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Das Verhältnis von Dichtung und Wahrheit in Schillers Trauerspiel Maria Stuart: Ein Vergleich der Figuren Maria und Elisabeth mit dem historischen Hintergrund

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2001, 21 Pages
Author: Claudia Schneider
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2001
Pages: 21
Grade: Sehr gut
Language: German
Archive No.: V8053
ISBN (E-book): 978-3-638-15135-1

File size: 191 KB


Excerpt (computer-generated)

Hauptseminar Literaturwissenschaft
,,Dramen der Klassik"

SS 2001

Das Verhältnis von Dichtung und Wahrheit in 
Schillers Trauerspiel ,,Maria Stuart":
Ein Vergleich der Figuren Maria und Elisabeth
mit dem historischen Hintergrund

Claudia Schneider

5. Sem. MA,
Geschichte, Germanistik, Soziologie

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 1
2. Die Gestalt Maria Stuart zur Zeit Schillers 2


2.1 Literarische Quellen 2
2.2 Historische Quellen 3

3. Das Verhältnis von Trauerspiel und Historie 5


3.1 Der historische Hintergrund 5
3.2 Dichtung und Wahrheit 7
3.3 Das Geschichtsbild Schillers 9
3.4 Fazit 11

4. Die Figuren Maria und Elisabeth im Trauerspiel 12


4.1 Der Dramenaufbau 12
4.2 Rivalinnen in der Politik 13
4.3 Rivalinnen in der Liebe 15
4.4 Das Frauenbild im 18. Jahrhundert 17

5. Was können Dramen mit historischem Hintergrund leisten? 19

Literaturverzeichnis

 

 

1. Einleitung

Mit seinem Trauerspiel ,,Maria Stuart" griff Schiller ein Thema der englischen Geschichte auf. Im 16. Jahrhundert gab es zwischen der Schottenkönigin Maria Stuart und der englischen Herrscherin Elisabeth einen Konflikt um den englischen Thron, der schließlich in der Hinrichtung Marias gipfelte.

Als angehende Historikerin interessiert es mich besonders, wie weit Schiller sich vom historischen Hintergrund gelöst hat. Sah er sich mehr als gewissenhafter Wissenschaftler oder war er in erster Linie Dichter, der einzelne Personen und Ereignisse aus der Geschichte übernahm und in seinen eigenen Kontext hineinsetzte?
Um dies beurteilen zu können, muß zunächst geklärt werden, auf welche historischen und literarischen Quellen Schiller zurückgegriffen hat und in welchem Ausmaße ihm der historische Hintergrund bekannt gewesen ist. Erst dadurch wird offenbar, wo er absichtlich von der Wahrheit abweicht und mehr Dichter als Historiker ist. In dem Verhältnis von Tragödie und Historie wird deutlich, welche Funktion Schiller der Geschichte in seinem Trauerspiel ,,Maria Stuart" eingeräumt hat.

Im weiteren untersuche ich anhand der beiden Hauptpersonen des Trauerspiels, Maria und Elisabeth, wie Schiller mithilfe der historischen Vorlage ein Drama konzipiert hat, das weit mehr bietet als nur die Darstellung eines politischen Konfliktes im England des 16. Jahrhunderts. Schiller gelingt es, die komplexe Beziehung der beiden Frauen zu schildern, deren Rivalität auf der privaten Ebene schließlich den politischen Streit entscheidet. Gleichzeitig gewährt das Trauerspiel einen Einblick in das bürgerliche Frauenbild der Zeit Schillers.

Zum Schluß gehe ich auf die Frage ein, in welchem Maße Dramen mit historischem Hintergrund wie ,,Maria Stuart" uns die Geschichte näher bringen können oder ob sie die Wahrheitsfindung vielmehr behindern durch literatur-ästhetische Veränderungen der Wirklichkeit.

2. Die Gestalt Maria Stuart zur Zeit Schillers
2.1 Literarische Quellen

Die ersten Dramen über Maria Stuart entstanden bereits kurz nach ihrem Tod, so daß sich bis zum Ende des 18. Jahrhunderts schon zahlreiche Titel angesammelt hatten.1 Einige dieser Stücke waren Schiller bekannt, so zum Beispiel der Dramenentwurf ,,Marie Stuart" von Christian Heinrich Spieß. Der Verfasser populärer Romane und Theaterstücke hatte 1784 dieses Stück dem Mannheimer Nationaltheater zur Aufführung angeboten, doch der Bühnenausschuß, in dem auch Schiller saß, lehnte es ab. Spieß konzipierte sein Drama als melodramatische Liebes- und Eifersuchtstragödie, in deren Zentrum Marias Page Douglas und der Herzog von Norfolk stehen.2
In einem Beitrag aus dem Jahre 1907 betont Karl Kipka3, daß Schiller auch die Dramen von den Engländern Banks und St. John gekannt haben könnte, da er in Weimar Kontakt zu zwei Engländern hatte. Das Stück von John Banks erschien um 1686 und kennt bereits zwei Zusammentreffen der Königinnen. ,,Mary Queen of Scots" von John St. John wurde 1789 uraufgeführt, hatte aber kaum Ähnlichkeit mit Schillers Drama. Bemerkenswert ist dabei, daß Schiller in seinen ersten Entwürfen Figuren von St. John übernommen hatte, die er aber später wieder strich.
Doch nach Christian Grawe sei keines der zahlreichen Stücke über Maria Stuart mit der Tragödie Schillers zu vergleichen. ,,Sie bleiben durchweg im Sentimentalen stecken und sind dramatisch ungelenk."4

Aber auch wenn diese Dramen an Schillers Niveau nicht herankommen, dürfen sie nicht völlig außer acht gelassen werden, denn nicht erst Schiller nahm sich die Freiheit heraus, die Geschichte ein wenig zu ändern. Wie bereits erwähnt stammen sowohl die Begegnung der beiden Königinnen wie auch die beiden Figuren eines Retters und eines Maria zugeneigten Höflings aus früheren Dramen.

2.2 Historische Quellen

[...]

1 Grawe, Christian: Erläuterungen und Dokumente. Friedrich Schiller - Maria Stuart; Stuttgart 1999, S. 98.

2 Ebd. S. 100.

3 Kipka, Karl: Maria Stuart im Drama der Weltliteratur vornehmlich des 17. und 18. Jahrhunderts. Ein Beitrag zur vergleichenden Literaturgeschichte. Leipzig 1907. Breslauer Beiträge zur Literaturgeschichte IX.; zit. in Grawe, C.: Erläuterungen und Dokumente S. 99.

4 Grawe, C.: Erläuterungen und Dokumente S. 100.


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