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Von der Überlebens- zur Erlebnisgesellschaft - Welche Auswirkungen hat das auf den Sport?

Termpaper, 2001, 27 Pages
Author: Wolfgang Holste
Subject: Sport - Sport Sociology

Details

Category: Termpaper
Year: 2001
Pages: 27
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 6  Entries
Language: German
Archive No.: V79191
ISBN (E-book): 978-3-638-85705-5
ISBN (Book): 978-3-640-20423-6
File size: 88 KB

Abstract

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Fragestellung, inwiefern sich der Sport durch eine Wandlung der westlichen Welt von einer, überspitzt gesagt, Überlebensgesellschaft in eine Art „Erlebnisgesellschaft“ schon verändert hat, bzw. sich noch weiter anpassen muss, um auch in Zukunft eine derart bedeutende Rolle in unserer Gesellschaft zu beanspruchen und zu verkörpern. Stichworte für den gegenwärtigen gesellschaftlichen Wandel sind: Individualisierung, Aufgabe familiärer Strukturen, Bindungs- und Orientierungslosigkeit, Eintönigkeit der Städte und Banalisierung unseres Alltags in einer langweiligen, routinierten, vorgefertigten, keimfreien, austauschbaren, monotonen Welt - aber auch: Suche nach tiefen Erlebnissen, Sehnsucht nach spontanem Glück und Bedürfnis nach Spannung und Aktion. Gesellschaften wie die unserige, die immer rationaler und damit körperloser werden, erzeugen ein zunehmendes Wunschpotential nach intensiven, körperbetonten, ,,authentischen" Erlebnissen. Mittlerweile steht solchen Wünschen und Bedürfnissen ein Spektrum an kanalisierenden Befriedigungsangeboten gegenüber, das von Abenteuerreisen, Trekkingtouren und Überlebens-Camps bis hin zu immer gefährlicheren Extremsportarten reicht. Die Bedeutung des Sports hat sich in den letzten Jahrzehnten demzufolge verändert und ausdifferenziert. Der Sport nimmt einen immer breiteren Raum ein, wobei sich Erscheinungsfeld und Absichten dieses Bereichs beständig verändern. Ein neueres Phänomen ist dabei die Individualisierung und die Suche nach neuen Reizen. Beide Variablen führen zu einer Vielfalt sportlicher Betätigungsmöglichkeiten. Dementsprechend wenden sich immer mehr Menschen den sogenannten Erlebnis-, Abenteuer-, Risiko- sowie Extremsportarten zu und suchen den ,,Weekend-Thrill". Infolge dessen soll es nun in dieser Hausarbeit darum gehen, den Wandel zur Erlebnisgesellschaft zu beschreiben und deren Charakteristik zu erläutern. Ferner soll dargestellt werden, wie sich vor allem die Motive der Menschen bezüglich des Sporttreibens innerhalb der Erlebnisgesellschaft verändert haben, und welche pädagogischen und psychologischen Auswirkungen die Erlebnisgesellschaft auf das Sportsystem hat.


Excerpt (computer-generated)

Universität Bielefeld
Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaft
Abteilung Sportwissenschaft
Sommersemester...2001

Veranstaltung: Proseminar zur
Grundlagenvorlesung AB IV Sportpädagogik


Von der Überlebens- zur Erlebnisgesellschaft-
Welche Auswirkungen hat das auf den Sport?


Wolfgang Holste

 

Inhaltsverzeichnis

Einleitung...3
1. Von der Überlebensgesellschaft zur Erlebnisgesellschaft...4
    1.1 Die moderne Konsumgesellschaft...4
    1.2 Die neue Innenorientierung des Ichs...5
    1.3 Die Suche nach dem ultimativen Erlebnis...6
2. Risiko und Sport...7
    2.1 Definition des Begriffs Risiko...7
        2.2.1 Merkmale von Risiko- und Extremsportarten...8
        2.2.2 Sinnzuschreibungen von Risiko- und Extremsport...11
    2.3 Zur psychologischen Erklärung von Risiko- und Extremsport...12
Resümee...22
Literaturverzeichnis.............................................................................................26

Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Fragestellung, inwiefern sich der Sport durch eine Wandlung der westlichen Welt von einer, überspitzt gesagt, Überlebensgesellschaft in eine Art „Erlebnisgesellschaft“ schon verändert hat, bzw. sich noch weiter anpassen muss, um auch in Zukunft eine derart bedeutende Rolle in unserer Gesellschaft zu beanspruchen und zu verkörpern. Stichworte für den gegenwärtigen gesellschaftlichen Wandel sind: Individualisierung, Aufgabe familiärer Strukturen, Bindungs- und Orientierungslosigkeit, Eintönigkeit der Städte und Banalisierung unseres Alltags in einer langweiligen, routinierten, vorgefertigten, keimfreien, austauschbaren, monotonen Welt - aber auch: Suche nach tiefen Erlebnissen, Sehnsucht nach spontanem Glück und Bedürfnis nach Spannung und Aktion. Gesellschaften wie die unserige, die immer rationaler und damit körperloser werden, erzeugen ein zunehmendes Wunschpotential nach intensiven, körperbetonten, ,,authentischen" Erlebnissen. Mittlerweile steht solchen Wünschen und Bedürfnissen ein Spektrum an kanalisierenden Befriedigungsangeboten gegenüber, das von Abenteuerreisen, Trekkingtouren und Überlebens-Camps bis hin zu immer gefährlicheren Extremsportarten reicht.

Die Bedeutung des Sports hat sich in den letzten Jahrzehnten demzufolge verändert und ausdifferenziert. Der Sport nimmt einen immer breiteren Raum ein, wobei sich Erscheinungsfeld und Absichten dieses Bereichs beständig verändern. Ein neueres Phänomen ist dabei die Individualisierung und die Suche nach neuen Reizen. Beide Variablen führen zu einer Vielfalt sportlicher Betätigungsmöglichkeiten. Dementsprechend wenden sich immer mehr Menschen den so genannten Erlebnis-, Abenteuer-, Risiko- sowie Extremsportarten zu und suchen den ,,Weekend-Thrill". Infolge dessen soll es nun in dieser Hausarbeit darum gehen, den Wandel zur Erlebnisgesellschaft zu beschreiben und deren Charakteristik zu erläutern. Ferner soll dargestellt werden, wie sich vor allem die Motive der Menschen bezüglich des Sporttreibens innerhalb der Erlebnisgesellschaft verändert haben, und welche pädagogischen und psychologischen Auswirkungen die Erlebnisgesellschaft auf das Sportsystem hat.

1. Von der Überlebensgesellschaft zur Erlebnisgesellschaft

In diesem Kapitel der Hausarbeit wird auf die Charakteristik der Erlebnisgesellschaft eingegangen. In den letzten Jahrzehnten rückte das Erleben des Lebens durch gesellschaftliche Veränderungen der normalen existentiellen Problemdefinition ins Zentrum des Bewusstseins der Menschen. Unter dem Druck des Imperativs ,,Erleben dein Leben!" entsteht eine fortlaufende Handlungsdynamik, organisiert im Rahmen eines rasant wachsenden Erlebnismarktes, der kollektive Erlebnismuster beeinflusst und soziale Milieus als Erlebnisgemeinschaft prägt. Im Folgenden soll nun die Vermehrung der Möglichkeiten, der Wandel der Lebensauffassungen und der Imperativ der Gegenwart ,,Erlebe dein Leben" näher beleuchtet werden.

1.1 Die moderne Konsumgesellschaft

Durch eine Angebotsexplosion, den Wegfall von Zugangsbeschränkungen, die Ausweitung der Konsumwelt sowie durch Umwandlungen von einer genau vorgegebenen Realität in eine gestaltbare Wirklichkeit, haben sich die Möglichkeiten des Einzelnen enorm erweitert, was letztendlich zu einem Wandel der Lebensauffassungen in unserer Gesellschaft geführt hat.
Nach Schulze (1992, 55) leben wir heute in einer Gesellschaft, in der es im Vergleich zu früher und zu anderen Gesellschaften nicht mehr um das Überleben geht. Die Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland hat auf die Veränderungen der Lebensbedingungen mit einer Veränderung der Lebensweise reagiert. Immer mehr Menschen handeln erlebnisorientiert.
Die Suche nach dem ultimativen Erlebnis ist zu einem relevanten Bestandteil des Alltags geworden. Dieser Wandel lässt sich demnach auch als Weg von der Überlebensorientierung zur Erlebnisorientierung beschreiben. Die daraus entstandene Erlebnisgesellschaft ist eine Gesellschaft, in der Grundbedürfnisse und Mittel zum Überleben gesichert sind, und dementsprechend andere Bedürfnisse, wie das Erlebnis, im Vordergrund stehen (vgl. Schulze 1992, 59).

Desweiteren stellt SCHULZE (1992, 58) die These auf, dass wir uns nicht mehr unter einem existentiellen Entscheidungsdruck befinden, sondern eher in einer Situation stecken, die man als ,,Entscheidungssog" bezeichnen könnte. „Für das Einschalten oder Nichteinschalten des Radios besteht kein dringender Bedarf; der Kauf des x-ten Paares Schuhe erfolgt ohne Notwendigkeit; das gerade erstandene Buch wird vielleicht niemals gelesen; man geht ins Restaurant, obwohl man gerade zu Abend gegessen hat. Es kommt nicht darauf an, aber man ..., nimmt irgend etwas im Vorbeigehen noch mit, findet etwas anderes ganz nett und holt es sich. Man muss sich nicht entscheiden, aber man entscheidet sich doch, wie jemand, der im Zustand der Sättigung gedankenverloren in eine Pralinenschachtel greift" (ebd.).


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