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Welche Form der Anerkennung bedingt soziale Gerechtigkeit? - Das Statusmodell von Nancy Fraser vs. Anerkennungstheorie von Axel Honneth

Termpaper, 2006, 19 Pages
Author: Nina Reißler
Subject: Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)

Details

Event: Positionen der zeitgenössischen politischen Philosophie
Institution/College: University of Mannheim
Tags: Welche, Form, Anerkennung, Gerechtigkeit, Statusmodell, Nancy, Fraser, Anerkennungstheorie, Axel, Honneth, Positionen, Philosophie
Category: Termpaper
Year: 2006
Pages: 19
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 4  Entries
Language: German
Archive No.: V80680
ISBN (E-book): 978-3-638-87467-0

File size: 78 KB

Abstract

In Umverteilung oder Anerkennung? Eine politisch-philosophische Kontroverse setzen sich Axel Honneth und Nancy Fraser mit dem Begriff der Anerkennung in Bezug auf soziale Gerechtigkeit auseinander. Obwohl es hierbei auch um Fragen der Verteilungsgerechtigkeit geht, möchte ich in meiner Hausarbeit auf die diese weitgehend verzichten und mich statt dessen auf Frasers Ablehnung der ethischen und psychologischen Aspekte der Anerkennungstheorie beschränken. Zunächst werde ich in meiner Arbeit darstellen, welche Bedingungen und Lösungsvorschläge Axel Honneth und Nancy Fraser für soziale Gerechtigkeit vorschlagen. Hierbei werde ich an den traditionellen Anerkennungsbegriff von Hegel anknüpfen und die Erweiterung durch Honneth darstellen. Alsdann werde ich Nancy Frasers neue Konzeption der Anerkennung und vor allem die Abwendung von der Psychologisierung des Begriffs erläutern.


Excerpt (computer-generated)

Universität Mannheim
HS: „Positionen der zeitgenössischen politischen Philosophie“
SS 2006
30.10.2006
 

Welche Form der Anerkennung bedingt soziale Gerechtigkeit?
Das Statusmodell von Nancy Fraser
vs.
Anerkennungstheorie von Axel Honneth

Nina Reißler
Philosophie/Germanistik BA
6. Semester
 

1. Einleitung  3
2. Axel Honneths Anerkennungsheorie  4
    2.1 Rückbezug auf den Hegelschen Anerkennungsbegriff 4
    2.2 Aktualisierung des Anerkennungsbegriffs  6
3. Nancy Frasers neue Konzeption der Anerkennungstheorie - Das Statusmodell 11
    3.1 Deontologischer Ansatz: Anerkennung als Gerechtigkeitsproblem. 11
    3.2 Anti-Psychologisierung  12
    3.3 Partizipatorische Parität  13
    3.4 Anerkennung wovon 15
4. Kritische Stellungnahme  16
    4.1 Widerspruch in der deontologischen Konzipierung des Statusmodells 16
    4.2 Inkonsistenz des Konzepts der Anti-Psychologisierung 17
5. Literaturverzeichnis19
Sekundärliteratur: 19

 

1. Einleitung

In Umverteilung oder Anerkennung? Eine politisch-philosophische Kontroverse setzen sich Axel Honneth und Nancy Fraser mit dem Begriff der Anerkennung in Bezug auf soziale Gerechtigkeit auseinander. Obwohl es hierbei auch um Fragen der Verteilungsgerechtigkeit geht, möchte ich in meiner Hausarbeit auf die diese weitgehend verzichten und mich statt dessen auf Frasers Ablehnung der ethischen und psychologischen Aspekte der Anerkennungstheorie beschränken.

Zunächst werde ich in meiner Arbeit darstellen, welche Bedingungen und Lösungsvorschläge Axel Honneth und Nancy Fraser für soziale Gerechtigkeit vorschlagen.
Hierbei werde ich an den traditionellen Anerkennungsbegriff von Hegel anknüpfen und die Erweiterung durch Honneth darstellen. Alsdann werde ich Nancy Frasers neue Konzeption der Anerkennung und vor allem die Abwendung von der Psychologisierung des Begriffs erläutern. In meinem Kritikteil möchte ich dann mit Hilfe Christopher F. Zurns Aufsatz Identity or Status? die Frage klären, ob Anerkennung tatsächlich wie von Fraser behauptet von der psychologischen Komponente losgelöst werden sollte und ob dies überhaupt möglich ist.

2. Axel Honneths Anerkennungsheorie

2.1 Rückbezug auf den Hegelschen Anerkennungsbegriff

Die grundlegende Idee der Anerkennungstheorie geht auf die Phänomenologie des Geistes von Hegel zurück. Diese besagt, dass die menschliche Existenz sich nicht allein durch das Bewusstsein (siehe Déscartes), sondern insbesondere durch die Begierde nach Anerkennung auszeichnet. Das Selbstbewusstsein des Menschen entsteht, indem er von anderen Menschen anerkannt wird. Es reicht ihm nicht aus, sich selbst einen Wert beizumessen, er will zudem, dass der einzelne Wert seiner Person von allen, allgemein anerkannt wird1.

In Kampf um Anerkennung geht Axel Honneth auf weitere Schriften Hegels ein, die wichtig für das Verständnis des Anerkennungsbegriffs im traditionellen Sinne sind. Im Folgenden werde ich die für meine Hausarbeit wichtigsten Gedanken zusammenfassen: Hegel bezieht sich zumindest formell auf Fichtes Sittlichkeitsprinzip, dass die absolute Selbständigkeit des Ichs, also dessen Autonomie bezeichnet.
Das sittliche Verhältnis einer Gesellschaft konstituiert sich nun durch intersubjektive Anerkennungsbeziehungen, wobei jede einzelne Person in seiner „Ganzheit“ verstanden werden will.
Es gibt drei Stufen in der Entwicklung des Selbstbewusstseins eines Menschens:
Als erstes erfährt der Mensch als Kind die Liebe und Anerkennung seiner Familie und insbesondere seiner Eltern. In dieser Phase „erkennen die Subjekte sich reziprok als liebende, emotional bedürftige Wesen an“2.

Hegel stellt die These auf, dass die „Liebe“ sowohl ein „Element“, als auch eine „Ahnung“ der Sittlichkeit bezeichnet. Axel Honneth deutet diese These wie folgt: „[...] nur das Gefühl, grundsätzlich in seiner Triebnatur anerkannt und bejaht zu werden, läßt in einem Subjekt überhaupt das Maß an Selbstvertrauen entstehen, das zur gleichberechtigten Partizipation an der
politischen Willensbildung befähigt.“3

Die „Ahnung“ der Sittlichkeit betrifft das Gefühl des „Geliebtwerdens“, ohne das eine Vorstellung des sittlichen Gemeinwesens nicht möglich wäre. Zweitens ist die Phase der Eigenständigkeit des Individuums durch den allgemeinen Rechtsanspruch gekennzeichnet, der an die Stelle des partikularen Geltungsanspruchs in der Familie tritt. Dabei handelt es sich um vertraglich geregelte Besitzansprüche und Tauschbeziehungen, die eine andere Ebene der sozialen Interaktion und Anerkennung darstellen. Die dritte Stufe ist der Übergang von der „natürlichen Sittlichkeit“ zur „absoluten Sittlichkeit“. Sie ist ein ständiger „Kampf um Anerkennung“, indem das bisherige Beziehungsgeflecht konflikthaft unterbrochen wird.


1 Vgl. Kojève, S. 76
2 Honneth (2003), S. 34
3 Honneth (2003), S. 66


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