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Subtitle: Komposition und Hintergründe des hinduistischen Tempelbaus
Scholary Paper (Seminar), 2006, 24 Pages
Author: Sven Köhler
Subject: Theology - Comparative Religion Studies
Details
Tags: Hindu-Tempel, Mikrokosmos, Makrokosmos
Year: 2006
Pages: 24
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 30 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-87937-8
ISBN (Book): 978-3-638-87945-3
File size: 1029 KB
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Abstract
»Die Architektur ist die erstarrte Musik“, sagte einst FRIEDRICH WILHELM JOSEPH VON SCHELLING. Ich füge hinzu: Lasst uns die Saiten zum Klingen und Schwingen bringen.« So ist es denn auch die Absicht dieser Arbeit, dem Leser und Betrachter die zugrundeliegende Komposition und die Hintergründe des hinduistischen Tempelbaus als »bedeutendste[m] architektonische[n] Ausdruck einer lebendigen Weltreligion« anhand einer näheren Untersuchung besser verständlich zu machen. Im Mittelpunkt steht hierbei der Grundriss des Hindu-Tempels: Anknüpfend an das obige Zitat stellt er sozusagen den Notenschlüssel dar, ohne den sich die Bedeutung der Notenlinien – respektive des Tempels – nicht erschließen und das geforderte »Klingen und Schwingen« unmöglich werden ließe. Weiterhin soll in den anschließenden Ausführungen stets der Titel dieser Arbeit präsent sein: Kann der Hindu-Tempel ob seiner zahlreichen und nachfolgend näher beschriebenen – kosmologischen, mythologischen sowie astronomischen Beziehungen womöglich als »Miniaturrekonstruktion« des Universums angesehen werden? Der Komplexität der Thematik ist allerdings eine Beschränkung auf Grundlinien und eine bisweilen starke Vereinfachung geschuldet. Der Leser möge die teils abrupten Übergänge, die sich in einigen Passagen beim Wechsel von der Verallgemeinerung zur detaillierten Beschreibung und umgekehrt ergeben, verzeihen.
Excerpt (computer-generated)
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Fachbereich Evangelische Theologie – Religionswissenschaft
Einführung in die Vergleichende Religionswissenschaft
SS 2006, 24. August 2006
Der Hindu-Tempel - Mikrokosmos im Makrokosmos?
von
Sven Köhler
INHALT
1 Hauptteil... 4
1.1 Funktion des Hindu-Tempel... 4
1.2 Architektonische Auffälligkeiten... 5
1.3 Der Tempelgrundri... 10
1.3.1 Bestimmung des Tempelgrundrisse... 10
1.3.2 Das Vastupurushamandala... 10
1.3.3 Bedeutung des Vastupurushamandala... 14
1.3.4 Typen des Vastupurushamandala... 16
1.3.5 Mandukamandala und Paramasaayikamandala... 18
1.4 Bedeutung der Mathematik für den Tempelbau... 20
2 Schlussbetrachtung... 21
3 Literatur- und Quellenverzeichni... 22
3.1 Printquellen... 22
3.2 Onlinequellen... 23
1. VORBEMERKUNG
»Die Architektur ist die erstarrte Musik“, sagte einst FRIEDRICH WILHELM JOSEPH VON SCHELLING. Ich füge hinzu: Lasst uns die Saiten zum Klingen und Schwingen bringen.«1 So ist es denn auch die Absicht dieser Arbeit, dem Leser und Betrachter die zugrundeliegende Komposition und die Hintergründe des hinduistischen Tempelbaus als »bedeutendste[ m] architektonische[n] Ausdruck einer lebendigen Weltreligion«2 anhand einer näheren Untersuchung besser verständlich zu machen. Im Mittelpunkt steht hierbei der Grundriss des Hindu-Tempels: Anknüpfend an das obige Zitat stellt er sozusagen den Notenschlüssel dar, ohne den sich die Bedeutung der Notenlinien – respektive des Tempels – nicht erschließen und das geforderte »Klingen und Schwingen« unmöglich werden ließe. Weiterhin soll in den anschließenden Ausführungen stets der Titel dieser Arbeit präsent sein: Kann der Hindu-Tempel ob seiner zahlreichen – und nachfolgend näher beschriebenen – kosmologischen, mythologischen sowie astronomischen Beziehungen womöglich als »Miniaturrekonstruktion«3 des Universums angesehen werden?
Der Komplexität der Thematik ist allerdings eine Beschränkung auf Grundlinien und eine bisweilen starke Vereinfachung geschuldet. Der Leser möge die teils abrupten Übergänge, die sich in einigen Passagen beim Wechsel von der Verallgemeinerung zur detaillierten Beschreibung und umgekehrt ergeben, verzeihen. Da aus technischen Gründen auf eine korrekte Transkription der Sanskrit-Terminologie verzichtet werden musste, orientieren sich die verwendeten Begriffe an derjenigen deutschen Übersetzung, wie sie in den Ausführungen von MICHELL, oder falls dort nicht vorhanden, in den jeweils einschlägigen Quellen verwendet wird. Zum Aufbau sei angemerkt, dass sich dieser VORBEMERKUNG ein viergliedriger HAUPTTEIL anschließt, der wiederum von einer SCHLUSSBETRACHTUNG gefolgt wird, in der die wichtigsten Erkenntnisse der Arbeit nochmals festzuhalten versucht werden. Den Abschluss bildet schließlich das LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS.
1 HAUPTTEIL
Der nachfolgende Teil gliedert sich in drei Abschnitte: Zunächst sollen einige Ausführungen zum Hindu-Tempel und dessen Funktion im allgemeinen ein besseres Vorverständnis ermöglichen, ehe im Anschluss auf Grundlinien der Tempelarchitektur und besondere Auffälligkeiten ebendieser eingegangen wird. Darauf folgt schließlich der eigentliche Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit, indem der Grundriss des Tempels beleuchtet wird. Die Ausführungen werden an zahlreichen Stellen immer wieder durch Bildmaterial unterstützt, das die im Text genannten Begriffe und Charakteristika veranschaulichen, sowie ein besseres Verständnis ermöglichen soll.
1.1 FUNKTION DES HINDU-TEMPELS4
Ziel des Hindu-Tempel ist es, eine Verbindung zwischen Menschen und Göttern zu schaffen. In ihm erscheinen die Götter den Menschen. Der Vorgang, durch den dieser Kontakt hergestellt wird, umfasst eine Reihe von Vorstellungen und Glaubenssätzen, die eine komplexe Symbolik in sich schließen: Grundthema hinduistischen Denkens ist die Erlösung des Menschen aus einer Welt der Illusionen, in die er wiederkehrend hineingeboren wird. Die Architektur des Hindu-Tempels stellt dieses Streben symbolisch dar, indem sie den Versuch unternimmt, die Grenzen zwischen Menschlichem und Göttlichem aufzulösen. An erster Stelle steht die Identifizierung des Göttlichen und des Universums mit dem Gefüge des Tempels. Diese wird mittels Form- und Sinngebung jener architektonischen Elemente erreicht, die für den Tempel als fundamental gelten und an späterer Stelle detaillierter beschrieben werden. Eine Sprache präziser Bemessungen wird geschaffen, die eine symbolische Realisierung der zugrundeliegenden kosmischen Vorstellungen zulässt. Die Beziehung, die sich im Hindu-Tempel zwischen Formen und ihren Bedeutungen entwickelt, ist wesentlich für die Funktion des Tempels als Brücke zwischen Göttern und Menschen. Die devotionalen Kulte, denen der Hindu-Tempel dient, konzentrieren sich zwangsläufig auf das Götterbild oder -symbol des Tempels, doch erstreckt sich die Verehrung übergreifend auf den Tempel insgesamt. Folglich ist der Tempel nicht nur ein Ort, sondern auch Gegenstand der Verehrung. Die Gottheit, die sich im Innern des Sanktuariums zeigt, kann sich auch im Bau des Tempels selbst offenbaren. Aus dieser Sicht gelten auch die architektonischen Komponenten des Tempels als Beschwörungsformeln der göttlichen Anwesenheit.
1.2 ARCHITEKTONISCHE AUFFÄLLIGKEITEN5
a) Die Götter des Hinduismus fühlen sich stets zu Bergen und Höhlen hingezogen, und diese geographischen Merkmale haben eine große Bedeutung für die Symbolik und die äußere Erscheinungsform des Tempels. Dass der Tempel selbst als ein Berg betrachtet wird, zeigt sich an den Namen Meru und Kailasa für existierende Tempel.6 Der Berg Meru ist das Zentrum des Universums, Orientierungspunkt für die ihn umgebenden, konzentrisch angeordneten Kontinente, Meere und Himmelskörper. Kailasa ist der himmlische Aufenthaltsort Shivas, des höchsten Berggottes.
ABBILDUNG 1 [Abbildung in der Downloaddatei vorhanden]
Hauptschrein des aus dem 8. Jahrhundert n. Chr. stammenden und dem südlichen Stil zuzurechnende KAILASA-Tempels in ELLORA. Der freistehende Tempel ist von oben nach unten aus dem gewachsenen Fels herausgemeißelt.7
[...]
1 HETTERICH, WERNER L. (*1945), dt. Architekt.
2 MICHELL, GEORGE: Der Hindu-Tempel: Baukunst einer Weltreligion, Köln: DuMont 1991. Klappentext.
3 MICHELL, S. 89.
4 Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf: MICHELL, S. 75-77.
5 Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf: MICHELL, S. 86-89. 6 ZAUNSCHIRM, THOMAS: Zur Ikonologie des Indischen Tempels. Von der Ikonographie zum tantrischen Gehalt. In: Kunsthistorisches Jahrbuch Graz 18, 1982, S. 21. 7 WORLD-MYTERIES.COM: Mystic Places – Kailasa Temple. Online: http://www.worldmysteries. com/mpl_11.htm (Stand: 21. August 2006).
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