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Die Bedeutung des Indianers als Wärter der Natur in Gary Snyders "This poem is for bear" aus "Myths & Texts"

Scholary Paper (Seminar), 2002, 15 Pages
Author: Sirinya Pakditawan
Subject: American Studies - Literature

Details

Event: Depicting the Indian: "Noble Savages" and "Red Devils"
Institution/College: University of Hamburg
Tags: Bedeutung, Indianers, Wärter, Natur, Gary, Snyders, This, Myths, Texts, Depicting, Indian, Noble, Savages, Devils
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2002
Pages: 15
Grade: 2,3
Bibliography: ~ 8  Entries
Language: German
Archive No.: V79932
ISBN (E-book): 978-3-638-78572-3
ISBN (Book): 978-3-638-79097-0
File size: 190 KB

Abstract

Als Gary Snyder in den 1960er Jahren im Rahmen der gegenkulturellen Protestbewegungen eine alternative Lebensweise zur westlichen Kultur suchte, wandte er sich intensiv den Kulturen der nordamerikanischen Indianer zu, von denen seine poetische Arbeit wesentliche Impulse erhielt. Da dem Native American von Anthropologen generell die Eigenschaft attestiert wird, „ the true ecological man " zu sein, wird verständlich, dass Snyder, der auch Anthropologie studiert hat, den Indianer als Ökologen ansieht. Snyder sieht also das indianische Verhältnis zur Natur als vorbildlich an und wertet den „ökologisch denkenden" Indianer zum Erhalter oder genauer zum Wärter der Natur auf. Eine Unterscheidung der Begriffe „Erhalter" (saver) und „Wärter" (keeper) erscheint in diesem Kontext angemessen, da sich Snyder in dem Essay The Rediscovery of Turtle Island ausdrücklich von einer bloßen Erhaltermentalität ("saver" mentality] distanziert hat. Es erscheint somit nahe liegend, dass er den Indianer als Ökologen nicht im Sinne eines passiven Naturerhalters versteht, der die Ursprünglichkeit der Natur frei von menschlichem Einfluss erhalten möchte, sondern als einen Wärter der Natur, der die natürliche Umwelt beschützt, aber auch in sie eingreifen kann. Dieses Eingreifen in die Natur bedeutet demnach jedoch kein Ausbeuten der Natur, sondern einen behutsamen Umgang mit den natürlichen Ressourcen. Für Snyder zeigt sich die verantwortungsvolle Haltung der Indianer gegenüber der Umwelt primär an ihrer Einstellung zu Tieren, wobei der vorsichtige Umgang mit der Natur, nach Snyders Ansicht, in den indianischen Jagdmethoden seinen Ausdruck findet. Es erscheint deshalb sinnvoll, die Darstellung der Beziehung des Indianers zu Tieren in Snyders Gedicht This poem is for bear aus Myths & Texts zu analysieren. Hierfür ist es zunächst notwendig, auf anthropologische Erkenntnisse hinsichtlich der Beziehung des Indianers zu anderen Lebewesen einzugehen sowie auf Snyders Essays, in denen er die Lebenseinstellung des Indianers zu Tieren thematisiert.


Excerpt (computer-generated)

Seminar II:
Depicting the Indian: „Noble Savages" and „Red Devils"

Die Bedeutung des Indianers als Wärter der Natur
in Gary Snyders This poem is for bear aus Myths & Texts

von

Sirinya Pakditawan

(5. Semester)
WS 2001 / 02 Abgabedatum: 28.5.2002

 

 

Inhalt

Abkürzungsverzeichnis 3

Einleitung 4

l. Die Bedeutung des Indianers als Wärter der Natur in Gary Snyders This poem is for bear aus Myths & Texts 5
1.1. Die Beziehung des Indianers zum Tier und Snyders Einstellung zum verantwortungsvollen Umgang des Indianers mit Tieren 5
1.2. Der Indianer als Wärter der Natur und seine Beziehung zum

Tier in Snyders This poem is for bear 8

Zusammenfassung 13

Anmerkungen 14

Literaturverzeichnis 15

 

 

0. Einleitung

Als Gary Snyder in den 1960er Jahren im Rahmen der gegenkulturellen Protestbewegungen eine alternative Lebensweise zur westlichen Kultur suchte, wandte er sich intensiv den Kulturen der nordamerikanischen Indianer zu, von denen seine poetische Arbeit wesentliche Impulse erhielt 1. Da dem Native American von Anthropologen generell die Eigenschaft attestiert wird, " the true ecological man " 2 zu sein, wird verständlich, dass Snyder, der auch Anthropologie studiert hat, den Indianer als Ökologen ansieht.

Snyders Kenntnis von den Native Americans hat ihm selbst grundlegende Orientierungshilfe bei der Suche nach einer rechten Einstellung zur natürlichen Umwelt gegeben. Darüber hinaus ging es Snyder um eine geistige Rückbesinnung auf einen archaischen Geisteszustand (original mind)3, den sich seiner Ansicht nach die primitiven Menschen erhalten haben, und der ein klares Gegengewicht zu den für ihn bedeutungslosen Werten der westlichen Zivilisation darstellt. Nach Snyder besitzen die nordamerikanischen Indianer eine primitive Sensibilität, die es ihnen ermöglicht, mit der Natur eins zu sein.

Snyder sieht also das indianische Verhältnis zur Natur als vorbildlich an und wertet den "ökologisch denkenden" Indianer zum Erhalter oder genauer zum Wärter der Natur auf. Eine Unterscheidung der Begriffe "Erhalter" (saver) und "Wärter" (keeper) erscheint in diesem Kontext angemessen, da sich Snyder in dem Essay The Rediscovery of Turtle Island 4 ausdrücklich von einer bloßen Erhaltermentalität ("saver" mentality] distanziert hat. Es erscheint somit nahe liegend, dass er den Indianer als Ökologen nicht im Sinne eines passiven Naturerhalters versteht, der die Ursprünglichkeit der Natur frei von menschlichem Einfluss erhalten möchte, sondern als einen Wärter der Natur, der die natürliche Umwelt beschützt, aber auch in sie eingreifen kann. Dieses Eingreifen in die Natur bedeutet demnach jedoch kein Ausbeuten der Natur, sondern einen behutsamen Umgang mit den natürlichen Ressourcen5.

Für Snyder zeigt sich die verantwortungsvolle Haltung der Indianer gegenüber der Umwelt primär an ihrer Einstellung zu Tieren, wobei der vorsichtige Umgang mit der Natur, nach Snyders Ansicht, in den indianischen Jagdmethoden seinen Ausdruck findet. Es erscheint deshalb sinnvoll, die Darstellung der Beziehung des Indianers zu Tieren in Snyders Gedicht This poem is for bear aus Myths & Texts zu analysieren. Hierfür ist es zunächst notwendig, auf anthropologische Erkenntnisse hinsichtlich der Beziehung des Indianers zu anderen Lebewesen einzugehen sowie auf Snyders Essays, in denen er die Lebenseinstellung des Indianers zu Tieren thematisiert.

1. Die Bedeutung des Indianers als Wärter der Natur in Gary Snyders This poem is for bear aus Myths & Texts

1.1. Die Beziehung des Indianers zum Tier und Snyders Einstellung zum verantwortungsvollen Umgang des Indianers mit Tieren

Das Verhältnis des Indianers und des primitiven Menschen zu Tieren ist generell durch ein starkes Interesse dieses Menschen an den Tieren geprägt, da er die Natur als eine Art "lebende Speisekammer" ansieht und die Notwendigkeit erkennt, sich den Tieren hinwenden zu müssen, um Nahrung durch sie zu gewinnen. Auf diese Weise nimmt der primitive Mensch geradezu eine soziale Gefühlshaltung den Tieren gegenüber ein 6, die wiederum eine respektvolle Haltung ihnen gegenüber impliziert. Somit ist die Einstellung des Indianers zu Tieren und zur Natur primär von den Grundbedürfnissen des menschlichen Lebens bestimmt. Aus diesem Grund erscheint es verständlich, dass die Indianer generell von einer starken Ähnlichkeit zwischen Mensch und Tier ausgehen und das Tier als dem Menschen gleichwertig betrachten. Dies hängt auch damit zusammen, dass speziell im traditionellen Bewusstsein der nordamerikanischen Indianer alle Lebewesen der natürlichen Umwelt als gleichermaßen beseelte Mitglieder einer "Weltfamilie" angesehen werden. Darüber hinaus ist wichtig zu bemerken, dass die Indianer nicht zwischen dem Tier und der entsprechenden mythischen Figur unterscheiden, da beide einem als tatsächlich empfundenen Gleichgewicht natürlicher Vorgänge und Kräfte zugeordnet werden. Aus diesem Grund scheint es auch, dass das indianische Weltverständnis um die Zerbrechlichkeit des Zusammenspiels der natürlichen Vorgänge weiß 7. Auf diese Weise wird auch an der indianischen Mythologie deutlich, dass Tiere aus der Sicht der Indianer eine große Menschenähnlichkeit besitzen, da sie durch anthropomorphe Eigenschaften charakterisiert werden und ein Leben parallel zu dem der Menschen führen. Es kommt in der Mythologie der Native Americans nämlich häufig vor, dass Tiere sprechen, eine eigene Sprache besitzen, aber auch den Menschen verstehen können. Diese Ansicht setzt voraus, dass Tiere in der indianischen Mythologie als übernatürliche Wesen angesehen werden.

[....]


1. Die Informationen zu Gary Snyder stammen von Christiane Grewe - Volpp, Das Naturbild im Werk von Gary Snyder (Heidelberg. 1983), 7f., 121f. Angemerkt sei, dass Snyder innerhalb der amerikanischen counterculture einer der Männer der ersten Stunde war und bereits 1955 am legendären „Six Gallery Reading" in San Francisco teilgenommen hatte. Darüber hinaus beteiligte Snyder sich am ersten „Human Be - In" 1967 in San Francisco und am Projekt des „People′s Park" 1968 in Berkeley (vgl. Sabine Bock, Mythenrezeption in der Lyrik von Gary Snyder (Frankfurt am Main. 1993). 30f.),

2. Robert F. Heizer & Albert B. Elsasser, The Natural World of the California Indians (Berkeley / Los Angeles / Lon don. 1980), 220.

3. Zur besonderen Bedeutung des ursprünglichen Geistezustands (original mind) in Snyders Werken siehe die Ausführung von Michael Castro, "6: Gary Snyder: The Lessons of Turtle Island" In Interpreting the Indian. Twentieth Century Poets and the Native American (Albuquerque, 1983), 146 - 152.

4. Gary Snyder, "The Rediscovery of Turtle Island."′ In David Landis Barnhill, Hrsg. At Home on the Earth. Becoming Native to OurPlace. A Muticulturall Anthology (Berkeley / Los Angeles / London, 1999). 297 - 307.

5. Snyder idealisiert generell das Verhältnis des Indianers zur Natur. Hierzu ist zu bemerken, dass die Aufwertung primitiver Kulturen zur Vorbildlichkeit sowie die von Snyder betrachteten anthropologischen Erkenntnisse durchaus nicht unbestritten sind (vgl. Eberhard Kreutzer, "Zur Aktualität zeitgenössischer Naturdichtung: Gary Snyder und der ökologische Imperativ." In Günter Ahrends & Hans Ulrich Seeber, Hrsg. Englische und amerikanische Naturdichtung im 20. Jahrhundert (Tübingen, 1985), 351. Beispielsweise drückt auch Grewe - Volpp aus, dass die Indianer möglicherweise unökologisch gehandelt haben, da sie zum Teil von der Treibjagd Gebrauch machten (vor allem in der Frühzeit), bei der ganze Horden Felsabhänge hinabgestürzt wurden und oft nicht einmal ein Zehntel verwertet wurde (Grewe - Volpp. S. 72).

6. Grewe - Volpp weist darauf hin, dass die primitiven Menschen eine Gefühlshaltung sozialer Natur gegenüber jeder Spezies einnehmen, indem sie die Erkenntnisse aus Bronislaw Malinowski. Magie. Wissenschaft und Religion (Frankfurt, 1973), 30 zitiert (Grewe - Volpp. S. 136).

7. Hans - Peter Rodenberg, Der imaginierte Indianer. Zur Dynamik von Kulturkonflikt und Vergesellschaftung des Fremden (Frankfurt am Main. 1994). 201 f. Die folgenden Informationen zur Bedeutung von Tieren in der indianischen Mythologie stammen von Heizer / Elsasser. S. 215 - 220.


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