Zigeunerfrage im Südosten

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Titel: Zigeunerfrage im Südosten
Autor: Marc Castillon
Fach: Geschichte - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg
Veranstaltung: Proseminar: Das Dritte Reich und seine südosteuropäischen Verbündeten. Kooperation, Kollaboration und Konfrontation.
Institution/Hochschule: Humboldt-Universität zu Berlin (Institut für Geschichtswissenschaften)
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2001
Seiten: 23
Note: 1,7
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 218 KB
Archivnummer: V7928
ISBN: 978-3-638-15027-9
Anmerkungen :
Im Rahmen dieser Arbeit wird sich die Frage gestellt, inwieweit das Schicksal der Zigeuner im südöstlichen Europa vom nationalsozialistischen deutschland mitbestimmt wurde. Konnten die Nazis ihre Rassenutopie auf die zum Teil besetzen, zum Teil verbündeten Staaten Ungarn, Rumänien, Kroatien, Bulgarien und der Slowakei übertragen und die Roma und Sinti schikanieren, denunzieren, bekämpfen, entrechten, verfolgen und ermorden?186 KB




Zusammenfassung / Abstract

Viele Opfer des Holocausts sprechen angesichts des Völkermordes an den Sinti und Roma, der leider im unrühmlichen Schatten des schrecklichen sechsmillionenfachen Mordens an die Juden steht, von einem vergessenen Holocaust. Gegen das Vergessen soll hier ein Beitrag geleistet werden. Im Vordergrund dieser Abhandlung wird die Frage beantwortet, inwieweit das Schicksal der Zigeuner im südöstlichen Europa vom nationalsozialistischen Deutschland mitbestimmt wurde, ob die Nazis ihre Rassenutopie auf die zum Teil besetzten, zum Teil verbündeten Staaten, Ungarn, Rumänien, Kroatien, Bulgarien und der Slowakei, übertragen konnten und die Zigeuner im Südosten, ähnlich wie in Deutschland, kategorisch und so gut wie ausnahmslos schikaniert, denunziert, bekämpft, entrechtet, verfolgt und ermordet wurden. Zur Beantwortung der Frage soll zunächst umfassend die Verfolgung der Zigeuner in Deutschland darstellt werden, um in einem zweiten Schritt zu der Verfolgung der südosteuropäischen Sinti und Roma vergleichend Bezug nehmen zu können. Das Augenmerk ist hierbei einerseits auf die rechtliche Verfolgung und andererseits auf den Völkermord an den Zigeunern in Südosteuropa gelegt. Dabei gilt es, auch kritisch faschistische Quellen auszuwerten, um Thema adäquat und umfassend auszuleuchten.

Textauszug

Zigeunerfrage im Südosten

von Marc Castillon

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Hauptteil

I. Sinti- und Romaverfolgung im nationalsozialistischen Deutschland 1933-1945

1. Gesetzgeberische Maßnahmen gegen Sinti und Roma

a) Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentum
b) Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses
c) Nürnberger Gesetze

2. Nationalsozialistische Sinti- und Romaverfolgung bis zum Holocaust

II. Sinti- und Romaverfolgung in Südosteuropa 1933-1945

1. Nationalsozialistisches Bild über die Zigeuner im Südosten

a) Nationalsozialistisches Bild über die Zigeuner in Rumänien
b) Nationalsozialistisches Bild über die Zigeuner in Ungarn
c) Nationalsozialistischer "Lösungsversuch der Zigeunerfrage" im Südosten

2. Gesetzgeberische Maßnahmen gegen die Sinti und Roma im Südosten

a) Gesetzliche Maßnahmen in Rumänien
b) Gesetzliche Maßnahmen in Ungarn
c) Gesetzliche Maßnahmen in der Slowakei/ Protektorat Böhmen und Mähren
d) Gesetzliche Maßnahmen in Kroatien
e) Gesetzliche Maßnahmen in Bulgarien

3. Der Weg bis zum Völkermord an den Sinti und Roma im Südosten

a) Völkermord an den Sinti und Roma in Rumänien
b) Völkermord an den Sinti und Roma in Ungarn
c) Völkermord an den Sinti und Roma in der Slowakei/ Protektorat Böhmen und Mähren
d) Völkermord an den Sinti und Roma in Kroatien
e) Völkermord an den Sinti und Roma in Bulgarien

Schlusswort

Literaturverzeichnis


Einleitung

Viele Opfer des Holocausts sprechen angesichts des Völkermordes an den Sinti und Roma, der leider im unrühmlichen Schatten des schrecklichen sechsmillionenfachen Mordens an die Juden steht, von einem vergessenen Holocaust. Diese Hausarbeit soll dagegen einen Beitrag leisten. Weit darüber hinaus, stelle ich mir jedoch zur Aufgabe, zu untersuchen, inwieweit das Schicksal der Zigeuner im südöstlichen Europa vom nationalsozialistischen Deutschland mitbestimmt wurde, ob die Nazis ihre Rassenutopie auf die zum Teil besetzten, zum Teil verbündeten Staaten, Ungarn, Rumänien, Kroatien, Bulgarien und der Slowakei, übertragen konnten und die Zigeuner im Südosten, ähnlich wie in Deutschland kategorisch und so gut wie ausnahmslos schikaniert, denunziert, bekämpft, entrechtet, verfolgt und ermordet wurden. Dazu bediene ich mich der Aufsplittung der Hausarbeit in zwei Teile. Der erste Teil soll das Ausmaß der Verfolgung der Zigeuner in Deutschland darstellen, um letztendlich im zweiten Teil zu der Verfolgung der südosteuropäischen Sinti und Roma vergleichend Bezug nehmen zu können. Aus Platzmangel beschränke ich mich - zwangsweise - auf die zwei Vergleichskriterien der rechtlichen Verfolgung und des Völkermordes an den Zigeunern in Südosteuropa. Dabei versuche ich zur adäquaten Untersuchung auch insbesondere den schmalen Grad mit faschistischen Quellen zu meistern. Im Schlusswort möchte ich die Erkenntnisse meiner Recherche zusammenfassend darlegen.

Hauptteil

I. Sinti- und Romaverfolgung im nationalsozialistischen Deutschland 1933-1945

Im ersten Teil werden die gesetzlichen Maßnahmen gegen die Zigeuner und der Weg zum Holocaust an den Sinti und Roma im nationalsozialistischen Deutschland aufgezeigt.

1. Gesetzgeberische Maßnahmen gegen Sinti und Roma

Mit Machtantritt der Nationalsozialisten 1933 lebten zirka 20.000 Zigeuner innerhalb der damaligen Grenzen Deutschlands. Die Zigeuner waren keinen nationalen Sondergesetzen unterworfen, jedoch verbot man ihnen beispielsweise in Bayern und auch anderswo das Umherziehen in Gruppen .

a) Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums

Zu den ersten gesetzgeberischen Maßnahmen, die rassische Züge trugen, zählt das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. Mai 1933. Dieses sah vor, dass Beamte, die nicht "arischer Abstammung" waren, in den Ruhestand zu versetzen seien und betraf somit Sinti und Roma, genauso wie Juden . Döring argumentiert nun, dass dieses Gesetz für die Zigeuner gar keine Bedeutung hatte, da diese auch vor 1933 erst gar nicht zu den sozial höheren Stellungen gelangt seien, anders, so verweist er, als beispielsweise die Zigeuner im Balkan. Er erkennt zumindest aber in der Konsequenz, dass durch dieses Gesetz den Zigeunern auch für die Zukunft die Beamtenlaufbahn verweigert wurde . Nach heutigem verfassungsmäßigen Verständnis, so muss der Verfasser feststellen, wäre allein diese gesetzgeberische Maßnahme doch ein erheblicher Eingriff in die Persönlichkeitsrechte eines jedermann, immerhin wurde doch die Berufswahl und Berufsausübungsfreiheit der Sinti und Roma eklatant eingeschränkt. In der Folgezeit kam es zu Ausschlüssen aus Berufsgenossenschaften für Sinti und Roma, ebenso zu der Verweigerung der Arbeitsämter, jungen Sinti und Roma nach dem Schulabschluss eine Ausbildung zu ermöglichen , auch wenn Kenrick andeutet, dass die Bestimmung über den Ausschluss der Zigeuner aus dem öffentlichen Dienst und vom Militärdienst nicht immer strikt befolgt wurden .

b) Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses

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