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Seminararbeit, 2004, 29 Seiten
Autor: Anna Katharina Eißel
Fach: Filmwissenschaft
Details
Institution/Hochschule: Universität Hamburg (Institut für Sprach-, Literatur- und Medienwissenschaften)
Tags: Schloss, Schreckens“, Umsetzung, Literaturvorlage, Seminar, Probleme, Literaturadaption
Jahr: 2004
Seiten: 29
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 7 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-86139-7
ISBN (Buch): 978-3-638-86500-5
Dateigröße: 207 KB
Hauptseminarsarbeit inkl. Sequenzprotokoll
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Zusammenfassung / Abstract
Wie kann meine eine Literaturvorlage filmisch umsetzen, die inhaltlich mehrere Deutungsebenen anbietet, den eigentlichen Inhalt gar offen lässt? Der Ambiguität von Henry James' "The Turn of the Screw" ist in der Filmadaption "Schloss des Schreckens" (Clayton, GB 1961) Rechnung getragen worden - mit filmtechnischen Mittel (Licht und Farbgebung, Musik, Objektive / Subjektive Kamera) wie auch auf der dramaturgischer Ebene. Hierzu werden in der Arbeit die Geistererscheinungen, die zahlreichen Traum- und Phantasiemetaphern, sowie der Aspekt der Sexualität (Neurose) untersucht.
Textauszug (computergeneriert)
Universität Hamburg, Institut für Sprach-, Literatur- und Medienwissenschaft
Seminar II: Probleme der filmischen Literaturadaption
Wintersemester 03/04
„Das Schloss des Schreckens“ - Die filmische Umsetzung einer ambigen Literaturvorlage
von
Katharina Eißel
INHALTSVERZEICHNIS
I. EINLEITUNG... 3
1. Zur Literaturvorlage... 3
2. Ausblick auf die Filmanalyse... 6
II. HAUPTTEIL... 8
1. Zum Titel... 8
2. Zur Rezeption... 9
3. Filmtechnische Erzeugung von Ambiguität... 10
3.1. Licht und Farbgebung... 10
3.2. Musik... 11
3.3. Objektive / Subjektive Kamera... 12
4. Ambiguität auf der Ebene der Dramaturgie... 13
4.1. Zu den Geistererscheinungen... 13
4.2. Zur Traum- und Phantasiemetapher... 9
4.3. Zum Aspekt der Sexualität... 21
III. RESÜMEE... 24
LITERATURVERZEICHNIS... 26
SEQUENZPROTOKOLL „Schloss des Schreckens“ (Clayton, GB 1961)... 27
I. EINLEITUNG
1. Zur Literaturvorlage
Die vorliegende Hausarbeit konzentriert sich im Wesentlichen auf die eine Seite des im Seminar „Probleme filmischer Literaturadaption“ behandelten Themas der medialen Transformationsprozesse, nämlich auf die des Films (in diesem Fall „Schloss des Schreckens“) und setzt das Wissen über die Essenzen der anderen Seite, der Literaturvorlage (hier „The Turn of the Screw“) gewissermaßen voraus. Die Erzählung von Henry James soll hier also weder detailliert nacherzählt noch anhand erzähltheoretischer Verfahren interpretiert werden. Einige Eckdaten der Literaturvorlage sollen jedoch der Vollständigkeit halber angeführt werden, und können damit vielleicht auch der Vergegenwärtigung dienen.
„The Turn of the Screw“ – „Die wohl meist ausgelegte Erzählung der neueren Literatur“, deren Raffinesse laut „Lexikon der Weltliteratur“1 zum Äußersten und bis zur Unübersetzbarkeit treibe, entstand 1897 und wurde ein Jahr später zum ersten Mal gedruckt. Sie sei „der Bericht einer Erzieherin über Ereignisse auf dem Landgut Bly (Südengland, Mitte des 19. Jh.) zwischen ihr, zwei engelrein erscheinenden Kindern Miles und Flora (…), der Haushälterin Mrs. Grose und den Geistern zweier verstorbener Angestellter, des Kammerdieners Quint und der Erzieherin Miß Jessel“, der sich durchgängig auf doppelte Weise lesen lasse. Nämlich zum einen im Vertrauen auf die Integrität der Berichterstatterin, deren Charakter in einer Rahmenhandlung (ein Herr erzählt einer Runde von Zuhörern ihre ihm in Papierform hinterlassene Geschichte als Gruselgeschichte am Kamin) eigens als vertrauenswürdig aufgebaut wird, oder – zum anderen – mit absolutem Misstrauen in ihre Wahrnehmungsfähigkeit. Die Erzieherin glaubt, dass Geister und Kinder Kontakt haben oder suchen. Dies entspringt nach skeptischer Lesart nur der Imagination der Gouvernante, deren Charakter zum Problem werde: „Verliebt in ihren Arbeitgeber (...), drängt sich die unerfahrene Pastorentochter in die heroische Rolle der Beschützerin der anvertrauten Kinder (...).“, schreibt das „Lexikon der Weltliteratur“2, und weiter: So notwendig für die erste Lektüre und so legitim die naive Lesart sei, so sehr zwängen allgemeine Kriterien der Short Story-Kunst – Behandlung des Klimax, Bildsprache (bes. Drehungen und Wirbel), die wie im Detektivroman aufzuspürenden Widersprüche und logischen Sprünge im einzigen Zeugenbericht – zu kritischer Deutung.
Laut der Literaturwissenschaftlerin Hildegard Domaniecki, die mit ihrem Aufsatz „Die Daumenschrauben der Erziehung“3 eine Interpretation der short story liefert, habe sich die Erzählung denn auch als „Testfall der verschiedenen Interpretationsrichtungen des 20. Jahrhunderts“ erwiesen. Die naivste Art der Interpretation orientiere sich dabei an James’ eigenem Urteil über die Intention der Geschichte, dass er in einem Vorwort zur New York Edition seines Werkes fällte:
„The exhibtion involved is ...a fairy-tale pure and simple – save indeed as to its springing not from an artless and measureless, but from a conscious and cultivated credulity.”4
Domaniecki zieht jedoch in Erwägung, dass James mit solcherlei Anmerkungen vielleicht „den allzu moralischen Leser der spätviktorianischen Zeit über offensichtlich skandalöse Implikationen hinwegtäuschen wollte.”5 Zu dieser Auffassung jedenfalls, dass der Autor eben nicht mehr als genau das aussage, als was er auf den ersten, oberflächlichen Blick hin darstellt, fände eine Vielzahl von Interpreten immer wieder zurück. Diese Lesart akzeptiere die Wahrnehmung der Gouvernante als zuverlässig und die Geister als real.6 Einen Schritt weiter gehe die ebenfalls noch naive Interpretationsweise, deren Anhänger in der Geschichte eine Allegorie des Kampfes zwischen Gut und Böse sähen, in welcher die Erzieherin als der „rettender Engel“ fungiert und Quint als „Teufel“, der die menschliche Seele besitzen will. Dies unterstreiche sowohl ein vom Erzähler durchgängig verwendetes religiöses Vokabular, als auch das inquisitionsartige Ende (siehe „The Turn of the Screw“ als „die Daumenschrauben der Inquisition“), das symbolhaft für die – letztendlich positiv zu bewertende – Erlösung der Kinderseelen durch das Eingeständnis ihrer Schuld stehe. Allerdings ließen – so Domaniecki – diese zwei Spielarten des naiven Textverständnisses gewisse, wesentliche Gesichtspunkte unbeachtet, als da wären: der erzählerische Halbrahmen, in dem Douglas ein Bild von der Erzieherin vermittle; die Tatsache, dass das Geschehen nicht von einem allwissenden Erzähler auktorial geschildert, sondern allein aus der subjektiven Perspektive erlebt werde; ebenso gewisse charakterliche Eigenschaften des Kindermädchens, die auf „Ichzentriertheit, emotionale Erregbarkeit und Unreife“7 hindeuteten. Darüber hinaus verfüge der Text über viele weitere erzähltechnische Momente wie „Vokabular, Metaphorik, Satzstrukturen, Aufbau der Erzählung“8, die der Entlarvung der Erzieherin als unzuverlässige Beobachterin dienen könnten. Einige dieser Argumente würden zum „Angelpunkt der problembewussteren, psychologischen Interpretationsweisen“9, welche wiederum in zwei grundsätzliche Lesarten aufteilbar seien.
Da wäre zum einen die „naturalistisch-psychologische Interpretation, die in der Geschichte der Erzieherin allein die Darstellung eines Krankheitsfalles sieht“10. So hätten viele der Interpreten die Ereignisse von Bly auf freudianischer Grundlage erklärt, die von den Halluzinationen einer sexuellen Neurose ausgehe. Die „Krankheit“ der Erzieherin ließe sich demnach auf das puritanisch-religiöse Elternhaus, auf den exzentrischen Charakter ihres Vaters, sowie auf ihre sehr verantwortungsvolle (und somit Druck ausübende) Position auf Bly zurückführen. Einige Anhänger dieser Lesart seien allerdings noch weiter gegangen, indem sie dem Kindermädchen einen „krankhaft-perversen Charakter“11 unterstellt hätten, und in ihrer Interpretation und Wortwahl bei der Charakterzerlegung sehr „unbarmherzig“12 verfahren seien, was laut Domaniecki, jedoch „gegen das grundlegende Gesetz des James’schen Menschenbildes“ verstoße.
[...]
1 V. Wilpert, Gero (Hg.) (1993): Lexikon der Weltliteratur. Band II. (...). 3., neubearbeitete Auflage, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart.
2 Ebd.
3 Domaniecki, Hildegard (1966): Die Daumenschrauben der Erziehung. Eine Interpretation der short story „The Turn of the Screw“. In: Arnold, Heinz Ludwig (Hg.): Text + Kritik. Zeitschrift für Literatur. Nr. 15 / 16: Henry James. S. 44 ff. Verlag Dr. Rudolf Georgi, Aachen.
4 Ebd. S. 44.
5 Ebd. S. 47.
6 Ebd. S. 45.
7 Ebd.
8 Ebd.
9 Ebd.
10 Ebd.
11 Ebd. S. 46.
12 Ebd.
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