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Diploma Thesis, 2002, 95 Pages
Author: Prof. Wilfried Köpke
Subject: Communications: Journalism, Journalism Professions
Details
Tags: Walter Dirks, Journalistik, Medienethik, Journalistisches Ethos
Year: 2002
Pages: 95
Grade: 1,85
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-15042-2
ISBN (Book): 978-3-638-71705-2
File size: 648 KB
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Abstract
Walter Dirks (1901-1991) war einer der letzten großen Meinungsjournalisten der Nachkriegszeit in der Bundesrepublik Deutschland. Die Arbeit erhebt in kritisch-hermeneutischer Methode sein Selbstverständnis als Journalist. Quellen sind neben seinen Publikationen u.a. unveröffentlichte Briefwechsel und Notizen aus seinem Nachlass.
Excerpt (computer-generated)
»Geschäftsführung ohne Auftrag«
Das Journalismusverständnis von Walter Dirks
Diplomarbeit
zur Erlangung des Grades eines
Diplom-Journalisten (Dipl.-Journ.)
an der Hochschule für Musik und Theater Hannover
- Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung -
Vorgelegt von
Wilfried Köpke
Sommersemester 1992
Inhalt
0. Einleitung ... 4
0.1 Thema und Ziel der Arbeit ... 4
0.2 Methoden und Quellen ... 7
0.3 Der Stand der Dirks-Forschung ... 9
1. Walter Dirks - biographische Annäherungen ... 13
1.1 Vom »singenden Stotterer« zum »linkskatholischen Partisan« ... 13
1.2 Geistesgeschichtliche Wurzeln Dirks′ ... 24
1.2.1 Romano Guardini, Ernst Michel, Theodor Steinbüchel und die
»Aufhebung« des katholischen Milieus ... 25
1.2.2 »Die unvollendete Aufklärung« und die »Republik als Aufgabe« ... 29
2. Das Journalismusverständnis ... 35
2.1 Journalistische Arbeit und Massenmedien ... 35
2.2 Das Selbstverständnis journalistischer Arbeit ... 50
2.2.1 Intellektuelle ohne Legitimation ... 51
2.2.2 Die Funktionen journalistischer Arbeit: Kritik und Integration ... 54
2.2.2.1 Die »Kritik als Beruf« ... 55
2.2.2.2 Die Integration als Beruf ... 57
2.2.2.3 Die Verantwortlichkeit für die journalistische Arbeit ... 60
2.2.3 Die Orientierungspunkte journalistischer Arbeit ... 61
2.2.4 »Sagen, was ist« - Meinungsjournalismus in der Perspektive der
Aufklärung ... 63
3. Ausblick: zur Aktualität von Dirks′ Journalismusverständnis ... 66
3.1 Bedingte Legitimation und Professionalisierung ... 67
3.2 Dirks′ normatives Verständnis journalistischer Arbeit und eine
Medien-Ethik ... 71
3.3 »Philosophischer Journalismus« für die Meinungselite ... 73
3.4 Anstelle eines Epilogs ... 76
4. Abkürzungen ... 78
5. Literatur und Quellen ... 79
5.1 Primärliteratur und -quellen ... 79
5.2 Sekundärliteratur ... 90
5.3 Mündliche Quellen ... 98
0. Einführung
»Geschäftsführung ohne Auftrag ist das Eingreifen in einen fremden Rechtsbereich im Interesse des eventuell verhinderten Berechtigten.« Was soll der juristische Begriff aus dem Lexikon (...)? [Er] kennzeichnet (...) die Funktion des Journalisten. Von keiner etablierten Macht ausgebildet, eingesetzt und legitimiert, mischt er sich von sich aus ins Geschäft der Meinungsbildung, in der Hoffnung, die Interessen des »eventuell verhinderten Berechtigten« einigermaßen zu wahren: der Gesellschaft, der Geschichte.1
0.1 Thema und Ziel der Arbeit
(1) Diese Arbeit versucht, die Grundlinien des Verständnisses von Journalismus, des Berufsverständnisses von Journalistinnen und Journalisten und des implizierten journalistischen Ethos bei Walter Dirks zu systematisieren und kritisch darzustellen.
Diese Untersuchung hat Grenzen.
1. Walter Dirks ist ein kontextueller Denker. Sein lebensweltlicher Kontext mit den spezifischen katholischen, sozialistischen und familiären Elementen ist bei der Überprüfung eines theoretischen Journalismusverständnisses zu berücksichtigen. Eine wissenschaftliche Biographie über Walter Dirks steht aber noch aus.
2. Die Jahre 1917/19 und 1989/90 können als markante Wendepunkte in der europäischen und deutschen Geschichte verstanden werden. Die Russische Revolution, der Beginn der ersten deutschen Republik markieren einen Umbruch von den übernommenen Ordnungen der letzten Jahrhunderte zu staatlichen Versuchen von Demokratie und Sozialismus, die fast siebzig Jahre deutsche, europäische und weltweite Geschichte geprägt haben. Der Zusammenbruch der Sowjetunion und die Vereinigung der beiden deutschen Nachkriegsstaaten haben zu einem Umbruch nicht nur der politischen Strukturen geführt. Die Folgen sind noch nicht abzusehen.
Unter allem Vorbehalt gegenüber dem Urteil der historischen Experten und ohne Einmischung in die Definitionen und Bestimmungen des Begriffs »Epoche«, scheint der Fall der Mauer nicht nur von bonner Populisten als Symbol einer beendeten Epoche verstanden werden zu können.
Walter Dirks hat beinahe2 diese ganze Epoche journalistisch begleitet und ist von der Auseinandersetzung mit ihr geprägt worden.3 Diese Epoche ist zu zwei Dritteln für mich nicht miterlebte Geschichte. Das gibt Grenzen des Vorverständnisses und der Interpretationsmöglichkeiten an.
3. Walter Dirks ist gebildet gewesen, gar humanistisch gebildet. Er hat Zeit seines Lebens von Berufs wegen und ausInteresseviel gelesen. Inseiner Publizistik findet sich davon Vieles wieder. Da sich Walter Dirks aber nicht als Wissenschaftler verstanden hat, hat er manche erlesene Erkenntnis einfließen lassen, ohne die Quelle zu kennzeichnen. Er hat sich immer als Teilnehmer eines umfassenden Gespräches mit anderen Publizisten, Intellektuellen, Musikern, Philosophen, Wissenschaftlern und Politikern gesehen. Wo er in seinen Publikationen Bezüge nicht selbst herstellt, sind sie oft nur zu vermuten. Theologische Grundlinien, die für diese Arbeit von Interesse sind, sind aufgrund meines eigenen Theologiestudiums sicher am ehesten erkannt worden. Da von Dirks auch keine Tagebücher zur Verfügung stehen, die über seine Produktionsprozesse und seine Lese- und Gesprächsfrüchte Auskünfte geben, bleibt meist die rein textimmanente Interpretation.
4. Dirks ist in erster Linie Journalist, Publizist und Schriftsteller. Dort, wo er von seinem Selbstverständnis des journalistischen Berufs4 spricht, geschieht das in Entsprechung zu seinen Äußerungen über den Journalismus und den Journalisten, die Journalistin. Es wäre spannend seine eigenen Erwartungen an die journalistische Profession anhand seiner eigenen Veröffentlichungen zu überprüfen. Das leistet diese Arbeit nicht. Sie arbeitet nur die Theorie bei Dirks, seine formalen Aussagen über die journalistische Arbeit heraus und überprüft sie nicht an Dirks′ Praxis.
5. Die Themen der Publizistik Dirks′ hängen eng zusammen. Da es auf den folgenden Seiten ausschließlich um seine Überlegungen zum journalistischen Beruf geht, werden andere Bereiche seiner Publizistik nur insoweit referiert, als sie zum Verständnis der behandelten Frage von Belang sind.5
6. Dirks′ Texte sind aus der Tagesaktualität entstanden und für den Tag geschrieben. Hier werden sie systematisch untersucht, d.h. der historische Kontext wird, nur insofern er für das Verständnis von Zitaten wichtig ist, erläutert.
(2) Die Arbeit will (positiv) eine Darstellung der Position Dirks′ anhand seiner Publikationen zum untersuchten Thema bieten. Sie versucht, den lebensweltlichen und biographischen Kontext Walter Dirks′ zu skizzieren (1.1) und sein Denken geistesgeschichtlich zu verorten (1.2). Da Journalismus nicht im luftleeren Raum stattfindet, sondern in konkreten Medienlandschaften und Mediensystemen, unter bestimmten Produktionsbedingungen, werden die Äußerungen Walter Dirks′ zu Medienstrukturen und -funktionen und in ihrer Bedeutung für den journalistischen Beruf referiert (2.1). Sein Journalismusverständnis wird auf diesen Grundlagen herausgearbeitet (2.2) undauf seine Relevanz in der Diskussion um das Berufsverständnis von Journalistinnen und Journalisten hin abschließend überprüft und bewertet (3.). Der Anspruch, die umfassende Literatur zum journalistischen Beruf der letzten Jahrzehnte zu berücksichtigen, wird nicht erhoben. Ausgangspunkt sind die von Dirks vorgegebenen Positionen. Ihre Fruchtbarkeit für ein zeitgemäßes, heute noch gültiges Verständnis eines kritischen und engagierten Journalismus, soll aufgezeigt werden.
[...]
1 Dirks, Walter: Vorwort, in: Geschäftsführung ohne Auftrag, 9.
2 Walter Dirks′ erste Veröffentlichungen erscheinen 1921.
3 Vgl. Ulrich Bröckling: Einleitung, in: Dirks, Walter: Für eine andere Republik. Politische Essays und Kommentare, autobiographische Aufsätze 1969-1987. Herausgegeben von Fritz Boll, Ulrich Bröckling und Karl Prümm. Mit einem Vorwort von Walter Dirks (5-11) und einer Einleitung von Ulrich Bröckling (13-37), Gesammelte Schriften Bd. 8, CH-Zürich 1991 [= Für eine andere Republik], 13f.
4 »Beruf« wird in diesem Kontext umfassender verstanden als nur die Beschreibung journalistischer Erwerbsarbeit. In Anlehnung an Max Webers soll damit ein umfassendes (Selbst)Verständnis begriffen werden. Vgl. Weber, Max: Politik als Beruf, Berlin 71982 und Weber, Max: Wissenschaft als Beruf, in: Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftslehre, Tübingen 41973, 594ff.
5 Die Bibliographie Walter Dirks′ verzeichnet in 71 Jahren (1920-1991) 4108 Publikationen. Dabei hat Bröckling die kleineren Beiträge aus der RMV, FNP und FZ nicht mit aufgenommen. Vgl. zur Auswahl: Dirks, Walter: Bibliographie. Eingeleitet und bearbeitet von Ulrich Bröckling, herausgegeben vom Archiv der sozialen Demokratie in der Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn 1991, 7-11.
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