier an. Nicht selten gab es Zank um die begehrten Plätze auf der Ofenbank. Die Entwicklung des Kachelofens ist ein Stück Geschichte der Gestaltung, aber auch ein Stück Geschichte der Technik. Die Kachelofenbauer waren und sind auch weiterhin bestrebt neue Erkenntnisse der Wärmelehre und der modernen Feuerungstechnik im Kachelofenbau zur Anwendung zu bringen. Schon vor 500 Jahren gab es ein Bestreben dem Kachelofen eine gute technische und wirtschaftliche Innengestaltung in der Konstruktion zu geben. Das zeugte vom hohen handwerklichen und technischen Können des Kachelofenbauers. In dieser Arbeit möchte ich die Vielfalt sowohl im technischen, als auch im gestalterischen Bereich des Kachelofens, herausarbeiten.
Excerpt (computer-generated)
Technische Universität München
Fachbereich: Innenausbau und Raumgestaltung
schriftliche Hausarbeit zur ersten Staatsprüfung für das Lehramt an beruflichen Schulen
Thema:
„Kachelöfen und offene Kamine“
Verfasser:
Hans-Matthias Nagel
8. Semester Sommer 2005
Lehramt für berufliche Schulen, Bautechnik/ev. Religion
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis ... II
1. Einleitung ... 1
1.1. Impressionen ... 3
1.2. Entwicklung des Kachelofens ... 6
2. Ofenkachel ... 6
3. Kachelöfen in den einzelnen Stilepochen ... 9
Gotik (ca. 1200-1500) ... 9
Renaissance (ca. 1500-1650) ... 10
Manierismus (ca. 1600-1620) ... 10
Barock (ca. 1670-1750) ... 10
Rokoko (ca. 1725-1790) ... 10
Louis-Seize-Stil (ca. 1770-1790) ... 11
Klassizismus (1775-1850) ... 11
Empire (ca. 1795-1815) ... 11
Biedermeier (ca. 1825-1850) ... 11
Gründerzeit (ca. 1872-1895) ... 12
Jugendstil (ca. 1895- 1910) ... 12
3.1. Weitere Entwicklung ... 12
4. Brennstoffe ... 14
5. Überblick Warmluft-Kachelofen ... 21
5.1. Genaue Betrachtung der Kachelofen-Warmluftheizung ... 22
5.2. Funktion ... 26
5.3. Umwandlung von Strahlungs- in Konvektionswärme ... 27
5.4. Heizeinsatz ... 28
5.5. Heizölbetriebene Heizeinsätze ... 29
5.6. Brenngasbetriebene Heizeinsätze ... 30
5.7. Nachheizkasten ... 31
5.8. Luftführung ... 32
5.9. Wärmebedarf ... 33
5.10. Bauablauf eines Warmluftkachelofens ... 35
6. Überblick Kachelgrundofen ... 42
6.1. Genaue Betrachtung des Kachelgrundofens oder Grundofens ... 43
6.2. Heizfläche ... 45
6.3. Ausführung des Kachelofens ... 46
6.4. Fundamente ... 48
6.5. Feuerraum ... 51
6.6. Rahmenbedingungen für den Bau des Feuerraums ... 54
6.7. Größe des Feuerraums ... 54
6.8. Feuergeschränk-Ofentüren ... 56
6.9. Gasschlitz ... 57
6.10. Abmessung der Gasschlitze ... 59
6.11. Der Weg vom Feuerraum zum Schornstein ... 60
6.12. Zugsystem ... 62
6.13. Rauchgasrohr ... 64
7. Kombi-Ofen ... 64
8. Weitere Ofensysteme ... 65
8.1. Heizkamin ... 65
8.2. Kachelherde und Backöfen ... 67
8.3. Kaminofen ... 69
9. Schornstein ... 71
9.1. Funktion des Schornsteins ... 73
9.2. Schornsteinquerschnitt ... 74
9.3. Gründung von Schornsteinen ... 75
9.4. Anordnung von Reinigungsöffnungen ... 75
9.5. Schornsteine für offene Kamine ... 75
9.6. Raumluftabhängige Feuerstätten ... 77
9.7. Raumluftunabhängige Feuerstätten ... 78
9.8. Allgemeine Anforderungen an Abgasanlagen ... 79
9.9. Brandschutz ... 79
9.10. Dichtheit ... 81
9.11. Feuchteschutz ... 82
9.12. Anordnung von Abgasanlagen ... 83
10. Offener Kamin ... 85
10.1. Entwicklung ... 85
10.2. Offener Kamin und Raumgestaltung ... 89
10.3. Anwendungsbereiche von offenen Kaminen ... 92
10.4. Bauteile des offenen Kamins ... 93
10.4.1. Feuerraumboden ... 93
10.4.2. Ascheraum ... 93
10.4.3. Sicherheitsfläche ... 93
10.4.4. Kaminöffnung ... 94
10.4.5. Feuerraum ... 95
10.4.6. Kaminrost ... 96
10.4.7. Rauchsims ... 97
10.4.8. Rauchkammer ... 97
10.4.9. Rauchklappe ... 98
10.4.10. Rauchschürze ... 99
10.5. Baustoffe und Baumaterialien ... 99
10.6. Brennmaterialien ... 100
10.7. Bedienung und Betriebsweise ... 102
10.7.1. Anheizvorgang ... 102
10.7.2. Weiterheizen ... 103
10.7.3. Entaschung ... 103
10.7.4. Reinigung ... 104
10.8. Kamin-Zubehör ... 104
10.9. Funktion des offenen Kamins ... 105
11. Gestaltung ... 109
11.1. Kreationen ... 111
11.2. Preis ... 112
11.3. Design ... 112
11.3.1. Form ... 113
11.3.2. Funktion ... 114
11.3.3. Konstruktion ... 114
11.4. Physiologische Wirkung der Farben ... 115
12. Wohnbehagen ... 118
13. Kachelofen und die Solarenergie ... 120
a) Das Niedrigenergiehaus ... 122
b) Die Feuerstelle mit Heizkesselteil ... 122
c) Die Solaranlage ... 123
d) Die Speichereinheit ... 123
e) Die Wandheizung ... 124
14. Bilderverzeichnis ... VI
15. Literaturverzeichnis ... X
Verordnungen ... XI
Normen ... XI
Internetseiten: ... XII
1. Einleitung
Wer heute vom „guten alten Kachelofen“ spricht, schwelgt meist in nostalgischer Begeisterung. Aus Überlieferungen wissen wir, welche wichtige Bedeutung solch ein Prunkstück früher hatte. Es war die einzige Wärmequelle im ganzen Haus. Seine gemütliche Atmosphäre lockte Mensch wie Tier an. Nicht selten gab es Zank um die begehrten Plätze auf der Ofenbank.
Die Urform der heutigen wärmespeichernden Öfen findet man in den Pfahlbauten der Bronzezeit. Schon vor 4500 Jahren wurden diese Öfen im süddeutschen Alpenvorland gebaut.1
Die Urform bestand aus einem walzenförmigen Steingebilde mit einem Tonnengewölbe aus Lehm als Oberbau. Die Steine hatten schon damals die Aufgabe, die Wärme zu speichern. Damit war es dem Menschen erstmals gelungen, die Glut des offenen Feuers zu bewahren und in Strahlungswärme umzuwandeln. Ab dem 10. Jahrhundert gewann der Lehm- oder Steinofen mit dem Rauchabzug über einem eigenen Schornstein an Bedeutung. Diese Öfen sind gemauert und bestehen aus einem kubischen Unterbau mit einem gewölbten Oberbau. Solche über 1000 Jahre alte Ofenformen sind heute noch in Südtirol anzutreffen.2
Bild 1: Kachelofen
[...]
In der weiteren Entwicklung wurden Becher und Schüsseln aus Keramik zur Verbesserung der Heizwirkung eingesetzt. Daraus haben sich die ersten Ofenkacheln entwickelt. Als es den Töpfern gelang aus den runden keramischen Schüsseln quadratische Kacheln zu fertigen, war es möglich die Ummantelung des Kachelofens komplett aus Kacheln herzustellen.
Im Laufe der Jahrhunderte veränderte sich die Kachel mit den wechselnden Stilrichtungen, von der Gotik, über das Barock, Rokoko, Biedermeier bis in die heutige Zeit. Vor mehr als 500 Jahren setzte sich dann das Prinzip des Grundofens durch. Anfänglich wurde mit sehr einfachen Materialien gebaut wie z. B. Bachsteine und Lehm. Im Alpenraum wurde auch Speckstein verwendet.
Durch die zunehmende Erfahrung im Ofenbau wurde nicht nur eine Verbesserung in der Funktionsweise erzielt, sondern auch die Möglichkeiten der Gestaltung blieben nicht unerkannt.
Mit den üppigen Dekorationsformen des Barock war im 16. und 17. Jahrhundert eine Blütezeit des Ofenbaus erreicht. Allerdings war diese Form der verkachelten Öfen nur den reichen Bürgern vorbehalten. Mit Beginn des Industriezeitalters geriet die traditionelle Bauweise immer mehr in Vergessenheit. Der massenhaft produzierbare Kachelofen mit einem Metalleinsatz wurde geboren. Mit der Entwicklung der Zentralheizung zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Kachelofen aus den Wohnzimmern der Menschen verdrängt.
Mit der Energiekrise der siebziger Jahre besann man sich seiner wieder als unabhängige Zusatz- und Übergangsheizquelle. Während der achtziger Jahre sorgte der Treibhauseffekt für Gesprächsstoff, um das Image von Holzheizungen zu verbessern wurde die CO2-Neutralität des Holzes postuliert. Gleichzeitig entwickelte sich ein neues, verstärktes Bewusstsein für unsere Umwelt, der Wunsch nach mehr Lebens- und Wohnqualität stieg. Der Kachelofen wurde wieder ein fester und schöner Bestandteil innerhalb des Wohnbereichs. Zu diesem Zeitpunkt orientierte sich die Gestaltung und Form der Kachel noch überwiegend an der traditionellen Schüsselkachel. Nur langsam entwickelte sich ein, dem Zeitgeist entsprechendes, eigenes Kacheldesign.
Bild 2: Schüsselkacheln
[...]
Die Entwicklung des Kachelofens ist ein Stück Geschichte der Gestaltung, aber auch ein Stück Geschichte der Technik. Die Kachelofenbauer waren und sind auch weiterhin bestrebt neue Erkenntnisse der Wärmelehre und der modernen Feuerungstechnik im Kachelofenbau zur Anwendung zu bringen. Schon vor 500 Jahren gab es ein Bestreben dem Kachelofen eine gute technische und wirtschaftliche Innengestaltung in der Konstruktion zu geben. Das zeugte vom hohen handwerklichen und technischen Können des Kachelofenbauers.
Nach dem heutigen Stand der Technik wird der „Kachelofen“ in den technischen Bestimmungen und Normen folgendermaßen definiert:
„Als ortsfeste Kachelöfen alle im Verwendungsort erbauten Öfen, die aus keramischen Baustoffen bestehen und die mit festen, gasförmigen oder flüssigen Brennstoffen sowie mit elektrischem Strom betrieben werden können.“3
Die Definition lässt erkennen, dass der Begriff „ortsfester Kachelofen“ sehr umfassend ist und damit auch die Anwendungsmöglichkeiten des Kachelofens sehr vielseitig sind. Diese Definition möchte ich dieser Arbeit zugrunde legen und die Vielfalt sowohl im technischen als auch im gestalterischen Bereich des Kachelofens herausarbeiten.
1.1. Impressionen
Jeder kennt das unbeschreiblich schöne Gefühl: Draußen vor dem Haus auf einer Bank in der Sonne zu sitzen, an die warme Wand sich anzulehnen und zu entspannen, die Alltagssorgen vergessen und die Sonnenstrahlen „bis ins Herz“ eindringen lassen, tief einatmen und das Glück richtig spüren.
Was diesen Augenblick ausmacht, ist die Strahlungswärme von Sonne und Hauswand. Sie durchwärmt den ganzen Körper und regt den Geist zum sensiblen Fühlen, zum positiven Denken und zum neugierigen Erleben an.
[....]
1 Hebgen: Ratgeber Kachelöfen S. 96
2 Hebgen: Ratgeber Kachelöfen S. 96
3 Schiffert: Kachelofen 2000 S. 11
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