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Die Bedeutung von kultur- und gesellschaftsspezifischen Handlungsregeln für den Integrationserfolg von Kindern mit Migrationshintergrund

Essay, 2005, 6 Pages
Author: Sven Köhler
Subject: Sociology - Culture, Technology, Peoples / Nations

Details

Category: Essay
Year: 2005
Pages: 6
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 7  Entries
Language: German
Archive No.: V80669
ISBN (E-book): 978-3-638-87935-4

File size: 56 KB

Abstract

Dieser Text basiert auf einem Bericht von Stefanie Adamczyk, der am 2. März 2005 unter der Überschrift »Verschollen an deutschen Schulen« in der »taz« erschien und sich mit den schulischen und den daraus resultierenden beruflichen Perspektiven von Kindern mit Migrationshintergrund im deutschen Schulsystem beschäftigt. Ich möchte versuchen, der Frage nachzugehen, welche Rolle das Erlernen von kulturspezifischen Handlungsregeln, etwa typische Brauchtümer oder spezifischer Kommunikationsarten und –ausprägungen, für den Integrationserfolg, insbesondere im Bereich der Schule spielen kann.


Excerpt (computer-generated)

Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt/Main
Einführung in das grundwissenschaftliche Studium der
Sozialwissenschaften für LehramtsstudentInnen
Sommersemester 2005, 22. April 2005

Die Bedeutung von kultur- und gesellschaftsspezifischen Handlungsregeln
für den Integrationserfolg von Kindern mit Migrationshintergrund

von

Sven Köhler
 


Dieser Text basiert auf einem Bericht von Stefanie Adamczyk, der am 2. März 2005 unter der Überschrift »Verschollen an deutschen Schulen« in der »taz« erschien und sich mit den schulischen und den daraus resultierenden beruflichen Perspektiven von Kindern mit Migrationshintergrund im deutschen Schulsystem beschäftigt. Ich möchte versuchen, der Frage nachzugehen, welche Rolle das Erlernen von kulturspezifischen Handlungsregeln, etwa typische Brauchtümer oder spezifischer Kommunikationsarten und –ausprägungen, für den Integrationserfolg, insbesondere im Bereich der Schule spielen kann. Schon Montaigne sagte »Kurz, jedes Volk hat gewisse Gewohnheiten und Gebräuche, die den anderen nicht allein unbekannt sind, sondern auch wild und wunderbar vorkommen.«1

Durch die weiter steigende Zahl von Einwandererkindern in den Schulen gewinnt die Frage nach geeigneten Integrationsmaßnahmen und der Herstellung von Chancengleichheit immer größere Bedeutung und dürfte sich zu einer der Hauptfragen unserer Gesellschaft entwickeln. So stehen beispielsweise einem Ausländeranteil von rund 12 % an bundesdeutschen Grundschulen, ganze 19 % an Hauptschulen gegenüber, während nur magere 4 % der Kinder mit Migrationshintergrund nach der Grundschule auf ein Gymnasium wechseln.2 Die folgend aufgeführte Position soll zeigen, dass eine erfolgreiche Integration ohne das Erlernen der kulturspezifischen Handlungsregeln unmöglich ist und die Schule hier einen wichtigen Beitrag leisten kann und muss, will man nicht in eine Gesellschaft der Verständnis- und Verständigungslosigkeit abdriften.

Martina Rost-Roth vertrat eine Forderung dieser Art schon im Jahre 1996 in ihrem Aufsatz »Deutsch als Fremdsprache und interkulturelle Kommunikation«3. Da ihrer Ansicht nach davon auszugehen sei, dass interkulturelle Kommunikation ein hohes Potential für Verständigungsprobleme und Fehlkommunikationen biete, müssten deshalb »kompensatorische Maßnahmen« fester Bestandteil des Curriculums sein. Dieser Ansatz, der ein stärkeres Engagement seitens der Schulinstitutionen zur Vermittlung interkultureller Kommunikation einfordert, könnte zunächst als eine zu weitreichende Intervention in die kulturelle Vielschichtigkeit der Klassengemeinschaft und der diese konstituierenden Individuen, einschließlich deren familiär-sozialer Hintergründe angesehen werden. Dazu lässt sich anmerken, dass bei obigem Ansatz aber eindeutig das freiwillige Erlernens von Handlungsregeln und nicht das Aufzwingen ebendieser im Vordergrund steht. Die Schüler sollen schlichtweg die Möglichkeit erhalten, die Spezifikationen des sie umgebenden Kulturkreises kennen und erst in einem zweiten Schritt auch schätzen und aufnehmen zu lernen.

[...]


1 Montaigne, Band 3, S. 369.

2 Veröffentlichung des Statistischen Bundesamtes vom 12. November 2004 (http://www.destatis.de/basis/d/biwiku/schultab9.php).

3 Rost-Roth in: Zeitschrift für Interkulturellen Fremdsprachenunterricht, Jg. 1, Nr. 1, 1996.


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