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Der Balkankrieg von 1991 - 1995 - Ursachen und Hintergründe

Scholary Paper (Seminar), 1999, 34 Pages
Author: Tatjana Butorac
Subject: Politics - International Politics - Region: South East Europe, Balkans

Details

Event: Politische Länderkunde Kroatiens: Zur aktuellen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung
Institution/College: University of Augsburg (Lehrstuhl für Politikwissenschaft)
Tags: Balkankrieg; Kroatien; Serbien; Slowenien;Memorandum der serbischen Akademie
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 1999
Pages: 34
Grade: 1.0
Language: German
Archive No.: V7934
ISBN (E-book): 978-3-638-15032-3
ISBN (Book): 978-3-638-64016-9
File size: 269 KB

Abstract

"... In den Kriegen offenbart sich vor allen Dingen die menschliche Dummheit. Die menschliche Dummheit an sich ist eine elementare, riesige, alltägliche Erscheinung, aber es sieht so aus, als wirkte der Krieg auf die menschliche Dummheit wie ein Gewitterguß auf Pilze: sie schießt gespenstisch überall aus dem Boden." (Miroslav Krleza) Kaum ein Ereignis hat die Öffentlichkeit seit dem 2. Weltkrieg so stark erschüttert, wie der Kriegsausbruch im ehemaligen Jugoslawien im Jahre 1991. Die Medien überboten sich gegenseitig mit Berichten über Deportationen, Menschenrechtsverletzungen, Todeslager, ethnischen Säuberungen, systematischen Massenvergewaltigungen, etc.. Die Terrorisierung und Vertreibung der Zivilbevölkerung sowie das Ausmaß der Zerstörungen, um aus einem Vielvölkerstaat ethnisch homogene Nationalstaaten zu schaffen, erschweren das Verständnis für einen solchen Krieg. Wie war es möglich, daß mitten in Europa gegen Ende des 20. Jahrhundert, ein solch barbarischer Bürgerkrieg - oder eine derartige "Dummheit", wie es wohl der Schriftsteller M. Krleza formuliert hätte, entstehen konnte? In dieser Arbeit wird der Versuch unternommen, den Balkankrieg von 1991-1995 so umfassend wie möglich darzustellen, sowie mögliche Ursachen und Hintergründe, die zu diesem Krieg geführt haben, zu analysieren. Aus diesem Grund ist es notwendig sich zunächst mit der Geschichte Jugoslawiens zu beschäftigen und neben der ethnischen Komponente des Konflikts auch den wiederaufgelebten Nationalismus zu behandeln. Daraufhin soll auf die Konfliktparteien sowie auf den Kriegsverlauf in den Republiken des ehemaligen Jugoslawiens eingegangen werden. Der anschließende Teil beinhaltet das Friedensabkommen von Dayton. In der Schlußbetrachtung soll eine Art Bilanz des Krieges erstellt werden. Aus Gründen des Umfangs können jedoch nicht alle Aspekte des Konflikts angesprochen werden. So wird beispielsweise nicht näher auf die Jugoslawienpolitik der Europäische Gemeinschaft eingegangen. Sie findet nur insoweit Erwähnung, wie dies für den Verlauf der Arbeit notwendig ist.


Excerpt (computer-generated)

Der Balkankrieg von 1991 - 1995

von Tatjana Butorac

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Historischer Überblick

2.1 Jugoslawien im 1. und 2. Weltkrieg
2.2 Jugoslawien unter Tito
2.3 Der Zerfall Jugoslawiens

3. Hintergründe des Konflikts

3.1 Die ethnische Komponente des Konflikts
3.2 Nationalismus

4. Kriegsparteien und Kriegsverlauf

4.1 Der ‚Krieg′ in Slowenien
4.2 Der Krieg in Kroatien
4.3 Der Krieg in Bosnien-Hercegowina
4.4 Der serbische Standpunkt

5. Der Weg in den Frieden

6. Schlußbetrachtung

7. Literaturverzeichnis


1. Einleitung

"... In den Kriegen offenbart sich vor allen Dingen die menschliche Dummheit. Die menschliche Dummheit an sich ist eine elementare, riesige, alltägliche Erscheinung, aber es sieht so aus, als wirkte der Krieg auf die menschliche Dummheit wie ein Gewitterguß auf Pilze: sie schießt gespenstisch überall aus dem Boden."

Kaum ein Ereignis hat die Öffentlichkeit seit dem 2. Weltkrieg so stark erschüttert, wie der Kriegsausbruch im ehemaligen Jugoslawien im Jahre 1991.
Die Medien überboten sich gegenseitig mit Berichten über Deportationen, Menschenrechtsverletzungen, Todeslager, ethnischen Säuberungen, systematischen Massenvergewaltigungen, etc.. Die Terrorisierung und Vertreibung der Zivilbevölkerung sowie das Ausmaß der Zerstörungen, um aus einem Vielvölkerstaat ethnisch homogene Nationalstaaten zu schaffen, erschweren das Verständnis für einen solchen Krieg.
Wie war es möglich, daß mitten in Europa gegen Ende des 20. Jahrhundert, ein solch barbarischer Bürgerkrieg - oder eine derartige "Dummheit", wie es wohl der Schriftsteller M. Krleza formuliert hätte, entstehen konnte?
In dieser Arbeit wird der Versuch unternommen, den Balkankrieg von 1991-1995 so umfassend wie möglich darzustellen, sowie mögliche Ursachen und Hintergründe, die zu diesem Krieg geführt haben, zu analysieren. Aus diesem Grund ist es notwendig sich zunächst mit der Geschichte Jugoslawiens zu beschäftigen und neben der ethnischen Komponente des Konflikts auch den wiederaufgelebten Nationalismus zu behandeln. Daraufhin soll auf die Konfliktparteien sowie auf den Kriegsverlauf in den Republiken des ehemaligen Jugoslawiens eingegangen werden. Der anschließende Teil beinhaltet das Friedensabkommen von Dayton. In der Schlußbetrachtung soll eine Art Bilanz des Krieges erstellt werden. Aus Gründen des Umfangs können jedoch nicht alle Aspekte des Konflikts angesprochen werden. So wird beispielsweise nicht näher auf die Jugoslawienpolitik der Europäische Gemeinschaft eingegangen. Sie findet nur insoweit Erwähnung, wie dies für den Verlauf der Arbeit notwendig ist.

2. Historischer Überblick

Zum Verständnis des Jugoslawienkrieges ist es unumgänglich sich mit der Geschichte seiner Völker zu beschäftigen. Viele Spannungen und Konflikte, die heute in diesen Balkanregionen bestehen, lassen sich leichter -jedoch nicht ausschließlich- durch einen Blick in die Vergangenheit erklären.
Aus Gründen des Umfangs sollen erst die Ereignisse ab dem 1. und 2. Weltkrieg, das sozialistische Jugoslawien sowie die Post- Tito- Ära betrachtet werden.

2.1 Jugoslawien im 1. und 2. Weltkrieg

"Das Attentat auf Franz Ferdinand fand 1914 nicht zufällig am Schnittpunkt von lateinischem Westen, orthodoxem Osten und muslimischem Südosten statt..." Die Ermordung des österreichischen Thronfolgers in der multiethnischen Stadt Sarajevo durch einen bosnischen Serben war der Auslöser des 1. Weltkrieges. Die nationalen Bestrebungen Serbiens richteten sich nach einem großserbischen Jugoslawien, das u.a. die Eingliederung der unter der Donaumonarchie stehenden Völker Kroatien und Slowenien vorsah. Um dieses Ziel zu erreichen mußte folglich Österreich- Ungarn gestürzt werden.
Nach dem 1. Weltkrieg gehörte Serbien zu den Siegermächten und Österreich- Ungarn hatte seinen Machteinfluß auf Kroatien und Slowenien verloren. So entstand ein Vielvölkerstaat mit serbischer Vorrangstellung. Der Wunsch der Kroaten und Slowenen nach einem föderalistischen Staat wurde nicht erfüllt. Durch die Alliierten unterstützt, setzte Serbien seine zentralistische Verfassung durch. Die Existenz dieser Staatsschöpfung war jedoch zum scheitern verurteilt, da es in ihr keine Gleichberechtigung der Völker gab. Am 1. Dezember 1918 proklamierte A. Karadjordjevic die Vereinigung des "Königreiches der Serben, Kroaten und Slowenen" (SHS). 1929 führte der Monarch eine Königsdiktatur ein, indem er die Verfassung außer Kraft setzte. Auch eine Umbenennung SHS in Jugoslawien fand statt.

[...]


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