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Scholary Paper (Seminar), 2005, 23 Pages
Author: Dominic Hand
Subject: Rhetoric / Elocution / Oratory
Details
Institution/College: University of Tubingen (Seminar für Allgemeine Rhetorik)
Tags: Rolle, Rhetorik, Rahmen, Artes, Liberales, Rhetorik, Lernen
Year: 2005
Pages: 23
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 6 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-87527-1
ISBN (Book): 978-3-640-39080-9
File size: 3177 KB
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Abstract
Hinter der Aufgabenstellung für diese Arbeit „Die Rolle der Rhetorik im Rahmen der Artes liberales“ verbirgt sich ein sehr weitläufiges, teilweise unerforschtes und schwer greifbares Themengebiet. Bereits Uta Lindgren, die auch den Artikel über die „Artes liberales“ im Tübinger Rhetoriklexikon verfasste, spricht im Vorwort ihres Buches „Die Artes Liberales in Antike und Mittelalter“ von „[…] Skrupel, die einen im Angesicht eines so gigantischen Themas befallen […]“ können. Doch ebenso wie bei Lindgren, soll auch in dieser Arbeit durch sinnvolle Ein- wie Abgrenzung des Stoffes eine wissenschaftliche Untersuchung möglich gemacht werden, anstatt „[...] ein Klagelied anzustimmen, zumal wenn man ohnehin weder zu dichten noch zu singen vermag.“ So ist in der aktuellen Bildungsdebatte einzugestehen, dass dieses Thema nicht plötzlich aus dem Nichts auftauchte, sondern anscheinend Erkenntnisse in Vergessenheit gerieten, die unserer modernen Gesellschaft aus der Antike hätten vorliegen können. Genau diese Gegebenheit hat das besondere Interesse an dieser Hausarbeit geweckt. Bevor man sich der Aufgabenstellung widmen kann, welche Rolle die Rhetorik im Rahmen der „Artes liberales“ spielt, ist es sinnvoll in Punkt 2 zunächst eine Klärung des Begriffes unter Berücksichtigung des terminologischen wie mythologischen Hintergrundes vorzunehmen. Ist das Wesen dieser geklärt, stellt sich nun die Frage: „Wie viele und welche Fächer umfasste dieser Wissenschaftskanon gewöhnlicherweise und wie wurden diese eingeteilt?“ Hierauf soll Punkt 3 „Die Fächereinteilung der Artes liberales“ eine Antwort geben. Schon zum dortigen Zeitpunkt der Arbeit wird eine Eingrenzung des Stoffgebietes auf die „gewöhnliche“ Darstellung der „Artes liberales“ erfolgen müssen. Denn die vollständige und somit weitläufige Berücksichtigung historischer Entwicklungsaspekte hätte den geforderten Umfang dieser Hausarbeit bei weitem überstiegen. Im vierten Punkt wird die Frage geklärt werden, welche Rolle die Rhetorik im Rahmen der „Artes liberales“ im lateinischen Mittelalter gespielt hat. In der Schlussbemerkung wird nochmals Stellung bezogen zu der in der Einleitung anklingenden Problematik der aktuellen Bildungspolitik und der Rolle der „Artes liberales“ hierbei
Excerpt (computer-generated)
Eberhard Karls Universität Tübingen, Seminar für Allgemeine Rhetorik
PS: Rhetorik und Lernen (WS 05/06)
Die Rolle der Rhetorik im Rahmen der Artes Liberales
von
Dominic Hand
Inhaltsverzeichnis
1. Zur Vorgehensweise in dieser Arbeit... 3
2. Artes liberales – Begriffsklärung... 4
2.1. Die Terminologie... 4
2.2. 2.2. έγχύχλιος παιδεία (Enkýklios paideía)... 5
2.3. Die Mythologie... 6
3. Die Fächereinteilung der Artes liberales... 7
3.1. Die Entwicklung hin zum klassischen Wissenschaftskanon... 7
3.1.1. Die griechische Antike... 7
3.1.2. Die römische Antike... 9
3.2. Die Fächer des klassischen Wissenschaftskanons... 10
3.3. Die Beziehung der übrigen Fächer zur Rhetorik... 13
4. Die Rolle der Rhetorik im Rahmen des mittelalterlichen Triviums... 14
5. Schlussbemerkung... 17
Literaturverzeichnis... 20
Anhänge:... 21
Anhang 1:... 22
Anhang 2:... 23
1. Zur Vorgehensweise in dieser Arbeit
Hinter der Aufgabenstellung für diese Hausarbeit „Die Rolle der Rhetorik im Rahmen der Artes liberales“ verbirgt sich ein sehr weitläufiges, teilweise unerforschtes und schwer greifbares Themengebiet.
Bereits Uta Lindgren, die auch den Artikel über die „Artes liberales“ im Tübinger Rhetoriklexikon verfasste, spricht im Vorwort ihres Buches „Die Artes Liberales in Antike und Mittelalter“ von „[…] Skrupel, die einen im Angesicht eines so gigantischen Themas befallen […]“1 können. Doch ebenso wie bei Lindgren, soll auch in dieser Arbeit durch sinnvolle Ein- wie Abgrenzung des Stoffes eine wissenschaftliche Untersuchung möglich gemacht werden, anstatt „[...] ein Klagelied anzustimmen, zumal wenn man ohnehin weder zu dichten noch zu singen vermag.“2
Es ist interessant zu sehen, dass die aktuelle Diskussion über die allgemeine, fächerübergreifende Bildung kein Problemkind unserer Zeit ist, sondern es bereits vor Jahrtausenden ein Modell gab, welches sich dieser Problematik bewusst war und vor allem angenommen hat: Die „Artes liberales“. So ist in der aktuellen Bildungsdebatte einzugestehen, dass dieses Thema nicht plötzlich aus dem Nichts auftauchte, sondern anscheinend Erkenntnisse in Vergessenheit gerieten, die unserer modernen Gesellschaft aus der Antike hätten vorliegen können. Genau diese Gegebenheit hat das besondere Interesse an dieser Hausarbeit geweckt. Bevor man sich der Aufgabenstellung widmen kann, welche Rolle die Rhetorik im Rahmen der „Artes liberales“ spielt, ist es sinnvoll in Punkt 2 zunächst eine Klärung des Begriffes unter Berücksichtigung des terminologischen wie mythologischen Hintergrundes vorzunehmen. Ist das Wesen dieser geklärt, stellt sich nun die Frage: „Wie viele und welche Fächer umfasste dieser Wissenschaftskanon gewöhnlicherweise und wie wurden diese eingeteilt?“
Hierauf soll Punkt 3 „Die Fächereinteilung der Artes liberales“ eine Antwort geben. Schon zum dortigen Zeitpunkt der Arbeit wird eine Eingrenzung des Stoffgebietes auf die „gewöhnliche“ Darstellung der „Artes liberales“ erfolgen müssen. Denn die vollständige und somit weitläufige Berücksichtigung historischer Entwicklungsaspekte hätte den geforderten Umfang dieser Hausarbeit bei weitem überstiegen. Im vierten Punkt wird die Frage geklärt werden, welche Rolle die Rhetorik im Rahmen der „Artes liberales“ im lateinischen Mittelalter gespielt hat. In der Schlussbemerkung wird nochmals Stellung bezogen zu der in der Einleitung anklingenden Problematik der aktuellen Bildungspolitik und der Rolle der „Artes liberales“ hierbei.
2. Artes liberales – Begriffsklärung
2.1. Die Terminologie
Der lateinische Begriff „Artes liberales“ lässt sich zum erstenmal bei Cicero De inv. I 35 im 1. Jahrhundert v. Chr. als fester Terminus nachweisen: „[…] quos habuerit artium liberalium […].“3 Dieser wird heute ins Deutsche mit „freie Künste“ übersetzt. Jedoch ist bei der Übersetzung Vorsicht geboten. So ist der Singular „ars“ entgegen seiner wörtlichen Übersetzung nicht ausschließlich als „Kunst“ zu verstehen, sondern eher als „Technik, Fähigkeit, Sachgebiet“ und vor allem in der Bedeutung von „Wissenschaft“. „Liberales“ wurde zu Anfang des Mittelalters bereits einmal falsch übersetzt, indem man „liberales“ vom lat. Nomen „liber“ = dt. „Buch“ ableitete und somit unter ihr die Bücherwissenschaft verstand.
Die korrekte Übersetzung, wie sie Heute gilt und aus der Antike übernommen wurde, geht vom lat. Adjektiv „liber“ = dt. „frei“ aus. Diese Übersetzung findet ihre Bestätigung in der Tatsache, dass in der Antike darunter „[…] die eines freien Mannes würdigen Künste und Wissenschaften“4 verstanden wurden. Diesem Terminus gegenüber standen die sogenannten banausischen oder handwerklichen Fähigkeiten, bezeichnet als „Artes illiberales“, „Artes sordidae“ oder „Artes mechanicae“.5 Für den zur Vokabel erstarrten Ausdruck „Artes liberales“, finden sich in der Literatur auch häufig die Termini „disciplinae liberales, studia liberales oder litterae liberales“. Seit den „Disciplinarum libri IX“ des M. Terentius Varro im ersten vorchristlichen Jahrhundert, wurde es gebräuchlich nur noch von den „Artes“ oder „Disciplinae“ zu sprechen, da sich die Ergänzung „liberales“ von selbst verstand. Martianus Cappella, dessen biographische Daten völlig unbekannt sind6, verwandte ca. im 4 Jh. n. Chr. nur noch die Begriffe „Artes“ und „Disciplinae“ ohne jemals „liberales“ hinzugefügt zu haben.7
Ebenfalls aus dem Lateinischen leiten sich die Bezeichnung „Trivium“ und „Quadrivium“ ab, in welche die „Artes liberales“ unterteilt werden. Um dem Punkt 3.2. nicht vorzugreifen, soll hier nur eine kurze terminologische Darstellung der Begriffe erfolgen. „Trivium“ leitet sich von den lateinischen Worten „tres“ = dt. drei und „via“ = dt. Weg ab und bildet wörtlich den „Dreiweg“. „Quadrivium“ ergibt sich aus der lat. Numerale „quattuor“ = dt. vier, wie aus dem Nomen „via“ = dt. Weg und entspricht somit dem „Vierweg“.8
[Abbildung in der Downloaddatei vorhanden]
2.2. έγχύχλιος παιδεία (Enkýklios paideía)
[...]
1 Lindgren 1992 b), Vorwort
2 Lindgren 1992 b), Vorwort
3 Kühnert 1961, S. 4
4 Kühnert 1961, S. 17
5 Vgl. Kühnert 1961, S. 4
6 Vgl. Lindgren 1992 a), Sp. 1094
7 Vgl. Kühnert 1961, S. 5
8 Vgl. Ueding 1994, S. 54
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