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Die Bedeutung der Autorerfahrung und der Referentialität in Paul Celans "Engführung" in Abgrenzung zum strukturalen Analyseansatz

Scholary Paper (Seminar), 2001, 19 Pages
Author: Sirinya Pakditawan
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Event: Einführung in das Studium der neueren deutschen Literatur
Institution/College: University of Hamburg (Institut für Germanistik II)
Tags: Bedeutung, Autorerfahrung, Referentialität, Paul, Celans, Engführung, Abgrenzung, Analyseansatz, Einführung, Studium, Literatur
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2001
Pages: 19
Grade: 1, 0
Bibliography: ~ 7  Entries
Language: German
Archive No.: V79805
ISBN (E-book): 978-3-638-78500-6
ISBN (Book): 978-3-638-79603-3
File size: 205 KB

Abstract

In der Analyse wird die Bedeutung der Autorerfahrung und der Referentialität in Celans Gedicht „ Engführung " in Abgrenzung zum strukturalen Analyseansatz behandelt. Hierbei erscheint Peter Szondis strukturale Analyse des Gedichts „ Engführung“ sehr geeignet, um die Problematik und die Grenzen einer solchen strukturalen Analyse aufzuzeigen, zumal Szondi sein eigenes Verfahren durchbricht. Auf diese Weise greift er auf referentielle Annahmen zurück, um einen Sinn des Gedichts erfassen zu können. Darüber hinaus verweist Szondis Durchbrechung der strukturalen Analyse auf die Wichtigkeit der Autorerfahrung für das Verständnis von Celans Lyrik. Deshalb lässt sich daran auch illustrieren, dass Autorerfahrung und Referentialität in der Tat grundlegende Aspekte für die Erschließung einer Bedeutung des Gedichts „Engführung" sind. In einem weiteren Schritt soll dann die Erfahrung Celans für die Erfassung von „ Engführung " noch stärker herausgearbeitet werden. Dies soll vor allem mit Hilfe von markanten Gegenpolen zu Szondis strukturaler Analyse erreicht werden. Hierfür erscheinen insbesondere die referentiellen Interpretationsansätze von Maria Behre, Theo Buck und Marlies Janz geeignet.


Excerpt (computer-generated)

Die Bedeutung der Autorerfahrung und der Referentialität in Paul Celans
 „Engführung " in Abgrenzung zum strukturalen Analvseansatz

von

Sirinya Pakditawan

Abgabedatum: 27.8.2001

 

 

 

Inhalt

Abkürzungsverzeichnis 2

Einleitung 4

1. Die Bedeutung der Autorerfahrung und der Referentialität in Paul Celans Engführung " in Abgrenzung zum strukturalen Analyseansatz 6
1.1. Die Grenzen der strukturalen Analyse : Peter Szondis Analyse des Gedichts „ Engführung " von Celan 6
1.2. Autorerfahrung und Referentialität: Grundlegende Aspekte für die Erschließung einer Bedeutung des Gedichts „ Engführung " von Celan 11

Zusammenfassung 16

Anmerkungen 17

Literaturverzeichnis 19

 

 

0. Einleitung

Paul Celans Lyrik ist von Kritikern generell als schwer zugänglich, hermetisch oder sogar als kryptisch beschrieben worden 1. Kritiker sind sich jedoch einig, dass Celans Gedichte nahezu immer ahnen lassen, dass ihnen eine gewichtige Erfahrung und eine Verstörung des Autors zugrunde liegt. Aus diesem Grund ist häufig betont worden, dass die Betrachtung der Autorerfahrung entscheidend für das Verständnis von Celans Lyrik ist, da Celans individuelle Lebensgeschichte und somit auch seine Gedichte von traumatischen Erfahrungen des Holocaust durchtränkt sind 2. Dementsprechend fordern die Referentialisten, die biografisches und historisches Material zu Hilfe nehmen, um Celans Lyrik zu verstehen, dass Celans Gedichte nicht ohne den Horizont der Judenverfolgung gelesen werden können und dürfen. Die Referentialisten sind der Ansicht, dass die ausschließliche Betrachtung formaler oder linguistischer Phänomene ein unangemessener Akt der Abstraktion ist, der Celans Lyrik nicht gerecht wird 3. Hierbei sind es die Autonomisten, die im Gegensatz zu den Referentialisten, Celans Lyrik nicht - referentiell (d.h. ohne Berücksichtigung thematischer Bezüge zum Holocaust) lesen. In diesem Zusammenhang ist wichtig zu bemerken, dass Celan selbst widersprüchliche Ansichten zur Funktion der Sprache in seiner Lyrik hatte, so dass sowohl die referentielle als auch die autonomistische Interpretationsweise gerechtfertigt erscheint 4. Nichtsdestoweniger erscheint die Autorerfahrung sehr wichtig für das Verständnis von Celans Lyrik, da Hintergrundwissen erst ermöglicht, eine Bedeutung der Gedichte zu erfassen. Deshalb sei an dieser Stelle bereits angemerkt, dass ein strukturaler, autonomistischer Analyseansatz generell relativ eng gefasst ist, da alle biografischen und historischen Bezüge ausgeschlossen werden.

Auf die Problematik der autonomistischen und der referentiellen Interpretationsweise von Celans Gedichten ist somit hingewiesen worden. Im Folgenden soll die Bedeutung der Autorerfahrung und der Referentialität in Celans Gedicht " Engführung " in Abgrenzung zum strukturalen Analyseansatz behandelt werden. Hierbei erscheint Peter Szondis strukturale Analyse des Gedichts " Engführung" sehr geeignet, um die Problematik und die Grenzen einer solchen strukturalen Analyse aufzuzeigen, zumal Szondi sein eigenes Verfahren durchbricht. Auf diese Weise greift er auf referentielle Annahmen zurück, um einen Sinn des Gedichts erfassen zu können. Darüber hinaus verweist Szondis Durchbrechung der strukturalen Analyse auf die Wichtigkeit der Autorerfahrung für das Verständnis von Celans Lyrik. Deshalb lässt sich daran auch illustrieren, dass Autorerfahrung und Referentialität in der Tat grundlegende Aspekte für die Erschließung einer Bedeutung des Gedichts "Engführung" sind. In einem weiteren Schritt soll dann die Erfahrung Celans für die Erfassung von " Engführung " noch stärker herausgearbeitet werden. Dies soll vor allem mit Hilfe von markanten Gegenpolen zu Szondis strukturaler Analyse erreicht werden. Hierfür erscheinen insbesondere die referentiellen Interpretationsansätze von Maria Behre, Theo Buck und Marlies Janz geeignet.

1. Die Bedeutung der Autorerfahrung und der Referentialität in Paul Celans "Engführung " in Abgrenzung zum strukturalen Analyseansatz

1.1. Die Grenzen der strukturalen Analyse : Peter Szondis Analyse des Gedichts " Enqführung " von Celan

In der folgenden Ausführung soll es um die begrenzte Reichweite von Szondis strukturaler Analyse des Gedichts " Engführung " gehen 5. Dabei soll illustriert werden, was eine strukturale Analyse zu leisten vermag, und inwiefern insbesondere Szondis Analyse zu kritisieren ist.

Es ist wichtig nochmals zu betonen, dass eine rein strukturale Analyse ziemlich eng gefasst ist, da es ihr nur darum geht, formale Aspekte und linguistische Phänomene in einem Text zu betrachten. Aus diesen Grund kann eine rein nicht - referentielle Analyse kaum zur Bedeutungserschließung eines Textes dienen. Deshalb ist es wichtig zu bemerken, dass Szondi in seiner strukturalen Analyse zwei Stränge verfolgt. Dabei betrachtet er das Gedicht auf einer rein strukturalen Ebene, indem er das Prinzip der musikalischen Engführung funktional als Titel annimmt und damit das Kompositionsprinzip des Gedichts erklärt. Da dies aber noch nicht ausreicht, um eine Bedeutung des Gedichts erfassen zu können, bricht Szondi seine strukturale Analyse und betrachtet das Gedicht auch auf einer referentiellen Ebene, indem er " Engführung " als Name auffasst. In diesem Sinne wird der Leser durch Celans Erinnerung an die Vernichtungslager geführt. Zunächst soll die strukturale Ebene von Szondis Analyse betrachtet werden. Jedoch ist es zunächst notwendig, Szondis Grundannahmen kurz darzustellen, um sich zu vergegenwärtigen, von welchen Annahmen er ausgeht.

[....]


1. Diese Information stammt aus Wolfgang Emmerich : Paul Celan. Rowohlts Monographien. 2.Aufl. Hrsg. von Wolfgang Müller & Uwe Naumann. Reinbek 1999. S. 11.

2. vgl. Emmerich, S. 7f.

3. Informationen zur autonomistischen und zur referentiellen Interpretationsweise sowie Anmerkungen zu Celans Ansicht zur Sprache finden sich bei James K. Lyon : Der Holocaust und nicht - referentielle Sprache in der Lyrik Paul Celans. In : Celan - Jahrbuch 5 ( 1993 ), S. 248f., 256.

4. Szondi war eigentlich ein Autonomist, er hat aber auch gesagt, dass es nicht möglich ist, Celans Lyrik ohne biografische Kenntnisse zu deuten ( Lyon, S. 253f.). Diese Gespaltenheit zwischen einem autonomistischen und einem referentiellen Ansatz zeigt sich sehr deutlich an Szondis Analyse des Gedichts „ Engführung ".

5. Peter Szondi: Durch die Enge geführt. Versuch über die Verständlichkeit des modernen Gedichts. In : Celan - Studien. Hrsg. von Jean Bollack u.a.. Frankfurt am Main 1972. S. 49. (Folgende Literaturnachweise zu Szondis Analyse werden im fortlaufenden Text in Klammern untergebracht werden.)


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