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C.G. Jung und das System der analytischen Psychologie

Seminararbeit, 2006, 27 Seiten
Autor: Diana Bryg
Fach: Theaterwissenschaft

Details

Veranstaltung: Mythentheorien
Institution/Hochschule: Universität Leipzig (Institut für Theaterwissenschaft)
Tags: Jung, System, Psychologie, Mythentheorien
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2006
Seiten: 27
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 7  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V79975
ISBN (E-Book): 978-3-638-85761-1
ISBN (Buch): 978-3-638-85423-8
Dateigröße: 206 KB

Zusammenfassung / Abstract

Individuation, Archetypus und kollektives Unbewusstes sind Begriffe, die die meisten Menschen wahrscheinlich schon einmal gehört haben. Jedoch wird den wenigsten bekannt sein, dass diese Begriffe aus der Psychologie des Schweizer Psychiaters und Psychologen Carl Gustav Jung stammen. Er war der Jüngste unter den Vorkämpfern der neuen dynamischen Psychiatrie, die von Pierre Janet gegründet wurde, und gilt neben Sigmund Freud und Alfred Adler als Begründer der Tiefenpsychologie. Dabei ist dies die zusammenfassende Bezeichnung für psychologische und psychotherapeutische Ansätze, die unbewussten – im Volksmund häufig auch ‚unterbewussten’ – seelischen Vorgängen einen zentralen Stellenwert für die Erklärung menschlichen Verhaltens und Erlebens beimessen. Freud war der erste, der diese Annahme mit wissenschaftlichen Methoden untersuchte und aus seinen Entdeckungen weitreichende Schlüsse für die Funktionsweise des menschlichen Seelenlebens zog. Er nannte seine Schule Psychoanalyse. C.G. Jung, der einst ein Schüler Freuds war, wich bald von dessen Vorstellungen ab und schuf allmählich seine eigene Theorie – die analytische Psychologie. Auch sie basiert auf einem tiefenpsychologisch orientierten Modell der Zusammenhänge zwischen Bewusstsein und Unbewusstem, jedoch sollte man Jungs Theorie „[…] ebenso wenig mit dem Maß der freudianischen Psychoanalyse messen, wie man die Psychoanalyse nach dem Maßstab der analytischen Psychologie beurteilen sollte.“ Das Konzept der Analytischen Psychotherapie Jungs hat nicht nur die Bedeutung einer psychologischen Theorie, sondern dient außerdem einerseits als Behandlungsmethode für seelische Störungen sowie psychische und psychosomatische Krankheiten, und andererseits als Weg zur Selbsterkenntnis und Entwicklung der Persönlichkeit. Sie beschäftigt sich auch mit archetypischen Grundlagen der Mythen und Märchen, ihren Motiven, Bildern und Symbolen, daher hat die Analytische Psychologie Jungs auch über das Gebiet der Psychologie hinaus einen großen Einfluss auf die Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts gehabt. Im Folgenden werden die zentralen Aspekte Jungs Theorie erläutert, wobei das Hauptaugenmerk auf die Besonderheiten seiner Überlegungen gerichtet ist, welche – vor allem im Vergleich zu einzelnen Ansätzen Freuds – verdeutlicht werden.


Textauszug (computergeneriert)

Universität Leipzig, Institut für Theaterwissenschaft
Wintersemester 2004-05, 10. Fachsemester
Seminar: Mythentheorien

C.G. Jung und das System der analytischen Psychologie

von

Diana Bryg

 


Inhaltsverzeichnis

Einleitung 03

1. Angaben zur Biografie 04

2. Das System der analytischen Psychologie 07

2.1 Die psychische Energie 08
2.2 Das kollektive Unbewussten und die Archetypen 10
2.3 Die Struktur der menschlichen Seele 14
2.4 Die Individuation 18

3. Die Reise ins Unbewusste als Therapiemodell 19

3.1 Die Rolle der Traumdeutung in der synthetisch-hermeneutischen Therapie 21
3.2 Das Beispiel einer Traumdeutung 22

Schlussbetrachtungen 25

Quellennachweis 27



 

Einleitung

Individuation, Archetypus und kollektives Unbewusstes sind Begriffe, die die meisten Menschen wahrscheinlich schon einmal gehört haben. Jedoch wird den wenigsten bekannt sein, dass diese Begriffe aus der Psychologie des Schweizer Psychiaters und Psychologen Carl Gustav Jung stammen. Er war der Jüngste unter den Vorkämpfern der neuen dynamischen Psychiatrie, die von Pierre Janet gegründet wurde, und gilt neben Sigmund Freud und Alfred Adler als Begründer der Tiefenpsychologie. Dabei ist dies die zusammenfassende Bezeichnung für psychologische und psychotherapeutische Ansätze, die unbewussten – im Volksmund häufig auch ‚unterbewussten’ – seelischen Vorgängen einen zentralen Stellenwert für die Erklärung menschlichen Verhaltens und Erlebens beimessen. Freud war der erste, der diese Annahme mit wissenschaftlichen Methoden untersuchte und aus seinen Entdeckungen weitreichende Schlüsse für die Funktionsweise des menschlichen Seelenlebens zog. Er nannte seine Schule Psychoanalyse.
C.G. Jung, der einst ein Schüler Freuds war, wich bald von dessen Vorstellungen ab und schuf allmählich seine eigene Theorie – die analytische Psychologie. Auch sie basiert auf einem tiefenpsychologisch orientierten Modell der Zusammenhänge zwischen Bewusstsein und Unbewusstem, jedoch sollte man Jungs Theorie „[…] ebenso wenig mit dem Maß der freudianischen Psychoanalyse messen, wie man die Psychoanalyse nach dem Maßstab der analytischen Psychologie beurteilen sollte.“1
Das Konzept der Analytischen Psychotherapie Jungs hat nicht nur die Bedeutung einer psychologischen Theorie, sondern dient außerdem einerseits als Behandlungsmethode für seelische Störungen sowie psychische und psychosomatische Krankheiten, und andererseits als Weg zur Selbsterkenntnis und Entwicklung der Persönlichkeit. Sie beschäftigt sich auch mit archetypischen Grundlagen der Mythen und Märchen, ihren Motiven, Bildern und Symbolen, daher hat die Analytische Psychologie Jungs auch über das Gebiet der Psychologie hinaus einen großen Einfluss auf die Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts gehabt. Im Folgenden werden die zentralen Aspekte Jungs Theorie erläutert, wobei das Hauptaugenmerk auf die Besonderheiten seiner Überlegungen gerichtet ist, welche – vor allem im Vergleich zu einzelnen Ansätzen Freuds – verdeutlicht werden.

1. Angaben zur Biografie

Carl Gustav Jung wurde am 26. Juli 1875 in Kesswil, einem kleinen Dorf am Bodensee im schweizerischen Kanton Thurgau, als Sohn einer Pfarrersfamilie geboren.2 Vier Jahre später zog er zusammen mit seiner Schwester und den Eltern nach Klein-Hüningen, einer damaligen Industrievorstadt zu Basel. Dort begann Jung im Alter von elf Jahren seine höhere Schulbildung am Gymnasium, welche er im Frühling 1895 mit der Matura, dem Schlussexamen, beendete.
Ellenberger erläutert, dass der junge Carl Gustav schon von Kindheit an viel gelesen habe – im Jugendalter besonders Schopenhauer und Goethe, „[…] in dessen Faust er eine Deutung des Problems des Bösen sah.“3 Zwischen dem 15. und dem 18. Lebensjahr – so Ellenberger – befand sich Jung in einer religiösen Krise und achtete infolgedessen verstärkt auf die „[…] Erlebnisse seines inneren Lebens: Träume, Tagträume, Phantasien und Intuitionen.“4 So soll ihn etwa nach dem Anblick einer Kutsche aus dem 18. Jahrhundert ein Gefühl überkommen haben, als habe er in dieser Zeit schon einmal gelebt und könne sich plötzlich daran erinnern. „Es kam ihm vor, als habe er zwei Persönlichkeiten: die eines nervösen und schwierigen Jungen, wie er seiner Umwelt erschien, und außerdem, ohne daß irgendwer davon wußte, die eines prominenten Mannes aus dem 18. Jahrhundert.“5
Gleich nach Beendigung seiner Schulzeit begann Jung ein Medizinstudium an der Universität Basel. In dieser Zeit starb sein Vater nach langer Krankheit und obwohl Jung von nun an als Familienoberhaupt etliche Pflichten übernehmen musste, beteiligte er sich auch an studentischen Aktivitäten. Sein hauptsächliches Interesse galt dabei den allwöchentlichen Diskussionsabenden, die er mit Vorträgen bereicherte, „[…] besonders wenn es um Themen aus der Philosophie, Psychologie und den Okkultismus ging.“6 Gegen Ende des Studiums, welches Jung im Winter 1899 erfolgreich abschloss, richtete er sein Hauptaugenmerk allerdings auf das Gebiet der Psychiatrie und nahm nach dem Militärdienst seine Arbeit als Assistent am psychiatrischen Krankenhaus Burghölzli in Zürich auf. Seine dortige Tätigkeit unterbrach er jedoch im Winter 1902/03 für einen längeren Paris-Aufenthalt, um bei Pierre Janet, dem Begründer der modernen dynamischen Psychiatrie, zu studieren. Nach seiner Rückkehr nach Zürich und der Heirat mit Emma Rauschenbach nahm C.G. Jung seine Arbeit am Burghölzli wieder auf und begann, mit dem Wort-Assoziationstest zu experimentieren, „[…] eine Forschungsarbeit, in der Jung sich in der Folge als sehr erfolgreich zeigte.“7 Daraufhin wurde Jung 1905 im Burghölzli zum Ersten Oberarzt ernannt und erwarb des weiteren den Titel eines Privatdozenten an der Universität, wo er Vorlesungen zu den Themen Psychiatrie und Psychotherapie hielt.
Zusammen mit Eugen Bleuler begann C.G. Jung die Psychoanalyse Freuds in die Psychiatrie einzuführen. „1906 veröffentlichte Jung den ersten Band der Studien, die er mit einigen Mitarbeitern über den Wort-Assoziationstest durchgeführt hatte. Er wechselte die ersten Briefe mit Freud und verschrieb sich von da an ganz der Sache der Psychoanalyse.“8 Bereits ein Jahr später erschien Jungs Werk Über die Psychologie der Dementia Praecox, „[…] die erste der ‚tiefenpsychologischen’ Untersuchung eines psychotischen Patienten gewidmete Monographie.“9 Daraufhin wurde ihm nationale sowie internationale Anerkennung zuteil und Jung wurde, häufig mit Freud zusammen, zu Gastvorträgen an renommierten Universitäten geladen. Etwa um 1909 verließ Jung das Burghölzli und zog in sein Haus in Küsnacht am Zürichsee. Er widmete sich seiner stetig wachsenden Privatpraxis und „[…] spielte von 1910 bis 1913 eine hervorragende Rolle in der psychoanalytischen Bewegung. Er war der erste Präsident der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung und der leitende Herausgeber des Jahrbuchs, der ersten psychoanalytischen Zeitschrift […]“.10
Obwohl Jung und Freud zunächst Bewunderung füreinander hegten und miteinander arbeiteten, traten bereits 1911 mit dem Erscheinen Jungs Wandlungen und Symbole der Libido „[…] die ersten ernsthaften Divergenzen zwischen den beiden zutage. Zwar schlug Jung nur Alternativen zu bestimmten Ideen Freuds vor, jedoch wurden diese Abweichungen für Freud bald unannehmbar.“11 Als Jung im November 1912 eingeladen wurde, in New York Vorlesungen über Psychoanalyse zu halten, trug er dort seine eigene Version der Psychoanalyse vor, welche eine Weiterentwicklung der Grundideen Freuds war. Dieser wurde immer misstrauischer gegen die Ungleichheiten ihrer Theorien, so dass sich der Konflikt zwischen Jung und der Gruppe der Psychoanalytiker verschärfte. „Im Oktober 1913 trat Jung aus der Psychoanalytischen Vereinigung aus und gab die Funktion des Herausgebers des Jahrbuchs auf.“12 Ebenso trat er von seinem Posten als Privatdozent an der Universität Zürich zurück.

[...]


1 Ellenberger, Henry F.: Die Entdeckung des Unbewussten. Geschichte und Entwicklung der dynamischen Psychiatrie von den Anfängen bis zu Janet, Freud, Adler und Jung. Bern: Verlag Hans Huber, 1996. S. 879.

2 Vgl.: Ellenberger, 1996, S. 888f.

3 Ellenberger, 1996, S. 890.

4 Ellenberger, 1996, S. 889.

5 Ellenberger, 1996, S. 889.

6 Ellenberger, 1996, S. 891.

7 Ellenberger, 1996, S. 894.

8 Ellenberger, 1996, S. 894.

9 Ellenberger, 1996, S. 895.

10 Ellenberger, 1996, S. 895.

11 Ellenberger, 1996, S. 932.

12 Ellenberger, 1996, S. 897.


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